Wie lange dauert es (ziemlich erschöpft).

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Beitrag von Hilfe? - 24.01.12 - 08:59 Uhr

Hallo & folgendes "Problem".

Ich kam schon immer sehr schlecht mit meinen Eltern aus, daher habe ich mit 16 die Flucht ergriffen und bis ausgezogen. Ich habe damals eine Ausbildung gemacht, die mir überhaupt keinen Spaß machte. Ich habe sie nur durchgezogen, weil mir mein Vater klipp und klar gesagt hat, dass er keinen Unterhalt für eine zweite bezahlen muss und es ihm total egal ist, ob ich mein Grab schaufle und in der Fabrik ende. So lebte ich mit 16 in einer WG mit total wenig Geld und wenig Aussichten, was der totale Stressfaktor war.

Glücklicherweise bin ich an ein Mädchen geraten, der es ähnlich ging und sie hat herausgefunden, dass man ggf. Schülerbafög fürs Abi bekommt, wenn man einen guten RS Abschluss und eine abgeschlossene Ausbildung hat. Das hat tatsächlich geklappt und ich konnte das Abi nachmachen. Anschließend habe ich zwei Jahre Vollzeit gearbeitet (in meinem gelernten, aber ungeliebten Beruf), um irgendwelche finanzielle Grundlagen für ein Studium zu schaffen.

Das Studium habe ich fast komplett selbst finanziert (inklusive Auslandssemester), ich war also immer in dieser Dauerbelastung - Arbeiten - Studieren. Um mich weiter zu qualifizieren, habe ich ständig noch Zusatzsachen belegt, weil ich immer total Angst vor Arbeitslosigkeit hatte (diese Angst war z.T. schon total irrational), das Problem war, dass ich im Studium so irre wenig Geld hatte (alles mit einem 400 Euro Job finanziert), dass selbst der Hartz 4 Satz ein Paradies dagegegen war.

Dann "Grande Katastophe". Zu Studienabschluss war ich schwanger, ich habe wirklich gerbeitet wie ein Tier (Nebenjob, Magisterarbeit, Lernen für die Prüfungen, ...) und vier Stunden Schlaf waren schon fast Luxus. Das war auch im ersten Jahr nach der Geburt so. Dann habe ich es geschafft, ich habe eine Stelle an Land gezogen und war zumindest finanziell abgesichert. Meinen damaligen Freund habe ich geheiratet, er machte sich damals selbstständig (das hält sich selbt, wirft aber kaum etwas ab).

8 Jahre habe ich Vollzeit gearbeitet und mich mit meinem Chef auf ein Arbeitsmodell geeinigt, das mir erlaubte, für die Kinder dazusein, also von 7.30 - 12.00 in die Arbeit, dann die Kinder und abends nach 18.00 wieder arbeiten. Ging super, jahrelang, ich habe auch noch zwei Kinder bekommen. Allerdings hatte ich nie Zeit für mich. Meine Abteilungsleiterin war eine sehr schwierige Person, immer, wenn ich sagte, ich würde gerne reduzieren, sagte sie, dann wäre ich bei der nächsten Umstrukturierung weg.

Letztes Jahr ging alles nicht mehr - wir rutschten in eine tiefe Ehekrise, ich war nur noch müde und wenn morgens der Wecker klingelte, dann dachte ich immer "nein, das schaffe ich nicht". Ich habe das dann total ehrlich meinem neuen Chef geschildert und er bot sofort eine Teilzeitstelle an. Die habe ich angenommen und er hat z.B. dafür gesorgt, dass ich einen Tag in der Woche überhaupt nicht kommen muss.

Eigentlich habe ich nun riesig viel Zeit und ich wollte mich eigentlich das Jahr über total entspannen, aber irgendwie hält dieser Erschöpfungszustand an. Hat irgendwer hierzu Erfahrungen? Wie lange dauert das?

Beitrag von lichtchen67 - 24.01.12 - 09:10 Uhr

Hast Du mal mit Deinem Arzt darüber gesprochen?

Lichtchen

Beitrag von Hilfe? - 24.01.12 - 09:14 Uhr

Ja,

das half aber nichts. Wir wohnen hier auf dem platten Land, er ist ziemlich alt und der einzige hier. Er meinte nur "früher hatten Leute sechs Kinder, einen Bauernhof und viel Arbeit" ....

Beitrag von lichtchen67 - 24.01.12 - 09:26 Uhr

Na das ist super #aerger

Dauerhafte Erschöpfungszustände, wenn Du objektiv gesehen eigentlich Zeit hast Dich zu erholen, deuten ja schon auf was "depressives" hin sage ich jetzt mal so lapidar. Mit so einem Arzt ist einem da natürlich nicht geholfen.

Hast Du mal versucht über Yogakurse oder Entspannungsmethoden erlernen zur Ruhe zu kommen? sowas wird oft von Krankenkasse übernommen und angeboten. Man kommt raus und tut was für sich...

Wie gesagt, wenn es was krankhaftes ist wie Depression wird das nur leider nicht helfen, aber vielleicht auch nicht schaden.

Oder was therapeutisches? Du beschreibst einen komplizierten Lebensweg, vielleicht liegt da was im Argen? Da kannst Du vielleicht mal bei der Caritas was suchen..... da brauchst Du keinen Hausarzt für.

Lichtchen

Beitrag von Hilfe? - 24.01.12 - 09:32 Uhr

Hallo,

ich fühle mich eigentlich nicht depressiv, sondern ziemlich fröhlich, also meine Grundstimmung ist nicht düster, es ist mehr so, dass ich ganz oft denke "oh, Mann, das schaffe ich jetzt nicht".

Beitrag von schoene-neue-welt - 24.01.12 - 09:28 Uhr

"früher hatten Leute sechs Kinder, einen Bauernhof und viel Arbeit"

Aber nicht so viel psychischen Stress, immer und ständig alles geben zu müssen. Und das auch noch erfolgreich durchzuziehen jahrelang......ist doch klar, dass man irgendwann erschöpft ist davon. Burn Out?

Beitrag von schoene-neue-welt - 24.01.12 - 09:26 Uhr

Man könnte meinen, ich hätte das geschrieben, unsere Lebensläufe und Situationen sind sehr ähnlich. Bei mir hält es schon 2 Jahre an, es zeigt sich aber Licht am Himmel: meine Energie kehrt langsam aber sicher zurück.

Beitrag von Hilfe? - 24.01.12 - 09:33 Uhr

Hi,

hast du das von selbst in Griff bekommen oder musstest du Hilfe in Anspruch nehmen? Ich war sonst eigentlich immer ziemlich leistungsstark, daher irritiert mich diese Flaute nun so ....

Beitrag von schoene-neue-welt - 24.01.12 - 09:59 Uhr

Ich war auch extrem leistungsstark mein Leben lang, es gab nichts, was ich nicht geschafft habe. Letztes Jahr habe ich es dann manchmal nicht geschafft, rechzeitig aufzustehen.....

Ich habe es alleine in den Griff bekommen.

Beitrag von 123Frau - 24.01.12 - 09:38 Uhr

Guten Morgen,

ich kann nicht beurteilen, ob eine Krankheit sich hinter deinem Erschöpfungszustand verbirgt, deswegen dazu keinerlei Kommentar, da weißt du selber, dass du einen Arzt deswegen konsultieren solltest. ABER ich kenne dieses jahrelange Funktionieren, sich selbst nicht spüren, alles erledigen, dauernd unter Strom sein, Angst vor der Existenz, ect.

Seit einem Jahr habe ich weniger Stress, musste und muss mich allerdings noch auf die neue Situation einstellen, Zeit für mich zu verbringen. Entlastung hat mir eine Putzhilfe gebracht bis letzte Woche, jetzt habe ich mich zum Fitness angemeldet und zum Zumba-Kurs (fast besser als jedes andere Mittel, weil man unentwegt eine Stunde lächelt und sich bewegt).

Hinter mir liegt auch eine Gesprächstherapie, die mir sehr viel gebracht hat. Habe alles, was mich bewegt hatte bis dato, dort lassen können. Ich muss heute nicht mehr darüber reden, weil es abgehakt ist.

Plan dich selber in deinem Leben ein, mach dir Termine, werde aktiv. Ich denke, dass es bei mir noch ein wenig dauern wird, bis ich mich selber wieder gut spüren kann, aber bin da zuversichtlich.

Alles Liebe für dich.

Beitrag von starshine - 24.01.12 - 15:53 Uhr

Puh.... ja, ich habe auch angefangen mich wieder einzuplanen. Mache allerdings anstatt Zumba Yoga :-)

Die Gesprächstherapie dauert noch an, aber ich merke auch, dass ich ganz viele Dinge dort lassen kann und es mir langsam besser geht.

Schön, dass wir alle auf dem Weg zur Besserung sind!

Beitrag von bumblebees - 24.01.12 - 11:01 Uhr

Hallo,

meine Güte, was Du alles geschafft hast, ist wirklich beachtlich.

Was mir nur auffällt ist, daß Du neben der Arbeit, dem Studium und den Kindern absolut nichts erwähnst, was so klingt, als würdest Du es nur für Dich tun. Platt gesagt - ein Hobby.

Wenn Du Zeit für Dich hast, aber trotzdem die ganze Zeit unter Strom stehst, hilft es Dir vielleicht, wenn Du mal etwas nur für Dich allein tust. Nicht, weil Du es mußt oder für etwas brauchst, sondern einfach so. Kann ja ruhig etwas "sinnfreies" sein.

Geh schwimmen (ohne Kinder), fang an zu töpfern oder zu malen. Lern ein Instrument oder eine Sprache (wobei das schon fast wieder zu sehr nach Arbeit klingt).

Mach' irgendetwas nur für Dich. Geh allein ins Kino oder in ein Museum oder verplempere ein paar Stunden in einer Bibliothek.

Ich glaube, Du mußt erst lernen Dich zu entspannen, nach dem arbeitsintensiven Leben, das Du bis jetzt hattest. Du bist es schlicht und ergreifend nicht gewöhnt, irgendetwas zu machen, was nicht unbedingt nötig ist.

Also, such' Dir eine zweckfreie Beschäftigung und hab' Spaß damit! ;-)

Ganz liebe Grüße,
BumbleBees

Beitrag von loewe-83 - 24.01.12 - 12:39 Uhr

Ich kenne diese dauerhafte Überbelastung sehr gut. Gerade während des Studiums!

Ich habe irgendwann nach dem Praxissemester die Reißleine gezogen und habe 6 Monate nichts gemacht.
Mein Arzt sagte mir in der Zeit, ich war kurz vorm Burnout - nicht aufstehen können, nur müde, nicht schlafen können etc! Die 6 Monate habe ich instinktiv pausiert. Danach ging es wieder sehr gut voran.

Mittlerweile habe ich wieder ähnlichen Stress. Ich habe vor kurzem einen Kurs für autogenes Training belegt. Das hilft mir persönlich extrem weiter. Ich kann besser einschlafen und mich besser entspannen. Außerdem habe ich gelernt, immer wieder Dinge für MICH zu machen und mich abzugrenzen und nicht immer zu versuchen es anderen Recht zu machen!

An deiner Stelle würde ich zum Arzt gehen!

LG