Hallo,
dieser Beitrag:
http://www.bild.de/news/ausland/sterbehilfe/rugby-spieler-locked-in-syndrom-will-sterben-22251174.bild.html
hat mich mal dazu bewegt, hier eine kleine Diskussionsrunde zu eröffnen. Wie seht ihr das? Ich selber habe im Februar meine Mutter an Krebs verloren und sie hat mich in den ganzen Jahren voller Schmerzen oft gebeten, man möge sie erlösen. Sie hat mir oft gesagt, dass man ein Tier "hinüberschickt", wenn es zu sehr leidet, aber der Mensch muss warten, bis der Körper von alleine resigniert. Sie hatte ein starkes Herz...
Ich hoffe ich ecke hier mit meiner Umfrage nicht an. Mich würde nur interessieren, wie es andere sehen.
LG Lemon007
Sterbehilfe: Ja oder nein
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Beitrag von lemon007 - 25.01.12 - 14:17 Uhr
Beitrag von zeitblom - 25.01.12 - 14:46 Uhr
Jeder mag zwar ueber sein eigenes Leben bestimmen wollen, doch andere zur Toetung aufzufordern, und sei es als "Hilfe", oder gar aus der "Sterbehilfe" ein Geschaeft zu machen, finde ich nicht akzeptabel.
Beitrag von white-blank-page - 25.01.12 - 15:59 Uhr
Nun, da ist dann gefragt, ab wann ist es unzumutbar?
Ein Beispiel: Wenn ich jetzt in einer Klinik an Maschinen angeschlossen bin, die mich am Leben erhalten. Ich kann diese Maschinen selbst nicht ausschalten, vielleicht bin ich gelähmt, wer weiss.
Ich habe aber via Patientenverfügung festgehalten, eben so nicht leben zu wollen.
Dann wird jemand diese Maschinen ausschalten.
Damit wird er mich genau genommen töten, aber ich will es so.
Ist diese Situation für dich inakzeptabel?
Beitrag von zeitblom - 25.01.12 - 16:08 Uhr
Ich denke, so etwas kann wirklich nur im Einzelfall von den Aerzten gemeinsam mit den naechsten Angehoerigen entschieden werden. Ein Mensch, der z.B. seit Monaten im Koma liegt und nur kuenstlich am "Leben" erhalten wird, ist meiner Ansicht nach nicht mit diesem gelaehmten Mann zu vergleichen.
Passive Sterbehilfe finde ich daher eher akzeptabel, insbesondere wenn sie strengen Kriterien und Kontrollen unterliegt. Dass dann immer auch finanzielle Interessen eine Rolle spielen und nicht nur Barmherzigkeit wird wohl nicht zu vermeiden sein. Ein Grund mehr, die Huerden hoch zu setzen.
Beitrag von white-blank-page - 25.01.12 - 16:15 Uhr
Ja, leider entscheiden Ärzte oftmals immer noch für die Klinik, deren finanzielles Auskommen und weniger nach dem, was evtl. einmal in einer Patientenverfügung festgehalten wurde.
Wie gesagt, Einzelfälle. Es muss immer wieder neu entschieden werden, Dennoch bedarf es eigentlich eines Rahmens, in dem man sich bewegen kann. Ich glaube, es wird unwahrscheinlich schwer sein, diesen Rahmen so abzustecken, dass er für alle gerecht erscheint.
Das ist ein unwahrscheinlich schweres Thema. Nicht umsonst gibt es unwahrscheinlich viele Varianten der Patientenverfügung, man muss mitunter kleinste Details festlegen, um "auf der sicheren Seite" zu sein, wenn es darum geht, was mit dem eigenen Körper geschieht, wenn man selbst nicht mehr in der Lage dazu ist, über eben diesen zu entscheiden.
Niemals, so meine ich, sollte ein Geschäft draus gemacht werden (siehe Dignitas). Zu rasch kann ein Missbrauch entstehen, und die gerade genannte Firma war schon oft in der Kritik eben deswegen, wenn ich nicht irre.
Beitrag von zeitblom - 25.01.12 - 16:19 Uhr
Ich bin auch skeptisch, was Patientenverfuegungen angeht. Wir wissen nie, was wir in bestimmten Situationen wirklich wollen werden (viele wissen noch nicht einmal in der gelebten Gegenwart, was sie wollen).
Beitrag von juliz85 - 25.01.12 - 18:28 Uhr
Ich hab mal ne Statistik gesehen, die aufzeigte, was Menschen in bestimmten Stadien einer Krankheit bzw des Sterbens für Hilfen wollen. Viele greifen am Ende des Lebens nach dem letzten Strohhalm (den sie evtl. vor der Krankheit abgelehnt hätten).
Das ist für mich ein Grund, Niemanden beim Sterben zu helfen!
lg julia
Beitrag von marion2 - 30.01.12 - 17:46 Uhr
Ein Mensch, der seit mehreren Monaten im Koma liegt, verhungert/erstickt genau so, wie der geklähmte Mann, wenn die entsprechenden Maschinen abgeschalten werden und die Versorgung gekappt wird.
Beitrag von zeitblom - 31.01.12 - 09:07 Uhr
Fein, ein Saeugling, das nie gefragt wurde, ob es leben moechte, verhungert ohne Hilfe auch. Ein Blinder wird ohne fremde Hilfe auch kaum lebensfaehig sein: sollte ihm geholfen werden, falls er den Wunsch zu sterben aeussert?
Meistens handelt es sich eben um unterlassene Hilfe und nur in recht wenigen Faellen (z.B. Koma) mag es Sterbehilfe sein....
Beitrag von zwinker - 31.01.12 - 10:43 Uhr
früher, als Medizin und Forschung noch nicht so weit fortgeschritten waren, gab es, aus heutiger Sicht, unglaublich viele Fälle von unterlassener Hilfeleistung. Damals war das aber in Ordnung, weil es ja noch nicht möglich war, jemanden an Maschinen anzustöpseln oder ihm Medikamente zu geben, damit er weiterleben konnte.
Beitrag von marion2 - 31.01.12 - 14:23 Uhr
Und wer sagt dir, dass der Komapatient im nächsten Jahr nicht wieder aufgewacht wäre?
Beitrag von zeitblom - 31.01.12 - 14:31 Uhr
niemand...aber mit diesem Einwand rennst Du bei mir offene Tueren ein, denn ich sehe eher die Gefahr leichtfertiger "Sterbehilfe" als das vermeintliche Leiden, das in vielen Faellen das Leiden der Angehoerigen ist und nicht das des Patienten
Beitrag von marion2 - 31.01.12 - 14:39 Uhr
Ich sehe das schon etwas differenzierter.
Sterbehilfe halte ich in wenigen Fällen durchaus für sinnvoll, aber nicht in allen.
Beitrag von parzifal - 29.01.12 - 13:02 Uhr
Und wenn man aufgrund körperlicher Beinträchtigung andere um "Hilfe" bitten muss?
Warum sollte das nicht akzeptabel sein?
Beitrag von zeitblom - 30.01.12 - 09:11 Uhr
die "Hilfe" besteht darin, einen Menschen zu toeten...ich finde halt, dass es Wuensche gibt, die man vielleicht in sich traegt, aber nicht anderen Menschen auflastet. DAS finde ich nicht akzeptabel....
Beitrag von parzifal - 30.01.12 - 11:36 Uhr
Im Gegenteil. Ich finde gerade dafür ist ein enger Angehöriger da.
Ob man dem Wunsch folge leistet ist eine andere Frage und muss jeder mit sich selbst abmachen.
Ich würde in bestimmten Konstellationen helfen (aber nur einem ausgewähltem Personenkreis).
Beitrag von white-blank-page - 25.01.12 - 16:10 Uhr
Da ist eine unheimlich breite Grauzone, die es in jedem Einzelfall neu abzustecken gilt.
Ich bin der Meinung, wenn ein Mensch nachweislich todkrank ist, er mitteilt, dass er nicht mehr leben möchte auf die Art und Weise, auf welche er lebt, dann ist Handlungsbedarf angesagt.
Was ich meine, gehört zu haben (ich kann es gerade nicht anhand von Zahlen und Fakten belegen), ist, dass viele Todkranke, die um eine Art "Gnadenstoss" bitten, vielmehr "einfach" keine Schmerzen mehr haben möchten.
Dafür ist dann jedoch im Prinzip die Palliativmedizin zuständig, die es anhand von gezielter Schmerzmittelgabe möglich macht, relativ schmerzfrei in Würde zu sterben (wenn das denn der Weg ist, den der Kranke zu gehen hat).
Ich denke, da muss auf irgendeine Art und Weise eine Abstufung stattfinden: Warum will der Patient nicht mehr leben? Aufgrund von Umständen, die vermeidbar sind oder trotz aller Möglichkeiten?
Auch sonst ist es nicht so einfach, zu sagen, wer sterben will, der soll sterben. Und ein anderer Mensch darf ihm dabei helfen. Ich fände das fragwürdig.
Ich bin der Meinung, wenn ein Mensch sterbenskrank ist, der letzte Weg vorgeschrieben ist, alles getan ist, was getan werden konnte, UND der Mensch mitteilt, dass es ihm reicht, er gehen will, es nur allein nicht schafft - dann muss ein Weg gefunden werden. Ein Weg, der rechtlich abgesichert ist, der dem Helfenden keinen finanziellen Vorteil verschafft und der auch ethisch vertretbar ist.
Ich habe keine Ahnung, ob es diesen Weg gibt/geben kann. Darüber denke ich jetzt ein wenig nach.
White.
Beitrag von manavgat - 25.01.12 - 19:24 Uhr
Das heißt, Du hast ihr nicht geholfen?
Gruß
Manavgat
Beitrag von lemon007 - 25.01.12 - 20:16 Uhr
Du meinst mich, oder?
Doch, ich habe ihr geholfen. Geholfen in dem Sinne, dass ich oft bei ihr war, mit ihr geredet habe und eben das gemacht habe, was in meiner Macht lag.
Geholfen beim Sterben? Ja, indem ich den Weg mit ihr gemeinsam gegangen bin. Wir waren alle den ganzen Tag anwesend und haben mit ihr geredet (sie war aber nicht mehr ansprechbar, als ich gekommen bin).
Sterbehilfe habe ich natürlich nicht geleistet. Ist ja verboten.
LG
Beitrag von parzifal - 29.01.12 - 13:17 Uhr
"Sterbehilfe habe ich natürlich nicht geleistet. Ist ja verboten."
Da ist so pauschal gesagt nicht richtig.
Beihilfe zum Selbstmord ist strafrei. Problematisch wird es, wenn man die Grenze von Beihilfe zur strafbaren Täterschaft (und sei es durch Unterlassen) überschreitet.
Beispiel:
Waffe laden, Abzug spannen, hinlegen wäre erlaubt (Berstöße gegen da sWaffenrecht ma außen vor).
Selbst abdrücken wäre aber verboten.
Es hängt also ganz davon ab, wie diese Sterbehilfe konkret aussehen soll.
Fazit: Man kann schon eine Menge bei einer Selbsttötung helfen ohne sich wegen eine Tötungsdelikts strafbar zu machen. Den letzten Schritt muss der Selbstmörder allerdings selbst machen.
Beitrag von sillysilly - 26.01.12 - 16:01 Uhr
Hallo
Meine Mutter war schwer chronisch krank, litt sehr und es stand ihr noch einiges an Leid und Krankenhausaufenthalten vor - Dauersauerstoffpflichtig war sie schon ( war kein Krebs )
Meine Mutter litt schrecklich unter ihrer Krankheit, ihrer Situation, ihrem Dahin vegetieren und hatte erorme Ängste vor dem was kommt ( berechtigt )
Sie hasste es im Pflegeheim und Krankenhaus ausgeliefert zu sein, und die oft lieblose Versorgung.
Da meine Mutter selbst Jahrzehnte auf der Krebsstation gearbeitet hat, kannte sie sich mit Leid gut aus, und dem wie es sich noch ewig dahin ziehen kann
ins Hospitz haben wir sie nicht bekommen, da ihr Ende nicht absehbar war ( in einem begrenzten Zeitraum ) kam sie nicht in Frage
da sie keine Schmerzen hatte wurde sie nicht Palliativ begleitet - obwohl die Ängste, Panikattacken, Erstickungsanfälle mit Todesangst sie sehr gequält haben .....
Sie wollte sehr gerne Sterbehilfe -
und ich habe es verstanden ..... - zwar nicht gleich, aber wenn es stetig und stetig schlechter wird und nur noch ein dahin vegetieren ist
Zum Glück hat sie den Absprung in den Tod - dann ganz alleine - und für alle überraschend gut geschafft
ich war unter Schock
aber für sie hat es mich sehr gefreut
daher sage ich - ja - man sollte da mit entscheiden können
Grüße Silly
Beitrag von golm1512 - 26.01.12 - 17:52 Uhr
Ich schrieb hier schon öfter, dass ich aktive Sterbehilfe nicht für nötig halte. Vielmehr sollte man mehr Geld in die Pflege und Begleitung stecken. Dann ist Sterbehilfe in der Regel gar nicht nötig.
Passive Sterbehilfe wird oft praktiziert oder ist zumindest sehr im Gespräch und im Kommen. Das habe ich jedenfalls schon öfter miterlebt.
Hilfe zum Suizid ist nochmal ein anderes Thema, was es aber nicht einfacher macht. Die wenigstens bringen sich aber um, wenn absehbar ist, was passieren wird. Die meisten warten bis sie eben nicht mehr selbstbestimmt ein ende setzen können. Das ist ein Dilemma.
Patientenverfügungen können immer nur Leitfaden sein. Man kann sich nicht für jedes Ereignis im Leben absichern und man kann im Vorfeld auch nicht jedes Ereignis einschätzen. Wichtiger finde ich, dass man sich immer und immer wieder in guten und gesunden Zeiten damit auseinander setzt und immer wieder darüber spricht, was wäre wenn. Damit hätten Angehörige ein Gefühl dafür, wie man entscheiden soll. So einfach ist das nämlich nie.
Aber angenommen, man erlaubt die aktive Sterbehilfe: Wer soll die eigentlich durchführen? Ich würde das keinem zumuten wollen. Die, die das mit ruhigem Gewissen tun, sind die Falschen und den anderen darf man das nicht aufbürden.
Gruß
Susanne
Beitrag von delidazo87 - 26.01.12 - 18:42 Uhr
Hallo
ich finde es ist eine sehr schwere Entscheidung.
Bei mir in der Familie sind schon viele an Krebs gestorben,alle haben sich sehr gequält.
Bei meiner Oma habe ich es genau mitbekommen da ich mich um sie gekümmert habe.
Sie hat drei Jahre gekämpft hat im letzten Jahr von 75 kg auf 30 kg abgemagert und hatte nur schmerzen,sie hat zum Schluß nichts mehr mitbekommen da sie Morphium alle paar Stunden von einer Pflegekraft bekommen hat.Sie tat mir so leid,es war nicht mehr "meine Oma" die dort im Bett lag.Ich habe sie kaum noch erkannt.Es ist nachher schnell gegangen und sie war erlöst.
Meine Ärztin sagte mal dass das mit einer Patientenverfügung etwas anders gelaufen wäre,keine Sterbehilfe aber man kann da schon einiges festlegen.
Ich habe mich noch nicht soviel damit beschäftigt werde mich aber bei meinem nächsten Arztbesuch mal über diese Patientenverfügung informieren.
Wenn mir mal so ein Leid etwas erspart werden kann werde ich das fertig machen.
So denke ich das es für einige sicher besser wäre(meiner Oma hätte es garantiert geholfen) aber die Gesetze können wir eh nicht ändern.
LG Denise
Beitrag von le-cochon - 26.01.12 - 20:17 Uhr
Mein Vater hat zu Lebzeiten immer gesagt, er wolle, wenn er nicht mehr entscheiden könne, lieber einen Revolver haben, um sich selbst zu erlösen.
Als er dann zum letzten Mal in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, fabulierte er von Reha und seiner Sauna..
Der Arzt sagte an seinem letzten bewussten Abend sinngemäß: "Alle planen viel, machen sich viele Gedanken, aber wenn es darum geht, sich einzugestehen, dass es zu ende geht, wollen alle einfach nur leben"
Mit anderen Worten: Egal, was du heute verfügst, die Beurteilung muss in der Situation erfolgen, weil du eben nicht weißt. was du mal willst, wenn du kurz vor dem Sterben stehst.
Beitrag von delidazo87 - 27.01.12 - 08:05 Uhr
Kann vielleicht sein aber ich habe meinen Uropa,meine Uroma,meine Oma,meinen Opa,2 meiner Tanten und zwei gute Freunde beerdigt.Und ich habe deren Leid davor gesehen,wie sie sich gequält haben und das WILL ich ganz bestimmt nicht.
Klar möchte man lieber leben aber wenn es keinen Sinn mehr hat sollte man es auch akzeptieren.
Meine Mutti war letztes Jahr auf Verdacht von Gebärmutterhalskrebs im Krankenhaus,hat sich Gott sei Dank nicht bestätigt und nun ist sie seid gestern wieder im Krankenhaus wegen Verdacht auf Brustkrebs.Es ist einfach eine Familienkrankheit bei uns wo es für jeden viel schmerzen bedeutet.Die Chemo hat jedem vielleicht 1-2 Jahre länger gebracht aber alle haben es bereut sie gemacht zu haben.Meine Mutti hat gleich gesagt das sie keine Chemo möchte wenn es soweit ist und das akzeptieren wir auch.
Mal sehen wann bei mir was festgestellt wird,dadurch das bei meiner Mutti nun was sein könnte habe ich nun auch in 2 Monaten einen Termin zur Mammographie.
Ich möchte das was meine Familie bis jetzt durchgemacht hat nicht haben,ich habe gesehen wie sie zum Schluss aussahen und das sie einen kaum noch erkannt haben,das möchte ich meinen Kindern ersparen sie sollen mich so in Erinnerung haben wie sie mich jetzt kennen Gesund und Glücklich.
LG Denise
