Kann mir einer sagen wie das hier passieren kann?

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Beitrag von mamajane2003 - 26.01.12 - 09:27 Uhr

Hallo,

also ich sehe sehr oft einen Mann unter einer Autobahnbrücke schlafen, wenn ich zur Arbeit fahre. Jetzt habe ich vor ein paar Tagen eine große Tasche und ein paar Polster für ihn gepackt und es zur Brücke gebracht. Da er am Tag aber nie da ist, habe ich ihn nicht gesehen/gesprochen.
Jetzt frage ich mich die ganze Zeit was. Ich mein das soll echt nicht arrogant sein, das darf ich nämlich auch ganz bestimmt nicht, da es uns finanziell gerade auch sch... geht und ich hier sehr jongliere um was auf den Tisch zu bringen trotz Arbeit... Ist es nicht so, dass der Staat dafür sorgt das man ein Dach über dem Kopf hat? Oder wie läuft das bei diesen Familien wo keiner eine Arbeit hat, und trotzdem wohnen die in einer größeren Wohnung als ich? Lässt der Staat es wirklich zu, dass dieser Mann dort unter einer Autobahnbrücke, neben einer Eisenbahnlinie auf den Steinen liegt und friert? Wieso, gibt es auf der einen Seite diese Menschen die nichts tun, und den Bauch immer voll und den Po warm haben und auf der anderen Seite Menschen die wie die Ratten leben müssen?
Wie kann man dem Mann noch helfen?

Viele Grüße

Jana

Beitrag von pinky82 - 26.01.12 - 09:31 Uhr

Hi

Das ist traurig#schmoll

Du hast ihm ja schon Decken gebracht.
Mach ihm eine Kanne heissen Kaffee, belegte Brote, frag ihn, warum.
Vielleicht kannst Du ihm ja helfen.
Manchen ist es vielleicht unangenehm, zum Amt zu gehen usw.
Biete ihm Hilfe an!

LG

Beitrag von mamajane2003 - 26.01.12 - 09:36 Uhr

Habe ich ja gemacht ich habe eine große Tasche mit Broten, Obst, Schoki, Pflastern, Desinfektionstüchern, Kerzen etc. gebracht. Er war ja nicht da, deshalb habe ich es dort hingehängt. Eben bin ich dort vorbei gefahren da hing noch alles so wie ich es gestern dort hingebracht habe. Vielleicht ist er ja irgendwo untergekommen? Ich hoffe es, nicht das ihm was passiert ist. Seit Monaten sehr ich ihn Morgens dort schlafen.

Beitrag von pinky82 - 26.01.12 - 09:40 Uhr

Ist ja auch sehr kalt.
Vielleicht ist er in einer Notunterkunft, oder er weiss nicht, das die Tasche für ihn ist....

Beitrag von renamausi - 27.01.12 - 10:26 Uhr

Ich antworte dir jetzt mal ohne alle anderen Antworten gelesen zu haben:

-es gibt Menschen die auf der Straße leben, weil sie selber Angst haben zum Amt zu gehen ( aus welchen Gründen auch immer)
-dann gibt es Ämter , welche versagen, ich hatte damals einen Kumpel ( in nds) der hat seinen Job aufgrund von Krankheit verloren ( will da jetzt auhch nicht weiter rein gehen, das es sein Privatleben ist) , naja er bekam auch kein Geld mehr, ich bin dann zu ihm gefahren, wir sind zur Arge, diese sagte das AA ist zuständig, das AA sagte die Arge ist zuständig usw usf. das ende vom Lied, Kündigung der Wohnung, wo bekommt man nun ohne Job ohne geld eine neue wohnung her ( ihm wurde mit Zwangsräumung gedroht, haben uns dann sogar an an die Stelle für Wohnunglose gewand) an der Stelle bekamen wir zu hören, er kann dann in eine notunterkunft , nur sind die Plätze da auch sehr rar ( mittlerweile hat er wieder Job und Wohnung :-)) ) Hier liegt es dann ganz klar das selbst die Ämter nciht wissen wer für was zuständig ist.

-des weiteren wollen viele Vermieter keine H4 Empfänger , denn die Argen zahlen oftmals unpünktlich ( wenn sie direkt überweisen sollen an den VM)( ich will jetzt nicht über die reden die das Geld wo anders verprassen, das ist eine andere Sache und das will ich niemand vorverurteilen), denn es ist so, das es für den VM wohl schwieriger is zu küngigen wenn die Arge sozusagen im Rückstand ist.

_Leute die zu hause rausgeworfen worden sind oder abgehauen sind und erst einmal gar nciht wissen wo sie Hilfe bekommen

Wie du ihm helfen kannst:
- ich würde auch erst einmal Kaffe und Brötchen bringen , oder vielleicht auch mal eine heiße Suppe, weiß ncit inwiefern da was möglich ist und vielelicht auch ne Flasche Wasser

- des wietern kannst du ja schauen ob du kontakt zu ihn bekommst um einfach weitere Infos zu bekommen, und dann weiter zu handeln, ich denke hier fehlen allen Infos.

Beitrag von baerbelino - 26.01.12 - 09:37 Uhr

in Deutschland MUSS niemand auf der Staße leben. Die, die es dennoch tun haben es sich selbst ausgesucht.

Wahrscheinlich wollen sie nicht auf Kosten der anderen Bürger leben, es ist ihnen unangenehm zum Amt zu gehen oder es "gefällt" ihnen einfach besser auf der Straße...was ich mir persönlich nicht vorstellen kann.

Diesem Mann kann geholfen werden, er muss es aber auch wollen.

Beitrag von mamajane2003 - 26.01.12 - 09:39 Uhr

Das dachte ich auch, aber es ist doch wirklich nicht zu verstehen, das das einer freiwillig tut.

Beitrag von baerbelino - 26.01.12 - 09:44 Uhr

nee,eigentlich nicht. Aber oft sind das auch Menschen, die früher alles hatten. Haus, Job, Familie.

Ich hab mal einen Mann kennengelernt, der hatte früher ne Bäckerei, ne Frau, eine Familie. Dann ging die Bäckerei pleite, seine Fru hat sich von ihm getrennt und hat ihn total ausgenommen - so hat ers erzählt ;)

Innerhalb kürzester Zeit war alles weg, er hat auch sein Haus verloren und wußte nicht mehr, wohin. Er hat sich 2 Jahre durchgeschlagen, weil er nicht auf Kosten anderer Leben und nicht auf deren Hilfe angewiesen sein wollte. Dann landete er bei so einer "Auffangstation". Die haben ihm geholfen, wieder ins Leben zu finden...schlimm aber leider wahr.

Beitrag von ninnifee2000 - 26.01.12 - 09:47 Uhr

Weil viele zu stolz sind, Hilfe zu suchen bzw. anzunehmen. Sie schämen sich für ihre Arbeitslosigkeit, für ihren sozialen Abstieg.

Bei uns in der Pampa gibt es auch eine "Auffangstation" für, wie ich immer sage, gescheiterte Existenzen. Dort leben einige Männer in einem hübsch renovierten und einem neu gebauten Wohnheim. Und wenn sogar mitten im sächsischen Nichts solche Männerheime gibt, dann gibt es die auch woanders. Deswegen weiß ich, dass NIEMAND auf der Straße leben muss in Deutschland.

Beitrag von aklasse - 26.01.12 - 09:44 Uhr

Tja im Prinzip hast du schon recht, daß der Staat dafür zu sorgen hat....

Aber ich habe vor einigen Wochen eine ganz tolle Doku im Fernsehen gesehen, da ging es um solche "Fälle".

Ich war wiederum echt erstaunt, daß es so viele unheimlich intelligente Menschen sind, die wirklich oftmals unverschuldet in dieses Dilemma geraten sind.
Gerade diese Menschen, möchten überhaupt nicht in diese Übernachtungsheime.

Was ich teilweise sehr gut verstehen kann, man hat sogenannte Übernachtungsheime gesehen, da verstehe ich warum. Das fängt von den vollgepinkelten Matratzen an und endet - ich glaube daß willst du gar nicht wissen.
Oftmals wird íhnen dann im Schlaf noch die letzte Habe geklaut und auch in solchen Institutionen herrscht oftmals Gewalt und richtiger Bandenkrieg.

Viele wollen sich das einfach nicht antun und übernachten dann lieber unter einer Brücke.
Da finde ich es noch besser, wenn sie zu den Bahnhofsmissionen gehen um dort zu duschen und sich mit warmem Essen zu versorgen und dann weiterziehen.

nachdenkliche Grüsse
aklasse

Beitrag von ninnifee2000 - 26.01.12 - 09:50 Uhr

In solche Übernachtungsheime würde ich auch nicht gehen wollen. ABER: es gibt Wohnheime, wo solche Männer richtig leben können und wo ihnen durch geschultes Personal geholfen wird.

Beitrag von aklasse - 26.01.12 - 09:56 Uhr

Ja da hast du recht, solche Wohnheime gibt es.

Aber es ist sehr schwierig dort einen Platz zu bekommen, daß diese staatlich bzw. vom jeweiligen Bundesland gefördert werden und diese Förderungen sind alles andere als üppig, somit gibt es auch relativ wenig neue Plätze geschweige denn neue Wohnheime.

aklasse

Beitrag von la1973 - 26.01.12 - 11:18 Uhr

Außerdem haben viele Obdachlose massive Alkoholprobleme, in den Notunterkünften ist Alkohol aber verboten, bzw. man wird offensichtlich betrunken garnicht erst reingelassen.

Beitrag von mamajane2003 - 26.01.12 - 09:51 Uhr

von diesen Heimen habe ich auch mal gelesen. Aber wie gesagt, da gibt es welche, die kriegen ne Wohnung, Küche, Essen, Kleidung usw. und dann gibt es welche die müssen in so ein schreckliches Heim. Es sind auch meist Männer, die Obdachlos sind. Heißt das Frauen lassen sich mehr helfen, oder Frauen bei Wohnungsvergabe bevorzugt?

Wie gesagt, ich finde meine Situation gerade schon sch... aber die ist noch Meilenweit von dem Mann unter der Brücke weg.

Beitrag von renamausi - 27.01.12 - 10:32 Uhr

Es ist tatsäschlich so das es in D wohl mehr Frauenhäuser als Männerhauser gibt ( obwohl Männer auch sehr häufg Gewalt in einer Partnerschaft erfahren) Wie es jetzt genau mit Notunterkünfte aussieht, kann ich die leider nicht sagen.

Beitrag von lisasimpson - 26.01.12 - 09:52 Uhr

na,ja, das sind aoft teufelskreise in denen sich diese Menschen befinden

hie eine kurze schilderung von wallraff als obdachlosem
http://www.zeit.de/online/2009/10/wallraff-obdachlosigkeit-vorab

die Unterkünfte, die ihm angeboten würden, sind nicht unbedingt das, was sich menschen gerne antun.
eine wohnung würde ihnen finanziert werden ,sie müssen aber eine finden.
wenn in deinem ausweis "ohne festen wohnsitz" oder eine obdachlosenunterkuft steht haste nicht die besten chancen (das gleiche gilt bei bewerbungen auf einen job)

was du tun kannst? spirch mit ihm, in wieweit du ihm vielleicht bei der lösung seines persönlichen dilemmas helfen könntest

Beitrag von lilalaus2000 - 26.01.12 - 12:33 Uhr

Hallo liebe Jana,

es ehrt dich, dass du helfen willst!

Und ja, es gibt Möglichkeiten, aber dazu muss der Mann auch selber wollen. Viele sind zu stolz zum Sozialamt zu gehen. Theoretisch muss keiner ohne ein Dach über dem Kopf sein.

Eine Bekannte hatte ihre Wohnung verloren, keine andere gefunden, keine Möglichkeit also.... sie hat sich Hilfe geholt, hat jetzt eine 1Zimmer Wohnung und bekommt (noch) Harz4. Aber sie muss sich auch an Regeln haten.

LG

Beitrag von sacredheart - 26.01.12 - 14:45 Uhr

hallo,
solche menschen tun mir auch immer total leid, denn bei ihnen wird deutlich, wie ungerecht und vor allem unsozial unser staat doch sein kann.

das problem bei einigen menschen ist einfach folgendes: vor einigen jahren war es noch so, dass man, wenn man arbeitslosengeld oder sozialhilfe beziehen wollte, einen festen wohnsitz haben musste (wie es heute aussieht, weiß ich nicht,denke aber nicht,dass sich was geändert hat)
nun gibt es aber ziemlich wenige vermieter, die sich sozialhilfeempfänger "ins haus holen". leider ist der verbreitete glaube, dass man als hartz4- alg1 oder was auch immer empfänger nicht in der lage ist, die miete pünktlich und in voller höhe zu zahlen, oder seine wohnung aufzuräume oder zu putzen etc. man gilt direkt als asi. das ist aber natürlich vollkommener quatsch, denn gerade menschen,die sozialhilfe etc beziehen, sind die regelmäßigsten zahler, da das amt nämlich die zahlung aufgibt.
klar kann man das nicht pauschalisieren, aber vielleicht war es bei dem mann so, dass er womöglich arbeitslos wurde, eventuell für einige monate vom arbeitsamt gesperrt wurde (passiert auch öfter als man denkt), weshalb er die miete nicht zahlen konnte und daraufhin nichts neues bekam. tja und ohne festen wohnsitz keine unterstützung....
ich denke, mehr, als du schon getan hast, kannst du kaum tun, denn wenn er amtsgänge etc zu erledigen hat, damit er eine wohnung, gelder usw. bekommt, muss er selbst gehen.

lg
sacredheart

Beitrag von mamajane2003 - 26.01.12 - 15:14 Uhr

Danke, jetzt fange ich an das zu verstehen.
Mir tut das nur immer so leid. Manchmal wenn ich zu Hause jammere, das wir keine Kohle mehr haben etc. da vergesse ich ganz, wie gut es uns geht. Wir haben ein sauberes, schönes warmes zu Hause, Auto, Klamotten... aber es ist meist super knapp. Und dann seh ich diesen Mann und denke was bist Du für eine verwöhnte Göre, dass Du noch jammerst. Das da ist scheiße. Das da ist arm!
Ich hoffe er findet meine "Gaben" auch und kann sie brauchen. Nicht das das einer versaut, oder Viecher dran gehen, bevor er da war. Vielleicht, hatte er aber auch Glück und hat jetzt ein echtes Dach über dem Kopf und braucht mein Zeug nicht mehr. Wünschen würde ich es ihm.

Beitrag von white-blank-page - 26.01.12 - 21:46 Uhr

Es gibt unzählige gestrandete Persönlichkeiten hier bei uns, die einfach nicht mehr wohnfähig sind.

Die keine Wohnung mehr beziehen könnten, einfach, weil sie verlernt haben, in einer Wohnung zu leben.

Kaum zu glauben, aber wahr.

Wenn er jetzt weg ist, wird er eingesammelt worden sein von einem Kälte/Wärmebus, oder er ist freiwillig in eine Station gegangen. Aber wie hier bereits geschrieben wurde, oftmals gibt es da strenge Auflagen: Keine Drogen, keinen Alkohol (die Männer würden sich sonst noch mehr die Köpfe einschlagen, als sie es nüchtern oftmals schon tun), keine Haustiere (DAS schreckt viele ab, denn oftmals gibt es einen Hund oder eine Ratte als Begleiter.).

Gut, dass du so eine Tasche für ihn gepackt hast. Polster und Decken kann er gut gebrauchen, und auch das Essen. Ich denke aber, ebenso wichtig ist für ihn, dass er weiss, er wird gesehen und nicht vertrieben, sondern es wird an ihn gedacht.
Hört sich jetzt schleimig an, ist aber sehr wichtig für die Randgruppen hier bei uns, weil sie im Prinzip immer am Rande stehen und zuschauen. Und dabei sehr gern von uns, die wir in der Mitte der Gesellschaft stehen, übersehen werden.

Übrigens würde ich ihm keine direkte Hilfe im Gespräch anbieten. Da sind so komplexe Geschichten hinter jedem obdachlosen Menschen, du würdest die Box der Pandora öffnen. WENN er dir genug vertrauen würde, um dein Hilfsangebot anzunehmen, meine ich.

Ich denke eher, ich würde bei der nächsten Suppenküche, bei der Diakonie oder einem anderen sozialen Dienst vorbeigehen und darauf hinweisen, dass er dort lebt, damit sie vielleicht einen Streetworker vorbei schicken, der abklären kann, ob und welche Hilfen angebracht wären.
Weisst du, DIE kennen sich aus und wissen, wie sie den richtigen Zugang erhalten.

Andererseits freut er sich vielleicht über ein unverfängliches Gespräch. Ob nun mit oder ohne Rettungsversuch deinerseits - mach, wie du es möchtest.

Da ich beruflich mit der Zielgruppe zu tun habe, würde ich mich privat nicht all zu sehr in diese Lebensgeschichten hineinhängen - ich weiss, wie psychisch belastend sie sein können. Und wie wenig man letztlich doch helfen kann.

Beitrag von mamajane2003 - 27.01.12 - 08:17 Uhr

Vielen Dank für Deine Antwort. Ich denke, ich halte mal die Augen offen und wenn er wieder da ist und ich kann, dann bring ich nochmal was vorbei. Das mit dem Streetworker finde ich gut. Ich denke, der weiß besser, wie und was man helfen sollte und was besser nicht. Ich versuche ihm einfach weiter zu vermitteln, dass ich ihn sehe und nur den Menschen sehe und das drum herum mir nicht wichtig ist um einen Menschen zu beurteilen.