entwicklungsverzögertes Kind und Schule

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Beitrag von myriam1408 - 27.01.12 - 14:23 Uhr

Hallo,
ich habe einen 6 jährigen entwicklungsverzögerten Sohn (ca 2j verzögert).
Konzentrationsprobleme, motorisch grob und fein, Körperwahrnehmungsproblematik mit in Heilung begriffener Herzmuskelentzündung.
Soweit so gut.
Noch ist er im Waldorfkindergarten und in ergotherapeutischer und logopädischer Behandlung.
Die erste Schulrückstellung kein Problem, die 2 nicht möglich.
Jetzt auf der Suche nach einer Schule, wenn möglich keine Schule für geistig und körperlich Behinderte, sonder eine Kleinklasseschule mit gezielten Fördermöglichkeiten, so dass in ferner Zukunft eine normale Schullaufbahn mit Abschluessen möglich sein kann.
Wir wohnen in Berlin.
Hat jemand ein ähnliches Kind und wo geht es zur Schule?
Für Anregungen und Tipps bin ich dankbar.
gruss
Myriam

Beitrag von kati543 - 27.01.12 - 15:55 Uhr

Hallo,
läuft denn bei euch schon der Förderausschuß? Was hat denn der Gutachter gesagt? Bei einer 2-jährigen Verzögerung spricht man ja nicht mehr von einer Entwicklungsverzögerung (wurde euch das nie (sanft) gesagt?). Welchen IQ hat denn dein Sohn? Wurde der schon getestet oder steht die Testung noch an? Wie ist es denn zu der Entwicklungsverzögerung gekommen? Hatte dein Sohn einen Unfall oder irgendein Ereignis, was ihn derart zurückgeworfen hat? Oder ist er seit Geburt auffällig?
Ich kenne leider das Berliner Schulsystem nicht. Und so, wie ich Deutschland kenne, ist bei euch wieder alles anders, als bei uns (Hessen). Mein Sohn kommt auch dieses Jahr in die Schule als Muß-Kind. Eine Rückstellung wurde uns zwar vorgeschlagen von der Amtsärztin, ist aber für unseren Sohn keine gute Wahl, da er wirklich schulfähig ist - obwohl er in vielen Bereichen noch Probleme hat. Nicht nur wir haben diese Meinung, auch seine Ärzte (KiA, SPZ), Therapeuten und der Kiga. Mein Sohn hat einen getesteten IQ von 100 und damit seine "Eintrittskarte" für eine Sprachheilschule (Kleinklassenschule mit der Bedingung eines durchschnittlichen IQ und keinen weiteren Auffälligkeiten als der Sprache). Seine Schwierigkeiten sind derzeit hauptsächlich sprachlicher Art. Er wird wahrscheinlich auch noch einen Nachteilsausgleich für Sport bekommen müssen, aber das soll mal nicht unsere Hauptsorge sein.

Ansonsten gibt es noch Schulen mit dem Schwerbunkt "Lernen". Da besteht zumindest die Möglichkeit eventuell mal auf eine normale Schule zurückzugehen. Allerdings haben zumindest bei uns im Landkreis diese Schulen keinen guten Ruf und kaum ein Schüler schafft den Sprung in die Regelschule.
Und dann gibt es noch die Schule für "Praktisch Bildbare" oder vielleicht heisst sie bei euch auch "Geistig Behinderte". Bei uns ist das eine Top-Schule. Kleinst-Klassen, aber Null-Chance je auf eine normale Schule zu kommen. Allerdings hat diese Schule bei uns einen derart guten Ruf. Sie vermittelt den meisten ihrer Schülern einen Ausbildungsplatz. Oft sogar in der Freien Wirtschaft. Diese Schule bekommt auch häufig viele Schüler der Schulen mit Schwerpunkt "Lernen", die es eben dort nicht geschafft haben.

Beitrag von inselkind74 - 27.01.12 - 21:01 Uhr

Hallo,

mein Sohn geht in die 2. Klasse eines Förderzentrums "Schwerpunkt geistige Entwicklung" - früher Schule für Geistig-Behinderte.

Nach der 1. Klasse sind 2 Mitschüler zur regulären Grundschule gewechselt. Warum hat man bei euch null Chancen darauf?

VG

Beitrag von kati543 - 28.01.12 - 01:22 Uhr

Weil bei uns dort nichts (aus dem Regellehrplan) unterrichtet wird. Die Kinder, die dorthin gehen lernen allenfalls alltagspraktische Fähigkeiten, bzw. maximal noch (falls sie gesondert gefördert werden) einfache Grundrechenarten, lesen und schreiben (allerdings nicht im ersten Schuljahr und so schnell wie auf der normalen Schule). Die Kinder, die auf einen Regelgrundschule gehen, werden ja vom ersten Tag an nach Regellehrplan unterrichtet. Den gibt es dort nicht.

Ein Sprung von der Schule für Geistig Behinderte zur Regelgrundschule ist hier unmöglich. Wenn, dann muß der Zwischenschritt über die Schule mit Schwerpunkt Lernen genommen werden. Vielleicht sind bei euch aber auch die beiden Schulen unter einem Dach gewesen und die Mitschüler deines Sohnes waren eher der anderen Sparte zugeordnet.

Beitrag von krokolady - 28.01.12 - 09:40 Uhr

hier gehts auch erst von der GB-Schule aufwärts zur Förderschule. Erst von da geht der Wechsel zur Regelschule. ( Schleswig-Holstein)

wobei ich denke das ein Entwicklungsrückstand von 2 Jahren, wie bei der TE, keine Entwicklungsverzögerung ist, sondern schon eine Behinderung. Und darum die GB-Schule schon am ehesten die richtige Anlaufstelle ist.

Beitrag von kati543 - 28.01.12 - 12:36 Uhr

Hallo krokolady,
ich wollte es nicht so direkt sagen mit der Behinderung, aber das war auch mein erster Gedanke. Mein Jüngster ist jetzt 4 Jahre und hat einen Rückstand von 2 Jahren. Das ist natürlich gravierender als mit 6 Jahren einen Rückstand von 2 Jahren zu haben, aber trotzdem ist es eine Behinderung.

Beitrag von krokolady - 28.01.12 - 12:43 Uhr

Es heisst doch:
Wenn die Verzögerung deutlich weiter ist als 6 Monate zurück spricht man von einer Behinderung.

Und ich find das gar nicht schlimm.....für viele ist das Wort Behinderung so negativ.....verstehe ich nicht.
Es sagt doch nur aus das der Mensch auf diesem Gebiet halt etwas eingeschränkt ist.

Beitrag von kati543 - 28.01.12 - 15:41 Uhr

Ich glaube das "schlimm" ist relativ. Du siehst das nicht schlimm, weil du eine Tochter hast, die eben schwerbehindert ist und du hast diese Behinderung akzeptiert und weißt, dass du daran nichts ändern kannst. Ich habe das für meine Söhne (insbesonders für meinen Jüngsten) auch akzeptiert - mein Mann z.B. kann das nicht. Für ihn sind unsere Söhne kerngesund. Alle Menschen wünschen sich ein gesundes Kind - nicht ein krankes bzw. sogar ein behindertes Kind. Und wenn letzteres dann der Fall ist, ist das sehr schwer zu akzeptieren. Mein Mann hat erst akzeptiert, dass unser Ältester (also unser "gesünderes" Kind) nicht normal entwickelt ist, als die Direktorin der Sprengelschule ihm direkt ins Gesicht gesagt hat, dass sie unseren Sohn nicht aufnehmen kann, weil er es nicht schaffen wird auf der Regelschule. Also versuchen wir ihn jetzt entweder inclusiv einzuschulen oder in der Sprachheilschule. Er hat ja die (Verdachts-)diagnose Valproatembryopathie und da ist die Entwicklung genau so, wie sie bisher eben bei ihm war. Also eine Entwicklungsverzögerung im Vorschulalter, die aber aufgeholt wird bis zur Einschulung. Und ja, ich gebe zu, mein Wunsch ist schon, dass mein Großer irgendwann einmal in die Regelgrundschule zurückgeschult wird.
Und was meinen Jüngsten (4 Jahre) betrifft...ich glaube, auch er wird seinen Weg gehen. Die GB-Schule hier ist sehr schön. Er wird dort optimal gefördert werden. Aber wie gesagt...in den Augen meines Mannes ist er völlig gesund. Für ihn sind das "Ausrutscher", dass er sauerstoffpflichtig wird bei einer Bronchitis (wir waren diese Woche wieder im KH). Die vielen Fehlbildungen sieht er gar nicht. Er hatte bis vor kurzem eine massive Essstörung, er spricht nicht,... Bisher hat er die Diagnosen Frühkindlicher Autismus und schwere geistige Behinderung und V.a. Valproatembryopathie aber wahrscheinlich steckt noch etwas mehr dahinter.

Beitrag von maybebaby2012 - 08.02.12 - 08:16 Uhr

also bei uns heißen diese schulen alle förderschulen mit verschiedenen schwerpunkten z.b lernen oder sprache oder eben geistige entwicklung, und auch auf der förderschule schwerpunkt geistige entwicklung lernen die kindern in sehr kleinen klassen lesen und schreiben und rechnen(natürlich nur wenn sie soweit sind).

meine tochter hat den schwerpunkt lernen obwohl sie auch immer 1-1,5 jahre zurück war und mitlerweile nen iq von 63hat. wir haben sie viel gefördert deswegen hat sie bis híerher geschafft sie besucht nun die 3. klasse.

lg

Beitrag von inselkind74 - 28.01.12 - 18:39 Uhr

Unsere Schule ist ein reines Förderzentrum mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Die Schule mit Schwerpunkt Lernen ist an einem anderen Standort.

In der Schule meines Sohnes wird ab dem 1. Schuljahr Lesen, Schreiben, Rechnen unterrichtet. Da sein Leistungsvermögen nicht so hoch ist, hatte er nur Zahlen und Buchstaben, aber andere übten schon die Grundrechenarten.

An den meisten regulären Grundschulen bei uns wird jahrgangsübergreifend unterrichtet, heißt die 1. und 2. Klasse gemeinsam. In eben solche Schulen sind die ehemaligen Mitschüler meines Sohnes gewechselt.

Schade, daß ein kein einheitliches System in Deutschland gibt.

Beitrag von kati543 - 28.01.12 - 18:59 Uhr

Wow...nein, sowas gibt es bei uns in der GB (oder PB) nicht. Da muss man schon im Förderkurs sein, um überhaupt im ersten Schuljahr lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Ansonsten ist bei uns in der PB viel Alltag angesagt. Immer wiederkehrende Rituale. Also gemeinsames Frühstück und dessen Zubereitung und das Aufräumen danach (das dauert schon mal ewig). Und dann gibt es praktisch alles mit uK - was nun wiederum sehr gut ist für meinen Sohn. Dann noch regelmäßiges Schwimmen, PC-Unterricht (wegen uK), Musik, Sport und Theater (Schwarzlicht). Das ist sozusagen der "Regelunterricht" - aber eben in keinen festen Stunden, sondern so nach Bedarf, wie die Klasse will und mag - wobei die "Klasse" eben genau 4 Schüler fasst.

Beitrag von inselkind74 - 28.01.12 - 23:57 Uhr

In der Klasse meines Sohnes sind 8 Kinder und immer 2, an bestimmten Tagen auch 3, Lehrerinnen. Es gibt auch ein gemeinsames Frühstück (inkl. Aufräumen ;-)), es wird viel themenbezogen gearbeitet (Wetter, Luft, Tiere) und 1 x pro Woche wird gekocht/gebacken. Aber je 3 x wöchentlich ist eben Lesen/Schreiben und Rechnen dran. Wir freuen uns über jeden neuen Buchstaben und jede Zahl. Die Kinder werden bis zur Leistungsgrenze gefordert - die Hausaufgaben haben es z.T. echt in sich. 20 x das "E" nachmalen - das ist für mein Kind harte Arbeit.

Er geht sehr gern zur Schule, mag seine Mitschüler und die Lehrerinnen - für ihn ist es dort optimal. Wir sind froh, daß wir ihn nicht in der Regelschule haben einschulen lassen.

Beitrag von kati543 - 29.01.12 - 16:04 Uhr

Ahh, nein bei uns hat die Klasse 1 Lehrerin, 1 "Helferin", die aber auch irgendwie pädagogisch gebildet ist und dann noch entsprechende I-Kräfte. Also wenn es hoch kommt, können durchaus 6 Erwachsene auf 4 Kinder kommen.
Die PB bei uns hat auch eine eigene Küche in jedem Klassenzimmer und eine große Schulküche, wo eine AG der höheren Klassen dann Crepes herstellt und verkauft.

Beitrag von rosinenstern - 01.02.12 - 18:16 Uhr

Hallo Myriam,

hast Du mal an eine heilpädagogische Waldorfschule gedacht?

Denke dort wärt ihr gut aufgehoben.

lg
Regina