Hallo,
ich muss das einfach mal loswerden und hoffe ein bisschen auf Menschen in einer ähnlichen Situation, die mir vielleicht sagen können, wie sie damit klar kommen.
Ich bin mit meinem Mann schon über 10 Jahre zusammen, seit 5 Jahren verheiratet, wir haben ein kleines Kind. Ich wusste als ich mit ihm zusammen gekommen bin schon, dass er psychische Probleme hat. Er war vorher schonmal in der Psychiatrie, seitdem noch zwei Mal. Man kann also sagen, ich wusste worauf ich mich eingelassen habe. Seine Probleme gingen damit los, dass er als Jugendlicher gekifft hat und auf dem Trip hängen geblieben ist. Seitdem kreist er um Geschichten die irgendwie immer mit Kontrollverlust zu tun haben, begleitet von mittelschweren Depressionen (ohne ernsthafte Selbstmordgedanken).
Die letzten Jahre war es eigentlich besser, der letzte Krankenhausaufenthalt war 2006, seitdem hat er Medikamente genommen die ihm wirklich geholfen haben, er hat einen Job der ihn ausfüllt ohne ihn zu überfordern, eigentlich kam er ganz gut klar. Klar war er nicht der stabilste Mensch und oft angestrengt, aber in einem Maß, mit dem ich klar gekommen bin. Als die Entscheidung für ein Kind fiel, war mir auch klar, dass ich mehr würde machen müssen, einfach weil ich in der Hinsicht mehr aushalte, mir viele Alltagsdinge leichter fallen als ihm.
Jetzt geht es ihm seit ein paar Monaten immer schlechter. Er hat die Medikamente abgesetzt (ohne mir das zu sagen) und relativ gleichzeitig eine körperliche Krankheit gekriegt, die lange von seinen Ärzten nicht erkannt wurde. Ich glaube dadurch, dass er die Medikamente nicht mehr nimmt hat er sich jetzt extrem in eine Krankheitsangst reingesteigert. Er ist der festen Überzeugung Krebs zu haben, deswegen total verzweifelt, läuft von Arzt zu Arzt, will immer neue Diagnostiken haben. Mich macht das so fertig. Einerseits ist es einfach unheimlich anstrengend sich immer und immer wieder seine Leidensgeschichte anzuhören - er redet die ganze Zeit darüber, ist besessen davon wo es grade wie wehtut, was sich wie verändert etc... andererseits bin ich die ganze Zeit dabei ihm gleichzeitig auszureden, dass er Krebs hat und Angst zu haben, dass es doch so ist. Ich hab vor zwei Jahren meine Mama an Krebs verloren, bei ihr wurde es auch zu spät erkannt und natürlich kann ich mich von dieser Angst dann auch nicht frei machen.
Er ist natürlich jetzt noch weniger belastbar als sowieso schon, liegt viel im Bett und ich muss Kind, Haushalt und Krankenpflege gleichzeitig stemmen. Er versucht dabei schon mich auch immer mal wieder zu entlasten, kümmert sich jetzt grade um unser Kind und steht auch mal morgens auf, wenn die Nacht schlecht war, aber das halt immer unter Mobilisierung seiner letzten Kräfte...
Grade bin ich echt am Ende. Ich weiß einfach nicht, wie lange ich das noch schaffe durchzuhalten. Eine Trennung kommt für mich eigentlich nicht in Frage, weil ich ihn sehr liebe und er in vielerlei Hinsicht ein besserer Partner ist als viele "gesunde" Männer die ich kenne. Aber ich weiß auch nicht mehr wie ich mit seiner Krankheitsangst umgehen soll. Vielleicht hat da ja jemand ganz konkrete Tips für mich?
Danke fürs "zuhören" und lg
Partner psychisch/chronisch krank (Achtung lang)
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Beitrag von ...überfordert... - 29.01.12 - 18:39 Uhr
Beitrag von sniksnak - 29.01.12 - 19:45 Uhr
Du schreibst, er hat eigenmächtig seine Medikamente abgesetzt und ist seit 2006 nicht mehr in der Klinik gewesen... Wer hat ihn denn in der Zwischenzeit betreut?
Ist er in therapeutischer Behandlung oder bekam er einfach vom Psychiater neue Rezepte?
Hast du mal daran gedacht, dir selbst einen Therapeuten zu suchen, damit du lernst, wie du reagieren kannst und wie du vielleicht helfen kannst ohne dabei vor die Hunde zu gehen?
Beitrag von ...überfordert... - 29.01.12 - 20:30 Uhr
Er war die ganze Zeit in therapeutischer Behandlung und hat zusätzlich einen Psychiater der ihm die neuen Rezepte gegeben hat. Inzwischen hat er sich bei dem auch wieder einen Termin geholt, weil er doch selbst sieht, dass es ohne Medis anscheinend nicht geht. Er hat aber erst einen Termin für Anfang März bekommen 
Ja, ich hab schon oft überlegt selbst ne Therapie anzufangen, bin aber immer am organisatorischen Aufwand gescheitert. Die meisten haben ja ewige Wartelisten, das hat mich dann immer wieder entmutigt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich da bisher nicht besonders hartnäckig war. Irgendwie ging es dann doch immer auch so und wenn die akute Krise vorbei ist, komm ich dann auch wieder klar. Grade denke ich aber mal wieder ich muss das einfach angehen.
Beitrag von sniksnak - 29.01.12 - 20:52 Uhr
Setz es dir für morgen gleich auf die Liste: Es wird für dich doch hilfreich sein überhaupt zu wissen, wie du am besten mit deinem Partner in so einer Phase umgehen kannst!
So wirst du doch irgendwann an den Punkt kommen, an dem du entweder nicht mehr kannst oder deinem Partner nicht mehr die nötige Liebe/den nötigen Respekt entgegenbringen kannst, um mit seiner Krankheit entsprechend umzugehen.
Ja, die Wartelisten in Deutschland sind lang, aber so what? Irgendwann muss er Schritt doch getan werden. Was du vielleicht auch tun kannst, ist dich an den Therapeuten oder Psychiater deines Partners wenden! Nicht um mit dem Gespräche zu führen, sondern vielleicht kann er dich an jemanden verweisen - vielleicht verkürzt sich dann die Wartezeit!
Beitrag von *Kopfschüttel* - 30.01.12 - 01:17 Uhr
Ich hätte mich niemals auf einen Mann mit so einer Hypothek eingelassen.
Das hilft dir nicht weiter, ich weiß, aber was hast du dir damals gedacht?
Liebe heilt alles?
War dir nicht klar, dass du keinen Partner haben wirst, auf den du dich 100%ig verlassen kannst?
Wie kann man so ein Leben planen?
Es kommt oft anders, aber schon so anfangen?
Beitrag von ...überfordert... - 30.01.12 - 11:45 Uhr
Du hast total recht, das war nicht hilfreich. Ich versuch trotzdem mal zu antworten.
Was hab ich mir damals gedacht? Ich war 19 und hab nicht wirklich darüber nachgedacht, ob ich mit diesem Mann "für immer" zusammen bleibe und eine Familie gründe. Ich hab einen sehr intelligenten, offenen, sehr reflektierten und sensiblen Mann kennengelernt und mich in ihn verliebt. Sein erster Psychiatrieaufenthalt war damals schon 5 Jahre her, der nächste kam erst nachdem wir schon 4 Jahre zusammen waren.
Und 100% auf ihn verlassen kann ich mich schon. Ich weiß, dass er nicht 100% belastbar ist, wie vielleicht ein Partner ohne solche Probleme. Aber selbst in solchen Krisenzeiten wie momentan (die letzte davon ist wirklich lange her) versucht er mich mehr zu entlasten als manch anderer Mann in meinem Umfeld das bei seiner Partnerin tut. Trotzdem sind solche Phasen natürlich enorm schwierig für mich, weil ich den Menschen den ich liebe sehr leiden sehe und ihm nicht helfen kann.
Der große Vorteil an meinem Mann ist übrigens, dass er sich seiner "Hypothek" sehr bewusst ist und sehr offen damit umgeht. Es gibt so viele Leute mit psychischen Problemen die sich die nicht eingestehen und damit ihre Umwelt extrem belasten, weil das häufig auch erst so nach und nach herauskommt. Das finde ich wesentlich schlimmer als meine Situation, vor allem weil man mit diesen Menschen da dann auch meist nicht drüber reden kann.
Naja, jedem das seine würde ich sagen. In Zeiten in denen er nicht in der Krise ist (was den Großteil unserer gemeinsamen Zeit ausmacht) haben wir eine wunderbare Beziehung.
lg
