Bin ich gedanklich zu emotional involviert? Ratlos, Meinungen bitte

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Beitrag von myimmortal1977 - 30.01.12 - 00:51 Uhr

Ich brauche mal ein paar Meinungen. Bin im Moment bei einer familiären Geschichte echt überfragt.

Mein Schwiegervater in Spe bekam Anfang Dezember letzten Jahres die Diagnose Harnblasenkarzinom mit Lymphknotenmetastasierung. Prognose aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes: Eher schlecht.

Mein SchwieVa ist schwer herzkrank. Hat ein vergrößertes Sportlerherz, seit eh und je Aussetzer, erst vor kurzem wurden ihm Stents gesetzt.

Erst hieß es von Seiten der Ärzte: Es käme nur eine OP in Frage. Kurze Zeit später hieß es, es käme nur eine Chemo in Frage. Aktuell hieß es, es käme doch nur eine OP in Frage, wo er einen künstlichen Blasenausgang aus der Bauchdecke gelegt bekommt. alles andere würde radikal entfernt werden, Blase, befallene Harnleiter und was man noch so alles an Befall finden würde. Die OP wäre für mehr als 7 Std. angesetzt. Ob er die ganze Sache schaffen würde, bleibt mehr als fraglich. Chemo aufgrund seines Herzens ist wohl noch viel fraglicher.

Mein SchwieVa ist so gestrickt, sagt ganz offen, er will über das Thema nicht reden. Mein Mann ist gleich gestrickt, will über unangenehme Dinge nicht sprechen. In mir kocht schon die Wut wegen dem Thema.

Meine SchwieMu ist so blauäugig und gutgläubig und naiv, so einen Menschen hat man selten gesehen. Sie ist ein total lieber Mensch, aber absolut planlos. Als mein SchwieVa die Diagnose bekam und das Ärztegespräch stattfand, hat sie wohl gesagt, dann spende ich ihm halt eine Niere #schwitz #kratz Hallo?!?!?!? In der Niere sitzt das Problem wohl nicht.

Als ich das letzte Mal zu Weihnachten mit meinen SchwieVa sprach und ihn fragte, wie es denn nun mit ihm weiter geht, sagte er nur, er hofft, dass es schnell weiter geht. So, aus so einer Aussage kann ich ja ansatzweise raushören, dass er für sich selbst noch Hoffnung hat, will, dass es irgendwie weiter geht.

Im Moment stagniert die ganze Geschichte allerdings. KEINER aus der Familie traut sich mal ein offenes Wort zu reden. Und ich kann das absolut nicht verstehen.

Keiner, keiner weiß, wie es jetzt weiter geht. Mein Mann traut sich nicht zu fragen, der Bruder von meinem Mann fragt meinen Mann, der Bruder hat wiederum vollkommen veraltete Therapievorschläge liegen, hängt gedanklich noch an der Chemo, obwohl man diese Form aktuell ausgeschlossen hat und keiner, keiner traut sich mal den Mund auf zu machen.

Meine Schwiegis leben aktuell weiter, als ob es nie was gegeben hätte. Mein SchwieVa will sich jetzt die Zähne richten lassen. obwohl er weiß Gott momentan andere Probleme an den Hacken hat, die weitaus dringender wären....

Ich habe das Gefühl, ich sitze im falschen Film.

Ich kann so ein Verhalten nicht verstehen. Ich meine, auch wenn Gesprächsthemen unangenehm sind, so hat man doch auch innerhalb der Familie eine Art Fürsorgepflicht, oder? Bedeutet es nicht auch Verantwortung für jemanden übernehmen, indem man ihn mal beiseite nimmt und halt auch mal versucht Tacheles zu reden?

Ich finde diese Vogelstraußverdrängungsmentalität einfach nur schrecklich....

Mein Mann stehen die Tränen in den Augen, wenn er nur an den Tod seines Vaters denkt, ja aber..... Dann muss man auch mal ein offenes Wort reden mit dem Betroffenen und ihn mal nach seinen Plänen fragen, wie er meint, wie es denn nun weiter geht?

Meiner Meinung nach kann man nicht rumheulen und nachher drüber zerbrechen, ach, hätte man nicht getan usw usw usw.......

Oder mein SchwieVa sollte wenigstens mal ne Ansage machen, ob er sich jetzt für eine Therapie entscheidet oder nicht, dann hört wenigstens diese Ungewissheit auf..... Und diese dämliche Fragerei über 1000 Ecken.....

Ich finde meinen Mann auch echt furchtbar.... Also eins weiß ich seit dieser Geschichte, dass ich eine eigene Patientenverfügung erstelle und so über mich selbst entscheide, was gehen soll und was nicht....

Ich weiß auch nicht, wie ich Euch meine Denkweise nahe bringen soll, ohne das es zu hart klingt.

Ich bin halt der Meinung, dass man sich mit dem Ausschweigen in der Situation keinen Gefallen tut. Die Zeit rennt, wenn mein SchwieVa in der Tat noch an Heilung glaubt, muss er rennen. Er traut sich aber irgendwie nicht und ich finde, dass seine Kinder und seine Frau ihm wenigstens mal dann den Horizont öffnen müssen, dass es keine Zeit mehr zu verlieren gilt....

Ich finde das sooooooo anstrengend, wenn Leute lieber die rosarote Brille aufsetzen, anstatt mal den Ernst der Lage zu erkennen......

Oder wenigstens dann mal bekannt geben, ob sie sich für oder gegen eine Therapie entschieden haben....

Wisst Ihr, was meine größte Angst ist? Das mein SchwieVa der letzte Mut zum letzten Schritt fehlt. Das ihm einfach dieser gehörige Arschtritt von der Familie fehlt. Und wir ihn damit, umsonst, einfach aufgeben und verlieren.

Vielleicht hätte er durch die OP in der Tat noch ne Chance.... Ne kleine Chance die durch dieses elendige ich trau mich nicht, ich will nicht sehen, ich kann das nicht.... Einfach verpennt wird......

Genau das ist es eigentlich, was ich damit ausschließen will....

Ich habe einfach angst, dass man sich durch dieses Ausschweigen zum Mittäter macht. Zum Mittäter am Unversuchtlassen, zum Mittäter am sicheren Tod.

Wenn's meine Eltern wären.... Ich habe beide, Mutter und Vater an Krebs verloren. Bei mir gab's so was nicht....

Aber es waren da auch meine Eltern, hier bin ich Außenstehende und ich bin eigentlich der Meinung, dass es Sache meines Mannes und seines Bruders ist und nicht meine Sache.

Was, bitte, was erhoffen sich Menschen, die heulend mit dem Stand der Diagnose da sitzen, denen noch ein letzter Strohhalm gereicht werden kann und dann so tun, als ob es niemals was gegeben hat?!?!?!!?

Sorry, ich koche vor Wut.... Da geht der letzte Opa für meinen Sohn dahin.... An Untätigkeit und Unfähigkeit, über Geschichten mal offen zu reden, über ganz normale beschi.... Geschichten, die das Leben halt manchmal so schreibt.....

Wie seht ihr das? Hänge ich mich emotional zu sehr rein? "Beschuldige" ich alle Beteiligten zu unrecht?

Schwieriges Thema, ich weiß. Aber vllt. hat ja hier der eine oder andere ein paar Denkanstöße für mich....

Für mich ist das echt schwierig, da ich echt der Meinung bin, wer nicht kämpft, der hat schon verloren. Und für mich war der Aspekt bei der Krebserkrankung meiner Mutter z. B. unheimlich wichtig, dass sie es noch versucht hat. Sie ist noch den Weg der Chemo gegangen (nur auf ihren eigenen ausdrücklichen Wunsch, ich hätte es auch anders akzeptiert), sie ist dann trotzdem verstorben, aber ICH war verdammt stolz auf sie, dass sie den Mut fand und gekämpft hat.

Verzweifelte Grüße

Janette

Beitrag von kittythecat - 30.01.12 - 09:59 Uhr

Hallo,

ich verstehe total, dass Menschen, die nicht die "Vogel-Strauß-Mentalität" haben durchdrehen, wenn sie auf eine ganze "Strauß-Familie" stoßen.

Aber wenn ich das ehrlich sagen darf: Mein erster Gedanke war, dass sich der SchwieVa doch schon entschieden hat. Auch ein Unterlassen von angebotenen Möglichkeiten kann eine bewusste Entscheidung bedeuten. Vielleicht möchte der SchwieVa sein Umfeld ja auch nur schonen, indem er nicht gnadenlos sagt, dass es aus seiner Sicht aus ist.

Die Prognose klingt ja nicht wirklich erbaulich für ihn und als ich das von dir las:
"Als ich das letzte Mal zu Weihnachten mit meinen SchwieVa sprach und ihn fragte, wie es denn nun mit ihm weiter geht, sagte er nur, er hofft, dass es schnell weiter geht."
war mein erster Gedanke ehrlich gesagt nicht, dass es schnell mit einer Therapie weiter geht, sondern dass er hofft nicht lange leiden zu müssen.

Natürlich kenne ich deinen SchwieVa nicht, das wie ich in der Kombination von Diagnose, Prognose und seinem Verhalten wie du es beschreibst, eine solche Aussage deuten würde.

Du schreibst ja selber, dass du auf jeden Fall eine Patientenverfügung machen würdest. Das finde ich total gut, ist aber auch eher für den Fall, dass du nicht mehr selbst in der Lage bist zu sagen, was Sache ist. Dein SchwieVa ist körperlich und geistig sehr wohl noch in der Lage dazu und er äußert seine "Patientenverfügung" doch recht eindeutig.

Weißt du, Sterben ist etwas sehr persönliches und so sehr es die Umwelt auch betrifft, ist es für den Betroffenen doch selbst am einschneidensten. Ich würde jedem Betroffenen zugestehen genau das zu tun und zu lassen, was er für richtig hält.Ohne Rechtfertigungszwang, ohne Rücksicht darauf, was man vielleicht noch machen könnte.

Vielleicht spielen ja gerade deshalb alle "Vogel-Strauß", weil es allen tief im Innersten klar ist, was los ist, auch wenn`s im Kopf noch nicht so ganz angekommen sein mag?

VG,

kitty

Beitrag von myimmortal1977 - 30.01.12 - 11:47 Uhr

Liebe Kitty,

vielen lieben Dank für Deine Meinung!

Meine Intervention ist es eigentlich, den Druck aus der Familie zu nehmen, indem sie anfangen miteinander zu sprechen. Denn auf der Familie lastet durch dieses Schweigen ein unheimlicher Druck.

Ich finde, dass diese Offenheit und Ehrlichkeit in so einer Situation das einzige faire Mittel ist, so eine Extremsituation überhaupt zu überstehen. Mir und meinen Eltern hat es immer sehr geholfen, offen drüber zu reden. Obwohl ich diese Verleumdungsphase auch von beiden meiner Eltern kannte. Sie soll wohl bei Todkranken normal sein.

Ich bin immer ein sehr objektiver Mensch und nenne die Dinge konkret beim Namen. Als meine Mutter kurz vor ihrem Tod noch in den Not-OP kam und der Arzt meine Mutter konkret drauf hinwies, dass sie durch die OP aber keine Heilung erzielen würden und eine Heilung so wie so, egal wie es weiter gegangen wäre, ausgeschlossen wäre und sie mich mit riesigen fragenden Augen anschaute, als ob, ja ich hatte in der Tat in dem Moment das Gefühl, als ob sie geglaubt hat bzw. sich gewünscht hat, dass ICH noch an die Heilung von ihr glaubte, ggf. glaubte sie auch noch selbst dran, ich dann aber gegenüber dem Arzt für sie das Wort ergriff und dem Arzt sagte: Das wissen wir....

Ja, in dem Moment merkte man regelrecht, wie ihr ein riesiger Stein vom Herzen fiel. Ihr ganzer Körper, ihr ganzer Ausdruck war geprägt von einer unheimlichen Erleichterung. Es war die stille Akzeptanz der Dinge, die stille Akzeptanz der Wahrheit, der Moment des Loslassen können, der absoluten Befreiung. Weil wir da den Mut fanden, mal die Wahrheit auszusprechen.

Dieses Verschweigen, diese alles wird wieder gut Mentalität, sie sorgt doch auch für einen enormen Druck beim Betroffenen..... Sie sorgt doch eigentlich nur dafür, dass die wahren Gefühle und Ängste zwanghaft unter Kontrolle gehalten werden müssen. Meine Mutter muss einen ganzen Berg von Sorgen und Ängsten mitgetragen haben und hat für ihre Umwelt immer ganz straff die Fassade aufrecht erhalten.

Natürlich gestehe ich dem Betroffenen zu 100 % ohne Wenn und ohne Aber ein, selbst seine Entscheidung zu treffen. Ich weiß auch sehr gut aus eigener Erfahrung, dass das Thema Tod einer der intimsten Momente des Lebens sein kann. Bei meiner Mutter war das sehr extrem ausgeprägt. Sie dachte immer, wenn Besuch kam, dass sie jeder anstarren und sie beim Sterben bewusst beobachten würde.

Oh, mein SchwieVa ist ein sehr lebensbejahender Mensch. Ich glaube auch kaum, dass er wirklich Lust darauf hat, jetzt schon die Seiten zu wechseln. Ich denke ehrlich, dass ihm dieses Hickhack zwischen Op ja / Chemo ja / OP nein / Chemo nein, einfach ganz stark verunsichert hat.

Meine Intervention ist es weiß Gott nicht, meinen SchwieVa da jetzt zu was zu überreden, was er ganz tief im Innersten gar nicht will. Das ist es nicht.

Ich finde nur diese durch dieses Schweigen provozierte Gesamtsituation sehr schwierig. Ich glaube einfach, man würde es jedem einzelnen leichter machen, wenn man die Sache auf den Punkt bringt, ohne Überredungskünste, den Betroffenen doch noch auf einen anderen Weg zu bringen, aber dann halt so dämliche Situationen rausnimmt, dass der Bruder von meinem Mann meinen Mann fragt, mein Mann bei dem Thema so wie so nur resigniert rumzickt usw usw usw....

Die Patientenverfügung will ich übrigens auch nur machen, weil mir diese Situation gezeigt hat, wie wenig fähig mein Mann ist, in so einer emotionalen Extremsituation rationale Entscheidungen zu treffen.

Danke nochmal! Ich werde versuchen mich mehr emotional auszuklinken. Obwohl mir das echt schwer fällt, da auch ich weiß, dass Ärzte keine OP vorschlagen würden, wenn's nicht doch noch ein wenig Hoffnung geben würde.

Alles Liebe, Janette

Beitrag von kerstini - 30.01.12 - 10:25 Uhr

Hallo Janette,

ich versteh durchaus was du meinst und ich kenne die Situation in der du steckst leider nur zu gut. Aber wenn ich es mal ganz überspitzt ausdrücken würde... es geht Dich nichts an!

Das ist vielleicht hart gesagt, aber das sterben ist etwas so intimes und es geht nur deinen Schwiegervater etwas an. Natürlich hat die Familie ein Recht darauf zu wissen was los ist, aber weist du wie du reagieren würdest wenn du erfahren würdest du musst sterben?

Das ist eine Ausnahmesituation für die ganze Familie und da darf man sich selbst nicht so wichtig nehmen. Ich weiß es ist hart gesagt, aber ich hatten die Situation in der du jetzt steckst bereits 3x in der engsten Familie und einmal war ich direkt betroffen als ich wusste das meine Kinder sterben würde. Niemand kann sich vorstellen was in jemandem vorgeht wenn so etwas passiert.

So wie es aussieht hat dein Schwiegervater ja bereits eine Entscheidung gefällt und sich entschieden. Warst du denn bei dem Arztgespräch dabei und hast gehört was der Arzt gesagt hat? Vielleicht weist du nicht alle Details. Außerdem finde ich muss man es jedem selbst überlassen ob er noch weitere Therapien möchte oder oder er seine letzten Tage noch "genießen" möchte.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles alles Gute und viel Kraft für die nächste Zeit!

LG

Kerstin mit Ida #verliebt und MADITA, LEO & #stern #stern im #herzlich

Beitrag von berry26 - 30.01.12 - 13:16 Uhr

Hi,

also ich denke auch das dein Schwiegervater seine Entscheidung getroffen hat.

Er möchte einfach so weitermachen wie bisher und das solange es geht.
Bei dieser Diagnose kann ich das auch verstehen. Die Ärzte versuchen leider viel zu oft mit irgendwelchen Therapien das Leben zu verlängern ohne den Patienten reinen Wein einzuschenken.

Ich denke du hängst dich tatsächlich zu sehr in die Sache rein. Es ist seine Entscheidung wie er damit umgehen möchte. Momentan ist er warscheinlich auch in einer "Verdrängungsphase"!

Du musst aber keine Angst haben das er irgendeinen Punkt X verpasst für eine Therapie.

LG

Beitrag von liebelain - 30.01.12 - 15:50 Uhr

Hallo Janette,

natürlich hängst Du Dich da rein. Wenn man jemanden mag, ist man verzweifelt, wenn Stillstand herrscht in einer Angelegenheit, in der das tödlich enden wird. Ich finde nicht, dass Dich das nichts angeht, denn er ist Dein Schwiegervater, den Du - so entnehme ich Deinem flammenden Thread - ziemlich gern zu haben scheinst.

Oft ist die eigene, direkt blutsverwandte, Familie nach solchen üblen Diagnosen paralysiert und wagt sich nicht, den Erkrankten hier und da ein wenig aufzurütteln. Er wird in Watte gepackt - ja nicht aufregen! Und das ist falsch. Umso wichtiger ist da jemand, der sich das zutraut und dem zögernden Phlegmatiker einen zärtlichen, wichtigen Tritt in den verlängerten Rücken verpasst.

Schnapp Dir Deinen Schwiegervater alleine und sag ihm, wie lieb ihn alle haben - und wieviel Angst, was auf die Familie zukommt. Und dann mach ihm klar, dass sich ein Kampf lohnt. Zuallererst für ihn und selbstverständlich auch für seine Familie. Sichere ihm die Unterstützung zu, die er brauchen wird, wenn es ihm ganz dreckig geht. Und den Zusammenhalt, den niemand so zu leisten vermag wie eine intakte Familie. Mach ihm Mut, bau ihn auf und vermittle Optimismus.

Alles Gute für Deinen Schwiegervater. Ich hoffe, er nimmt die Herausforderung an. Wer nicht kämpft, hat von vorneherein verloren. Toi, toi, toi.

Gruß, liebelain

Beitrag von nane29 - 30.01.12 - 19:37 Uhr

Liebe Janette,

ich kann dich sehr gut verstehen.
Ich habe meine Schwiegermutter auch an Krebs verloren und ich war in der ganzen Zeit viel näher dran, als mein Mann.

Vieles lief anders, als ich es gehandhabt hätte und ich habe mir manchmal die Haare gerauft.

Sie war nicht der erste Mensch, den ich verloren habe.

Und ich bin mir sicher, dass der Spruch wahr ist: "Man bereut eher das, was man nicht getan hat, als das, was man getan hat."

An deiner Stelle würde ich einen Weg suchen, der es dir ermöglicht, deine Gedanken mitzuteilen.
Die Hürde ist groß, du willst keine Grenze überschreiten und niemanden vor den Kopf stoßen.

Aber wenn du es nicht wenigstens versuchst, wird dich das ewig quälen. Vielleicht braucht er jemanden, der ihm die Hand reicht. Vielleicht ist seine Familie nicht in der Lage, weil sie paralisiert sind. Vielleicht kann er nicht auf sie zugehen, weil er ihren Schmerz sieht und lieber nicht noch mehr daran rütteln will.

Gibt es für dich eine Möglichkeit, mit deinem Schwiegervater allein zu sprechen?
ER ist die beste Adresse. Du kannst seine Frau wach rütteln, oder seine Söhne - aber wenn ER nicht will, macht das alles keinen Sinn. Es kommt darauf an, was ER will.

Dann sag ihm - auf sanfte Art -, was dich bewegt. Ehrlich und klar und autentisch, ohne zu drängend zu sein. Er weiß sicherlich, dass du deine Eltern verloren hast. Sag ihm, welche Sorgen dich quälen. Biete ihm Unterstützung an.
Vielleicht fällt es dir auch leichter, einen Brief zu schreiben, den du ihm bei nächster Gelegenheit zusteckst. Egal, wie er reagiert, es wird dir helfen.

Selbst, wenn er abwinkt: Dein Vorstoß zeigt ihm nur, wie viel dir an ihm liegt.

Ich finde nicht, dass du damit viel falsch machen kannst. Tust du es nicht, wird es dich immer belasten und zwischen dir und der Familie stehen.

Alles Liebe
LGJ.