Entwicklungsgespräch im KiGa - Katastrophe

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von nuschka7 - 30.01.12 - 11:10 Uhr

Hallo ihr,

am Freitag hatte ich das jährliche Entwicklungsgespräch über Julian (4J) im KiGa und habe das ganze WE gebraucht, um mich davon zu erholen.
Ich bin so traurig! Aber der Reihe nach. Die wichtigsten Punkte versuche ich zusammenzufassen, aber es wird wohl länger.

Die Erzieherin begann mit dem Worten: "Wir machen uns schon Sorgen..." Vor Weihnachten hätte Julian immer wieder wie abwesend im Morgenkreis gesessen und wäre nur unter Mühe dazu zu bewegen gewesen, mitzumachen. Dabei KANN er alle Lieder, Spiele etc.. sehr gut und normalerweise macht ihm das aus Spaß. Seit den Ferien läuft es wieder besser, aber er nimmt sich eben raus und macht nur das, was er will. Er bleibt schon sitzen und so, aber er singt eben nicht das ganze Lied mit, sondern nur einen Teil.

Er verhält sich wie ein Kleinkind, weil er zu wenig Pläne macht (was er jetzt spielen will,etc.) und sich leicht ablenken lässt. Z.B. kann er sich beim Händewaschen Ewigkeiten mit Wasser und Seife beschäftigen (macht er zu Hause auch, habe das nie als Problem wahrgenommen, weil er schon immer eine Affinität zu Wasser hatte. Wenn es mir zu lange geht, beende ich sein Wasserspiel).

Außerdem ist er sehr bockig (daheim auch - gerade in der Zeit hatten wir eine extreme Trotzphase), wobei er im KiGa nicht ausrastet, sondern sehr beharrlich ist, wenn er etwas nicht machen will. Fazit: Julian kann zwar sehr will, macht aber nur, was er will. (Z.B. trödelt er auch beim Anziehen.)

Selbst beim Trinken legt er kleinkindhaftes Verhalten an den Tag, indem er am Glas wie an einem Fläschchen "nuckelt" und beide Hände benutzt. Auch am Löffel "nuckelt" er, wenn er einen Joghurt ist. Habe das am WE tatsächlich bei ihm beobachtet!

Aus diesen Beobachtungen schließen die Erzieherinnen, Julian sei "in einer Entwicklungsphase steckengeblieben" und wir sollen eine psychologische Beratungsstelle aufsuchen, um uns beraten zu lassen, wie wir Julian da raushelfen können. Er will klein sein.

Das ist harter Tobak für uns! Nicht dass ich mich gegen die Beratung wehre, aber allein die Tatsache, dass mir für mein erst 4jähriges Kind eine psychologische Beratung angeraten wird, macht mich sehr traurig. Habe ich ein gestörtes Kind?
Wie soll das später werden? Endet mein Kind als Problemfall? Bzw. ist es schon ein Problemkind?

Und: Warum will Julian klein sein? Im Vergleich zu seiner Schwester ist er tatsächlich unselbständig (Saskia will schon jetzt immer alles alleine machen, was sie schon alleine kann).
Was soll ich nur davon halten?
Dazu noch die Info: Meine Mutter musste Anfang Januar leider aus beruflich zwingenden Gründen umziehen. Das ist sehr traurig für uns alle und wir haben Julian, der sehr an seiner Oma hängt, eben in der Weihnachtszeit darauf vorbereitet.

Die Erzieherin meinte, wir lassen Julian bis März Zeit, um vielleicht einen Entwicklungsschub zu bekommen - Saskia wird ab 20. Feb auch im Kindergarten sein, vielleicht entwickelt er dann den Ehrgeiz, der "Große" sein zu wollen?

Andererseits passt das folgende Verhalten nicht dazu: Er kommandiert andere Kinder herum, bestimmt die Spielregeln und schlüpft in eine Erwachsenenrolle, indem er "Strafen" verhängt, wenn seine Regeln nicht beachtet werden (an den Tisch sitzen). Hä? Dabei sei der Wortlaut "Du bist böse". Diese Formulierung gebrauchen wir zu Hause nie! Wir bestrafen zu Hause zwar Regelverstöße durch logische Konsequenzen. Manchmal aber reißt mir auch der Geduldsfaden und ich werde laut.

Positive Dinge hat die Erzieherin auch erzählt. Z.B. Julian wehrt sich mit Worten und ist sprachlich in der Lage zu verhandeln. Er wendet keine Gewalt an.

Was haltet ihr von diesem Gespräch?

Liebe Grüße, Nuschka mit Julian (4J) und Saskia (2j)

Beitrag von thyme - 30.01.12 - 11:31 Uhr

Spontan und unqualifiziert: Er ist mitnichten zurückgeblieben, er hat nur keine Lust auf den Zirkus. Hat er genügend Zeit zum freien Spielen?

Beitrag von nuschka7 - 30.01.12 - 11:35 Uhr

Hallo,
ja, ich denke schon, dass genügend Zeit zum Spielen ist. Tagesablauf:

7:30 Uhr: Bringen
9:-9:30: Morgenkreis
bis 10:30: offenes Frühstück
Freies Spielen und angeleitete Angebote (freiwillig)
12 Uhr: Draußen spielen
bis 12:30: Abholzeit

Während des Morgens kann er immer spielen abgesehen von der Zeit im Morgenkreis.

LG Nuschka

Beitrag von thyme - 30.01.12 - 11:39 Uhr

Hast du ihn denn mal gefragt, warum er sich so verhält? Gefällt es ihm im Kiga?

Beitrag von nuschka7 - 30.01.12 - 14:18 Uhr

Julian gefällt es eher nicht im Kindergarten. Er ist immer froh, wenn er "frei" hat. Woran das liegt?
Zum einen mag er zwei Kinder nicht. Die eine ist geistig behindert (Integrativkind) und kennt keine körperliche Distanz - springt anderen Kindern ganz dicht vor dem Gesicht herum und ähnliches. Das kann Julian nicht brauchen. Der andere ist einfach wild und grtob. Wild ist Julian auch, aber er wehrt sich nur verbal - was mich hoch erfreut und ich nicht so erwartet hätte. Die Leiterin ist ziemlich streng und es gibt strenge Regeln und Strukturen. Was ich ansich nicht schlecht für unseren Wirbelwind finde. Leider haben wir hier keine gute Alternative (Öffnungszeiten).

LG Nuschka

Beitrag von thyme - 30.01.12 - 15:38 Uhr

Ich denke halt, 4 ist doch noch recht klein. Unserer wird bald 6, mit 4 hat er ständig geschrieen, gehauen, getobt, ist andauernd in Tränen ausgebrochen.... Das ist jetzt um Welten besser. Nun kommt mein "Grosser" im Sommer in die Schule. Er wird wohl der Jüngste sein, aber die Kiga-Lehrerin sieht da absolut kein Problem und denkt, dass er den Übertritt problemlos schaffen wird.

Unsere Tochter ist gut zwei und wesentlich selbstständiger als ihr Bruder in dem Alter. Die zweiten lernern von den ersten und habens viel leichter.

Die KInder brauchen brauchen halt Zeit, manche mehr, manche weniger.

Und wie heisst es doch so schön: Grass wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Beitrag von twins - 30.01.12 - 11:55 Uhr

HI,

darf er denn auch jeden Tag in die Turnhalle zum Austoben?
Ich kenne es bei uns, das die Kids zwar spielen aber bitte "ruhig".

Im neuen Kiga dürfen sie auch jederzeit in die Turnhalle zum Austoben und das finde ich super.

Grüße
Lisa

Beitrag von nuschka7 - 30.01.12 - 14:12 Uhr

Es gibt immer wieder Bewegungsangebote, aber IMMER dürfen sie nicht toben. Rennen, Fange spielen und Co sind verboten. Ist auch verständlich, da die Räume jetzt nicht riesengroß sind und es altersgemischte Gruppen sind.

LG Nuschka

Beitrag von twins - 30.01.12 - 14:15 Uhr

naja, aber die Kinder müssen sich doch richtig austoben können! Bei uns ist der SPielplatz auch nicht so konzipiert, das sie rennen können...da wird eher wieder das stille Spiel gefördert. Aber wir haben eine Turnhalle, da dürfen sie zum Toben und schrein rein. FInde ich super wichtig!!!!

Und wenn das Wetter arg schlecht ist, gehen sie auch schon mal auf den Bolz Platz der Schule und können hier richtig laufen.....

Habt ihr hier gar kein Angebot?

Grüße
LIsa

Beitrag von nuschka7 - 30.01.12 - 14:31 Uhr

Es gibt ein Bewegungsraum mit versch. Turnmöglichkeiten, der aber nicht immer zugänglich ist. Einmal die Woche ist angeleitete Turnstunde.
Wenn das Wetter zu schlecht ist, gehen sie mit den Kids auch in den Bewegungsraum. Allerdings verstehe ich (und viele andere Eltern) nicht, warum sie nicht schon früher mit den Kids rausgehen. Erst zwischen 11:45 und 12:00, Abholzeit bis 12:30.

Im Sommer ist einmal wöchentlich Waldtag.
Eigentlich wäre das beste Konzept für Julian ein Waldkindergarten oder so was. Aber leider passen dort die Öffnungszeiten gar nicht zu meinen Arbeitszeiten. Mein Mann ist von 7-19 Uhr weg (35 km Weg zur Arbeitsstelle) und damit leider keine Hilfe. Seitdem meine Ma nicht mehr hier ist, muss ich die Organisation alleine stemmen.
Ich gehe dann nachmittags mit den Kids raus und lass sie toben.

LG Nuschka

Beitrag von twins - 30.01.12 - 14:47 Uhr

Unsere Kids sind mindestens 1,5 Stunden bei Wind und Wetter draussen - leider - denn oft sind sie bis auf die Unterhose nass, denn so gut hält kaum eine Regenhose.....wenn die Kids mit vorliebe in der Wasserfütze sitzen.....

Frag doch auch mal im Elternbeirat nach, ob die Spielzeit im Garten verlängert werden kann. Ich hätte nämlich auch keine Lust, nur drinnen zu hocken....ich dachte immer Bewegung sei das A und O heutzutage#schein

Grüße
Lisa

Beitrag von nuschka7 - 02.02.12 - 19:49 Uhr

Hallo Lisa,

ich war die letzten zwei Jahre selber Elternbeirätin und das war eins der Dauerthemen. Ich verstehs nach wie vor nicht. Angeblich liegt das an der Personalstruktur. Selbst im Sommer ist es nur die Ausnahme, dass die Kids vormittags länger draußen sind. Vielleicht ändert sich das ja mit der neuen Leitung, die bald kommt!

LG Nuschka

Beitrag von asile - 30.01.12 - 11:46 Uhr

Hallo,

wo soll das nur Enden, wenn wir alle Kinder immer direkt zum Psychologen schicken ???

Ich versteh es einfach nicht !!
Ich bin selbst Pädagogin/ Erzieherin, arbeite auch mit Kleinkindern im Alter von 3-6 Jahren zusammen und und habe selbst 2 Kinder im Alter von 14 und 6 Jahren.

Ich kenne Dein Kind nicht, kann es also aus der Ferne schlecht beurteilen, finde es jedoch immer sehr befremdlich, wenn Kollegen in jedem Kind einen erhöhten Förderbedarf entdecken.

Bin selbst zusätzlich Heilpädagoin,kenn mich also (etwas ) aus :-)

Regressives Verhalten haben viele Kinder als Phase zwischendurch mal, manche beobachten und sammeln auch eher. Manche sind schüchtern und andere immer vorne weg.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man grad schüchterne und leise Kinder oft falsch wahrnimmt. Dabei sind sie mitunter genauso "fit" wie andere auch, nur eher beobachtend.

Findes es auch befremdlich ein Gespräch mit den Worten:" Wir machen uns Sorgen "zu beginnen. Sehr unprofessionell.

Wir reden hier von 4 -Jährigen Kindern und keinen Erwachsenen.
Weniger Beachtung vom aktuellen Kleinkindverhalten,also beim Nuckeln am Glas etc und das Problem kann sich ganz schnell von allein lösen.

Er hat eine kleine Schwester.
Er will vermutlich nicht der Große sein,er will Julian sein und nicht verglichen werden. Einfach nur Julian, nicht großer Bruder.

Beobachtet es, nehmt den " Druck" und die Erwartung raus und die Sache wird sich schnell entspannen.

Also alles unter Vorbehalt,da ich Dein Kind nicht kenne,aber aus Erfahrung läuft es meist so ab.

Viele Erzieher setzen extrem hohe Maßstäbe und Anforderungen,anstatt die Kinder einfach nur Kinder sein zu lassen.

Viele Grüße asile

Beitrag von juniorette - 30.01.12 - 12:36 Uhr

Hallo,

ich bin ganz deiner Meinung. Traurig, das jedem Kind irgendeine Therapie aufgeschwatzt werden muss, obwohl manche Defizite durch etwas "Üben" zu Hause ganz einfach beseitigt werden können.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass Erzieherinnen "von oben" (Kindergartenleitung, staatliche Vorgaben?) dazu angewiesen werden, bei Defiziten (und die meisten Kinder haben irgendwelche Defizite) sofort irgendwelche Therapien anzuraten.

LG,
J.

Beitrag von nuschka7 - 30.01.12 - 14:10 Uhr

Hallo,
was meinst du mit "Druck raus nehmen"? Von uns zu Hause bekommt er keinen Druck - doch seit dem Gespräch schon, nämlich dass er sich selber an- und ausziehen muss. Was er übrigens tadellos macht!

Das mit dem Nuckeln war mir vorher gar nicht aufgefallen.

Julian will Julian und nicht großer Bruder sein. Das werd ich mir gut merken! Vor allem, wenn jetzt Saskia in den KiGA kommt -von wegen: Du kannst ihr dann alles zeigen und so.. (dieser Satz ist schon gefallen) Das ist ja nicht seine Aufgabe und wenn er es machen will, wird er es auch ohne Zureden tun - DANKE! Dieser Hinweis kommt zur richtigen Zeit!

LG Nuschka

Beitrag von juniorette - 30.01.12 - 14:45 Uhr

Ich habe doch nichts von "Druck raus nehmen" geschrieben #kratz

LG,
J.

Beitrag von asile - 30.01.12 - 20:17 Uhr

aber ich ;-)

Beitrag von twins - 30.01.12 - 14:20 Uhr

hi,

lange nichts von Dir gelesen,...Urlaub gehabt?

Grüße
LIsa

Beitrag von juniorette - 30.01.12 - 14:47 Uhr

Hi,

nee, keinen Urlaub - nur fast alle Diskussionen bei Urbia schon mal geführt ;-)

Urbia ist doch sehr langweilig geworden, aber beim Thema "Elterngespräch" fühle ich immer mit den Eltern mit (wenn es so läuft wie bei der TE) und habe eine Meinung dazu :-)

LG,
J.

Beitrag von twins - 30.01.12 - 14:51 Uhr

ja, das finde ich auch - kaum noch interessante Themen drin.

Naja, bei uns fängt jetzt die Schule an, also wird hier sicherlich wieder Neues anstehen....

#winke
Lisa
P.S: oft ist es auch nur ein Zeitvertreib, wenn im Büro wieder mal nichts zu tun ist.

Beitrag von juniorette - 30.01.12 - 14:55 Uhr

Schule fängt bei uns im August an, da bin ich auch schon gespannt #zitter

Aber ich mache mir noch KEINE Gedanken "was zieht mein Sohn zur Einschulung an?" oder "welcher Ranzen?" #cool

#winke

LG,
J.

Beitrag von twins - 30.01.12 - 15:02 Uhr

nö ich auch nicht....weil wir den Ranzen schon haben:-p
Habe mir aber auch schon Gedanken gemacht über "ergo-Formen eines Schulranzen" aber unsere Kids sind sooo gross, das sie jeden tragen können. Und in 4 Jahren wo sie das DIng haben verändert sich der Körper ja auch noch mehr als genug. Und für die 2 Minuten Tragezeit bei uns ist es mir auch relativ egal.

Grüße
LIsa#winke

Beitrag von juniorette - 30.01.12 - 15:14 Uhr

"nö ich auch nicht....weil wir den Ranzen schon haben"

Streeeeeeeberin #rofl#rofl#rofl

#winke

LG,
J.

Beitrag von twins - 30.01.12 - 11:51 Uhr

HI,

boah - diese Erzieher bilden sich mal wieder ein mehr zu wissen als ihnen überhaupt zusteht. Und wie lautet die Diagnose?!?!?

Mein Kind mochte in dem Alter das Händewaschen gar nicht....auch heute muss ich ständig sagen, er muss Händewaschen - deswegen gehört er auch nicht in Therapie.

Und Löffel ablecken/abnuckeln.....wenns schmeckt.
Schau vielleicht zu Hause vermehrt drauf und ermahne ihn anständig zu Essen und zu Trinken! Dann habt ihr ein Problem weniger im Kiga.
Und wenn er mit einer Hand den Becher hält und dieser beim Trinken mal überschwappt, dann hat er ein Koordinationsproblem....die Erzieher würden es immer so drehen, das sie was finden!!!

Meiner Meinung ist, das er keinen Bock auf diese Erzieher hat, die wohl eher ein Schubladendenken haben. Wenn das Kind irgendeinen Marotte hat, ist es gleich krank!
Kenne das auch zur Genüge! Haben den Kiga gewechselt, denn dieses Problem wirst du die nächsten Jahr haben!

Wir hatten immer Ruhe, wenn wir zur Frühförderstelle gegangen sind, haben dort eine Stunde verbracht - attest für den Kiga mitgebracht....und für 1/2 Jahr wieder Ruhe gehabt.
Im neuen Kiga ist alles anders und die Kinder hatten komischerweise viel mehr Spaß und waren viel ausgeglichener.
Oft können Kindergärtnerinnenn nur mit Mädchen umgehen, da diese in der Regel folgsamer, lieber, ruhiger....sind.

In Zukunft nur noch Gespräch mit Deinem Mann zusammen und ruhig mal Kontra geben!

Grüße
Lisa

Beitrag von kati543 - 30.01.12 - 12:22 Uhr

"Und wie lautet die Diagnose?!?!?"

Na das ist doch wohl gaaaaanz klar: Asperger Autismus und ADHS. ;-)