Lief gestern bei Arte und wird noch zweimal wiederholt
Wiederholungen:
01.02.2012 um 10:35
16.02.2012 um 03:50
Ein Baby verbraucht in seinem Leben rund 6.000 Windeln. Um komplett abgebaut zu werden, benötigt eine Plastikwindel mindestens 400 Jahre. Aufwendig hergestellt, um in ein paar Stunden ihren Zweck zu erfüllen und dann jahrhundertelang auf einer Müllkippe zu verfaulen: Die Plastikwindel bietet ein perfektes Symbol der modernen Konsumgesellschaft. Die Dokumentation bietet einen seriösen Überblick über die Geschichte der Einmalwindel mit ihren sozialen und ökologischen Aspekten. Anschaulich und humorvoll erzählt sie, wie eine bahnbrechende Erfindung aus den frühen 60ern zum Symbol des modernen Zeitalters wurde. Wie können moderne Eltern die umweltfeindliche Plastikwindel vermeiden und gibt es alternativen Wickelmethoden?
Im Jahr 2007 erblickten nach amtlicher Statistik in Frankreich 816.500 Babys das Licht der Welt. Verbraucht jedes dieser Babys vier bis sechs Windeln täglich und eine in der Nacht, ergibt dies einen Gesamtverbrauch von 2.000 Windeln pro Jahr. Das bedeutet, dass mehr als sechs Millionen Windeln pro Tag, also 2,5 Milliarden pro Jahr auf Frankreichs Müllkippen landen. In England werden jährlich drei Milliarden gebrauchte Windeln weggeworfen, und in den USA sind es 38 Milliarden. Und wie viele werden es sein, wenn Eltern in Indien oder China zu dem praktischen Produkt greifen werden?
Plastikwindeln gelten als schlimmstes Umweltproblem im Bereich des Hausmülls. So dauert es zwischen 200 und 500 Jahre, bis sich die in den Windeln enthaltenen petrochemischen Substanzen vollkommen abgebaut haben. Und es ist paradox, dass Eltern, die ihren Neugeborenen die ersten Windeln anlegen, damit erheblich zur Verunreinigung des Planeten beitragen, der später einmal ihren Kindern gehören soll.
Das Umweltproblem Plastikwindel entstand in nur einer Generation. Die Mehrheit der heutigen Eltern trug Stoffwindeln. Heute setzt die Industrie alles daran, die Welt von ihrem in teurer Forschungsarbeit entwickelten Wunderwerk zu überzeugen, das den Alltag junger Eltern einfacher macht. Und nebenbei lässt es die Hauptaktivität ihres Babys unter weißem, duftendem Plastik verschwinden, wie es sich in unserer schamhaften, hypoallergenen Gesellschaft gehört.
Seit der amerikanische Großvater und "Pampers"-Gründer Victor Mills eine abgeschnittene Hose mit Holzstreu ausstopfte und so die erste Windel erfand, entstand ein gigantischer Markt mit vollendeten High-Tech-Produkten und ausgeklügelten Werbestrategien, gegen die alternative Wickelmethoden kaum eine Chance haben. Dabei kann man wickeln, ohne die Umwelt zu verschmutzen. Zwar reichen Konkurrenzprodukte bisher nicht an die scheinbar perfekte Plastikwindel heran - dies liegt jedoch weniger an technischen Grenzen als an mangelnder geistiger Offenheit in der Windel-Frage.
Aus der Ich-Perspektive berichtet die Dokumentation von den Schwierigkeiten einer modernen jungen Mutter, Alltagssorgen, Umweltbewusstsein und Emanzipation unter einen Hut zu bringen und spricht auf humorvolle Weise den Zuschauer immer wieder persönlich an. Filmemacherin Jacqueline Farmer interviewte im Rahmen ihrer Recherchen internationale Wissenschaftler, Windelhersteller, Marketingstrategen, Frauenrechtlerinnen, Ökologen, Fachleute für Abfallwirtschaft und natürlich Eltern, auch Eltern, die Alternativen zur Plastikwindel ausprobieren. Außerdem gibt sie Einblicke in fremde Kulturen und Praktiken, denen Einmalwindeln völlig fremd sind.
TV Tip für Interessierte: Arte: Wickeln, Windeln, Wegwerfen
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Beitrag von luci - 30.01.12 - 11:37 Uhr
Beitrag von vanisa - 30.01.12 - 17:14 Uhr
wenn ich mir überlege, wieviel strom und wasser ich verbräuchte, um die ganzen stoffwindeln auszukochen ... und wieviel zeit, die heute keiner mehr hat...
aber sicher ein interessanter beitrag.
Beitrag von karbolmaeuschen - 30.01.12 - 18:49 Uhr
Ich habe es mit meinem Großen ausprobiert, leider hat die Verwandschaft nicht mitgezogen, da sie es eklig fanden, die benutze Windel vom Spazierengehen oder der Familienfeier mit nach Hause zu nehmen.
Zudem hatten wir damals einen großen Hund, der (nach Hundemanier üblich) die Hinterlassenschaften seines Rudels entsogte. (Sie hat regelmäßig den Windeleimer geöffnet und das Windelvlies mit dem Muttermilchstuhl gefressen. Dabei alle Windeln auf dem Teppich verstreut.)
Das Waschen an sich kein Problem. Das ist nicht viel mehr als Babykleidung.
Bei uns gibt es einen Windelservice, den ich allerdings nicht ausprobiert habe.
http://www.piescholino.de
Einige Abfallwirtschaftsbetriebe zahlen einen Zuschuss zum Anschaffungspreis:
http://www.abfallwirtschaft-freiburg.de/alles_ueber_abfall/abfall_abc/Windelzuschuss/windelzuschuss.php
Du kannst Windeldienste in der Steuererklärung als Haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen:
http://www.windeldienst-leipzig.de/preise.php
Und Hier ist ein genauer Windelkostenrechner zum selbsteintragen:
http://www.uhus.ch/Stoffwindeln/Erfahrungen_mit_Popolino_Stoffwindeln.html
LG Silke
Beitrag von danisahne24 - 30.01.12 - 17:35 Uhr
Ich wickel gar nicht.....
Beitrag von karbolmaeuschen - 30.01.12 - 18:51 Uhr
Ich trau mich nicht...
Beitrag von karbolmaeuschen - 30.01.12 - 18:40 Uhr
Gibt es auch als Video:
http://videos.arte.tv/de/videos/wickeln_windeln_wegwerfen-6353290.html
LG Silke
Beitrag von dentatus77 - 31.01.12 - 21:48 Uhr
Hallo!
Ich hab die Sendung gesehen und fand sie auch sehr interessant. Allerdings fand ich die letzte Szene sehr bedeutungsvoll: Ein Baby / Kleinkind trägt im Schnitt 3 Jahre lang Windeln, danach nur noch nachts. Aber wie viele Menschen werden im Alter früher oder später inkontinent. Die brauchen 1. größere Windeln und 2. diese Windeln oft über Jahre! Wenn man die Windelberge vergleicht, fallen die Windeln der Babys vermutlich weniger ins Gewicht.
Und dann muss man ja auch noch die superdünnen, diskreten Damenbinden und Slipeinlagen betrachten. Die arbeiten doch alle mit diesen Superabsorbern. Es sind also nicht nur Babys Windeln, die diese Abfallproblematik verursachen.
Ich denke, es ist an der Industrie, Absorberkerne zu entwickeln, die biologisch abbaubar sind, aber bis dahin haben wir kaum eine Chance etwas zu ändern.
Liebe Grüße!
