Tabuthema Tod?!

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Beitrag von natalia1985 - 31.01.12 - 12:51 Uhr

Hallo Ihr Lieben!

Eigentlich gehört dieses Thema nicht wirklich hierein, wusste aber auch nicht wohin damit. Ich hoffe, Ihr könnt mir ein paar Ratschläge geben....

Zu der Situation: Mein Mann und ich sind Eigentümer eines Mehrfamilienhauses. Haben uns im Erdgeschoss zwei Wohnungen zusammen gelegt, oben sind noch drei vermietet. Mit unseren Nachbarn verstehen wir uns gut.

Direkt über uns wohnt ein alter Herr, 86 Jahre alt, noch top-fit, aber halt alleine.

Er ist sehr zurückhaltend und ruhig, man hört und sieht ihn kaum. Wir sind beide berufstätig, viel unterwegs. Sehen uns also eher selten. Aber man kennt sich ja doch, wir wissen, er hat keine kinder, frau ist bereits verstorben. er selbst hat keine verwandschaft mehr. es gibt wohl weite verwandschaft seiner frau, die aber 400 km weiter weg wohnen. da ruft er jeden sonntag um 9 uhr an und meldet sich,dass alles ok ist (kriegen wir immer beim frühstücken mit :) ). Nun machen wir uns natürlich so unsere Gedanken und Sorgen um ihn. Er ist einer, der ungerne hilfe annimmt (will z.b. unbedingt das treppenhaus noch selber weiter putzen,etc.). ich denke, es ist bestimmt der stolz, und solange er noch kann, soll er ruhig.kann ich verstehen. er fährt noch auto (find ich persönlich nicht mehr richtig, aber seine sache). geht immer morgens und mittags essen, holt sich dann am nachmittag seine flasche bier hoch. also wie gesagt, noch ziemlich fit. aber sowas kann sich ja auch schnell ändern. einmal haben wir einige tage nichts von ihm gehört/nichts gesehen (seh ihn schonmal durchs küchenfenster wenn er zur garage geht). haben uns schon sorgen gemacht, ob alles ok ist. aber man schellt ja nicht an und fragt:leben sie noch?! zumal ich das gefühl hab, wenn ich ihn mal was fragen muss, er sich eher gestört fühlt. er ist ein alter griesgram. hab dann aber gesehen, dass er das fenster im schlafzimmer aufgemacht hat zum lüften, also war alles ok. etwas später erzählte er mir dann, er hat magen darm gehabt, wohl ganz schlimm. konnte aber auch nicht zum arzt oder in die apo fahren,weil er nicht zum auto kam, rettungswagen holen wollte er auch nicht, die lassen einen alten kranken menschen ja nicht zu hause, und im krankenhaus holt er sich ja noch mehr. ich habe gefragt,wieso er nicht geschellt oder angerufen hat, wir hätten ihm doch helfen können (haben wir auch vorher schon öfter angeboten, er soll ruhig bescheid geben,wenn wir ihm irgendwie helfen können). da kam von ihm: er wollte uns nicht stören. ich habe ihm erklärt, dass er uns nie stört, und wenn sowas nochmal sein sollte, er sich ruhig an uns wenden kann. aber ich weiß irgendwie, er wird es nicht tun. und was ist, wenn es mal nicht "nur" magen darm ist? sondern was ernstes? er hat hier sonst niemanden. was ist,wenn er da mal tagelang liegt und keiner kriegt das mit? mach mir irgendwie voll sorgen um ihn.

jetzt hatten wir das thema letztens mit meinen eltern, dass er da so alleine ist, niemanden hat, wir wissen ja nicht mal an wen man sich wenden muss, wenn mal was ist. da wir ja zusammen in einem haus wohnen, und er hier keinen anderen hat, werden wir es ja wohl als erste mitkriegen. meine eltern meinten, wir sollten uns mal mit ihm zusammensetzen, und ihn ruhig offen fragen, an wen man sich wenden muss, wenn ihm was passiert (kontaktdaten der verwandten seiner verst. frau z.b.). und wir sollten auch daran denken, wir sind nicht nur nachbarn,sondern auch vermieter, und irgendwann wird es mal soweit sein, dass er nicht mehr da ist, und irgendjemand mal die wohnung räumen muss und so.

aber ich habe das gefühl, ich stempel ihn damit irgendwie als "halbtot" ab, versteht ihr,was ich meine? habe angst, dass er sich dadurch verletzt fühlt.

was meint ihr???

LG
Natalia

Beitrag von le_sheep - 31.01.12 - 13:03 Uhr

HI,

wieso klingelt man nicht und fragt: "Gehts Ihnen gut?".
Klar kann man das machen, gerade wenn er nicht von selbst kommt.

Er wird selbst wissen, dass er keine 20 mehr ist und immermal fragen kostet doch nichts.

Ich habe eher den Eindruck, im tiefsten Inneren möchtest du gar nicht helfen oder wissen, wie es ihm geht. Das merken die Leute dann auch....!

Also wie gesagt, ich würde einfach hin und wieder mal klingeln!
Und wegen der Verwandtschaft; das kann man ruhig ansprechen.
Gerade, wenn er gerade krank war: "Mensch, Ihnen gings nicht gut. Sollen wir jemanden anrufen, wenn mal was schlimmeres ist?". fertig.

LG
sheep

Beitrag von mamavonyannick - 31.01.12 - 13:05 Uhr

"Ich habe eher den Eindruck, im tiefsten Inneren möchtest du gar nicht helfen oder wissen, wie es ihm geht. "

Woraus schließt du das? Ich vermute, dass sie ihm einfach nicht zu nahe treten oder nerven möchte. Nicht jeder schafft es, offen das zu sagen, was er denkt, aus Angst vor Zurückweisung.

Beitrag von le_sheep - 31.01.12 - 13:32 Uhr

Hi,

es ist mein Eindruck, der daraus entsteht, dass sie immer wieder schreibt, "das macht man ja nicht", "ich kann ja nicht einfach..." usw.

Das klingt ein bißchen nach Verstecken.

Nicht, dass ich das nicht verstehen könnte.
Wenn ich tief in mich hineinhorche, gibt es auch für mich Menschen, die ich nicht fragen wollen würde.

Aber da muss jeder für sich durchblicken.

LG
Sheep

Beitrag von mamavonyannick - 31.01.12 - 13:03 Uhr

Hallo,

sprich ruhi gmit ihm. Warum solltest du dabei das Gespräch auf das schlimmste (Tod) lenken. Schließlich kann er auch stürzen, ohne gleich tot zu sein. Frag ihn, ob er ein Problem damit hätte, wenn du bei ihm klingelst, wenn dir etwas komisch vorkommt.

Was die Angehörigen betrifft. Da er ja jedes wochenende telefoniert, dürfte es dann anhand der Wahlwiederholung kein Problem sein, mit denen in Kontakt zu kommen. Ansonsten kannst du aber auch im Gespräch erfragen, ob er im Notfall jemand hat, der ihm hilft.

vg, m.

Beitrag von redfrog - 31.01.12 - 13:06 Uhr

Also ich habe gelernt das die Leute oft besser damit umgehen können wenn man ihnen klar und deutlich sagt das man sich Sorgen um sie macht und das man nur eine Nummer oder ähnliches haben möchte.
Nur für den Fall das Er/Sie z.B. mal ins Krankenhaus kommt, damit sich die Verwandten keine Sorgen machen brauchen ect.

Ich würde es auf die offene und ehrliche Art Versuchen.
Meist haben die Leute dafür Verständnis das man sich sorgen macht um sie und sind dann auch sehr bereitwillig eine Nr. & Name anzugeben.

LG

Beitrag von alkesh - 31.01.12 - 14:12 Uhr

Versuchen würde ich es wohl man, aber man muß durchaus damit rechnen das man keine Antwort bekommt.

Meine Oma z.B. blockt bei dem Thema sofort ab, sie sagt dann einfach nix mehr.

Aus Erfahrung weiß ich das alte Menschen fast immer ein eigenes Telefonbuch haben, da werdet Ihr im Notfall fündig. Und wenn sie mal nicht mehr hoch kommen, klopfen viele auf den Boden und/oder rufen um Hilfe.

Ihr habt ja sicher nen Schlüssel, ansonsten, Feuerwehr rufen, die öffnen die Tür und wissen dann direkt was weiter zu tun ist.

Da Ihr offensichtlich aufmerksame Nachbarn seid, werdet Ihr schnell merken wenn was nicht stimmt.

LG

Beitrag von natalia1985 - 31.01.12 - 15:28 Uhr

danke für die antworten.

nur um sicher zu stellen: wir wollen ihm wirklich helfen. wir machen uns sorgen um ihn und es tut mir leid, dass es menschen gibt,die ihren lebensabend alleine verbringen müssen und niemanden haben, der sich um sie sorgen macht, bzw. der sich um sie kümmern kann. und ihn mal zum arzt zu bringen, oder im paar medis aus der apotheke zu holen, da brech ich mir keinen bei ab.

als wir für unseren sohn das taufgespräch hatten, sagte auch der pfarrer, dass er sehr abweisend ist, und sie versuchen, ihn in die gemeinde mit einzubinden, er aber nicht möchte, und auch er es traurig findet, dass er sogar mit anderen älteren menschen den kontakt meidet. und den eindruck haben wir mit meinem mann halt auch. es ist, als ob er genervt ist und einfach in ruhe gelassen werden möchte. wenn er mal in guter stimmung ist, und wir treffen uns im waschraum oder so, dann erzählt er schonmal was, das ist aber selten. und ich glaub er würd mich zum teufel schicken wenn ich bei ihm alle zwei tage anschelle und frage,ob alles ok ist, nur weil man sich nicht gesehen hat- würd ich glaube ich auch tun.

wir haben keinen schlüssel von der wohnung. ich habe meinem mann schon den vorschlag gemacht, ob wir ihn nicht mal auf einen kaffee einladen sollen, ihm auch unseren schlüssel geben, falls wir uns mal aussperren, und bei der gelegenheit ansprechen, dass auch wir gerne einen von seiner wohnugn hätten, nur für notfälle, falls was sein sollte. und fragen wen man in solch einem fall kontaktiert.

das wort "tod" hört sich sicherlich schlimm an, im ersten moment. aber der mann ist 86, und keine 20 mehr, ich denke wir sind da nur realistisch, dass es durch aus passieren kann. mein opa ist mit 70 plötzlich im schlaf gestorben. aber da war meine oma auch da....und dieser gedanke macht mir wirklich angst.

ich persönlich denke, es gibt durchaus menschen, die dieses thema vor sich hinschieben, da nicht drüber reden wollen, wie auch immer. und wenn man eine person nicht gut kennt, kennt man auch seine einstellung nicht.

also versteht mich nicht falsch: wir sind froh ihn zu haben, wollen ihm gerne helfen, uns aber auch nicht aufdrängen.

Natalia

Beitrag von gustav-g - 31.01.12 - 19:12 Uhr

Ich bin noch 20 Jahre jünger und denke schon an den Tod. Mit zunehmendem Alter fällt der Abschied vom Leben leicht.

<< ich habe das gefühl, ich stempel ihn damit irgendwie als "halbtot" ab >>

Dein Gefühl trügt. Er schätzt wahrscheinlich seinen Zustand richtig ein.

Du hast hier schon einige gute Vorschläge bekommen.

<< man schellt ja nicht an und fragt:leben sie noch? >>

Frage einfach: "Brauchen sie Hilfe, wir machen uns Sorgen um sie". "Was sollen wir tun, wenn sie nicht öffnen können?"

Ich wünsche dir Erfolg #klee

Beitrag von fruehchenomi - 31.01.12 - 22:05 Uhr

In unserer Nachbarschaft hatten wir auch eine sehr alte Dame. Die neben ihr wohnende Familie hat sie einfach angesprochen und sie gefragt, ob man ein Zeichen vereinbaren könne, wo man merkt, dass sie Hilfe braucht.
Sie verblieben dann so, wenn die Zeitung noch um 11.00 im Kasten sei, sei was faul. Sie holte sie immer früher raus. Und so machten sie es auch, da hatten Verwandte einen Schlüssel und die wurden alarmiert, als sie mal hilflos war.
Einfach nett sagen, wir machen uns Sorgen, dass Sie mal Hilfe brauchen könnten.
Das Zeichen könnte auch ein noch geschlossener Rolladen sein oder ähnliches.
Finde ich nett, dass Du Dich kümmerst. Und ich kanns aber auch verstehen, dass der Gedanke sehr unbehaglich ist, dass jemand lange hilflos oder tot in der Wohnung liegen könnte.
LG Moni

Beitrag von ivik - 01.02.12 - 08:56 Uhr

Unsere Nachbarin (92) ist da sehr offen. Ich habe schon seit Jahren einen Schlüssel für Notfälle bzw. noch aus der Zeit, wo sie noch in den Urlaub gefahren ist. Sehe ich sie länger nicht, oder höre nichts, dann klingele ich einfach mal und frage nach. Sie hat zusätzlich einen Hausnotruf, d.h. wenn sie eine bestimmte Taste am Gerät länger nicht drückt, kommen die Johanniter oder rufen bei mir an und fragen, ob ich etwas weiß. Denn oft geht sie weg und vergisst die Abmeldetaste.
Wir hatten aber schon den Fall, dass sie gestürzt war, nicht an den Notruf kam und nun auf dem Flur lag. Zum Glück kamen gerade meine Schwiegereltern zum Blumengießen, denn wir waren im Urlaub. Die konnten mit dem Schlüssel in ihre Wohnung und den Rettungsdienst holen. Die wichtigsten Telefonnummern liegen neben dem Telefon. Da habe ich auch schon mal die Nichte in Österreich angerufen.
Mit dem Nachbarn würde ich ein Zeichen verabreden. Mein Opa wurde von seinen Nachbarn auch so "kontrolliert". Wenn bis zu einer bestimmten Zeit die Gardine nicht aufgezogen war, kam jemand zum Nachsehen.

lg ivik