Schwiegervater plötzlich tot... wie sag ichs meinem Kind?

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von 110778 - 31.01.12 - 22:29 Uhr

Hallo zusammen,

ich hoffe, daß hier noch jemand ist, der mir helfen kann Kraft für den morgigen Tag zu finden... vor 1,5 Std rief meine Schwägerin an, daß der Vater (80) von ihr (und meinem Mann) tot sei. Ihr Sohn sei schon hingefahren und der Notarzt ist auch schon da.
Mein Mann ist natürlich auch gleich losgefahren. Ich bin zu Hause, da oben unser 2 Jungs (6Monate und 2,5 Jahre) schlafen.
Jetzt sitz ich hier und heule und frage mich, wie ich es dem Großen beibringen soll, daß sein Opa nicht mehr da ist...
Als es bei mir in der Familie damals so war, war ich schon größer und wußte schon was Engel sind und konnte auch mit der Kirche was anfangen... und nun? ICh weiß garnicht, was ich morgen sagen soll... er wird doch merken, daß ich traurig bin....

Bitte, wenn hier jemand ist, der mir Tipps geben kann, oder eine Bilderbuchempfehlung, wäre ich sehr dankbar.... Es war doch sein Opa Aua (er hatte mal ein Pflaster!) und er hat gerne mit ihm die Blumen im Garten gegossen...

LG
Katharina

Beitrag von shy - 31.01.12 - 22:56 Uhr

hallo...

ich war damals schon älter als meine mama mir sagte dass meine oma gestorben ist,aber ich erinnere mich noch heute....

sie sagte dass meine oma verstorben ist und erklärte mir was verstorben heisst...
sie sagte das oma jetzt schläft und nicht mehr aufwacht und dann für immer weg ist und auch leider nicht wieder kommt. sie sagte ich darf traurig sein und weinen und wenn ich das gemacht habe,dann ist danch auch wieder gut.sie sagte mir dass das der tod zum leben dazugehört und man daran nichts ändern kann aber dass man sich immerwieder an die Menschen erinnern kann.

Ob das jetzt für eine 2,5 jährigen schon passend weiss ich nicht,aber vielleicht hilft dir das etwas.

mein beileid und lg Melli

Beitrag von lucky17032011 - 31.01.12 - 23:13 Uhr

Hallo Katharina,

es ist gar nicht so leicht, Tipps zu geben, jeder Mensch geht mit dem Tod anders um.
Ich kann Dir nur erzählen, was ich erlebt habe: Letztes Jahr, bei meiner 1. Fehlgeburt, konnte ich es meiner Tochter (da war sie knapp 4 Jahre) nicht verheimlichen. Sie gab dem Baby jeden Morgen ein Küßchen auf meinen Bauch. An jenem Morgen, als ich es wußte, brach ich in Tränen aus. Man kann sich nicht vorstellen, wie ein Kind seine Mutter trösten kann. Sie gab mir Küsse, nahm mich in den Arm und gab mir ihre Kuscheltiere.
Ich habe viel mit ihr darüber gesprochen, auch sie selber tat es, schließlich mußte auch sie es verarbeiten, viel reden, finde ich sehr wichtig.
Ich denke, Kinder dürfen auch Traurigkeit und Trauer erfahren, es gehört zum Leben dazu. Es gibt nicht nur glückliche Stunden und eine fröhliche Mutter. Ich glaube Kinder verkraften es besser, als man selber, sie sind starke kleine Persönlichkeiten.
Was mir noch gerade einfällt; Dein Sohn wird sehen, dass Du sehr traurig bist, das kannst Du sowieso nicht verheimlichen, Kinder haben ein sehr feines Gespür. Ich finde, bei der Wahrheit zu bleiben am besten - das ist meine Meinung.

Ich wünsche Dir/Euch VIEL Kraft für morgen

VG lucky

Beitrag von susene - 31.01.12 - 23:32 Uhr

Hallo Katharina,

mein beileid. Ich kann dir nur von uns berichten. Mein Papa ist im Sommer letzten Jahres gestorben. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt knappe zwei Jahre. Wir haben ihr erzählt, dass ihr Opa bei ihrer Schwester im Himmel ist. Er passt im Himmel auf sie auf.

Sie zeigt ganz oft nach oben und sagt Opa Berndt passt auf mich auf...
Wir gehen ganz offen damit um, da das Thema Tod durch den Tod der Zwillingschwester meiner Tochter allgegenwertig ist. Rede mit deinen Kind, dass hilft euch beiden ganz doll.

lg Susan

Beitrag von regengucker - 31.01.12 - 23:56 Uhr

Hallo Katharina,

Laß dich erstmal kräftig #liebdrueck

Als letztes Jahr meine Mutter gestorben ist war unser Sohn 3 Jahre.
Darüber wie wir es ihm sagen würden, haben wir lange gegrübelt und vor der Reaktion viele Sorgen gehabt. (Sie war lange krank).

Dann kam aber doch alles anders:

Als der Anruf meiner Schwester kam, saßen wir Samstags beim Mittagessen. Als ich vom Telefon zurückkam, war mir natürlich anzusehen, das etwas schlimmes passiert war.
In der Situation (100% sicher bin ich nicht mehr) hab ich glaub ich nur rausbekommen "Oma ist gestorben" und mußte weinen. Unser Sohn meinte daraufhin zu mir:" Aber Mama, da brauchst du doch nicht so traurig sein. Sie ist dann doch jetzt im Himmel und da geht es ihr gut. (kurze Pause) Und alleine ist sie auch nicht - Uroma trifft sie da bestimmt auch wieder."
Da musste ich mich erstmal setzen!

Wir haben ihm dann später erklärt dass oma sehr krank war, und dass man wenn man ganz, ganz doll krank ist (oder sehr alt) sterben kann, weil der Körper irgendwann keine Kraft mehr hat. Wir haben ihm bewußt nichts von für immer schlafen oder eingeschlafen gesagt, das wir Bedenken hatten, er könnte sonst Angst vorm Schlafengehen bekommen.
Für ihn ist die Oma jetzt im Himmel und das Grab der Ort wo wir ganz besonders doll an sie denken. Alles weitere ergibt sich mit fortschreitendem Alter und einfach mit der Zeit.

Das Thema begleitet uns bis heute. Es kommen immer wieder Fragen. Am Anfang ganz oft, ob sie denn wirklich für immer tot ist und echt nicht wieder kommt. Und wer ihm denn jetzt "bei Oma und Opa" etwas vorliest... (Macht der Opa)
Immer wieder beschäftigt ihn seitdem auch die Frage, was denn passiert, wenn Mama und Papa tot sind. Und ob er seine Oma denn wiedertrifft, wenn er irgendwann mal tot ist.

Bilderbücher habe ich keine gefunden, die mir zusagten.

Ich kann dir nur raten, sei behutsam aber ehrlich. Er darf merken, dass du traurig bist, wird er sowieso.
Ich wünsch dir ganz, ganz viel Kraft für die nächste Zeit.
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass gerade euer Sohn euch ganz viel Kraft und Mut geben wird. Kinder können in der Trauer eine unschätzbare Hilfe sein allein dadurch, dass sie da sind.

LG
Regengucker