4 Jahre - Märchengeschichten ohne ende...drauf eingehen?

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Beitrag von bjane - 01.02.12 - 21:03 Uhr

hallo liebe Mamis und Papis,

mein Sohn, der gerade 4 geworden ist, erzählt seit geraumer zeit die wildesten märchengeschichten. meist weiß man ab einem bestimmten Punkt, dass sie nicht wahr sind und bisher haben wir meist mit erstaunen reagiert (was? wirklich? ist ja unglaublich...).

in letzter zeit häufen sich allerdings die Geschichten und verunsichern mich in zweierlei Hinsicht.

1. wenn sie nicht ganz so abstrus sind, sondern sich um Vorkommnisse aus dem kiga drehen, in denen er auch oft schlecht wegkommt, weiß ich nicht was davon ich glauben soll, und was nicht. will ihn ja nicht als Lügner darstellen. habe auch schon das ein oder andere mal die Erzieherin angesprochen und oftmals hat sie mir das von ihm erzählte bestätigt. - insbesondere beschäftigt mich momentan eine Sache, nämlich, dass mein Sohn letztes WE permanent davon erzählte, dass seine Erzieherin ihn "petze" genannt habe, weil er zu ihr gegangen sei um zu sagen, dass ein paar andere Kinder nicht beim aufräumen helfen. u.a. sagte er uns auch ganz traurig "das sagt man doch nicht zu kleinen Kindern, oder mama?". ich sprach also am Montag die Erzieherin darauf an, sie bestätigte das und sprach ihn auch gleich darauf an, ob er denn wisse wieso sie das gesagt habe. ihm stiegen die tränen in die Augen und er war ziemlich geknickt. sie hat sich zwar am ende bei ihm für die Wortwahl entschuldigt, je länger ich darüber nachdenke, umso unglaublicher finde ich ihre Reaktion nämlich. - wie kann ich ein 4 jähriges kind "petze" nennen, wenn ich es auf der anderen Seite dazu ermutige, zu sagen, wenn ihm etwas nicht passt?! - genau so erziehen wir ihn nämlich auch. wenn er meint, dass etwas nicht i.o. ist, sagen wir ihm schon, dass er dann immer zu uns kommen kann.
wenn ich die Erzieherin nun nicht angesprochen hätte, dann hätte er sich doch gedacht "meine mama setzt sich nicht für mich ein" und offensichtlich hat es ihn ja belastet.

nun zu Punkt 2:
deshalb finde ich es schwierig ihm beizubringen, wann soll er etwas sagen und wann nicht? klar gibt es dinge, die muss man nicht permanent jemandem, der die Verantwortung trägt auf die Nase binden; glaube aber, dass es evtl. noch etwas früh für ihn ist, das zu unterscheiden.
frage auch, soll ich ihn weiterhin seine "fantasiegeschichten" erzählen lassen (ist ja schön wenn Kinder so eine blühende Fantasie haben) oder soll ich ihm schon auch sagen, dass das doch nicht wirklich sein kann und er mir evtl. nur eine Geschichte erzählen will....????

so, sorry, dass ich mich hier erst mal "ausgekotzt" habe. ist meine Reaktion der Erzieherin ggü zu übertrieben? ich nenne meine (durchaus reiferen) Schüler ja auch nicht "petze" und selbst jugendliche kommen manchmal zu mir und wollen, dass ich schlichte. hab immer angst etwas zu sagen, aus angst dass der Schuss für mein kind mal irgendwann nach hinten los geht und er darunter leiden muss.

danke fürs "zuhören" und für eure Meinung!!

Beitrag von mondbaer - 01.02.12 - 22:36 Uhr

Hm, das mit der Erzieherin würde ich jetzt mal nicht so überbewerten. Das ist sicher ein Wort, das einem auch mal rausrutschen kann, ohne dass es so böse gemeint war.

Ich finde es gut, dass du die Erzieherin drauf angesprochen hast, denn offensichtlich hat es deinen kleinen Mann ja arg beschäftigt.

Muß es denn eine generelle Lösung sein? Wenn es "egal" ist, dann laß ihn doch erzählen und erfreue dich an seiner Phantasie. Wenn es was "Ernstes" ist, dann kann mit einem 4 jährigem doch schon gut reden. Wenn du war raus hörst, was dich hellhörig werden läßt, dann sag ihm, dass es wichtig ist, dass er dir die Wahrheit sagt und hinterfrage!

Beitrag von witch71 - 01.02.12 - 22:52 Uhr

Gerade das Beispiel mit der Erzieherin ist ein gutes Beispiel. Sie hat einen Fehler gemacht, ein falsches Wort benutzt, aber auch gesagt, dass sie das getan hat und sich eben entschuldigt. Sie hat also, als man sie direkt darauf angesprochen hatte, auch sofort die Wahrheit gesagt.
Wie gesagt, ein gutes Beispiel für seine Fantasiegeschichten: Er kann sie erzählen, aber wenn Du ihn direkt fragst, ob es wirklich wahr ist, dann darf er auch sagen, dass er "gespielt" hat. Macht hier eine Art Codewort/Codesatz aus. Sag ihm eben, Du musst das unterscheiden können, dafür spielst Du aber auch mit ihm mit. Und erkläre ihm, dass diese Geschichten in der Familie bleiben müssen, weil Fremde ja diese Abmachung nicht kennen.

Kinder lieben solche Geschichten, ich erzähle mit meinem Sohn heute noch Quatschgeschichten. Eigentlich wissen wir dann auch genau, dass es Unfug ist, aber manchmal kommt dann von ihm schon noch ein "eeeecht?". Dann sag ich ihm zwinkernd, dass ich "natüüüüürlich die Wahrheit ;-)" sage und schon ist er wieder voll dabei, weil er dann wieder sicher sein kann, dass ich grad wieder spinne. Würde ich ihn dann aber ernst anschauen und sagen: "Doch, das stimmt." dann wüsste er, das ist jetzt kein Spass.

Beitrag von knueddel - 02.02.12 - 10:02 Uhr

Hallo,

unsere Tochter liebt es auch, sich alle möglichen Quatsch-Geschichten auszudenken und diese zu erzählen.
Meist kann ich an ihrem Gesichtsausdruck aber schon sehen, ob es wirklich so ist oder sie sich gereade da etwas "zusammenspinnt", weil es ihr Spaß macht.
Wir hatten aber auch schon ein Gespräch darüber, dass sie mir nicht erzählen soll, dass ein Kind sie ärgert oder haut, wenn es nicht so ist, weil es dann Ärger geben kann, der nicht gerechtfertigt ist. So weit hat sie verstanden, dass sie sich gern alles mögliche ausdenken darf, aber niemanden ohne Grund beschuldigen soll. Wenn ich mir unsicher bin, versuche ich mit ihr darüer genauer zu reden und dann sagt sie, wie es war oder ob sie auch etwas gemacht hat.

Aber ich würde im Zwiefel auch die Erzieherinnen ansprechen, wenn meine Tochter selber die Situation nicht erklären kann oder ich merken würde, dass sie irgendwas sehr doll beschäftigt, unsere Erzieherinnen sind da jederzeit für Gespräche offen und nehmen sich Zeit und die Kinder dann auch ernst.

Ich versuch meiner Tochter beizubringen, dass sie erstmal versuchen soll, sleber mit den Kindern zu reden , ist aber schwierig und diese Fähigkeit muss ja auch erst geübt werden. Im Moment machen wir es so, dass wir ihr Vorschläge machen, wenn sie kommt und z. B. sagt, dass ihr Kumpel nicht das und das macht, was sie dann sagen kann oder machen könnte. Dann versucht sie nochmal mit ihm zu sprechen, aber wenn die zwei nicht klarkommen, schalte ich mich ein.
So hab ich das eigentlich bei der Arbeit ( bin selber Erzieherin) auch immer gemacht, den Kindern Vorschläge anbieten, aber erstmal die Situation genau beobachten und bei Bedarf einschalten. Ist natürlich für Siatuationen, die schon im Kiga stattgefunden haben und von denen Du erst zu Hause erfährst, sehr schwer.
Frag doch mal die erzieherinnen an, wie sie reagieren, frag mal nach.
Die Kinder sollten sich ja sicher sein, dass sie immer Hilfe bekommen bei den Erzieherinnen, auch wenn diese nnicht immer sofort die Situation klären müssen, aber die Verlässlichkeit muss da sein.

Ganz liebe Grüße
Cindy

Beitrag von qayw - 02.02.12 - 10:18 Uhr

Hallo,

wir sprechen immer wieder mit unserer Tochter (4 1/2) darüber, daß man nicht lügen soll.
Sie kann sich ja gerne Quatsch-Geschichten ausdenken, in denen keine realen Personen vorkommen, aber sie soll keine Lügen über andere erzählen. So langsam scheint sie das auseinander halten zu können.

Ich hatte früher im Kindergartenalter eine Freundin, die ständig Unsinn über Leute aus der Siedlung usw. erzählt hat. Das Ergebnis war, daß wir ihr nachher gar nichts mehr geglaubt haben (und unsere Eltern auch nicht). Ich möchte nicht, daß mein Kind nachher so als Lügnerin da steht.

Das mit dem Petzen ist so eine Sache. Ich denke, das Gespür, wann man was sagen geht und wann das nur petzen ist, müssen die Kinder selbst entwickeln. Da kann man als Erwachsener, der nicht dabei war, schwer was zu sagen.
Die Wortwahl der Erzieherin geht natürlich gar nicht. Aber letztendlich sind Erzieherinnen auch nur Menschen, denen mal was raus rutschen kann. Sie hat sich ja entschuldigt. Ich würde das nicht weiter aufbauschen.
Du kannst das Deinem Sohn ja genauso erklären. Er sagt sicher auch manchmal Sachen, die ihm später leid tun.

LG
Heike