Kann meine Tochter ihre Trauer nicht verarbeiten??

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von kessy3685 - 01.02.12 - 21:11 Uhr

Hallo,

meine Tochter wird diesen Monat 3 Jahre. Letztes Jahr sind ihre beiden Uromas gestorben, sie war immer überall dabei und wir haben das auch bewußt gemacht, damit sie das alles versteht- sofern sie mit 2 bzw. 2,5 das alles verstehen kann. Sie war bei beiden Uromas das Lieblingsmädchen und oft da, da die beiden bei meinen Eltern bzw. Schwiegereltern im Haus gelebt haben. Beide waren lange krank. Sie geht oft mit auf den Friedhof, darf Blumen und Kerzen mitbringen. Sie spricht auch oft von den beiden Uromas.

Im Moment ist es allerdings extrem. Sie erzählt allen von den Leuten die gestorben sind, will die Todeskarten aus meinem Kirchenbuch angucken, will wissen wer das war und warum die gestorben sind. Und dann erzählt sie das auch anderen Leuten.

Es ist im Moment so oft, dass ich mich frage, ob sie vielleicht eine Art Trauerunterstützung braucht- in Form eines Buches oder....? Bzw. was könntet ihr mir empfehlen oder raten?

Vielen Dank!

Beitrag von meje.8303 - 01.02.12 - 21:29 Uhr

Hallo,

***Letztes Jahr sind ihre beiden Uromas gestorben, sie war immer überall dabei und wir haben das auch bewußt gemacht, damit sie das alles versteht***

Es ist natürlich euch überlassen wie ihr das handhabt, jedoch kann ich nicht gut heißen das ihr ein so kleines Kind so nah an den Tod heranlässt. Klar, der Tod gehört zum Leben und auch Kinder sollten wissen was das heißt, allerdings ist es mit 2 Jahren meiner Meinung nach viel zu früh.

***Sie erzählt allen von den Leuten die gestorben sind, will die Todeskarten aus meinem Kirchenbuch angucken, will wissen wer das war und warum die gestorben sind. Und dann erzählt sie das auch anderen Leuten***

Damit hättet ihr rechnen müssen.

Leider kann ich keinen Tipp geben, wie eure Tochter nun besser damit umgehen könnte. Aber schau doch mal bei Amazon.de. Dort gibt es auch Bücher zu diesem Thema.

LG Melanie

Beitrag von anyca - 02.02.12 - 08:43 Uhr

Sehe ich anders. Grade dass das Kind im Moment so viel und so unbefangen (also auch gegenüber anderen Leuten) darüber redet, heißt für mich, dass sie das sehr gut verarbeitet. Ich denke, das Problem haben da grade Erwachsene, die den Tod lieber nicht thematisieren wollen, nicht das Kind.

Beitrag von kessy3685 - 02.02.12 - 18:30 Uhr

Danke für deine Antwort :-)

Beitrag von punkt3 - 02.02.12 - 09:59 Uhr

Das sehe ich völlig anders. So blöd das jetzt klingt, aber Kinder lieben es einbezogen zu werden. Und der Tod ist nun mal Teil des Lebens. Sie da rauszuhalten, ist nicht natürlich. wo sind die Uromas denn? Diese Fragen kommen doch, wenn man den Tod verschweigt.

Als die kleine Tochter meiner Freundin starb, stand die Todesanzeige auch bei uns auf der Kommonde. Ich brauchte das für mich, um das realisieren zu können, um Abschied zu nehmen, zu trauern usw.
Die Eule nahm das Bild ganz oft und sagte: Erzähl mal die Geschichte von dem Mädchen! Sie ging da anz unbefangen mit um, aber sprach oft über die Kleine. Und auch jetzt redet sie ganz unbefangen mit meiner Freundin darüber. Und glaube mir, meiner Freundin ist dies alles lieber als das wirkliche Totschweigen ihres Mädchens!

Punkt

Beitrag von kessy3685 - 02.02.12 - 18:33 Uhr

Dankeschön für deine Antwort.

Beitrag von nane29 - 01.02.12 - 22:16 Uhr

Hallo,

ich finde es richtig, dass ihr eure Tochter einbezogen habt.
Meine Tochter hat mt 3 Jahren ihre Oma verloren, sie standen sich ganz ganz nah, wie seelenverwandt.

Sie wollte unheimlich viel darüber reden, hat ganz viele Fragen gestellt und auch eine Zeitlang JEDEM wildfremden Menschen davon erzählt - genau wie deine!!!

Ich glaube, das IST Trauerbewältigung. Dass sie darüber spricht finde ich nur gesund und positiv. Sie frisst ihre Gefühle und Unsicherheiten nicht in sich hinein, sondern lässt sie raus.

Ich glaube, dass unsere Töchter fremden Menschen davon erzählen, weil sie die Reaktion sehen wollen. Es ist wie eine Suche nach Antworten.

Sei bloß froh, dass sie mit dir darüber spricht, dass sie Fragen stellt. Lena hat über 2 Jahre lang immer wieder mit dem Thema angefangen. Da kamen auch Fragen, wie: "Woher wussten die Ärzte, dass Oma sterben würde?", "Wie sah Oma genau aus, als sie gestorben ist?", "Wie sah Oma ohne Haare aus?" - wir haben sooooooo viel geredet und auch zusammen überlegt und fantasiert. Weil man einfach nicht auf alles eine Antwort hat.

Rechne damit, dass es lange dauern wird, aber wenn du auf sie eingehst, schafft ihr das bestimmt ohne Therapie.

Deine Kleine macht das super, finde ich. Meine Tochter hat das glaube ich auch sehr gesund und aktiv verarbeitet, aber keine Frage:

Dem Tod zu begegnen ist eine Kerbe in ihrem unschuldigen Leben und die lässt sich nicht komplett glattbügeln.

Wenn du dich austauschen möchtest, schreib mir gerne eine PN.

Liebe Grüße
J.

Beitrag von kessy3685 - 02.02.12 - 18:32 Uhr

Vielen Dank für deine Antwort. Das hilft mir schon sehr weiter und ich glaube, wir sind doch auf dem richtigen Weg.

Beitrag von yozevin - 02.02.12 - 10:03 Uhr

Hallo

Ich denke auch, dass eure Tochter grade mitten in der Trauerbewältigung steckt, auf ihre Art eben... Sie möchte drüber reden, sie hinterfragt, möchte wissen, was passiert, was passiert ist usw... Das ist Trauerbewältigung!

Ich würde ihr dabei einfach helfen, in dem ich auf sie eingehe, ihre erkläre, was sie wissen möchte, zeige, was sie sehen möchte etc...

Unser Sohn wird nächste Woche drei und war mittlerweile leider schon auf drei Beerdigungen dabei... Wir haben meinen Vater und meinen Opa "aktiv" mit in den Alltag eingebaut, damit er es verarbeiten und die beiden (zwei sehr wichtige Personen in seinem Leben) vor allem nicht vergisst... So passen die beiden zb tagsüber auf die Schnuller auf (mittlerweile nur noch auf den unserer Tochter), wir legen diese dafür vor die Bilder der beiden auf die Kommode.... An schönen Tagen geht momentan vor unserem Wohnzimmerfenster die Sonne auf, das verpacke ich als Gruß von Opa und TickTack, abends, wenn die Sonne untergeht, sagen Opa und TickTack auf diese Weise gute Nacht... Es sind Kleinigkeiten, die unser Sohn jedoch toll findet und regelrecht drauf wartet....

Wie gesagt, ich denke, eure Tochter verarbeitet grad das Erlebte auf ihre Weise, unterstütze sie einfach dabei...

LG

Beitrag von kessy3685 - 02.02.12 - 18:34 Uhr

Dankeschön für deine liebe Antwort. :-)

Beitrag von froehlich - 02.02.12 - 18:35 Uhr

Ich finde das Verhalten Eurer Tochter voellig gesund und normal - und denke auch, dass es gar nicht mal so viel mit "Trauerbewaeltigung" zu tun hat, sondern der ganz normalen Sozialisation kleiner Kinder entspricht....sofern sie einbezogen werden ins Erwachsenenleben. Ich kann mich erinnern, dass unser grosser Sohn mit 3-5 Jahren ein sehr intensives Interesse an "Sterben" und "Tod" entwickelte. Er ging dann auch ganz unschuldig rum und fragte: "Wann stirbst Du, Mama?" So kleine Kinder haben zum Tod und zum Sterben ein ganz anderes, viel unverkrampfteres Verhaeltnis als wir Erwachsene - auch, weil sie natuerlich noch gar nicht in vollem Umfang begreifen, was das bedeutet. Ich wuerde gar nichts weiter unternehmen - lasst Eure Tochter, antwortet in aller Ruhe und so wie ihr das wahrscheinlich eh schon tut. Klar hat der Tod der beiden Uromas sie vielleicht mehr auf dieses Thema gebracht als dies bei anderen Kindern der Fall waere. Schaden wird ihr das aber bestimmt nicht. Sie redet ja drueber. Das ist doch o.k.

babs

Beitrag von penneloppe - 02.02.12 - 20:08 Uhr

Hallo,

genau so, wie sich deine Tochter verhält, ist es absolut normal.... Kinder erzählen bis zu 3000x von einem traumatischen Erlebnis, um es zu verarbeiten... Das beste was Du tun kannst, sie es so oft sie will erzählen lassen und ihr immer wieder versuchen eine Antwort auf ihre Fragen zu geben.

Deine Tochter macht alles richtig, du auch!

Beitrag von johanna71 - 03.02.12 - 12:01 Uhr

Ich finde es völlig normal, wie sich deine Tochter verhält. Und ich finde es auch richtig, wie ihr euch verhalten habt.

Meine jüngeren Söhne (4 und 3) fragen auch viel; über den Tod der Großtante vor zwei Monaten, über den Tod ihrer Schwester vor 7 Jahren, wie lang ich wohl noch lebe und was dann ist. Das ist halt interessant in dem Alter. Sie gehen auch oft mit zum Friedhof und bringen Blumen und Kerzen hin.
Ich habe nicht den Eindruck, dass es meine Kinder belastet; im Gegenteil, ich denke, in dem Alter kommen Kinder besser damit zurecht als im Schulalter.

Beitrag von starshine - 08.02.12 - 15:27 Uhr

es ist völlig richtig, dass Du Eure Tochter da mit einbezogen hast. Der Tod gehört nun mal zum Leben.

Es ist eine normale Entwicklungsphase, dass sich Kinder mit dem "Hier sein" und "Nicht hier sein" auseinander setzen und die Abwesenheit von Menschen, die nicht mehr unter uns sind da mit einbeziehen, wenn sie die Erfahrung bereits gemacht haben. Da Ihr ihr gezeigt habt, dass es etwas natürliches ist, teilt sie das auch mit anderen - warum auch nicht?

Das Thema wird noch einige Male in der Entwicklung vorkommen und Du wirst merken, dass die Fragen zu dem Thema sich verändern und auch wie sie damit umgeht.

Wenn man z.B. Haustiere hat, kommt das Thema unter Umständen noch viel früher. Absolut unverantwortlich finde ich, wenn man Kinder "von so etwas" fern hält - das macht es zu etwas Falschem, einer Heimlichkeit.