Hallo,
vielleicht hat ja jemand Rat - oder wenigstens die Botschaft, dass es auch in anderen Familien so ist.. Mein Sohn ist zweieinhalb und mitten in der Trotzphase. Ich habe großes Verständnis dafür, dass es bestimmt manchmal ätzend ist, zweieinhalb zu sein - und ich versuche den "Das will ich alleine machen"-Anfällen auch da Raum zu geben, wo es geht. Will heißen: Wenn er unbedingt die Tür selber aufschließen/den Fahrstuhlknopf drücken/sein Essen kleinschneiden will, soll er das machen; auch wenns gelegentlich ewig dauert. Ich verstehe auch, dass es ihn nervt, wenn er in der Kita spielt und ich will ihn abholen. Dann warte ich auch noch fünf Minuten, damit er erstmal zum Ende kommen kann. Aber wenn er sich dann nicht anziehen will und ewig über den Gang tobt, werde ich sauer. Und wenn er, wie heute geschehen, nach dem Einkaufen auf dem Weg zum Auto mitten in der Fahrstuhltür einen Anfall bekommt, weil er in den anderen Aufzug wollte, kommt meine Geduld an ihre Grenzen. Ich rätsle jetzt sehr für mich, ob solche Ausraster in irgendeiner Form eine Konsequenz haben sollen oder können, damit es einen Lerneffekt gibt. Oder ist der in dieser so schön klingenden Autonomiephase sowieso nicht möglich, weil man bestenfalls erwarten kann, dass sie irgendwann auch wieder zu sich kommen? Ich hätte ihm heute, als er schreiend vor dem Auto lag (wegen der großen Fahrstuhlkatastrophe) am liebsten mit allen drastischen Dingen gedroht, die mir so einfielen, von der gestrichenen Gute-Nacht-Geschichte bis hin zur Freigabe zur Adoption. (
) Aber ist das sinnvoll? Er trotz ja nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Frust. Lernt er den auszuhalten, wenn die Anfälle irgendwelche Konsequenzen haben?
Ratlos,
susa
Trotz und Konsequenzen
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Beitrag von susa31 - 03.02.12 - 18:27 Uhr
Beitrag von doreensch - 03.02.12 - 19:13 Uhr
Nein lernt er nicht, er ist deinen Worten nicht mal zugänglich. Während eines Anfalles machen solche Androhuhngen und Umsetzungen nicht wirklich Sinn, da deine Worte weder gehört noch verstanden werden in dem Moment.
Außerdem muss eine Konsequenz immer im Zusammenhanbg des bewußt herbeiführten Fehlverhaltens stehen. Ein Streichen der Gute-Nacht-Geschichte, weil ein Gefühlskonflikt wegen der Auswahl des falschen Fahrstuhls über ihn einstürmte, hat keinen Sinn.
Frust auszuhalten lernt man nicht durch Konsequenzen/Strafen sondern durch Verständnis. Warte bis er nicht mehr im Kampf ist und sage das du verstehtst das er wütend und unglücklich war, das er aber nächstes mal anderes Entscheiden kann.
Beitrag von lisasimpson - 03.02.12 - 19:58 Uhr
nun ja, die konsequenz für einen 2 jährigen, der auf dem boden liegt und nicht mitkommt, während ich es eilig habe ist doch recht einfach:
ich schnappe ihn und er hat das recht verwirkt selbständig zu laufen.
er wird dann halt getragen wie ein Baby( das nicht laufen kann), weil er eben jetzt gerade ds nicht kann, was an Anforderung im raum steht.
wen nes um frust geht, den er gerade verspürt, würde eien strafe von dir doch den frust noch eher erhöhen, oder?!
er kommt ja mit dem augenblicklich vorhandenen noch nicht mal zurecht, warum sollte er dann besser klar kommen, wenn noch zusätzlicher dazu kommt?
Du kannst aber
- Situationen nachbesprechen (was könnten wir denn anders machen?)
- situationen vorstrukturieren (heute habe ich es eilig, daher kannst du heute nicht dies und das... dafür können wir das am nachmittag nachholen)
- situationen entschärfen (manchmal ists nicht so dramatisch wie wir erwachsenen denken, manchmal hilft auch einfach mitzuschimpfen, abzulenken, trösten, kurz abwarten, neue idee präsentieren)
- und wenn alles nicht hilft, dann mach kein drama draus, schnapp ihn und dann ist wieder gut:) hat er sich dann beruhigt, kannst du in ruhe klären was war und ihr könnt überlegen, wie man ds nächste mal eine solche Situation besser angehen könnte
Beitrag von susa31 - 03.02.12 - 20:16 Uhr
Danke für eure Antworten. Vom Kopf her erscheint mir das alles sehr logisch (und die beschriebenen Situationen insgesamt auch normal), im Bauch fühlt es sich in diesen Situationen momentan sehr nach komplettem Erziehungsversagen an.
Mein Umfeld suggeriert mir momentan schon sehr, alles könnte anders sein, wenn ich einmal richtig durchgreifen würde (was auch immer das heißen mag). Genau das glaube ich nicht - aber wenn wir diese Ausraster wie jetzt gerade gefühlte 400 mal am Tag haben, frage ich mich, ob meine Strategie, die sich meist auf "Da müssen wir jetzt beide irgendwie durch" beschränkt, die richtige ist.
Beitrag von tosse10 - 03.02.12 - 20:32 Uhr
Der falsche Fahrstuhl - DAS geht ja auch wirklich nicht!!!!! Wie kannst du Rabenmutter DAS deinem Kind antun!!!!
Wir machen das seit 1,5 Jahren jetzt mit. Ich habe mich abgefunden und sitze es aus. Ansprechbar ist unser Sohn dann eh nicht. Später ansprechen treibt ihn meistens wieder zur Weißglut. Also sage ich kurz an was Sache ist und ziehe es dann durch wenn es irgendwie geht. Die Zeit arbeitet für uns, das wird auch irgendwann besser. Bei uns merkt man das die "Anfälle" seltener werden. Bei gewissen Dingen gehe ich dem auch aus dem Weg das er so überschnappt. Z.B. ist seine Lieblingsfarbe blau. Wir haben buntes Geschirr, ich würde nie wagen ihm was grünes hinzustellen. Aber das sag ich ihm natürlich nicht. Der Tisch ist ja schon gedeckt wenn er zum essen kommt. Fällt ihm wahrscheinlich nicht auf. Wenn mein Mann mal deckt und ein falscher Teller steht da, ja dann vorsicht das dieser nicht zu Bruch geht.
LG
Beitrag von nichtdiemaus - 03.02.12 - 20:36 Uhr
Das kommt mir sooooo bekannt vor
Beitrag von witch71 - 03.02.12 - 23:15 Uhr
"Lernt er den auszuhalten, wenn die Anfälle irgendwelche Konsequenzen haben?"
Nein. Er wird aber lernen auszuhalten, dass diese dumme Welt nicht immer so funktioniert, wie wir es wünschen, wenn diese Anfälle die einzige "schlimme" Konsequenz sind. Er wird lernen auszuhalten, dass Menschen nicht immer das tun, was man gerade will und er wird lernen, dass man eben auch mal auf etwas verzichten muss, um einem anderen Menschen einen Gefallen zu tun.
Manchmal möchte ich auch das Privileg haben, mich wütend und heulend auf dem Boden zu wälzen, weil die Welt einfach nur gemein ist und nicht alles so kommt, wie ich es wünsche. Aber mich dafür dann noch zusätzlich zu bestrafen fände ich dann doch gemein und das würd ich dann schwer persönlich nehmen. 
Ein Tipp zum Umgang während des Anfalls in der Öffentlichkeit: Lächle. Und sing. Es gucken dann eh schon alle, aber wenn Du lächelnd ein schönes Kinderlied singst, während Du das kreischende Kind vom Schauplatz entfernst, dann denken wenigstens alle, das es am Kind liegt und Du bestimmt eine ganz tolle Mutter bist.
Beitrag von chriszx9r - 04.02.12 - 10:03 Uhr
Ok, meine Tochter ist noch nicht so alt. Aber wir üben jetzt 2 Dinge mit ihr, nämlich " komm her " und " nein" und wenn sie nicht hört, dann folgen Konsequenzen. ( jaja, schmeisst nur mit Steinen, aber wünschen wir uns nicht alle gehorsame Kinder ? Die Frage ist, wie kommen wir dahin... )
Ich habe zur Zeit ein tolles Buch,( Verwandeln Sie Ihr Kind in 5 Tagen: Wie Sie die Ansichten, das Benehmen und den Charakter Ihres Kindes in fünf Tagen ändern von Kevin Leman und Dagmar Schulzki von Luqs (23. September 2008)) was ich lese und dort steht zum Beispiel drin, dass diskutieren nicht wirklich Sinn hat. An deiner Stelle würde ich ein festes Ritual einbauen nach dem Kindergarten , wenn ihr nach Hause kommt, dass dein Kind dann was zu trinken und einen Keks bekommt. Wenn allerdings so ein Anfall gewesen ist, dann lässt du den Keks weg, weil ein ungezogenes Kind keinen Keks verdient hat. Und dann gehst du aus dem Raum. Wichtig ist, dass du dich nicht erweichen lässt. Wahlweise kannst du dass auch mit Nachtisch oder sonstigen machen.( Nur zur Deutlichkeit : ich spreche nicht von Essensentzug, sondern vom Nachtisch!Nicht dass mich hier jemand falsch versteht oder verstehen will) Dein Kind kann sich sehr wohl dran erinnern , was für ein Theater es gemacht hat, und dass du da nicht glücklich warst. Ich würde auch in der Situation nicht viel reden, einfach packen und gehen. Und dann die Konsequenzen sprechen lassen und dabei dann sagen, dass das und das heute vorgefallen ist und deshalb gibt es jetzt kein ... und dann keine weitere Diskussion zulassen.
Wichtig ist, dass du deinen Partner dir mit ins Boot holst. Es gibt nicht schlimmeres, als wenn der Partner dir dann in den Rücken fällt und seinen Nachtisch/Keks etc an das Kind gibt und eventl auch noch sagt " das arme Kind" Wäre erzieherisch ganz ungünstig.
LG Chris
PS Bei Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen...
Beitrag von odetta - 05.02.12 - 17:55 Uhr
Hallo
Schon der Titel ist eine Zumutung, das hört sich für mich wie Dressur an, findet Dein Mutterherz das wirklich gut????
http://community.rabeneltern.biz/thread.php?postid=904438
Ich empfehle Dir Das Kompetente Kind von Jesper Juul
Claudia
Beitrag von chriszx9r - 05.02.12 - 20:00 Uhr
Ich habs in niederländisch gelesen und da heisst es " zo wordt opvoeden leuk!" übersetzt ins deutsche " so macht erziehen Spass"
Daher sieht mein Mutterherz da keine Probleme mit.
Jesper Juul haben wir auch hier liegen und wird auch gelesen.
Allerdings muss man selbst einen Erziehungsstil finden , der für einen selbst richtig erscheint, der die Eltern nicht komplett zum Affen werden lässt, aber auch den Kindern genügend Platz zum entwickeln der eigenen Persönlichkeit und Wünsche lässt.
Liebe Gruesse
Chris
