Mich beschäftigt eine Sache:
Vor 20 Jahren habe ich eine Beziehung auf sehr blöde Weise beendet. Habe einfach mit einem anderen rumgeknutscht, weil ich wütend war.
Es ist so, dass ich diesem Ex immer mal wieder sowohl privat als auch beruflich über den Weg laufe.
Ich war damals sehr verliebt und fühlte mich verletzt, deshalb habe ich so einen Blödsinn gemacht. Wir haben niemals darüber gesprochen.
Jedesmal, wenn ich ihn sehe, habe ich einen Kloß im Hals und bin irgendwie gehemmt.
Meint ihr, es würde helfen, wenn ich das Thema einfach nochmal anspreche? Ein abschließendes Gespräch führe? Ihm erkläre, warum und dass ich wohl doch ein wenig pubertär gehandelt habe - er hat ja bis heute keine Ahnung, dass ich auf ihn wütend war (aufgrund eines Gerüchtes!; ich weiß nicht mal, ob das stimmt!).
Oder meint er dann, ich wolle ihn angraben? Oder vielleicht erinnert er sich ja nicht mal mehr und hält mich für völlig durchgeknallt?
Dass er sich angegraben fühlt, will ich auf keinen Fall! Wir sind beide glücklich verheiratet.
Aber ich habe das Bedürfnis, das zu klären.....fühle mich schlecht bei jedem Aufeinandertreffen, kann ihm kaum in die Augen schauen. Ich schäme mich.
Und ich habe auch das Gefühl, dass diese Erfahrung sein Bild von mir nachhaltig geprägt hat.
Inzwischen bin ich aber einige Jahre älter, vernünftiger, anders. Ich würde das gerne klarstellen, mich entschuldigen und ein für alle Mal meinen Seelenfrieden haben und ihm gegenüber dann endlich mal ein normales Verhalten an den Tag legen
Was meint ihr?
Danke für Eure Meinungen, C.
20 Jahre alte Geschichte nochmal ansprechen?
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Beitrag von unsicherundschämemich - 08.02.12 - 08:34 Uhr
Beitrag von agostea - 08.02.12 - 08:41 Uhr
Würde ich machen, mir hats geholfen.
Ich hatte eine ähnliche Situation mit einem Jugendfreund von vor hundert Jahren. Ich hatte ihn mal ziemlich blöd behandelt...das hat mich im nachhinein noch Jahrelang beschäftigt irgendwie.
Dann bot sich die Gelegenheit, mal miteinander zu sprechen. Ich habe dass dann klären können. War echt gut.
Er fands auch gut.
Gruss
agostea
Beitrag von Seelenfrieden - 08.02.12 - 08:58 Uhr
Guten Morgen C.,
wenn es Dir so sehr auf der Seele brennt, dann kläre das sobald sich die Gelegenheit bietet.
Wenn du das richtig angehst wird er sich auch mit Sicherheit nicht angegraben fühlen oder dich für grenzdebil halten.
Umgekehrt durfte ich diesen Fall schon erleben.
Eine Jugendschwärmerei war, nachdem wir über mehrere Wochen sehr intensiv Zeit miteinander verbracht hatten, von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu erreichen und für mich auch nicht mehr zu sprechen.
Da wir Jahre später wieder recht viel miteinander zu tun hatten und dieser plötzliche und ungeklärte Abgang seinerseits irgendwie zwischen uns schwelte hat er, als wir mal alleine waren die Gelegenheit genutzt und die Sache aufgeklärt....es war gut so, denn so konnten wir wieder unverkrampft miteinander umgehen. Das war übrigens etwa 12 Jahre später!
VG
Beitrag von sniksnak - 08.02.12 - 10:08 Uhr
Hallo C.
ich würd's machen! 
In der Schulzeit war mal jemand in mich verliebt (kam vor
). Das war mir total peinlich, dementsprechend verunsichert war ich. Und dementsprechend unfair war ich außerdem! Das ist fast 20 Jahre her und dennoch tut es mir heute im Erwachsenenalter wirklich leid, dass ich so ein Arsch war.
Leider finde ich ihn nirgendwo, dabei würd ich mich gern entschuldigen, auch wenn es reichlich spät käme. Hätte ich die Chance, würde ich es machen!
Viele Grüße
sniksnak
Beitrag von unsicherundschämemich - 08.02.12 - 10:10 Uhr
Na das hört sich doch schon mal positiv an.
Es hätte in der Vergangenheit durchaus schon Situationen gegebn, wo ich das mal hätte ansprechen können.
Aber ich habe mich nie getraut. Habe mir dann eingeredet, dass er es sowieso vergessen hat (unwahrscheinlich!). Außerdem hilft mir und meinem schlechten Gewissen das auch nicht weiter.
Es nagt immer mehr an mir. Ich liege teils nachts wach und überlege, wie ich es am besten anfange. Am nächsten Morgen denke ich dann wieder: so ein Quatsch, brauchste nicht mehr aufzuwärmen.
Aber es lässt mich einach nicht los.
Bei nächster Gelegenheit werde ich einen Versuch starten. Wenn ich auch noch nicht so genau weiß, wie.....
Beitrag von sniksnak - 08.02.12 - 10:25 Uhr
Naja, gerade wenn es dich SO doll beschäftigt, dass du nachts wach liegst, solltest du den Mut aufbringen 
Du schaffst das schon, weißt doch ziemlich genau, was du sagen willst. Kein Gegenüber erwartet in so einer Situation Perfektion. Sag es, wie du es empfindest, frei raus...
LG & viel Erfolg dabei
Beitrag von schoene-neue-welt - 08.02.12 - 12:48 Uhr
Wenn Dich die Sache bzw. dieser Mann immer noch so sehr beschäftigt, halte ich das für ein Indiz, dass dieser Mann Dir wichtig ist. Warum sonst sollte es Dich bekümmern, was er vo Dir denkt? Du möchtest in seinen Augen gerne gut dastehen - ich halte es für einen Versuch, Nähe zu erzeugen, eine gute Beziehung herzustellen. Und nicht für den Versuch, damit abzuschliessen. Was ändert sich an der Vergangenheit, wenn Du Dich jetzt erklärst? Nichts. Es lann nur etwas an eurer zukünftigen Beziehung ändern.
Mal anders herum gefragt: wie würdest Du es finden, wenn eine Ex-Freundin Deines Mannes ihn auf ihre Beziehung von früher ansprechen würde? Es würde Dir sicher nicht gefallen - aus gutem Grund.
Lass die Vergangenheit und diesen Mann ruhen. Schließe mit ihm ab - aber wirklich. Nicht, indem Du neue Anknüpfungspunkte herstellst.
Beitrag von zeitblom - 08.02.12 - 13:03 Uhr
Du meinst also, eine Entschuldigung fuer Fehlverhalten ist nur dann angebracht, wenn einem die betreffende Person "wichtig" ist?
Beitrag von unsicherundschämemich - 08.02.12 - 13:58 Uhr
Ich entschuldige Fehlverhalten eigentlich grundsätzlich und eher zeitnah!
Beitrag von agostea - 08.02.12 - 13:07 Uhr
Deine Theorie ist quatsch irgendwo.
Meine Entschuldigung damals hatte zum Beispiel nichts damit zu tun, das ich "gut dar stehen" wollte, oder das dieser Mensch über Gebühr wichtig gewesen wäre.
die einzige intension war für mich, dass es da einen Punkt im Leben gibt, den ich klären wollte, bereinigen - weil mein Verhalten Jahre zuvor ein Fehler war. Ein Fehler, wo ich bedenken hatte, dass es für den Betreffenden Mensch nachhaltige Folgen hat.
Um das zu ergründen, musste ich das nochmal ansprechen. Grade rücken.
Und das war eine gute entscheidung. Für die Person, und auch für mich.
Beitrag von unsicherundschämemich - 08.02.12 - 13:35 Uhr
Ja, so meine ich das auch!
Beitrag von unsicherundschämemich - 08.02.12 - 13:56 Uhr
Weißt Du, es sind zwei Punkte:
1. Ich räume gerne mit Fehlern auf. Normalerweise beende ich Konflikte durch ein klärendes Gespräch. Damals war ich zu feige. Ich habe diesen Punkt für mich einfach noch nicht abgeschlossen, bin mit meinem Gewissen nicht im Reinen.
2. Merke ich bei jedem Zusammentreffen mit diesem Mann, dass ich mich unwohl fühle, ihm gegenüber sehr unsicher auftrete, einfach nicht "normal" bin. Obwohl ich ihn sehr gern mag (einfach nur MAG, mehr nicht!) und auch seine Frau langsam zu einer Freundin wird.
Ich habe mit ihm abgeschlossen, gar keine Frage. Wir waren eh nur ganz, ganz kurz zusammen. Aber ich habe mich schlecht verhalten und ich möchte nicht, dass das ständig zwischen uns steht.
Wir treffen einfach häufig aufeinander. Eine ganze Weile habe ich immer so getan, als hätte ich ihn gar nicht gesehen. Ich kam also ziemlich arrogant rüber, so als wolle ich nichts mit ihm zu tun haben. Dabei war das nur meine Scham. Inzwischen haben wir bedingt durch Beruf und Freundeskreis sehr viel miteinander zu tun und nun möchte ich das gerne aus dem Weg räumen.
Ich möchte nicht, dass seine Frau davon erfährt, denn sie weiß mit Sicherheit bisher eh nichts von der Geschichte. Das soll auch so bleiben, denn ich möchte keinen völlig überflüssigen Ärger schüren.
Um Deine Frage nach meinem Mann zu beantworten: der hat noch sehr viel Kontakt zu seinen Ex-Freundinnen und wenn die zusammen auf ner Party stehen und reden, interessiert es mich nicht die Bohne, worüber sie reden. Wer weiß....
Und wieso ist es ein Problem, eine alte Geschichte, die einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen hat, zu bereinigen? Das hat nichts mit neuen "Anknüpfungspunkten" zu tun.
Beispiel: Wir begrüßen uns im Freundeskreis mit Küsschen. Bei ihm ist es immer so, dass wir beide dann erstmal kurz stocken, uns erst dann begrüßen oder in manchen Situationen uns auch mal nur die Hand geben. Ich find's halt seltsam, weiß nie, wie ich mich verhalten soll. Es wäre mir viel lieber, wenn das Zusammentreffen lockerer ausfallen würde und nicht immer so verkrampft. Oder: mit allen anderen kann ich lockeren Small-Talk führen. Bei ihm ist es immer sehr stockend, oft fällt mir auch gar nichts ein, weil ich so gehemmt bin. Ich wünsche mir einfach einen ganz normalen Umgang miteinander.
Und Du meinst, dass mir dieser Mann wichtig wäre. Da hast Du sicher recht, allerdings auf eine andere Art als Du sie hier wohl vermutest. Alle meinn Ex-Freunde waren und sind für mich wichtige Menschen, jedenfalls die, die mein Herz erobert hatten. Und zu allen pflege ich ein herzliches Verhältnis. Und mit allen sind sämtliche Unstimmigkeiten längst beseitigt. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir uns mal irgendwo wiedertreffen. Es ist immer nett. Auch, wenn man sich schonmal jahrelang aus den Augen verloren hatte: eine gewisse Nähe, Vertrautheit, Verbundenheit ist immer da. Es sind Freunde!
Beitrag von gustav-g - 08.02.12 - 19:07 Uhr
Ich wollte vier Frauen nach rund 40 Jahren sagen, was ich damals nicht konnte.
Das erste Gespräch hat ihr Mann ermöglicht. Es hat uns beiden geholfen.
Das zweite Gespräch hat meiner Ex grosse Freude gemacht. Mir auch.
Bei der Dritten kam ich zu spät. Sie ist vorher gestorben. Das wäre für meinen Seelenfrieden das Wichtigste gewesen.
Die Vierte finde ich nicht mehr.
An deiner Stelle würde ich ein klärendes Gespräch führen. Das entkramft eure Begegnungen.
Beitrag von lichtenstein - 08.02.12 - 16:54 Uhr
Nach 20 Jahren??? Meiner Meinung nach: lass stecken! Ihr steht euch nicht wirklich nahe, lauft euch nur über den Weg, da hat das Geschehen von damals sicherlich keine Auswirkungen mehr.
Wenn mir so etwas begegnen würde, wäre ich mehr als nur konsterniert. Eine abgeheilte Verletzung muss nicht mehr verbunden werden und für verspätete Gewissensbisse hätte ich auch keine Lust, Absolution zu erteilen. Entschuldigung funktioniert nur gleich oder eben garnicht.
Beitrag von unsicherundschämemich - 08.02.12 - 17:08 Uhr
Naja, wir sehen uns inzwischen recht häufig, laden uns gegenseitig ein etc.
"Verspätete Gewissensbisse" kann man so nicht sagen: dieses schlechte Gewissen trage ich ja schon lange mit mir herum. Es wird aber durch mehr Kontakt wieder stärker.
"da hat das Geschehen von damals sicherlich keine Auswirkungen mehr" Eben doch. Wie schon geschrieben: distanziertes, eher gehemmtes Verhalten trotz nettem Kontakt. KAum zu beschrieben, seltsam irgendwie. Ich möchte es normalisieren.
