Ich hab Rudi Assauers Erinnerungen in einer langen Nacht durchgelesen. Danach hab ich mich hingesetzt und auf eine Seite Papier geschrieben, was mir in meinem Leben wichtig ist. Ich wünsche mir, dass ich das nie vergesse.
Das Buch ist weit über den Fußball hinaus lesenswert. Es rückt eine Krankheit in den Mittelpunkt, die immer noch von so vielen gar nicht oder falsch verstanden wird.
Vor dem Menschen Assauer, vor seinem Mut, zu seiner Krankheit zu stehen und den aussichtslosen Kampf gegen diese aufzunehmen, kann ich nur allergrößten Respekt haben.
Wenn er einem einzigen Erkrankten jetzt oder in Zukunft ein wenig Mut gemacht hat, wenn er einem einzigen Angehörigen das Wesen der Krankheit ein wenig näher gebracht hat, wenn er einem einzigen, der bislang gespottet hat, die Augen geöffnet hat, dann hatte das alles wenigstens irgendeinen Sinn.
Ich wünsche Herrn Assauer noch viele schöne Momente.
"Wie ausgewechselt"
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Beitrag von deserteur - 08.02.12 - 12:48 Uhr
Beitrag von hedda.gabler - 08.02.12 - 19:47 Uhr
Hallo.
Wenn Dich das Thema interessiert kann ich Dir nur "Small World" von Martin Suter empfehlen ... Gesellschafsroman, Gesellschaftskrimi und mittendrin diese Krankheit ...
... seitdem verstehe ich noch viel besser, was mit meinem Opa (das war allerdings eine Demenz, aber einige Symptomatiken decken sich) innerhalb kürzester Zeit passiert ist.
Ein sehr berührendes, aber auch charmantes Buch.
LG
Beitrag von white-blank-page - 08.02.12 - 20:57 Uhr
Ja, das ist ein gutes Buch!
Stimmt.
Beitrag von deserteur - 08.02.12 - 22:04 Uhr
Danke für den Buchtipp. Ich hab es mir sofort bestellt.
Wenn es mir nicht gefällt: ICH vergesse nicht, wer es mir empfohlen hat
Beitrag von white-blank-page - 08.02.12 - 22:04 Uhr
NOCH nicht.
Beitrag von white-blank-page - 08.02.12 - 20:58 Uhr
Wieviel Fussball ist drin in dem Buch? Denn all das andere interessiert mich sehr, nur Fussball... hmnaja. 
Dein Urteil liest sich gut. Jetzt bin ich neugierig.
Beitrag von deserteur - 08.02.12 - 21:29 Uhr
Ich finde, es ist nicht zu viel Fußball. Zumal Assauer ja auch überwiegend als Manager bekannt geworden ist, das könnte oft auch jeder andere Lebensbereich sein.
Aber ich bin eben auch Fußballfan und hab mich auch für diese Teile des Buchs interessiert.
Und ich finde, dass Assauer eine grundsympathische Art hat, mit seiner Krankheit umzugehen. Sieh dir mal die verlinkte Reportage an, ist ergreifend, aber irgendwie - für mich - auch manchmal rührend und Mut machend.
Beitrag von white-blank-page - 08.02.12 - 21:50 Uhr
Gut ist sie.
Aber sie macht mir auch Angst.
Wie er die Uhr aufgezeichnet hat. Und wie sie den Verlauf aufzeigten, wie schnell da die Entwicklung nach unten stattfand.
Wie haltlos er in der Öffentlichkeit wurde, wenn seine Bezugsperson fehlte.
Wie er da steht in seinem Wohnzimmer, wie bestellt und nicht abgeholt.
Ich lese gerade den letzten Wallander, und der Herr Kommissar leidet wohl unter genau derselben Demenzerkrankung. Ich bin noch lange nicht durch, aber mir graust vor dem Ende.
Der Gedanke, vielleicht einmal selbst Betroffene zu sein, sei es als Erkrankte oder Angehörige, der beunruhigt mich sehr.
Beitrag von deserteur - 08.02.12 - 22:02 Uhr
Alzheimer ist eine schreckliche Krankheit, zweifelsohne. Aber wie jeder Schrecken, so wird auch diese Krankheit ein kleines, kleines bisschen weniger schrecklich, wenn man sich traut hinzusehen und nicht die Decke über den Kopf zieht.
Ich kenne von vielen Besuchen in Pflegeheimen den einen oder anderen Fall. Ich habe sehen dürfen, wie Menschen mit weit fortgeschrittenem Alzheimer trotz allem noch schöne Momente erleben konnten, Freude empfinden konnten, lachten. Das hat mir viel gegeben.
Beitrag von white-blank-page - 08.02.12 - 22:06 Uhr
Ja, und wie in so vieles wird man auch in diese Krankheit hineinwachsen. Wenn auch ungewollt.
Danke dir, ICH denke mir, deinen Buchtipp nehme ich mir zu Herzen (Heddas Tipp kenne ich ja schon)!
Beitrag von white-blank-page - 08.02.12 - 21:15 Uhr
anbei bemerkt: in der mediathek im zdf findet sich der beitrag dazu.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1562374/Ich-will-mich-nicht-vergessen
Beitrag von janaslocken - 09.02.12 - 08:59 Uhr
Bisher mochte ich Herrn Aussauer nicht. Er erschien mir überheblich und arrogant. Ich hab mir jetzt den Beitrag angesehen und muss sagen, dass es mich schon bewegt. Ein ganz anderer Mensch ist er geworden. Schade und schlimm sowas.
Beitrag von deserteur - 09.02.12 - 09:35 Uhr
Das ist übrigens ein interessante Frage: Klar, ein Krankheit wie diese ist schlimm. Wie aber werten wir es, wenn sich durch diese Krankheit ein vorher vielleicht gar nicht so sympathischer, weil lauter und großspuriger Mensch, zu einem - so empfinde ich es - in all seiner Verletzlichkeit sehr liebenswerten und irgendwie auch bewundernswerten entwickelt?
Ist das vielleicht eine Sicht, die gar nicht so abwegig ist? Die Krankheit als fürchterlicher Schicksalsschlag, aber auch als vielleicht die entscheidende Veränderung, die jetzt noch mal das eine oder andere Jahr der großen Nähe und Vertrautheit zwischen ihm und der Tochter möglich macht?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
Beitrag von janaslocken - 09.02.12 - 11:00 Uhr
Das hab ich mich im selben Atemzug gefragt als ich das schrieb. Ob es richtig ist jemanden plötzlich symphatischer zu finden, nur weil er sehr krank ist?! Moralisch sicher nicht...naja, mir tut es trotzdem leid.
Beitrag von janaslocken - 09.02.12 - 09:02 Uhr
Der Test beim Arzt...schockierend.
