Kjell Flint, Eine schnelle Geburt trotz Einleitung

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Beitrag von pusteblume23 - 08.02.12 - 22:07 Uhr

Geburtsbericht Kjell Flint

Nachdem ich als Erstgebärende immer fleißig und interessiert alle Geburtsberichte hier im Forum gelesen habe, möchte ich nun auch meine Erfahrung und Erinnerung mit euch teilen.

Nach einer Traumschwangerschaft ohne irgendwelche Komplikationen wurde beim allerletzten Frauenarztbesuch am 24.01. 2012 schnell klar: Das Kind muss bald auf die Welt. Mein Sohn wurde von meiner Frauenärztin schon sehr groß und lang geschätzt. Zudem war kaum noch Fruchtwasser vorhanden. Die Aussage -Wenn bis zum ET bei Ihnen nichts passiert, Frau Wittkowski, sollten sie sich gleich am Tag darauf im Krankenhaus vorstellen, damit die Geburt eingeleitet wird - schockierte anfangs ein wenig... Man hört ja so viel schlechtes über Einleitungen. Aber natürlich überwog auch die Vorfreude auf mein Baby. Also hieß es erst einmal abwarten und Tee trinken.. Himbeerblättertee ;-)
Der ET kam.. Nichts war passiert. Ab und zu ein harter Bauch, mal ein Ziehen hier, mal ein Ziehen da.. Aber nichts deutete auf eine baldige Geburt hin. Also rief ich am 2.2., dem errechneten ET im Kreissaal an. Ich hatte eine nette Hebamme am Telefon, die sagte, ich solle gleich vorbeikommen und nicht noch ein Tag warten. Also fuhr ich mit meinem Mann Ben ins Krankenhaus.. Nach einem langen CTG und einer Ultraschall-Untersuchung vom Chefarzt die Bestätigung: Wir müssen morgen einleiten. Bei einem Schätzgewicht von 4360g und dem wenigen vorhandenem Fruchtwasser dürfte man nicht noch länger warten, hieß es. Ich sollte am nächsten Tag um 8.00 Uhr da sein, damit mit Cytotec eingeleitet werden konnte. Man, war ich aufgeregt. Ich habe die ganze Nacht kaum ein Auge zugetan.. Immer wieder dieselben Fragen schwirrten in meinem Kopf umher: Wie schnell wird die Einleitung wohl dauern? Tun die Wehen sehr weh? Wie sieht mein Baby aus? Geht es ihm gut? Und und und...
Der Tag kam und ich habe morgens noch einmal ausgiebig geduscht und gefrühstückt und dann ging es los. Um kurz vor acht war ich mit Ben da. Ich durfte mir einen Kreißsaal aussuchen und dann wurde erst mal eine Stunde CTG geschrieben. Um 9.00 Uhr war Schichtwechsel und eine neue Hebamme kam. Sie war, wie alle anderen Hebammen und Ärzte, die ich im Krankenhaus bisher kennen lernen durfte, sehr nett. Daraufhin bekam ich auch die erste Tablette Cytotec. Und es wurde eine weitere halbe Stunde CTG geschrieben. Nichts passierte. Ich fühlte mich gut, allenfalls ein wenig müde. Ben und ich lümmelten uns im Bett hin und her und ich las ein wenig. Um 12.00 Uhr gab es Mittagessen für mich. Ben musste sich mit einem Brötchen vom Bäcker begnügen. Um 13.00 Uhr gab es zwei Tabletten Cytotec. Wieder eine halbe Stunde CTG. Nichts... Mein Mann fuhr kurz nach Hause, um noch mal was zu essen. Kaum war er weg, überfiel mich eine unglaubliche Müdigkeit. Also las ich ein wenig in einem Buch und döste so vor mich hin. Ben kam bald schon wieder und legte sich zu mir. Wenig später wurde ich wieder wach und spürte ganz ganz leichte Unterleibsschmerzen wie bei der Menstruation. Nichts überragendes, dachte ich mir. Die nette Hebamme kam um 17.00 Uhr wieder mit den nächsten zwei Tabletten. Und wieder wurde ein CTG geschrieben. Und.. Oha! Ein Novum.. Ganz kleine, unregelmäßige Wehen wurden verzeichnet. Aber nichts weiter wildes.. dachte ich anfangs.. nach 15 Minuten CTG wurde das leichte Ziehen etwas stärker.. Ich dachte erst, ich hätte nen Pups (Tschuldigung dafür ^^) irgendwo quer sitzen. Die Schmerzen glichen inzwischen eher einem leichten Stechen und Krampfen im Unterleib wie bei einer Verstopfung. Tatsächlich war ich zu dem Zeitpunkt schon ein wenig am Schnaufen, was ich mir aber irgendwie nicht eingestehen wollte.. Das konnte doch mit den Wehen nicht so schnell gehen, oder? Das CTG wurde abgemacht. Ben erzählte der Hebamme, als diese fragte, wie es mir denn gehen würde: „Also eben war sie schon ganz schön am Schnaufen.“ Ich tat das als Übertrieben ab und sagte, ich müsste nur mal auf die Toilette. Tatsächlich tat ich das auch und der Darm war wieder leer ;-) Aber die Schmerzen dennoch noch da.. Hm.. Komisch.. Nun gut: Um 18.00 Uhr gab es erst einmal Abendbrot. Im Sitzen ging es mir schon wieder besser. Doch nach einer Stunde wurden die Schmerzen von mal zu mal stärker. Es war ein wirklich fieser Dauerschmerz.. Ein Brennen und Stechen im Unterleib. Ich legte mich mit Ben wieder ins Bett und versuchte noch ein wenig zu schlafen. Allerdings hat es im Gegensatz zu meinem Mann nur zu einem Dösen gereicht. Dann plötzlich wie aus dem nichts: Ein Blasensprung. Mir rann das Wasser nur so heraus.. War das ein Schock. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Und ich dachte noch: Das soll wenig Fruchtwasser sein? Ich weckte meinen Mann. „Ben!“ Keine Reaktion. Ich schrie „Ben!“ Endlich wurde er wach. „Mir ist die Fruchtblase geplatzt. Hol die Hebamme!“ Ben hat erst gar nicht gecheckt, was ich von ihm wollte. Aber er stand schwankend auf und holte die Hebamme. Sie kam und schaute: „Ah ja.. Das ist eindeutig ein Blasensprung! Fast pünktlich zur Tagesschau.“ Es war tatsächlich kurz nach 20.00 Uhr. Sie holte Handtücher und eine nette Netzunterhose und ganz viele Einlagen.. Zu dem Zeitpunkt durfte ich vorerst nicht mehr aufstehen, denn der Kurze lag noch nicht tief genug im Becken drin. Also wurde ich von der Hebamme ausgezogen und „gewindelt“. Zumindest fühlte es sich so an. Dann die Schockaussage von der Hebamme: „Hm.. Das Fruchtwasser ist grün.“ Ich war erst total besorgt, aber die Hebamme meinte, dass das CTG immer gut aussah und ich mir erst einmal keine Sorgen machen brauch, da alles in Ordnung sei. Hinzu kam die Ärztin. Da ich vor der Geburt auf Streptokokken positiv getestet wurde, wurde mir auch sofort ein Antibiotikum über einen Venenzugang verabreicht. Von da an ging alles ganz schnell und ich hab alles nur noch verschwommen in Erinnerung. Die Wehen wurden innerhalb von 10 Minuten so schlimm, dass ich mich krümmte vor Schmerzen. DIe Hebamme untersuchte mich noch: Muttermund bei 1-2 cm. Und die Ärztin relativierte gleich wieder: Frau Wittkowski. Das kann jetzt aber trotzdessen noch länger dauern.“ Na toll, dachte ich. Jetzt schon so Schmerzen und es soll noch lange dauern? Ich blieb liegen und versuchte zu veratmen. Um 21. Uhr war der Schmerz schon kaum mehr auzuhalten. Ich konnte mir nicht erklären, warum das aufeinmal so schnell ging. Schichtwechsel: Eine neue Hebamme kam. Und die war wirklich, wirklich toll von ihrer Art. Sehr ruhig. Sie veratmete mit mir die Wehen gemeinsam und gab mir ein Buscopan-Zäpfchen, was aber nicht wirklich geholfen hat. Auch die Kügelchen, die es immer wieder gab, halfen nix. Also wehte ich weiter vor mich hin. Inzwischen durfte ich auch aufstehen. Ich sollte ein wenig im Kreißsaal umhergehen. Aber dazu war ich nicht im Stande. Am besten konnte ich die Wehen im Sitzen veratmen. Ich war wie in Trance. atmete schwer, war am Tönen und ließ im Sitzen meine Hüfte langsam kreisen. Ben meinte hinterher zu mir, dass ich aussah, als wäre ich auf Drogen gewesen :-p So ein Blödmann.. ^^ So vergingen die nächsten 2- Stunden. Um 23. Uhr untersuchte mich Die Hebamme wieder. Muttermund bei 3-4 cm. Es ging also voran. Allerdings hab ich ihre Aussage trotzdem nicht wirklich wahrgenommen. Ich sagte nur die ganze Zeit: Ich bin so müde. ich will schlafen.“ Und tatsächlich musste ich nach jeder Wehe kräftigst gähnen. In einer Wehenpause sagte die Hebamme dann zu mir: Lea, ich glaube wir sollten jetzt mal über eine PDA nachdenken. Du bist mir einfach schon zu kaputt.“ „Ja! Ja, ja, ja!“ Ich wollte unbedingt eine. Es konnte ja keiner ahnen, dass die Wehen plötzlich nach dem Blasensprung von 0 auf 100 einsetzen mit gerade mal 10 Sekunden Wehenpausen. Ich war einfach völlig fertig und am Ende meiner Kräfte. Es gab noch eine Infusion. Der Anästhesist kam auch schon nach 10 Minuten. Ich musste also nicht lange warten. Ich sollte vorher noch mal Pipi machen gehen. Alter Falter! Das mit solchen Hammerwehen ohne wirkliche Pause aufs Klo, war ein Abenteuer. Und es war kein schönes. Ich hab es dennoch irgendwie geschafft. Also ich vom Klo runter kam, sollte ich mich auf die Bettkante setzen. Ich bekam ein Wehenblocker gespritzt. Der Narkosearzt war sehr freundlich und arbeitete schnell. Die Wehen hatten ausgesetzt. Ich konnte einen Moment lang gut sitzen ohne veratmen zu müssen und die PDa wurde gelegt und saß sofort wie eine eins. Ich sollte mich hinlegen.. Plötzlich keine Schmerzen mehr. Ich öffnete nach langer Zeit das erste Mal wieder die Augen und sah vor mir einen kleinen grinsenden Arzt sitzen. „Besser?“ Ich hätte ihn heiraten können. Ich hatte keinerlei Schmerzen mehr. Es war nichts mehr zu spüren. EIn Wunderwerk der Medizin. Einfach toll. Und die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich lag also im Bett. Die Hebamme sagte zu mir: „Und jetzt versuch dich ein wenig auszuruhen. Ben legte sich auch mit ins Bett und wir beide schliefen ein. Nach ca. 1-2 Stunden wurde ich mit einem Mal wach. Oh Gott. Was ist denn das schon wieder? Der nächste Schock. Ich hatte auf einmal einen super starken Druck nach unten. Als hätte ich groß auf Toilette gehen müssen. Ich klingelte nach der Hebamme. Nichts passierte. Ich weckte Ben: „Ben! Hol die Hebamme. Ich hab einen super starken Druck nach unten.“ Mein Mann stand verschlafen und abermals schwankend auf und suchte nach der Hebamme. Er kam wieder ins Zimmer und sagte: „Hier ist niemand.“ Oh Gott, dachte ich nur. „Dann krieg ich jetzt eben mein Kind alleine!“, antwortete ich patzig. Mir war inzwischen bewusst, dass es nur Presswehen sein konnten.. Nach 1-2 Stunden Schlaf. Ben machte sich noch mal auf die Suche nach der Hebamme und fand sie endlich. In der Zwischenzeit hab ich schon angefangen zu pressen ^^. Als Ben, die Hebamme und die Ärztin da waren, untersuchte die Hebamme mich: Muttermund komplett geöffnet. „Es kann losgehen. Press ruhig mit“, sagte sie zu mir. Also tat ich mein bestes.. Heidwitzka! Das war ein unangenehmes Gefühl.. Ein Gefühl zwischen Schmerz und der Erleichterung den Schmerz wegpressen zu können. Alle feuerten mich an. „Nur noch ein Stück.“ Mein Mann saß hinter mir und ich hielt mich an ihm fest. Ich verlor jegliches Zeitgefühl. Als er sagte: Lea, ich kann ihn schon sehen. Nur noch ein ganz kleines Stück“, war das ein unglaublicher Ansporn. Ich sollte noch mal alles Kraft zusammen nehmen und mir in die Kniekehlen fassen. Nach 2 bis 3 mal Pressen danach, war er dann da. Erst der Kopf, dann die Schultern. Es fühlte sich schmerzhaft, aber gut im gleichen Moment an. Und dann war er da und fing sofort an zu brüllen. Wenn ich an diesen Moment zurück denke, fließen mir die Tränen. Das waren unglaubliche Emotionen, die da freigesetzt wurden. Die ganze Anstrengung, die ganzen Schmerzen waren plötzlich weg und vergessen. Ich setzte mich mit Hilfe von Ben auf und schaute zum ersten Mal auf mein Baby hinab. Das ist wirklich mein Kind. Mein eigenes. Das was, 10 Monate in meinem Mutterleib war. Welches ich schon da geliebt habe. Nun ist er endlich da. Unser Kjell Flint. Ich fasste vorsichtig nach ihm, legte ihn mir auf die Brust und lehnte mich wieder zurück. Er war immer noch am weinen, aber es wurde ruhiger und regelmäßiger bis es nur noch ein Wimmern war. Sie deckten ihn zu und gaben uns Zeit. Ich sah meinen Mann an und er schaute zurück zu mir und uns glitt einfach nur ein Lächeln über die Lippen. Es bedurfte keiner Worte mehr. Wir waren so glücklich. Mit einem leichten Pressen gebar ich nach ca. 10 Minuten auch die Plazenta. Sie war vollständig. Sah schon etwas eklig aus ^^. Kjell wurde abgenabelt, Ben schnitt die Nabelschnur durch, obwohl er vorher stark angezweifelt hatte, dass er das zustande brächte. Erstaunlich, was Emotionen alles auslösen. Wir kuschelten noch 10 Minuten, dann wurde er ganz kurz von der Ärztin untersucht. Alles ok. Anschließend nahm sie die Hebamme ganz kurz den Kleinen. Ich sollte in der Zwischenzeit tiefer zum Bettende rutschen, da ich genäht werden musste. Über die PDA gab es noch einmal Schmerzmittel gespritzt. Dann legte die Ärztin mit dem Nähen los. Währenddessen hörte ich von der Hebamme: „Genau 4000g, 53cm und einen Kopfumfang von 38cm.. Mir rutschte nur ein: „Oh weh.“ heraus. Jetzt erfuhr ich auch erst die Uhrzeit. Kjell wurde um 3.08 Uhr geboren. Ich habe also eine Stunde in den Presswehen gelegen. Bei dem Kopfumfang wohl kein Wunder. Und es war auch kein Wunder, dass ich anschließend eine Stunde genäht werden musste. Ich hatte einen Dammriss 2.Grades und eine Labienriss, der mir jetzt noch ziemlich zu schaffen macht. Ohne Schmerzmittel geht noch nix. Allerdings verheilen die Wunden schon ganz gut. Während ich genäht wurde, durfte der Papa mit dem Kurzen kuscheln. Anschließend legte ich mich in das Stationsbett um, der Kurze bekam seine erste Kleidung und wurde mir wieder auf die Brust gelegt. Dann ging es rüber zur Wochenbettstation.
Ja.. Das soll er gewesen sein, mein Geburtsbericht. Trotz der Einleitung ging die Geburt also relativ schnell von statten. Ich weiß nicht, ob die Wehen weniger doll gewesen wären, wenn nicht eingeleitet hätte werden müssen. Da fehlt mir die Vergleichsmöglichkeit :-) Ich persönlich hätte mir die Geburt aber nicht anders gewünscht. Ich denke mal, die Schmerzen gehören eben einfach dazu. Dafür sind sie aber auch schnell vergessen, wenn man hinterher sein Allerliebstes in den Armen halten darf. :-)

#verliebt#verliebt Kjell Flint, *4.02.2012, 4000g, 53cm, KU 38cm #verliebt#verliebt

Beitrag von skorpion82 - 09.02.12 - 09:56 Uhr

Herzlichen Glückwunsch!

Und kein Wunder, dass Dich die Schmerzen so fertig gemacht haben bei den Kindswerten. ;-)
Schön, dass es Euch beiden gut geht!

Beitrag von beamaus1987 - 09.02.12 - 12:09 Uhr

Hallo Lea!

Ein sehr toller Geburtsbericht. Hätte fast mit geweint, so toll und spannend hast du ihn geschrieben.

Und einen schönen Namen hast du für deinen Sohnemann ausgesucht.
Ich hoffe, das ich in spätestens 12 Tagen auch so eine tolle Geburt erlebe.

Wünsche euch eine schöne Kennenlernzeit!

Lg Bea mit Julia inside ET-12