Erwachsene Behinderte Wohnmöglichkeit?

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Beitrag von kastelzeichnerin 03.08.12 - 22:36 Uhr

Hallo,

also meine Frage ist schon sehr speziell, aber vielleicht habe ich ja Glück und jemand weiß was. Es geht um eine Person, die mit einer Spina bifida geboren wurde. Sie ist inzwischen über 30, sie kann laufen, sie braucht allerdings Windeln. Sie hat einen Hauptschulabschluss und seitdem einen Job in einem Büro als Hilfskraft, der ihr gut gefällt. Sie hat versucht, allein in einer Wohnung zu leben, aber das geht leider nicht. Obwohl sie "putzt" sieht es ganz, ganz schlimm und ekelhaft aus. Zudem hat sie hohe Schulden gemacht, weil sie sehr naiv ist und auf die falschen Leute hört. Auch zu einem Vertreter kann sie nicht nein sagen und unterschreibt dann alles. (Beim Einkaufen ist sie hingegen sehr vernünftig, recht anspruchslos, und braucht nicht viel Geld.) Inzwischen wohnt sie schon länger wieder bei ihren Eltern, aber das ist keine Dauerlösung. Es gibt oft Krach, weil der (inzwischen über 70jährige) Vater ihre Behinderung nicht akzeptieren kann und will, und sie eben nicht in der Lage ist, so zu funktionieren, wie er das gerne hätte. Leider wurde immer nur ihre körperliche Behinderung angeschaut, es gibt absolut keine Diagnose, inwieweit sie geistig fit ist. Es ist also wirklich schwer für uns alle einzuschätzen, was sie nun kann und was sie nur nicht will (der Vater meint natürlich immer, dass sie nur nicht will).

Jedenfalls zu meiner eigentlichen Frage: Gibt es irgendeine Wohnmöglichkeit für solche Fälle, die zwar einen Job haben und sehr selbständig leben können, aber eben nur nicht in der Lage sind, einen eigenen Haushalt zu führen??? Ich habe echt Schwierigkeiten, da was rauszufinden. Und selbst wenn sie sich jetzt noch zusammenraufen, irgendwann sind die Eltern ja auch nicht mehr da, da kann man sie nicht sich selbst überlassen... ihr Gehalt würde für eine eigene Wohnung in München inzwischen ohnehin nicht mehr ausreichen. Was dann?

Danke für's Lesen und liebe Grüße,

kastel

Beitrag von kati543 03.08.12 - 23:03 Uhr

Hallo,
Bei uns bietet das die Lebenshilfe an. Das ist ein Betreutes Wohnen. Allerdings gibt es diese Einrichtungen für jüngere Menschen nur sehr, sehr selten und haben entsprechende Wartelisten.
Für die Frau wäre vielleicht eine Betreuung ganz gut. Zumindest in Teilbereichen.

Beitrag von herzensschoene 03.08.12 - 23:18 Uhr

hallo kastel,

ich denke es würde ein betreutes einzelwohnen in frage kommen. das heißt, dass die person sich eine wohnung suchen muss und sie dort von einem verein wie zum beispiel der lebenshilfe betreut wird.

ich gehe gerade diesen weg mit meiner tochter. wir haben uns einen verein ausgesucht. dann sind wir zum sozialamt gegangen und haben die nötigen anträge gestellt. danach hat dann der sozialpsychiatrische dienst sie überprüft und eine genehmigung erteilt.

jetzt sind wir auf wohnungssuche. anna wird aber schon bei uns zu hause vom verein betreut. sie helfen bei der wohnungssuche und bei der organisation des umzuges. auch kann sie schon an allen veranstaltungen des vereins teilnehmen.

ich hoffe ich konnte etwas helfen.

viele grüße maren

Beitrag von kastelzeichnerin 03.08.12 - 23:26 Uhr

Danke für eure Antworten, das war schonmal eine Hilfe :-)

Die Lebenshilfe klingt gut, das scheint zu passen.

Sie würde sich in so einer Gruppe bestimmt auch wohler fühlen, weil auf ihre Stärken geschaut wird und nicht immer nur auf ihren Schwächen rumgehackt wird...

Beitrag von emmy06 04.08.12 - 11:07 Uhr

http://www.intakt.info/150-0-wohnassistenz-betreutes-wohnen.html

Infos mit Adressdatenbank extra für Bayern...

Ich selbst arbeite als Betreuerin/ Heilerziehungspflegerin im ambulant betreuten Wohnen, falls Du noch Fragen hast.

LG

Beitrag von francas6290 06.08.12 - 12:21 Uhr

Huhu!

Ich arbeite in einer Organisation der Eingliederungshilfe. In den letzten 10 Jahren hat sich zum Glück genau für die Personengruppe der "relativ selbstständigen" Personen mit Unterstützungsbedarf viel getan.

Es gibt ambulante Hilfe, bei deinen die Person nur ein paar Stunden wöchentlich Unterstützung bekommt (Umgang mit Geld, Behördengänge, Therapien etc.). Wenn es aber gerade bei der Organisation im eigenen Wohnraum hapert, wäre sie evtl. die Kandidatin für eine so genannte AWG = Ambulant Betreute Wohngemeinschaft. In ihrem Fall dann möglichst eine AWG für Menschen mit einer Körperbehinderung. Diese Wohnform wird inzwischen von den meisten Trägern der Eingliederungshilfe angeboten (z.B. Lebenshilfe, Leben mit Behinderung, verschiedenen regionale Träger je nach Bundesland.

Vielleicht kommst du mit dem Stichwort ja weiter in deiner Suche.

Viel Erfolg! Franca

Beitrag von kastelzeichnerin 06.08.12 - 23:33 Uhr

Danke! Ich denke auch, dass eine Wohngemeinschaft besser wäre. Sie meinte damals auch, allein falle ihr die Decke auf den Kopf. Sie braucht auf jeden Fall soziale Kontakte.

Beitrag von eowyn1979 06.08.12 - 18:06 Uhr

http://www.wertkreis-gt.de/wohnen/in-der-eigenen-wohnung.html

Ich kenne das so