Kann man Patenschaft rückgängig machen?

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Beitrag von joy1975 11.09.06 - 17:38 Uhr

Hallo zusammen,

ich habe vor ca. 4 Jahren einen großen Fehler gemacht. Ich bin Patin beim Sohn meiner Freundin geworden.
Ich weiß selbst nicht, was mich damals geritten hat. Wir waren ursprünglich beste Freundinnen, seitdem wir so 14/15 waren. Bis Mitte 20 war auch alles toll, also so, wie man sich das denkt. Dann lernte sie ihren aktuellen Freund kennen, den ich auch mag, und fing an, häuslich zu werden.
An sich nichts schlimmes und ich bin garantiert alles andere als eine Partymaus, im Gegenteil. Früher war es so, daß sie wirklich KEINE Party/Discoabend auslassen konnte und immer unterwegs war (ziemlich wechselnde Partner eingeschlossen), wohingegen ich schon immer lieber Zuhause war bzw. mich lieber gezielt mit Freunden für Kino, Theater, Klönen getroffen habe.
Sie hingegen hat sich zu 1000% gewandelt und saß nun NUR noch zuhause. Glücklich zu zweit vorm Fernseher 'Wer wird Millionär' gucken.
Ich habe gedacht: Okay, laß sie, ist eine Phase, geht vorbei.

Dann wurde sie schwanger und ich ließ mich darauf ein, Patentante zu werden. Zu diesem Zeitpunkt wog einfach die jahrelange dicke Freundschaft noch mehr, als die aktuellen Differenzen. Ich konnte nicht ahnen, daß es schlimmer wird.
Ich konnte mich bereits vor dem Kind nicht mehr mit ihr alleine treffen. Immer war ihr Freund mit dabei, weil der halt "den Film auch soooo gerne sehen möchte" oder "auch gerade in der Nähe war, da kann er ja vorbeischauen".
Seitdem das Kind da ist, ist es nur noch schlimmer geworden und zwar konstant seit fast 4 Jahren.
Sie ist die absolute Oberglucke, das Kind ist der Sinn des Lebens (sie hat ihr Studium abgebrochen und ist nun glückliche Hausfrau) und alles, was ich im Leben mache, ist nur noch zweitrangig, weil ich ja kein Kind habe und somit den Sinn des Lebens sowieso noch nicht erkannt. Meine Hobbys, Beruf, Errungenschaften, Niederlagen... egal... Ein Kind muß ich haben, um wieder als 'gleichwertig' anerkannt zu werden.
(Ich will aber gar keine Kinder.)

Lange Rede, kurzer Sinn: Anfang des Jahres habe ich ihr die Freundschaft gekündigt. Ich habe diese Besserwisserei und Borniertheit einfach nicht mehr ausgehalten. Von dem Mensch, den ich mal kannte und mochte, ist einfach nichts mehr übrig. Die Zeit, die ich mit ihr verbrachte, war ein einzige Qual für mich. Ich weiß, das hört sich hart an, aber es war so. Zwanghafte, oberflächliche Konversation, wie das Abfragen von Fakten. Keine echte Anteilnahme mehr, nur noch Bewunderung für ihr 7tes Weltwunder einfordernd.

Nun meine Frage: Ich würde auch ganz gerne die Patenschaft rückgängig machen (immerhin hat der Junge noch 3 (!!!) andere Paten, da falle ich wohl kaum ins Gewicht). Ich habe NIE eine Beziehung zu dem Kind aufgebaut (weil sie keinen Fremden an ihn rangelassen hat) und werde es auch nie wieder (wegen abgebrochenem Kontakt). Klar, kann der gerne mal in 15 Jahren zu mir kommen und fragen: Wie war das damals? Aber wahrscheinlich hat meine Freundin ihn bis dahin so zugelullt mit Märchen von der bösen, kinderlosen Patentante, daß er das sowieso nicht macht.
Muß ich an die Kirche schreiben und eine Auflösung der Patenschaft beantragen? Kann man das überhaupt auflösen?
Ich möchte einfach einen sauberen Schlußstrich.

Beitrag von svenya 11.09.06 - 18:25 Uhr

Hallo!!

Hast du denn mal mit ihr darüber geredet? hast du ihr deine MEINUNG gesagt.......leider ist das sehr schwer, denn jeder verändert sich, der eine in die und der andere in diese Richtung. Ich hatte auch eine Freundin, ICH habe geheiratet und 2 Kinder bekommen. Sie war mal meine Trauzeugin und nun redet sie nicht mehr mit mir. Sie hat mal zu mir gesagt sie kommt damit nicht klar, das ich eine Familie habe und sie nicht. Dabei bin ich doch genauso alt! das waren ihre Worte zum Abschied. Ich bin sehr Traurig darüber. Man hätte über alles reden können. Vieleicht einen Tag im Monat finden wo man nicht über Kinder redet, sondern spaß hat, weg geht und Quatsch gemacht hätte wie früher. Leider hat sie sich genauso wie du aus meinem Leben verabschiedet. Ich habe nicht bemerkt das ich sie vieleicht verletzt habe. Rede mit ihr sag was dich stört und gib ihr noch eine Chance. Ich denke jeder Mensch hat eine 2. Verdient!

LG Svenya

Beitrag von joy1975 12.09.06 - 08:28 Uhr

Hallo,

klar habe ich mit ihr geredet. Ich habe ihr gesagt, daß ich kein Problem damit habe, daß sie eine Familie hat (habe ich wirklich nicht, ich bin ebenfalls sehr glücklich liiert, bloß Kinder haben für mich in meinem Leben keine Bedeutung), aber ich schon möchte, daß unsere Freundschaft auch parallel dazu weiterbesteht, d.h. ich wollte auch mal etwas mit ihr unternehmen, ohne daß IMMER das Kind oder ihr Freund dabei sind.
Das hat sie ganz abgelehnt. Nicht, weil sie niemanden hätte, der mal auf das Kind aufpassen würde, sie will es schlicht und ergreifend nicht. O-Ton: "Ich bin jetzt Mutter, ab jetzt gibt es mich nur noch mit Kind oder gar nicht mehr."
Das kann und will ich nicht akzeptieren, zumal ich andere Freundinnen, ebenfalls mit Kindern habe, die froh sind, wenn sie diese mal abends bei den Vätern, Großmüttern etc. abladen können und mit mir in einer Kneipe über alltägliches quatschen können.

Das weiter unten angesprochene Taufgespräch habe ich leider nicht erhalten. Vielleicht hätte ich dann da doch die Reißleine gezogen, aber ich habe halt immer gedacht, daß die anfängliche Begeisterung für das Kind irgendwann zur Normalität und zurück zum normalen Umgang führt. Weit gefehlt.

Nun gut, ist nicht mehr zu ändern.
Sie läßt ja auch nicht mehr von sich hören, insofern war ihr die Freundschaft wohl nicht wichtig.
Danke für die Antworten.

Joy

Beitrag von sandy1979 11.09.06 - 21:35 Uhr

Hallo!
Also wenn Du bei der Taufe offiziell als Taufpate eingetragen bist, ist es nicht "rückgängig" zu machen.( Hatten letzte Woche Taufgespräch, wo uns das extra gesagt wurde!!)

LG Sandra

Beitrag von sarlessa 12.09.06 - 00:10 Uhr

Hallo,

frage mal bei der Kirch nach.

Ich habe gehört wenn man aus der Kirche austritt erlischt die Patenschaft automatisch.
Wäre ja auch logisch.


Ansonten: Freunschaft kommt, Freunschaft geht wenn sich die Intressen verlagern.
Tut weh, ist aber so!

LG

Hella

Beitrag von drusilia 12.09.06 - 20:20 Uhr

Soweit ich weiß, ist eine Patenschaft nicht rückgängig zu machen. Ich glaube auch nicht, dass es etwas damit zu tun hat ob man aus der Kirche austritt. Wir haben in 3 Wochen Taufe (katholisch), 1 Taufpatin ist evangelisch, 1 Muslimin, der Taufpate ist konfessionslos. Der Pfarrer sagte, dass macht nichts.

Beitrag von sarlessa 13.09.06 - 00:54 Uhr

Da habe ich doch glatt noch mal eine Frage.

Wenn bei uns jemand nicht in der Kirche ist, kann er/sie kein Taufpate werden. Nur Taufzeuge.
Weil der Zeuge kann ja das Kind nicht im Sinne der Kiche erziehen.

Bei Euch geht es, ohne in der Kriche zu sein Taufpate zu werden?
Wir wollen nächstes jahr alle 3 Kinder zusammen taufen lassen und es ist kaum noch jemand ind er Kirche.
Taufpaten zu finden ist also schwer...
Und uns hat man gesagt: Taufpate geht nicht.

Der geliche Pastor sagte auch, wenn man aus der Kirche austritt, erlischt die Patenschaft ganz von alleine.


Hella

Beitrag von drusilia 13.09.06 - 05:32 Uhr

Das muß wohl unterschiedlich sein. Bei einer früheren Arbeitskollegin (katholische Taufe) mußten es katholische Taufpaten sein, anders ginge nicht, sagte der Pfarrer (über 60 Jahre). Unser Pfarrer ist ca. 40 Jahre alt, bei dem ist es kein Problem.

Beitrag von joy1975 13.09.06 - 14:37 Uhr

ja, da legt wohl jeder Pfarrer so aus, wie er will.
Ich bin z.B. auch schon seit bald 10 Jahren nicht mehr in der Kirche. Ich denke, die Kirche erkennt auch langsam, wie schwer es ist, Taufpaten zu finden, da kaum noch jemand in der Kirche ist.

Beitrag von sunny0804 13.09.06 - 15:21 Uhr

Ähm.... ich will dich ja nicht angreifen aber ich für mich glaube, dass du weder begriffen hast, was Freundschaft ausmacht , noch hast du kappiert, worum es bei einer Patenschaft geht!

Du willst keine Kinder haben, fair genug!

Kannst du ihr die Freude daran nicht lassen? Sie hat jetzt volle Kanne ihre Erfüllung darin gefunden und es macht sie glücklich! Was kan man jetzt daran nicht verstehen, bzw. nicht akzeptieren?

Ich habe genau die GLEICHE Situation gehabt wie du! Ebenfalls ne Freundschaft vom 13 Lenesjahr, durch dick und dünn gegangen, sie nen Freund kennen gelernt, geheiratet, Kind bekommen, ganze Leben drehte sich nur um´s Kind, nicht mehr rausgegangen, ich sollte Patentante sein, habe mich darüber INFORMIERT, was es heißt dieses zu tun und habe es angenommen.

Okay, ich habe aber auch Ihr NEUES Leben akzeptiert! Entschuldige bitte aber ich finde deine Einstellung mehr als intollerant !!!!

Nur weil sie jetzt nicht mehr DIE Freundin war, die sie mal gewesen ist? Menschen ändern sich, das Leben ändert sich.....

Meine Freundin hatte sich auch sehr verändert aber ich habe um diese Freunschaft gekämpft, weil es eben eine richtige FREUNDIN war/ist. Sowas findet man nicht mal eben auf der Strasse!

Während wir einen nict so ganz blühenden Kontakt hatten, habe ich mich aber IMMER um die Kleine gekümmert, mit ihr Telefoniert, Ihr Kärtchen geschríeben usw.
Warst du dir nicht so worklich bewusst darüber,Patentante zu sein???

ich meine, im Prinzip ist das keine große Sache, den irgendwelche Recht haste eh nicht als Patentante ABER ich habe es als schön empfunden, dass ich mit für sie verantwortlich war, wenn auch nur in einem ganz kleinen Rahmen. Es geht da um einen kleinen Menschen und nicht um irgendeine Puppe.......

Ich glaube nicht, dass du dir zu irgendeiner Zeit darüber mal Gedanken gemacht hast!

Freundschaften KÖNNEN sicherlich kaputt gehen aber trotz Allem biste immer noch die Patentante und wenn du ihm einfach mal hin und wieder ein Karte schreibst oder was weiß ich was, dann brichst du dir dabei nicht den Hals!
Patentanten müssen keine SCHENKETANTEN sein, auch wenn das manchmal so dargestellt wird!

Meine Meinung, nix für ungut! Ich find´s n bisschen schade, dass du alles mal eben den Bach runterschiebst, wegen so einem Kindergartenkram!

LG
Sunny