Ansprüche wachsen mit den Möglichkeiten - ist das 'ne Volkskrankheit?

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Beitrag von joy1975 - 06.06.07 - 20:11 Uhr

Guten Abend liebe Urbianer,

bevor ich anfange zu schreiben, möchte ich sagen, daß ich mir bewußt bin, daß es hier einige gibt, die finanziell in einer eher angespannten Lage sind oder gar vom Amt leben.
Mich trifft das (zum Glück) nicht und ich möchte von allen, auf die das auch zutrifft, nur mal hören, ob sie auch an der Krankheit "Mehr wollen" leiden. ;-)

Irgendwie wachsen meine Ansprüche in gleichem Maße, wie meinen finanziellen Mittel. Ich strebe nicht nach Ferraris o.ä., aber ursprünglich dachte ich, vor ein paar Jahren, daß ich mir dann (jetzt) ja mal eine nette Eigentumswohnung kaufen könnte.
Tja, das Geld dafür hätte ich inzwischen zusammen, aber eine ETW will ich jetzt irgendwie nicht mehr. Habe mir die Kosten des Hausgeldes angesehen, evtl. Ärger mit anderen Eigentümern usw. usf. und entschieden, daß es wohl besser ein Haus werden soll (auch für die Hunde, Garten und so).

Natürlich tut es da auch kein kleines Reihenhaus, weil ich natürlich schon gerne so 600-800qm Grundstück hätte und am liebsten auch allein wäre, ohne Nachbarn. #augen
Ich verarsche hier übrigens gerade mich und meine Ansprüche, keinen von euch, der vielleicht in einem Reihenhaus lebt.
Außerdem kapriziere ich mich inzwischen schon auf Neu-Bauen anstatt Gebrauchtimmobilie, da ich im Gedenken an die zukünftigen Energiepreise ja schon gerne Solar & Erdwärme haben möchte (immerhin ist mein innerer Teufel umweltbewußt).

Und dieses Denken ist irgendwie sympthomatisch. Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein Sofa für über 1000€ zu kaufen, heute bleibe ich schonmal vor den Designerläden mit Möbeln ab 5000€ stehen (gekauft habe ich noch nicht, erst fürs Haus ;-) ).
Auch in Alltagsdingen fange ich viel mehr an auf Sachen zu achten, die 'gut' sind. Das habe ich schon immer, aber es wird mehr.

Ist das generell so, daß die Ansprüche steigen, je älter und finanziell abgesicherter man wird?
Würde gerne mal hören, ob das noch anderen so geht.

Beitrag von kiddo85 - 06.06.07 - 20:45 Uhr

Guten Abend,

#freu Es ist so, man bekommt nie genug... #augen
Das gehört aber zum menschlichen Streben nach dem Besseren.
Alle nörgeln und schimpfen, besser gehts immer.
Ohne dem würden wir ja auch zu nix kommen.
Genügsamkeit in allen Ehren, aber immer auf dem selben Level rumhangeln, wo es doch soooo viel mehr gibt?

Ich weis, dass ich vor 2 Jahren nie einen PC je hatte oder dachte, ich würde ihn brauchen.
Gut, was man nicht kennt, kann man nicht vermissen. ( Ostdeutsche Weisheit )

Und jetzt? Es geht nichts ohne.

Mh... vor 2 Jahren wollte ich nen Job. Aber da war doch mehr drin.
Und jetzt? #huepf
Jungunternehmerin #cool

Ja ich bekenne mich!

ICH WILL MEHR MEHR MEHR #mampf



"Allergie gegen Frauen, die nur noch Mütter sind und ihr Leben über Kinder definieren"

Hast du Kinder oder möchtest du mal welche haben?

Beitrag von joy1975 - 07.06.07 - 07:59 Uhr

Nein, ich habe keine Kinder.
Es würde bei mir aufgrund hormoneller Probleme auch nur mit Hormonbehandlung / künstlicher Befruchtung klappen und auf so etwas habe ich keinen Bock. Ich denke mir, die Natur wird sich schon ihren Teil dabei gedacht haben und dann verzichte ich eben auf Kinder. Fällt mir jetzt auch nicht gerade schwer.

Beitrag von heffi19 - 06.06.07 - 20:49 Uhr

Ja, mir geht es auch so.
Ich arbeite jetzt seit 3 Monaten und merke, dass mein Kaufverhalten sich geändert hat. Ich kaufe immer mehr Sachen von denen ich vorher dachte dass ich das nicht brauche...

Beitrag von scarlett23 - 06.06.07 - 20:55 Uhr

hi


das gleiche dachte ich mir auch... ich habe mir insgeheim gewünscht so zu leben wie vor ein paar Monaten nämlich nur das nötigste... und es hat mich nicht gestört...wäre schön zu wissen ob es eine Lösung dafür gibt...

Beitrag von dore1977 - 06.06.07 - 20:57 Uhr

Hallo,

ja das "Problem" kennen wir.
Allerdings nicht was unser Haus angeht. Wir haben ein Reihenhaus und fühlen uns bis jetzt so sauwohl hier das ein Verkauf auf keinen Fall in Frage kommt.
Mein Mann würde gern nochmal das Projekt baue, in ein paar Jahren, in Angriff nehmen. Es gibt Tage da möchte ich auch lieber ein Freistehendes Haus haben... wir werden sehen wer sich am Ende durchsetzt #;-)

Ich kenne das Problem eher von schön und vorallem teuren Autos. Mein Mann hat das Glück das er jedes Wochenende einen Mietwagen bekommt den die Firma bezahlt.
So haben wir fast jedes Wochenende irgendein Volvo, BMW, Mercedes usw zur Verfügung.
Da wirkt unser Berlingo doch echt mickrig gegehen und wen der mal "stirbt" muss ein richtig schönes Auto her #;-) irgendwas das groß ist Spass macht und jede Menge PS hat.

Auch bei Kleidung und andren Anschaffungen achten wir viel mehr darauf das es gute Qualtiät hat.
Nächstes Jahr ist zB ein neues Sofa fällig. Wir schaun jetzt schon nach einem neuen was uns gefällt und die 1000E sprengen wir da ganz locker.

Ich hoffe natürlich das es finanzell weiter so gut geht und wir das alles verwirklichen können.
lg dore

Beitrag von rudi333 - 06.06.07 - 21:21 Uhr

Völlig normal und auch gut so!

Wem es gut geht und der trotzdem geizt, der ist krank!

Beitrag von kiddo85 - 06.06.07 - 21:23 Uhr

Rudi, ich hab es geschafft und es läuft gut. #huepf
Bin dat junge Küken, was vor ein paar Monaten hier dumme Fragen über Selbstständigkeit gefragt hat #cool

Beitrag von schnuffinchen - 06.06.07 - 21:51 Uhr

Ich formuliere es mal mit einem Musicalzitat:

"Doch die wahre Macht, die uns regiert,
ist die schreckliche, unendliche, verzehrende, zerstörende
und ewig unstillbare Gier!"

Und ja, uns geht es auch so. Ist auch gut so, denn das kurbelt die Volkswirtschaft an :-p...

Beitrag von mariella70 - 07.06.07 - 01:08 Uhr

Hi Joy,
Kompliment, das ist mal eine Frage, die zum Denken anregt.#kratz#gruebel
Ich hatte mal eine Phase, da war es genau so: Höher - schneller - weiter bis ich merkte, dass das nicht auch "glücklicher" bedeutete. Ich hatte alles, incl. Karibik-Urlaube, aber fühlte mich dennoch eingeengt, unfroh, genervt. Irgendwann saß ich vor meiner Therapeutin (selbstverständlich privat bezahlt) und jammerte: "Ich wünschte, ich könnte mir mehr Zeit kaufen.". Sie grinste breit und sagte: "Das können sie doch!" (Sie war jeden Pfennig wert) Ich reduzierte meine Arbeitszeit und damit meinen Verdienst um die Hälfte und siehe da: Es ging mir besser ohne Putzfrau, Karibik und Gold-Cards. Ich habe heute einfach mehr vom Leben. Wenn ich mal wegen Termindruck einen Vollzeit-Monat mache, vermisse ich sofort schmerzlich "Leben": auch mal bei Tageslicht mit einer Freundin einfach Cappucino trinken und quatschen, oder in Ruhe die Himbeeren pflücken und die Rosen schneiden. Von daher kann ich nur sagen: Hinter "finanziell abgesichert sein" kommt nach einer wilden Konsumphase bestenfalls noch was ganz Anderes und Neues.
Wobei ich ehrlicherweise zugebe, dass wir im eigenen Haus und gut gepolstert leben, aber wir stellen beide Kohle und Karriere hinter Lebensqualität zurück.
Wenn ihr euch für ein Haus entscheidet, dann bedenkt, dass es immer 10% teurer wird und spart nicht an der Energieeffizienz, Tüddelkram wie Rundbögelchen, Kamin oder Whirlpool hingegen halte ich für Geldverbrennung.
Liebe Grüße
Mariella

Beitrag von joy1975 - 07.06.07 - 08:07 Uhr

Keine Sorge, mir ist mein Entspannen sehr wichtig und ein Wochenende zuhause Bücher lesen gibt mir mehr, als ein Karibikurlaub. Ich bin am liebsten mit dem #hund draußen, das ist für mich totale Entspannung.
Wenn ich irgendwann finanziell so gestellt bin, daß ich es mir leisten kann, dann werde ich auch nur noch halbtags arbeiten gehen. Ich bin kein Workaholic, der bloß für den Job oder teure Reisen & Klamotten lebt. Im Gegenteil, mein Kleiderschrank ist erstaunlich unspektakulär. #freu

Beitrag von mariella70 - 07.06.07 - 15:28 Uhr

Hi Joy,
das hört sich an wie ein prima Lebenskonzept: Verliere es nie aus den Augen, lass dich von viel Kohle nicht korrumpieren, lies Bücher, geh mit #hund und versucht eure Bedürfnisse ohne große Schulden (außer für´s Haus im vernünftigen Rahmen) zu befriedigen.
Schönes Wochenende
Mariella, die gerade Himbeeren pfücken und Rosen schneiden war#blume

Beitrag von kleinaberfein - 07.06.07 - 07:20 Uhr

Hallo joy1975,

ich bin nun knapp 30, stehe seit 5 Jahren im Berufsleben, habe letztes Jahr geheiratet und habe ein kleines Kind.

In den letzten fünf Jahren hat sich meine Sichtweise schon sehr geändert.

Mit einem liegt es daran, dass ich damals meinen jetztigen Mann kennen gelernt habe, der mich natürlich mit seiner Biographie bereichert hat und mir neue Lebensvorstellungen eröffnet hat. Desweiteren änderte sich meine Lebenseinstellung seit ich Mutter geworden bin und einiges Übel letztes Jahr erlebt habe.

Meine Ansprüche ans Leben sind gewachsen und mit meinem "Verdienst".

Wenn ich mal vergleiche:

Vor fünf Jahren habe ich noch ein Zimmer von 9qm in München gehabt und es war für mich die Welt. Ich hatte weder eine eigene Krankenversicherung (Familienversichert), weder gewußt, dass man sich anderweitig noch absichern kann. Kein Auto, keine Markenklamotten (bei Takko oder KIK gekauft). Wenn ich Geld über hatte vom Nebenjob während des Studiums habe ich dieses für sinnloses auf dem Kopf gehauen. Mein Zimmer war mit scheußlichen Möbeln ausgestattet, hauptsache funktionell. Wie ich in zehn Jahren leben wollte, hatte ich überhaupt keine Ahnung bzw. keinen Plan.

Vorgeschichte zu dieser Lebensart: meine Eltern waren stinknormale Arbeiter, ungelernt und ich habe nie besonders schön gelebt. Nie Luxus, immer das günstigste, kein Sinn für Ästhetik, immer von der Hand in den Mund.

Mein jetziger Mann wiederum ist in "besseren" Kreisen aufgewachsen. Hatte schon einen Standard bevor er sogar sich diesen leisten konnte. Er hat mich auf Dinge aufmerksam gemacht, die mir vorher nie wichtig erschienen, die sich aber als praktisch und real erwiesen haben.

Klassisches Beispiel:Autokauf.

Früher hätte ich mir eine Schrotmühle für 1000€ gekauft, hauptsache günstig und es fährt mich von a nach b.

Heute denke ich beim Kauf eines Autos über die Folgekosten nach, Versicherung, Steuer, einigen Komfort, wenn man das Auto sowohl beruflich als auch privat viel nutzen muss, ob es ein Diesel oder Benziner ist, ob es einen hohen Wertverlust hat, welche Marke....

Natürlich kann ich mir auch ein besseres Auto leisten als früher und das regt zum Denken an.

Oder eben mit den Wohnungen:

Früher hätte ich nie darauf geachtet, ob es ein Altbau ist, wie die Umgebung ist, wo ich wohne, Infrastruktur, Garten oder Balkon, guter Schnitt. Hauptsache billig...

Heute hätte ich schon gern ein Haus, am besten über 100qm, einen Garten, in einer gutsituierten Umgebung etc....die Möbeln sollten zueinander passen etc...

Sicherlich liegt es daran, dass in meinem Kopf sich manifestiert hat: ich arbeite, ich verdiene mir das!

Jedoch habe ich jobbedingt, aber auch privat viele Menschen um mich herum, die Alg2 Empfänger sind. Die sich solche Gedanken zwar gern machen, aber nicht umsetzen können, die schon bescheiden werden, wenn es darum geht, wie komme ich an Geschirr heran. Woher bekomme ich eine Waschmaschine, wenn meine alte kaputt gegangen ist. Erst da merke ich, wie anspruchslos und kreativ man werden muss, um an diese Dinge heran zu kommen. Wenn ich in deren Wohnungen herein komme, dann wird das "beste daraus gemacht" und man kann so auch leben und teilweise auch gemütlich.

Das bringt mich wieder runter und lässt mich wieder schätzen, was ich für Möglichkeiten habe, um nicht zu jammer, dass ich mir dieses und jenes noch nicht leisten kann und dass es jederzeit auch mir passieren könnte, dass ich nicht automatisch die EC-Karte zücke, wenn ich im IKEA stehe.

Was ich damit sagen will: dass es nicht am Alter für mich liegt, sondern an den Lebensumständen, ob man es wagt sich zu denken "mehr haben wollen".

Für mich unerdenklich, dass man eine private Zusatzversicherung hat...meine Freundin ist schon froh, wenn sie sich überhaupt eine Haftpflicht leisten kann.

Beitrag von joy1975 - 07.06.07 - 08:05 Uhr

Ja, insgesamt geht es mir ähnlich. Ich komme auch aus einem Haushalt, wo ich als Kind nicht Not leiden mußte, aber auch nicht wesentlich mehr hatte, als ich brauchte.

Inzwischen habe ich mich aus eigener Kraft hochgearbeitet und bin eigentlich stolz darauf. Umgekehrt kann ich natürlich auch nicht die Augen vor dem Rest der Welt verschließen (Hartz4, Privatinsolvenz etc.), aber die Verantwortung für diese Leute und ihr Leben dann auch nicht übernehmen. Mein Verdienst baut ja nicht auf deren Unglück.

Umgekehrt denke ich auch oft, daß ich vielleicht einfach nur Mega-Schwein gehabt habe. Zur richtigen Zeit das richtige studiert (heute sitzen BWLer mit Auslandserfahrung erstmal ein Jahr im Praktikum, bis sie eine Festanstellung bekommen, bei mir hat das sofort geklappt), jobtechnisch die richtigen Entscheidungen getroffen, den richtigen Mann zur richtigen Zeit kennengelernt, die richtigen Aktien zur richtigen Zeit erworben etc. pp.
Natürlich hatte ich auch Phasen in meinem Leben, wo ich schonmal richtig böse daneben gelegen habe, aber da bin ich immer wieder irgendwie herausgekommen.

Beitrag von kleinaberfein - 07.06.07 - 08:53 Uhr

>>Umgekehrt denke ich auch oft, daß ich vielleicht einfach nur Mega-Schwein gehabt habe.<<

Das denke ich mir auch oft. Aber isoliert kann man das so nicht sehen. Es hat schon viel mit Lebenserfahrung zu tun (kann man auch mit 20 Jahren haben), Willenskraft, Gesundheit und Kreativität.

Ich habe auch studiert, aber "nur" soziales. Im Studium kristallisierte sich heraus, dass die Verdienstchancen in diesem Bereich sehr schlecht sind, dass man eigentlich nur im Jugendbereich und der Familienhilfe Jobs zu erwarten hat. Ich habe mich aber auf die Arbeit mit psychisch kranke Menschen spezialisiert und siehe da: ich bin diejenige, die seit Beendigung des Studiums sofort einen Job in diesem Bereich bekam (hatte aber vorher alles in Praktikas darauf aufgebaut) und hier in NRW boomt gerade das Ambulant Betreute Wohnen, wo ich nun selbstständig tätig bin. Ich verdiene gut und kann mit diesem Gehalt meine Familie ernähren.

Meine anderen Kollegen, die ich früher immer beneidet habe (eben auch BWL´er, oder soziale mit anderen Schwerpunkte sind alle arbeitslos).

Nein, die Verantwortung für die anderen (unglücklichen) kann ich nicht übernehmen, aber man sollte das irgendwie immer im Blickwinkel haben. Leider kann man sich heute auch auf diese Komponenten wie Glück, Wille, Engagement nicht mehr verlassen. Dann bin ich froh, wenn ich weiß, ich kann so auch leben, ohne unglücklich zu sein.