Unsere Geschichte

pancho81
[1] 01.07.09, 22:40

Hallo Sternenmamas,

auch ich möchte euch unsere Geschichte erzählen.

Meine Schwangerschaft verlief sehr unproblematisch. Ich war alle 4 Wochen zur Vorsorgeuntersuchung und alles war immer in Bester Ordnung. Da ich einen Typ 1 Diabetes habe, war ich auch alle 4 Wochen bei meinem Diabetologen. Meine Zuckerwerte waren aber immer top in Ordnung und mein Arzt hatte nie was zu "meckern". Der Diabetologe hat mir jedoch dringend empfohlen, zur Feindiagnostik zu gehen. Eben weil diabetische Frauen ein erhöhtes Risiko haben ein behindertes Kind zu bekommen.
Als ich dann meinen FA darauf ansprach, war er total ablehnend. Er meinte das ich das nicht bräuchte und er mich ganz bestimmt nicht überweisen würde. Das wäre mein Privatvergnügen und ich sollte die Untersuchung selbst bezahlen wenn ich unbedingt zur FD gehen wollte.
Erstmal war ich total geschockt das er so strikt ablehnte mich zu überweisen. Dabei hatte ich doch schon oft gelesen, dass diabetische Schwangere unbedingt zu dieser Untersuchung sollten.

Naja, Ende Mai hatte mein Mann Geburtstag und ich schenkte ihm einen 3D US von seinem Baby. Am 05.06. war es dann soweit. Wir saßen total aufgeregt im Wartezimmer und malten uns aus, was man alles sehen könnte.
Der Oberarzt holte uns dann zu der Untersuchung ab. Zuerst schallte er ohne irgendwas zu sagen. Wir sterrten gespannt auf den Bildschirm. Und dann kam der Moment, den ich nie wieder in meinem Leben vergessen werde. Der Arzt schaute uns eindringlich an und meinte, dass unser Baby einen Wasserkopf hat. Wir haben erst gar nicht richtig verstanden was er uns damit sagen wollte. Immerhin gibt es doch zig Menschen die mit einem Wasserkopf gut leben können. Als er uns dann aber die Ausmaße genau erklärte brach für uns beide eine Welt zusammen. Unsere Maus hatte keine Kleinhirn und vom restlichen Hirn war auch nur ein Teil de äußeren Hirnrinde vorhanden. Sonst alles nur Wasser.... Ich brach in den Armen meines Mannes zusammen. Der Arzt meinte, wir sollten uns übers Wochenende Gedanken zu einem Schwangerschaftsabbruch machen. Aber ich war doch schon in der 22. Ssw.... Und eine Woche zuvor war ich doch noch bei der Vorsorgeuntersuchung. Das konnte doch alles nicht wahr sein.
Dienstags waren wir dann in einem anderen KH um eine zweite Meinung und eine Fruchtwasseruntersuchung machen zu lassen. Der Befund wurde bestätigt. Auch diese Ärztin riet uns zu einem Abbruch.
Ich konnte es noch immer nicht fassen. Ich spürte meine Süße doch schon jeden Tag ganz deutlich.
Am gleichen Tag dann nachmittags waren wir nochmals im KH bei dem Arzt, der den ersten Befund erstellt hat.
Wir wurden eingehend über den Abbruch informiert. Der Arzt war sehr sehr nett und einfühlsam. Er hat uns Tabletten mitgegeben die den Muttermund weich machen sollten. Die Einleitung, meinte er, dauert ungefähr drei Tage. Am Mittwoch früh nahm ich dann die erste Tablette. Ich hab unsere Maus so heftig gespürt wie noch nie.
Auch am Donnerstag nahm ich die Tabletten aber nichts hatte sich getan.
Freitags wurde ich dann stationär im KH aufgenommen. Ich erhielt nochmals Tabletten, Gel und Zäpfchen. Nichts. Erst Sonntag nachts kurz vor 24 Uhr begannen die Wehen. Aber dann richtig heftig. Als ich der Schwester wegen einem Schmerzmittel klingelte kam die erst ewig nicht. Ein Notfall auf der Station. War ja klar. Ich versuche 5 Tage lang mein Kind zu bekommen und wenns dann losgeht, dann mitten in der Nacht und dann ist auch noch ein Notfall da... Um halb eins bekam ich dann zwei Schmerztabletten. Um kurz nach eins hab ich wieder geklingelt, weil ich immernoch Schmerzen hatte. Die Schwester schickte dann den Gyn. zu mir. Der meinte, dass heute Nacht nichts mehr passieren wird. Die Gebärmutter stand noch ziemlich weit oben und der Mumu war auch noch nicht weit genug geöffnet.
Ok dachte ich und rief meinen Mann an. Ich sagte zu ihm, dass er ruhig ins Bett gehen kann. Ich erhielt noch eine Schmerzzäpfchen und sollte versuchen zu schlafen.... Hahaha.... Ich hatte solche Schmerzen das ich nicht mehr wusste wie mir geschieht. Ich lag auf dem Boden und krümmte mich. Mir war so schlecht, dass ich erbrechen musste. Von dem Zäpfchen bekam ich auch noch Durchfall...
Kurz vor drei Uhr klingelte ich wieder. Ich bin fast verrückt geworden vor Schmerzen.
Die Schwester kam dann mit einer Spritze wieder. Die sollte mich auch etwas schläfrig machen. Pustekuchen. Keine 30 Sekunden nachdem ich die Spritze bekommen hatte platzte dann die Fruchtblase. Die Schwester holte eine Hebamme und zusammen brachten sie mich dann in den Kreißsaal. Von dort rief ich dann meinen Mann an und sagte, dass er doch kommen sollte. Um 3:40 Uhr kam dann unsere Vanessa still zur Welt.
Wir weinten beide als wir sie in einem Moseskörbchen in die Arme bekamen. Ihr Kopf war eingefallen. Aber sonst sah sie einfach perfekt aus. Sie hatte die gleichen Schmolllippen wie ihr Papa. Und sie hatte auch die Gleichen Zehen wie Papa (der zweite Zeh war länger als der große Zeh). Wir durften eine Stunde lang mit ihr verbringen. Dann kam die Hebamme und machte einen Hand- und Fußabdruck. Bilder hat sie auch noch gemacht.
Ich kann meinen Schmerz nicht in Worte fassen. Warum durfte unser kleiner Schmetterling nicht leben?

Erst bei der Geburt konnte man dann sehen, dass Vanessa zusätzlich noch einen offenen Rücken hatte. Die Fruchtwasseruntersuchung ergab, dass sie einen Gendefekt hatte. Nun wurde uns Blut abgenommen, um zu schauen, ob einer von uns Träger eines Gendefektes ist oder ob es einfach nur "Zufall" war.

Meine Gefühle und Gedanken kann ich nicht beschreiben. Ich fühle mich einfach nur leer. Fassen können wir es beide nicht. Vanessa wurde von uns bestattet. Ihr Name bedeutet Königin der Schmetterlinge. Als wir sie begraben haben pflanzten wir ein Mädchenauge auf ihr Grab. Und als wir fertig waren kam tatsächlich ein Schmetterling angeflogen und setzte sich auf die Blume. Mein Mann und ich haben uns nur angesehen und beide still geweint. Er meinte dann später, dass unser Schmetterling nun abgeholt worden ist. Und nun fliegt sie mit den anderen mit.
Jede Nacht schmuse ich mit Vanessa's Spieluhr die am Sonntag vor ihrer Geburt das Letzte mal gespielt hat.
Ich kann es immer noch nicht glauben, dass das wirklich passiert ist. Kann mich jemand auch diesem schrecklichen Traum aufwecken?

Ich hoffe, der Text ist nun nicht zu lang geworden.

#kerze für all unsere #stern e

Liebe Grüße
Sonja mit Schmetterling Vanessa ganz tief im Herzen

-schmusibu-
[2] 02.07.09, 10:33

#heul#heul#heul#heul

Oh mein Gott, dass ist ein schreckliches Erlebniss, was ihr da erlebt habt!
Momentan höre ich immer öfter nach meiner FG, wer weiß wozu es gut war und klar denke ich mir das auch ab und zu!
Ich kann mir nicht vorstellen ein behindertes Kind zu pflegen, aber andersrum sagt man es ist doch mein Baby!

Wir werden sehr lange mit dem Schmerz umgehen müssen, aber ich bin mir sicher, dass auch wir irgendwann wieder richtig glücklich sein werden.Man wird NIE vergessen, aber man lernt mit dem Schmerz zu leben!

Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr irgendwann ein gesundes Kind in den Armen haltet und euer Ergebniss gut ausgeht!

Und ich würde den Arzt wechseln, meiner hat mich immer wenn ich FD wollte überwiesen ich war in meiner letzten (ausgetragenen) SS 3 mal dort!

Ich zünde eine #kerze für deinen Schmetterling Vanessa an!

Ich hoffe unsere Kinder werden sich irgendwo mal sehen und zusammen auf uns aufpassen!

LG Jenny