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22.04.08, 06:35
http://www.hersfelder-zeitung.de/hersfeldstart/00_20080421181506_Kleine_Engel___unvergessen.html
Kleine Engel - unvergessen
In Bad Hersfeld gibt es eine Selbsthilfegruppe für Eltern von Fehl- und Totgeburten
Von Christine Zacharias
Bad Hersfeld. "Du bist ja noch jung. Du kannst ja noch mehr Kinder bekommen." Sprüche wie diesen hören Frauen, die ein Kind während der Schwangerschaft verloren haben, häufiger. Obwohl nicht böse gemeint, fühlen sie sich verletzt und in ihrer Trauer um den Verlust ihres ungeborenen Kindes nicht ernst genommen.
Müttern und Vätern helfen
In Bad Hersfeld gibt es seit eineinhalb Jahren die Selbsthilfegruppe "Kleine Engel" für Eltern von Fehlgeburten, Totgburten und nach der Geburt verstorbenen Kindern, die Müttern und Vätern helfen will, ihren Verlust zu verarbeiten.
Martina Radetzki und Angela Frey haben die Gruppe aus eigener Betroffenheit ins Leben gerufen. Sie kennen nicht nur die Trauer um ihre Kinder, sondern auch das Schweigen, das oft bei diesem Thema herrscht. Und sie wissen, wie schwer es ist, nicht Abschied nehmen und ihr Kind nicht beerdigen zu können.
Beide haben sich deshalb, ebenso wie der Ökumenische Hospizverein, für ein Kindergrabfeld auf dem Bad Hersfelder Friedhof eingesetzt und freuen sich, dass diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden (wir berichteten).
Getroffen hat sich die Selbsthilfegruppe noch nicht sehr oft, der Kontakt läuft überwiegend über Foren im Internet. Unter www.family-and-co.de können Betroffene sich austauschen und auch jede Menge wichtiger Informationen erhalten.
Informationen weitergeben
Vor allem Martina Radetzki hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen zum Thema Fehlgeburt zu sammeln und damit anderen Frauen zu helfen. "Die Fehlgeburt war eine ganz schlimme Erfahrung, aber sie hatte immerhin das Gute, das ich andere jetzt unterstützen kann", sagt sie.
Ganz besonders schwierig ist für Frauen, die ihr Kind verlieren, dass sie nicht wissen, was mit ihm geschieht. Der Hinweis, es sei doch nur ein Zellklumpen und noch kein richtiges Kind, hilft ihnen gar nicht weiter. Für sie es es ihr Kind, von der ersten Schwangerschaftswoche an, und der Gedanke, dass es im Klinikmüll gelandet ist, ist kaum zu ertragen.
Martina Radetzki informiert deshalb darüber, dass auch Fehlgeburten mit einem Gewicht unter 500 Gramm bestattet werden können, nicht unbedingt auf dem Friedhof, aber zum Beispiel im eigenen Garten. "Die Fehlgeburt ist kein Eigentum des Krankenhauses und muss auf Wunsch den Eltern übergeben werden", erklärt sie.
Angela Frey hat die leidvolle Erfahrung einer glücklosen Schwangerschaft schon mehrfach gemacht. Sie ist froh, dass sie von ihrem jüngsten Kind, dem sie und ihr Mann den Namen Roselyn gegeben haben, im Krankenhaus Abschied nehmen und es anschließend auch beerdigen durfte. Immer wieder stellt sie fest, dass Frauen sehr darunter leiden, mit niemandem über ihren Verlust sprechen zu können. Und es ist ihr ein Anliegen, dass auch die Trauer der Väter wahrgenommen wird. "Für mich ist es mein Glaube, der mich durchs Leben trägt", sagt Angela Frey.
Erinnerungsschleifen
Neben der Unterstützung der trauernden Familien ist es beiden Frauen ein Anliegen, den Mantel des Schweigens vom Thema Fehl- und Totgeburt zu nehmen. Sie tragen kleine, rosa-blaue Erinnerungsschleifen, mit denen sie auf ihren Verlust aufmerksam machen. Und sie setzen sich dafür ein, dass der 15. Oktober zum offiziellen Gedenktag für alle Tot- und Fehlgeborenen wird.
In der Selbsthilfegruppe sind übrigens auch, so betont Martina Radetzki, Frauen willkommen, die eine Abtreibung hinter sich haben, aus welchem Grund auch immer.
?Kontakt: Tel. 06621/794895, E-Mail: info@family-and-co.de, Internet: www.family-and-co.de.
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