großtagespflege

bettybooo
[1] 07.10.09, 17:44

hallo, hat jemand eigentlich erfahrung mit der großtagespflege von euch?

grüße

bettina

sissy1981
[2] 08.10.09, 09:59

Ich habe eine Zeitlang mal mit einer Kollegin in angemieten Räumen gearbeitet. War an sich ne gute Sache - man ist halt nicht allein.

Aber wir waren nicht geschaffen füreinander, die höheren Fixkosten bei de eh schon recht geringen Einkommen taten ihr übriges. Seit unserer neuen Verordnung lt. der wir alle unsere Verträge bis auf eine Stunde tgl. voll selbst erfüllen müssen, ist auch mein Bestreben nochmal in ne Großtagespflegestelle zu wechseln nicht mehr groß. Die Dynamik ist draußen, bei uns.

Aber was genau interessiert dich?

bettybooo
[3] 08.10.09, 23:35

hallo,

mich interessiert vor allem, warum sich das nicht rechnet? höre hier und da, daß es sich nicht lohnen würde. warum?

grüße

bettina

sissy1981
[4] 09.10.09, 09:05

Deine Nebenkosten steigen -selbstredend -wesentlich mehr mit wesentlich größerem Risiko bei Leestand (die kosten laufen weiter - in deiner Wohnung auch aber sie kamen im Vorfeld nicht hinzu), so gut wie in allen Regionen verlierst du den Status der nebenberuflich selbstständigen, was ebenfalls die Kosten in die Höhe treibt (bei Steuern- und Sozialversicherungen).

Zusammen genommen mit dem geringen Verdienst, den Ausfällen wegen Unterbesetzung - und da seien wir mal ganz ehrlich, das wird sich nicht bessern sondern verschlechtern, denn bis 2013 muss die U3-Quote erfüllt werden und das bedeutet letztendlich nur mehr Konkurenz- der Lohnangleichung an die Krippen die bis zu diesem Zeitpunkt ja auch kommen soll, ist das ein Miesegeschäft.

Ich habe eine Kollegin die es noch Privat zu zweit macht. Sie haben -für die Gegend- billige Räume sind vollbesetzt verlangen wesentlich mehr als das Jugendamt bezuschusst und denen geht beiden so die Klammer, die unverheiratete von beiden kann es sich nicht mal leisten das WE (wenn nicht sowieso durch Lehrgänge etc. verplant) ohne Nebenjob auszuruhen und Nr. 2 muss sich ähnliches immer öfter von Ihrem Mann anhören - die Familie leidet natürlich noch mehr darunter, als wenn du sie zu Hause wenigstens noch ein bisschen einbinden kannst unter der ständigen Abwesenheit (Arbeitszeit, Vorbereitung/Reinigung, Papierkram (wer macht den dann schon zuhause, man will die Kosten ja auch absetzen können, vor allen Dingen ist man ja zu zweit) Lehrgänge (bei uns musst du auch im Jahr deine Stunden bringen).

Von denen schläft keiner mehr durch und seit Anfang 2009 - seidem halt auch die Aufwendungen so rapide gestiegen sind- werden die 2 immer grauer (und von mindestens einer weiß ich, dass sie so gut wie nicht mehr schläft).


Mein Vermieter war damals mein eigener Mann, selbstredent hat er seine Miete samt Nebenkosten verlangt aber wir hätten bei Engpässen da auch die Stelle gehabt an dem man mal in Raten zahlt oder verspätet. Wo setzt du an wenn du diese Möglichkeit nicht hast? Miete/NK - ist ein MUSS, Essen ist ein MUSS, Sozialbeiträge ist ein MUSS, Versicherungen sind ein MUSS, Telekomunikaton ist ein MUSS....... Wo? ich weiß es nicht, außer bei den Privatkosten - eine Sache die für mich nicht in Frage kommt und ich denke die meisten von uns wollen auch schon etwas rausbekommen.

Letztendlich sind wir unterbezahlt, obgleich wir alle Risiken einer Selbstständigkeit tragen. Ich persönlich brauch meine Risiken nicht noch weiter erhöhen. Und keiner weiß was passiert (auch mit den Kostenzuschüssen) wenn die einzelnen Förderpflichten des Bundes und der Länder zur TPF in den Jahren 2013/2015 (je nachdem wo du wohnst) auslaufen. Tagesmütter wird es immer geben, aber wenn der Bedarf durch öffentliche und caritative Einrichtungen nahezu gedeckt werden kann (und wir haben auch keine starken Geburtenjahrgänge mehr) wer wird dann noch ein Interesse an einer beruflichen Aufwertung der Tagesmütter haben? Im Moment liegt das an der Quote die erfüllt werden soll aber wird sich danach noch was ändern? und wenn die Demographie zuschlägt?

Naja bei uns kommt nun noch die Vertragserfüllungspflicht dazu (was einfach Flexibilität und für die TM auch komfort kostet).

Ich bin einfach ein vorsichtiger Mensch. Ich kann kleinere Ausfälle kompensieren aber ich könnte mit diesem Lohn hier keine volle Selbstständigkeit mit solch großen Risiken wuppen. Es bleibt doch fast nichts übrig davon noch ausreichende Rücklagen zu bilden halte ich für zu riskant zumal du auch immer das Risiko eingehst dass es mit dem Partner nicht mehr klappt - schwere Krankheit, Schwangerschaft, Pflegezeiten fü Angehörige, Neuorientierung.... - und schon sitzt man extrem in der Tinte - ohne eigenes Verschulden.

bettybooo
[5] 09.10.09, 11:01

hallo,

danke erst einmal für deine ausführliche antwort. jetzt frag ich mal naiv weiter: hat das jugendamt nichts bezuschußt? so wie ich das verstanden habe aus den schreiben des jugendamtes, zahlen die ja die kaltmiete bis zu bestimmten grenzen + einem betriebskostenzuschuß. ich weiß allerdings nicht, wie es ist, wenn man "leer" steht, also, ob die dann auch weiterzahlen?

dann gibt es ja pro kind die 300 eur betriebspauschale, wenn das kind voll da ist - ansonsten anteilig, wenn ich das richtig verstanden habe. rechnet man die vorher ab und der restbetrag wird versteuert? so verstehe ich das, schließlich soll es ja steuerfrei sein - oder ist das falsch? und dann hab ich noch gelesen, daß man als nebenberuflich eingestuft werden soll wegen der vereinfachten prüfung, die aussagt, daß bei 5 kindern in vollzeit (5x8 stunden) von einer nebentätigkeit ausgegangen werden soll - zumindest bezüglich der krankenkasse. da die kinder ja jeweils einer person zugeschrieben werden müssen und nicht mehr als 9 kinder gleichzeitig betreut werden dürfen, kommt man ja nie dadrüber, oder?

bei der u3 quote mache ich mir weniger gedanken, sondern sehe ja eben darin die chance. denn, wenn ich das richtig verstanden habe, bitte korrigieren, wenn ich falsch liege, gilt auch ein tagesmutterplatz als ein betreuungsplatz u3. dementsprechend sind die plätze billiger und die kommunen müssen ein interesse daran haben, diese plätze zu erhalten bzw. zu schaffen. deswegen glaub ich auch, daß die weiterhin bezuschussen werden, aber das ist ja jetzt eher spekulation, denke ich.

das mit dem vermieten hatte ich mir übrigens ähnlich gedacht. ob es möglich ist, daß mein eigener mann an mich vermietet? erkennt das jugendamt das an?

grüße

bettina

sissy1981
[6] 13.10.09, 08:16

Wenn du eine Wohnung anmietest ist es nicht unbedingt schlau auch noch die Kosten über die Betriebskostenpauschale abzurechnen, du musst dich da schon mit der Realkostenberechnung anfreunden. Die nebenberufliche Einstufung ist oftmals auch ein Problem, nicht alle FA's erkennen dies noch an wenn Wohnungen angemietet werden, aber das ist ja dann eh kein Problem, denn wenn man sie anmietet sollte man eh schauen, dass man noch mit Stundenkindern die Fehlzeiten auffüllt - einfach um auch die Verdienstausfälle bei freien Plätzen abzufangen (und nein natürlich zahlt dir keiner Leerstände)

Die 5-Kind-Regelung bezieht sich im übrigen auf die Verträge, nicht wie lange die Kinder bleiben (schön wärs ;-) ).

Was die Quote angeht, natürlich werden wir jetzt gefördert - gerade die U3-Plätze (TM's können von 0-14 Jharen gefördert werden) wir werden auch immer bezuschusst werden. Nur werden wir immer noch nicht halbwegs angemessen bezahlt, daran wird sich auch nichts ändern. Erst recht nicht wenn die Kinderzahlen immer weniger werden (und das merkt man ja schon heute, wenn man sich nur mal die Warteliste oder die Probleme neu anfangender Kolleginnen ansieht) und die Komunen ein Interesse daran haben ihre - immer zu bezahlenden Erzieher in den immer zu bewirtschaftenden Einrichtungen- auszulasten. Das ist das Problem.

Was das Vermieten über den Mann angeht - dem Jugendamt ist das egal, das FA machte da eher Probleme - aber im Saarland kennt immer jemand jemanden, der einen kennt - so regelt man das hier #schein

sissy1981
[7] 13.10.09, 08:55

Letztendlich musst aber halt du deine Kalkulation aufstellen und schauen ob es in allen für dich wichtigen Hinsichten aufgeht.