Grundsätzliche Informationen zu baby-led weaning

coolejule1976
Urbiasaurus
[1] 06.05.09, 20:29

Quelle: http://breikasper.nielsrump.net/?page_id=8
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Die Grundlage der Baby-gesteuerten Beikosteinführung (engl. „baby led weaning“, auch kurz BLW genannt) ist eine Studie die Gill Rapley, eine erfahrene Kinderkrankenschwester und stellvertretender Direktor der Baby Friendly Initative des britischen UNICEF Büros, 2004 durchgeführt hat.

Die Basis hinter der Baby-gesteuerten Beikosteinführung ist die Beobachtung, daß Babys mit sechs Monaten in der Lage sind die Beikosteinführung wortwörtlich selber in die Hände zu nehmen. Dabei wird Stillen als die ideale Vorbereitung gesehen, da gestillte Babys sind in der Lage die Milchaufnahme selbst zu regulieren, es ist also nicht möglich, ein gestilltes Baby zu überfüttern. Außerdem ändert sich der Geschmack der Muttermilch — je nachdem was die Mutter gegessen hat. Diese Umstände bereiten ein Baby dann auch auf die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen vor.

BLW nutzt dabei die natürliche Neugier des Babys aus, mit der er seine Welt entdeckt, imitiert und experimentiert. Der Fokus von BLW liegt nicht in der Nahrungsaufnahme (das wird weiterhin durch das Stillen oder ggf. durch die Flaschenfütterung erreicht). Die Beikosteinführung wird als Spaß und Entdeckung gesehen – das Zentrale Thema ist Neugier, nicht Hunger.

Bei der traditionellen Art der Beikosteinführung wird Babys am Anfang alles Essen in Breiform gegeben. Nach einigen Wochen werden die Breie zunehmend „stückchenhafter“, damit die Babys kauen lernen – und erst wesentlich später kommt dann feste Nahrung („Finger Food“) dazu.

BLW überspringt die ersten beiden Phasen. Anstelle sämtliche Lebensmittel zu pürieren oder (später) zu zerdrücken, wird das Essen dem Baby in handlichen Portionen angeboten. Das heißt, daß das Baby sich selbst von dem angebotenen Speisen bedient und selbst entscheidet was - und wieviel - es probieren möchte.

Die 16 goldenen BLW-Regeln

1. Lass das Baby bei den Familienmahlzeiten mitmachen. Gegen Ende des sechsten Monats fangen die meisten Babys an, die Familienmitglieder zu beobachten.

2. Das Baby muß aufrecht sitzen wenn es beginnt mit Essen zu experimentieren. Am Anfang kann es auf dem Schoß sitzen. Wen es anfängt das angebotenen Essen in die Hand zu nehmen, ist es wahrscheinlich auch in der Lage, ggf. abgestützt, im Hochstuhl zu sitzen.

3. Biete dem Baby Essen in Pommes-großen Stiften an, so daß es das Essen in die Faust nehmen kann. Es kann oft auch dieselben Sachen essen, die der Rest der Familie ißt. Dies erhöht das Zusammengehörigkeitsgefuehl.

4. Biete eine reiche Auswahl an unterschiedlichen Lebensmitteln an. Es besteht kein Grund die Experimentiermöglichkeiten einzuschränken.

5. Das Baby bestimmt die Dauer der Mahlzeiten. Versuche es nicht zu eilen und “hilf” nicht, indem dem Baby Essen in den Mund gelegt wird.

6. Erwarte nicht, daß das Baby am Anfang tatsächlich etwas isst. Wenn das Baby feststellt, daß das neue “Spielzeug” gut schmeckt wird es kauen und später auch schlucken.

7. Erwarte nicht, daß ein junges Baby alles aufißt. Babys müssen erst noch die Fähigkeit entwickeln, die Stücke, die sie in der Faust haben zu manipulieren.

8. Biete abgelehntes Essen erneut an. Babys ändern öfters ihre Meinung über Geschmäcker und akzeptieren Essen, daß sie früher abgelehnt haben.

9. Lass ein Baby niemals alleine beim Essen.

10. Biete kein gefährliches Essen an (Beispiel: Erdnüsse).

11. Biete kein Essen an, das Salz oder Zucker enthält. Dies gilt besonders für Fertiggerichte und Fast Food

12. Biete dem Baby Wasser aus einem Becher an. Ein gestilltes Baby benötigt zwar kein zusätzliches Wasser (die Muttermilch reicht aus), das Trinken aus dem Becher muß aber auch erlernt werden.

13. Es ist chaotisch und der Putzlappen wird eine Notwendigkeit! Eine Plastikmatte unter dem Hochstuhl schützt den Teppich und hilft beim Aufräumen. Heruntergefallenes Essen kann auch so wieder verwendet werden - das minimiert den Abfall.

14. Still weiterhin nach Bedarf. Die Stillmahlzeiten ändern sich erst, wenn die Mahlzeiten größer werden.

15. Sprich Dich mit Deinem Kinderarzt oder –krankenschwester ab bevor Du mit BLW anfängst – insbesondere wenn das Baby flaschengefüttert wird, oder wenn es in der Familie Fälle von (Lebensmittel-)Allergien gibt.

16. Genieße es! Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie ein Baby Essen entdeckt.

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coolejule1976
Urbiasaurus
[2] 06.05.09, 20:53

Da das Thema Allergiegefahr nun häufiger zur Sprache kam:

Bei BLW wird davon ausgegangen, dass sich das Baby das holt, was es braucht (sofern man ihm eine ausgewogene und vielseitige Ernährung anbietet) und instinktiv die Lebensmittel meidet, auf die es allergisch reagieren könnte.

Dennoch möchte ich hier aus dem Buch "Babyernährung gesund und richtig" zitieren, welche Nahrungsmittel bei allergiegefährdeten Babys vermieden werden sollten. Ob und inwieweit man sich daran hält, sollte jeder selbst abwägen.

- Kuhmilch und alle Milchprodukte (einschließlich Butter)
- Eier
- Fisch
- Schweinefleisch
- Soja und Sojaprodukte
- Tofu
- Schokolade
- Frischkornmüsli
- Sellerie

Weitere Lebensmittel, die häufig zu Allergien führen:

- Weizen
- Tomaten
- Beeren
- Zitrusfrüchte
- Hülsenfrüchte
- Schalentiere
- Glutamat
- Rohkost

Zum Thema Zöliakie steht in dem Buch, dass man schauen soll, ob das Kind allergisch auf Gluten (enthalten in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer) reagiert. Symptome sind: Schlechtes Gedeihen, heller fester übel riechender Stuhl, der auf dem Wasser schwimmt #kratz, Durchfall, häufiger Stuhlgang, Wachstumsstörungen, Blähungen, vorgewölbter Bauch, Reizbarkeit, Lethargie. Sofern das Kind nicht auf Gluten reagiert, braucht man nicht weiter darauf achten, dass das Kind glutenfreie Kost bekommt.

coolejule1976
Urbiasaurus
[3] 08.06.09, 21:49

So läuft BLW meistens ab:


1. Schritt (ab 6 Monaten!): (halb)festes Essen in die Hände/den Mund nehmen, dran lutschen und saugen, evtl. was abbeißen und wieder ausspucken - hier kommt es ab und zu zu würgen und übergeben
2. Schritt: kauen und im Mund herumschieben, kleine Teile werden bereits geschluckt (können teilweise unverdaut wieder ausgeschieden werden)
3. Schritt: abbeißen, kauen und schlucken - ab da essen die meisten Kinder immer mehr und besser; im Schnitt ist das um die 9 Monate der Fall, nun werden spätestens die Stillmahlzeiten reduziert (auch das geht vom Kind aus!!! Weaning bedeutet eigentlich Abstillen! Und Baby-led heißt das es vom Kind geführt ist, also nur vom Baby ausgeht!)
4. Schritt: Um den ersten Geburtstag herum essen die Kinder normal mit und beginnen sich abzustillen, da sie die Milch als Nahrungsquelle nicht mehr benötigen. Stillen kann aber weiterhin eine Trostquelle bleiben - so das Kind es braucht und die Mutter nichts "dagegen" hat.

(kopiert aus einem Thread von zoebelchen)