Erziehungsfrei, oder: "Antipädagogik"

Was taugen Erziehungskonzepte? Hier werden verschiedene Ansätze erklärt und Anekdoten ausgetauscht.
Ein Tipp vom urbia Team

            • 18.05.17 - 22:46

              Das ist in der Praxis nur dann eine gewaltige Katastrophe, wenn man Kindern von klein auf Selbständigkeit abtrainiert, wie es die aktuell gebräuchlichen Erziehungskonzepte vorsehen. Dann kann natürlich ein Schulsystem, das auf der natürlichen Selbständigkeit des Kindes aufbaut, nicht funktionieren. Ein Kind, das jahrelang gelernt hat, dass es durch Druck und Belohnungen in die gewünschte Richtung gelenkt wird, das tut bei plötzlicher vollkommener Freiheit erstmal gar nichts. Und wenn diese Kinder die Mehrheit darstellen, dann kann man sich schön danebenstellen und sagen: "Das Konzept funktioniert nicht." Ist ja praktisch. Muss man nicht über den Tellerrand gucken.

              Leider gibt es einen Mechanismus, der es uns schwer macht, einen anderen Standpunkt als unseren eigenen zu akzeptieren bzw. unsere Meinung zu ändern. Nennt sich Confirmation Bias. So werden wir wohl immer alle sehr verschiedene Meinungen haben und dabei bleiben ;-)

              • 19.05.17 - 20:00

                Ja, das sehe ich auch so. Ich könnte jetzt noch ganz viel zu deinem Beitrag schreiben, aber das ist ein bisschen so wie mit einem Impfgegner zu diskutieren. ;-)

                • 20.05.17 - 00:04

                  Ja, da hast du wohl recht. Wahrscheinlich ist es so ähnlich wie mit einem strikten Impfempfehlungsbefolger zu diskutieren.

                  Ich würde ja sagen "Wir reden dann nochmal, wenn unsere Kinder erwachsen sind." Aber das würden wir ohnehin nicht machen. Und selbst wenn, wären wir wahrscheinlich beide jeweils sehr zufrieden und würden unsere Meinung weiterhin bestätigt sehen. :-)

          05.04.17 - 10:03

          Hallo,

          ich bin immer furchtbar peinlich berührt, wenn ich einem Kind auf dem Spielplatz etwas abgebe (Salzstange, Apfel, Gummibärchen,....) und die Mutter direkt anmaschiert kommt "Wie sagt man da!!!????" Das Kind schaut blöd und dann geht der Kampf los. Ich versichere, dass mir ein Danke nicht wichtig ist, aber die Mutter muss es mit allen Mitteln aus ihrem Kind heraus pressen. Dann endlich, unter Drohungen und Gemecker kommt das "Danke" und ich finde es super affig und schrecklich, wie die Mutter ihr eigenes Kind im Sinne einer höflichen Erziehung bloß gestellt hat.
          Das möchte ich für meine Kinder nicht!

          Meine Tochter ist fast 4 Jahre alt und ich habe mich eine ganze Weile für sie bedankt.
          Sie ist mittlerweile wirklich ein sehr höfliches Kind. Sie hat sich diese gesellschaftliche Regel abgeschaut ohne dass ich irgendwas beibringen musste. Scheinbar empfindet sie es als wichtig freundlich zu grüßen, Danke und Bitte zu sagen.

          Ich treffe regelmäßig das Kind meiner Freundin ohne diese im Kindergarten. Es ist eines dieser Kinder, das ständig dazu angehalten wird zu grüßen, Danke, Bitte, ich möchte gerne,..... zu sagen. Von 5 Tagen in der Woche grüßt es mich an 4 Tagen nicht zurück. Ich finde das nicht schlimm. Ich kann das Kind sogar verstehen. Kaum ist Mama nicht da, wird sie ja zu nichts mehr gezwungen.

          LG

      Meine Schwester erzählte mir kürzlich von so einem "laissez faire" Erziehungsstil im Freundeskreis. Sie ist kinderlos aber war so entsetzt wie ich.
      Dieses befreudete Pärchen lässt seine Kinder schlicht alles machen was die wollen. KeineAhnung wie das im Alltag umsetzbar sein soll aber ein paar beobachtete Beispiele : Die 5 Jährige wollte in einen Babyhochstuhl, also war das ok. Hatte keine Lust auf Kleidung unten rum also ließen sie ihre Eltern nackt durch die Straßen Berlins ziehen, und alsdie Kleine mal musste ging sie dafür wieein Hund an den nächsten Baum.
      Furchtbar peinlich und widerlich finde ich solche Eltern, aber offensichtlich gelten sie im Freundes- und Bekanntenkreis als öko, cool, und locker, ließen sich wohl auch beim Sex für eine Zeitschrift ablichten.
      Mir persönlich fällt da nur ein: die armen Kinder. Irgendwann werden sie bestimmt mal inFrage stellen was ihre Eltern da so anerzogen odereben NICHT anerzogen haben... und sicher werden sie das ein oder andere Problem beim Integrieren in eine Gesellschaft kriegen...
      Dann dachte ich aber auch wieder eigentlich haben die Eltern mein Mitleid. Denn offensichtlich ist "laissez faire" eine Form der Überforderung und Schwäche, gegenüber den eigenen Kindern.

      Zu deiner Frage ist mir noch eingefallen, dass man nicht nicht erziehen kann. Auch Antipädagogik ist Pädagogik. Wenn ich das Verhalten meines Kindes dulde und ertrage, dann ist das auch ein Statement gegenüber dem Kind.

      Ich hab davon schon gehört. Kenne auch solche Kinder, das sind ziemliche "Goldstücke". ;-)

      Eins denkt, es könne selber die Regeln für alles bestimmen. Das Mädel kriegt einen Schreianfall wenn es nicht als erstes eine Treppe hinuntergehen darf, und sich auch sonst keiner nach "ihren" Regeln richtet. Da scheint das "Vorbild" der Eltern (Bankerin und Lehrer) nichts genutzt zu haben und es ist auch im Kindergarten nicht besser geworden. Die anderen Kinder meiden sie oft, weil: wer will im Ernst mit so jemandem spielen?

      Ich selber habe schon eher bürgerlich-traditionelle Ansprüche: ich möchte, dass meine Kinder abends um 20 Uhr pünktlich im Bett liegen, am Tisch manierlich mit Besteck essen, ihren Teller in die Küche tragen, auf mich im Großen und Ganzen halbwegs hören, grüßen und ein Gespräch führen können, im Restaurant andere Leute nicht beim Essen stören, sich auch mal nach anderen richten können, abwechseln können, bitte und danke und ja bitte und nein danke und Entschuldigung sagen, zu anderen Leuten (Kindern und Erwachsenen) nett sind und wenn Besuch da ist, fröhlich mit den anderen Kindern spielen.

      Medienzeit ist bei uns auch streng limitiert.

      Schon als Kind waren die Kinder mit den (aus Kindersicht) "besonders lieben Eltern" irgendwie immer am gemeinsten und bei Kindern am unbeliebtesten, da kann ich mich noch gut dran erinnern.

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