Was tun?

Bauchschmerzen bei Babys und Kleinkindern

Wenn der Sprössling Bauchweh hat, sackt so manches Elternteil entmutigt in sich zusammen: Was kann es denn diesmal sein? Blähungen? Etwas nicht vertragen? Durchfall? Gar ein Magen-Darm-Infekt? Hier finden Sie Tipps und Hilfe.

von Andrea Knipp-Selke
  • Druck
  • Kommentare
  • Email
Baby weinend mit Eltern
Foto: © iStockphoto.com/ goldenKB

Allgemeines zu Bauchschmerzen

Alle Kinder haben mal Bauchschmerzen

Viele Kinder - egal wie alt sie sind - leiden immer wieder mal unter Bauchschmerzen. Vor allem Kleinkinder zentrieren alle Schmerzen in ihren Bauch. Auf die Frage, wo es ihnen wehtut, zeigen sie in aller Regel auf die Nabelgegend, die Ursache ihres Schmerzes kann dabei aber auch durchaus eine Wunde am Bein sein. Bei Kindern im Schulalter verbergen sich hinter den Bauchschmerzen oft Stress, Angst oder Überforderung. Die Liste möglicher Ursachen speziell von stärkeren Bauchschmerzen ist lang und reicht von Blähungen, über Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis zu Blasen-, Salmonellen-, Wurm- und Virusinfektionen. In ernsteren Fällen können sogar eine Blinddarmentzündung oder gar eine Darmverschlingung dahinter stecken.

Grundsätzlich gilt deshalb: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zum Kinderarzt gehen, erst recht, wenn noch andere Symptome wie beispielsweise Fieber, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung hinzukommen oder das Kind einen schwerkranken Eindruck macht.

Am Anfang: Blähungen und Drei-Monats-Koliken

In den ersten Wochen und Monaten ihres Lebens schreien Säuglinge häufig viel, weil sie unter Blähungen zu leiden scheinen, und bringen damit zuweilen auch die geduldigsten Eltern an den Rand des Wahnsinns. Die Symptome sind bei allen Kindern in etwa gleich: am späten Nachmittag oder frühen Abend - meistens so ungefähr dann, wenn der berufstätige Elternteil nach Hause kommt (die sind aber in aller Regel völlig unschuldig an dem nun folgenden Geschehen) - fangen sie an zu schreien. Und hören damit eigentlich nicht mehr auf. Die lieben Kleinen schreien stundenlang, bekommen einen roten Kopf, ziehen die Beine an und haben oft einen von der Luft prall gewölbten Bauch. Ist die Luft abgegangen, hört das Geschrei wie von Zauberhand wieder auf. Aber bis dahin können mitunter durchaus drei Stunden vergehen und es ist die nackte Verzweiflung, die so manches Elternteil nachts auf die Autobahnen der näheren Umgebung treibt. Kaum im Auto schläft der Schreihals ziemlich regelmäßig ein, um mit der gleichen Regelmäßigkeit noch vor dem Herausdrehen des Zündschlüssels wieder loszubrüllen. Andere vielfach erprobte Alternativen, die zumindest das Dauergeschrei abstellen, sind das stundenlange Herumtragen auf dem Arm - dabei das Kind nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam und vor allem sehr rhythmisch wiegen - oder das mehr oder weniger heftige Wippen auf einem großen Gummiball. Sind die Kinder erst mal größer, mag man darüber lachen, in dieser Situation aber ist den meisten Eltern eher zum Heulen zumute. Und eigentlich weiß niemand so recht, ob nun das Schreien die Ursache für die Blähungen sind oder umgekehrt. Fest steht: Viele Säuglinge sind davon betroffen.

Ursache: weitgehend unbekannt

Eine mögliche Ursache ist die Reizüberflutung, die der Säugling in den ersten Wochen seines Lebens erlebt. In seiner neuen Daseinsform außerhalb des Mutterleibes wird er mit einer Fülle neuer Eindrücke konfrontiert und reagiert auf diese Überforderung mit Unwohlsein. Er schreit, um seine inneren Spannungen abzubauen, die sich im Laufe des Tages aufgestaut haben. Für diese Theorie spricht auch, dass Kinder, die zu früh geboren wurden oder deren Schwangerschaft bzw. Geburt sehr schwer war, häufiger schreien und dann unter Blähungen zu leiden scheinen als andere Säuglinge. Hinzu kommt, dass sich der Magen-Darm-Trakt des Neugeborenen erst mal an die veränderte Nahrungsaufnahme und -verarbeitung nach der Geburt gewöhnen muss.
Fast alle Eltern sind bemüht, stets eine kausale Begründung für das Schreien ihres Kindes zu finden. Das Kind aber hat keine andere Möglichkeit als zu schreien, um sein Unwohlsein auszudrücken, egal ob es nun Hunger oder Blähungen hat, einfach nur nicht alleine im Bett liegen will oder eben mit der Verarbeitung all der neuen Reize, die auf es einwirken, schlicht überfordert ist und deshalb schreit.

Hilfe zur Selbsthilfe

Was hilft? Meistens wollen die Säuglinge tatsächlich nur herumgetragen werden. Das Phänomen der Dreimonatskoliken ist bei Naturvölkern, die ihre Kinder ständig bei sich tragen, weitgehend unbekannt. Bei Stillkindern vermuten manche als Ursache der Blähungen eine falsche Ernährung der Mutter. Kuhmilch- und Vollkornprodukte, Fisch, Ei und Müsli können - so vermuten manche - möglicherweise bei gestillten Kindern Blähungen verursachen. Auch durch zu hastiges Trinken oder Schreien gelangt zu viel Luft in den Bauch, die erst mal wieder raus muss. Nehmen Sie sich deshalb Zeit für die Fütterung Ihrer Kinder, egal, ob Sie stillen oder die Flasche geben.

Nur die Ruhe

Vor allem eins ist wichtig: Ruhe bewahren, was - zugegeben - sehr schwierig ist, wenn die Nerven bereits blank liegen. Nicht selten überträgt sich die Nervosität der Mutter auf das Kind. Nur von geringem Nutzen sind die im Handel befindlichen Medikamente gegen Babys Blähungen. Ihre Wirkung ist nur beschränkt und scheint eher der Beruhigung der Eltern zu dienen, die dann das Gefühl haben, aber auch wirklich alles versucht zu haben.

Falls Sie es noch nicht versucht haben, können Sie damit versuchen, die Beschwerden des Kindes zu lindern:

  • Herumtragen im Fliegergriff (Baby liegt mit dem Bauch auf dem Unterarm von Mama oder Papa, die Beinchen hängen nach unten)
  • Sanfte Massage des Bauches im Uhrzeigersinn um den Nabel herum (evtl. mit in der Apotheke erhältlichem "Windöl“ oder Kümmelöl, das auch durch die Haut wirkt und Blähungen lindern soll)
  • D-Fluoretten nicht abends, sondern nur morgens geben (können Blähungen verursachen)
  • Viele Mütter legen ihr Kind immer wieder an, wenn es schreit, es könnte ja doch

noch Hunger haben. Auch das kann, so vermuten manche Kinderärzte, die Beschwerden verstärken. Zum einen, weil durch das viele Schreien schon entsprechend viel Luft im Bauch ist, zum anderen weil ständig frische Nahrung auf bereits halbverdaute trifft und auch das die Blähungen verstärkt.

Wenn gar nichts mehr nützt, bleibt nur noch eins: Abwarten, Auto fahren, Spazieren gehen oder auf dem Ball hüpfen, denn liebe Eltern: Auch das geht vorbei!

  • 1
  • 2
  • 3