Fontanelle

Die Fontanelle – der „Soft Spot“ im Schädel des Neugeborenen

Sie sind wundersam, aufschlussreich und eine tolle Erfindung der Natur: Fontanellen. Die weichen, empfindlichen Stellen am Kopf eines Neugeborenen wirken im ersten Moment befremdlich, erfüllen aber viele nützliche Funktionen. Warum es diese Soft Spots gibt und was die Stirnfontanelle über den Gesundheitszustand Ihres Babys aussagt, erfahren Sie hier.

Fontanelle
Foto: © sylv1rob1 - Fotolia.com

Der Schädel eines Neugeborenen besteht aus mehreren Knochenplatten und wächst erst im Laufe der Zeit vollständig zusammen. Die Lücken zwischen mindestens drei Platten werden als Fontanellen bezeichnet, die Abstände zwischen zwei Knochenplatten als Schädelnähte. Sie sind mit einer festen Gewebeschicht überzogen. Der Mensch wird mit zwei Hauptfontanellen und vier Seitenfontanellen geboren. Die große Fontanelle oberhalb der Stirn ist für klinische Untersuchungen am wichtigsten. Aus diesem Grund ist häufig nur von dieser einen Fontanelle die Rede.

Die große Fontanelle

Die große Fontanelle (Fonticulus anterior) befindet sich oberhalb der Stirn und hat die Form einer Raute. In diesem Bereich treffen später vier Schädelplatten und Schädelnähte aufeinander. Die Größe der Fontanelle ist von Baby zu Baby verschieden: Häufig werden Werte zwischen zwei und vier Zentimetern Durchmesser ermittelt. Innerhalb des ersten Lebensjahres vergrößert sich der Bereich ein wenig. Das ist völlig normal und darauf zurückzuführen, dass das Gehirn in dieser Zeit stark wächst. Es dauert zwischen einem und zwei Jahren, bis die Lücke vollständig von knöchernen Strukturen umschlossen ist. Wie schnell oder langsam sich der Abstand der Schädelplatten verringert, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: Erbinformationen, Umweltbedingungen oder auch der Ernährung des Kindes. Die Geschwindigkeit, in der die Fontanelle umschlossen wird, kann nicht allein als Indikator für die Entwicklung des Kindes dienen.

Die Hinterkopf- und Seitenfontanellen

Die kleine Fontanelle (Fonticulus posterior) befindet sich am Hinterkopf und ist dreieckig geformt. Die Lücke zwischen Pfeilnaht und den beiden Lambdanähten ist sehr klein, etwa einen halben bis ganzen Zentimeter im Durchmesser. Die Hinterhaupt-Fontanelle schließt sich in der Regel innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt. Neben der großen und kleinen Fontanelle hat ein Baby noch vier Seitenfontanellen. Wann diese vollständig geschlossen sind, ist bisher nicht ausreichend erforscht. Als Richtwert gilt jedoch zirka ein Jahr. Bei einigen  Kindern mit Down-Syndrom gibt es eine zusätzliche Lücke zwischen großer und kleiner Fontanelle.

Der Verschluss der Fontanellen kann sich durch mehrere Umstände verzögern, beispielsweise durch Mangelerscheinungen oder einen erhöhten Schädelinnendruck. Entsprechende Untersuchungen nimmt der Kinderarzt vor.

Auch der vorzeitige Verschluss der Schädelnähte ist möglich, in seltenen Fällen sogar schon vor der Geburt. Er wird als Kraniosynostose bezeichnet und führt häufig zu einer ungewöhnlichen Kopfform des Kindes, da sich der Schädel nicht normal entwickeln kann. Um eine Beeinträchtigung des Gehirns (durch einen erhöhten Innendruck) zu vermeiden sowie aus ästhetischen Gründen werden Kinder mit dieser Anomalie operiert. Als eine der Ursachen für das vorzeitige Verwachsen des Schädeldachs wird das  Rauchen während der Schwangerschaft vermutet.

Wozu dienen die Fontanellen im Schädel des Babys?

Die charakteristischen Zwischenräume in der Schädeldecke haben eine sehr wichtige Funktion bei der Geburt: Sie ermöglichen das Übereinanderschieben der Schädelplatten und machen es möglich, dass der Kopf des Kindes bis zu einem bestimmten Maß „formbar“ bleibt. Auf diese Weise kann der Kopf die starken Kräfte ausgleichen, denen er auf dem Weg durch den Geburtskanal ausgesetzt ist. In einigen Fällen behalten die Neugeborenen für etwa zwei bis vier Tagen einen leicht verformten Kopf.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist das enorme Wachstum des kindlichen Gehirns. Innerhalb der ersten drei Jahre verdreifacht sich seine Größe und der Schädel muss mitwachsen können. Die offenen Bereiche zwischen den Knochenplatten sorgen dafür, dass kein Druck auf das Gehirn ausgeübt wird.

Kann man die Stellen berühren?

Bei einem gesunden Kind ist das Berühren des Kopfes vollkommen gefahrlos. Die Fontanellen sind mit einer Membran überzogen, die fester ist, als viele vermuten. Jedoch sollte kein großer Druck auf den Bereich ausgeübt werden.

Die Stirnfontanelle wirst du sicher leicht beim Streicheln oder Eincremen deines Babys erfühlen können. Hat die kleine Fontanelle einen größeren Durchmesser, kann man auch diese ertasten. Angst vor der Berührung oder gar der Verletzung des Kindes musst du im normalen Umgang nicht haben. Schließlich haben bereits während der Geburt sehr starke Kräfte auf den Kopf deines Kindes eingewirkt. Es ist aber völlig in Ordnung, beispielsweise andere Kinder zu bitten, die Fontanelle deines Kindes nicht zu berühren und insgesamt vorsichtig im Umgang mit dem Säugling oder Kleinkind zu sein.

Was tun, wenn die Fontanelle pocht?

In der Regel sind Fontanellen absolut unauffällig. Der Kopf behält eine normale Form und bei manchen Babys verdecken Haare die Stellen. Ist die Form der weichen Stelle verändert, kann dies als frühzeitiger Indikator für das Wohlergehen deines Kindes dienen. Je nachdem, ob die Fontanelle pocht, eingefallen oder gewölbt ist, lassen sich bestimmte Gesundheitszustände ablesen.

Bei einigen Neugeborenen kommt es vor, dass die Fontanelle pocht oder im Gleichklang mit dem Herzschlag „pulsiert“. Übt das Kind einen besonderen Innendruck auf den Kopf aus, beispielsweise beim Schreien, Ausscheiden von Kot oder wenn es erbricht, kann sich die Fontanelle des Babys auch aufwölben. Das Pochen sollte dich nicht beunruhigen. Bleibt die Schwellung jedoch bestehen oder hat dein Kind zusätzlich Fieber oder Brechdurchfall, solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen.

Was tun, wenn die Fontanelle eingefallen ist?

Ist die Fontanelle hingegen eingefallen, kann dies ein Zeichen für einen Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) sein, etwa wenn das Kind zu wenig trinkt, an Durchfall leidet oder erbrochen hat. In diesen Fällen sorge für eine erhöhte Aufnahme von Flüssigkeit. Du kannst Durchfall und Verdauungsstörungen zunächst mit Hausmitteln behandeln. Bleibt die Fontanelle eingefallen und treten zudem andere Symptome wie trockene Lippen und dunkler oder sehr wenig Urin auf, ziehe einen Kinderarzt zu Rate.

Video

Baby 1x1: Für die erste Zeit mit Baby

Das Baby richtig halten

Manche Mütter und Väter halten mit ihrem ersten Neugeborenen überhaupt zum ersten Mal in ihrem Leben ein Baby auf dem Arm. Da kann schon mal  ...  Das Baby richtig halten

Video

urbia.tv

Säuglingspflege

Wickeln, waschen, baden - ein kleines Baby braucht viel Pflege. Eine Hebamme beantwortet in dieser Sendung wichtige Fragen zum Umgang mit Säu ...  mehr

Storchenbiss, Waschfrauenhände und Co

Neugeborene: Süß mit kleinen Schönheitsfehlern?

Für Eltern ist ihr kleines Neugeborenes das schönste Kind der Welt. Werden dann im Kreißsaal trotzdem kleine Besonderheiten am Baby entdeckt, ...  mehr


Seitenanfang