Frühchen

Frühchen – wenn es das Baby eilig hat

Wird ein Baby vor der 37. SSW geboren, spricht man von einer Frühgeburt. In Deutschland kommen etwa sechs bis sieben Prozent der Kinder vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Doch dank der modernen Medizin sind die Überlebenschancen der meisten Frühchen sehr gut. Welche besonderen Ansprüche Frühchen haben und worauf man beim Umgang achten sollte, erfahren Sie bei urbia.

Fruehchen schlafend
Foto: © Stockphoto.com/ sjlocke
Je höher der Reifegrad des Frühchens, desto besser die Überlebenschancen. Nach dem heutigen Stand der Medizin gilt ein Fötus ab der 24. SSW als lebensfähig. Das heißt: Kommt das Baby in diesem Entwicklungsstadium zur Welt, hat es gute Überlebenschancen. Bis zur 37. SSW spricht man von einer Frühgeburt.

Behandlung von Frühchen

Innerhalb der Zeitspanne bis zur 37. SSW unterteilt man Frühchen weiter in:

Je nach Reifegrad muss das Frühchen intensiv medizinisch versorgt werden. Je früher das Kind entbunden wurde, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen. Die größte Herausforderung: die unreife Lunge. Hat das Frühchen nicht ausreichend Zeit im Mutterleib verbracht, besteht häufig ein Mangel an Surfactant. Diese fetthaltige Substanz ist für die Funktion der Lungenbläschen sehr wichtig. Mehr als die Hälfte der Frühchen, die vor der 30.SSW geboren wurden, muss künstlich beatmet werden. Dabei wird ein Sauerstoffschlauch in die Luftröhre geschoben, und das Frühchen liegt im Brutkasten auf dem Bauch, denn diese Haltung erleichtert ihm die Atmung. Auch wenn bei Neugeborenen generell die Rückenlage empfohlen wird, um die Gefahr des  plötzlichen Kindstodes zu verringern, ist die Bauchlage im Inkubator problemlos anwendbar. Da die wichtigsten Lebensfunktionen über Monitore überprüft werden, müssen Sie sich darüber also keine Gedanken machen.

Sogenannte Perinatalzentren sind unter anderem auf die Versorgung und Pflege von Frühchen spezialisiert. Operationssaal, Frühchen-Station und Kinderarzt befinden sich hier unter einem Dach, sodass die bestmögliche medizinische Versorgung gesichert ist und Mutter und Kind nicht voneinander getrennt werden müssen. Bei Frauen, die schon einmal eine Frühgeburt hatten, besteht übrigens ein höheres Risiko für eine weitere Frühgeburt beim nächsten Kind. Das gilt vor allem dann, wenn das erste Frühchen vor der  32.SSW entbunden wurde.

Die häufigsten Auslöser für Frühgeburten

Am häufigsten werden Frühgeburten heute aufgrund einer Infektion des Muttermundes ausgelöst. Die Keime dringen meist durch eine Scheideninfektion ein und breiten sich über den Muttermund bis in die Fruchtblase aus. Um das zu verhindern, ist es wichtig, regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen zu besuchen und die Symptome einer Scheideninfektion frühzeitig zu erkennen. Jeder Tag, den der Fötus in der Gebärmutter reifen kann, ist wichtig. Aus diesem Grund werden Ärzte versuchen, eine Frühgeburt so lange wie möglich hinauszuzögern.

Weitere Auslöser für eine Frühgeburt sind:

  • Konsum von Nikotin, Alkohol und anderen Drogen
  • Infektionskrankheiten wie Grippe, Magen-Darm-Infekte etc.
  • Seelischer Stress, Anspannung
  • Fehlbildungen der Gebärmutter, der Plazenta oder am Körper des Kindes
  • Gestose (Schwangerschaftsvergiftung)
  • Unter- und Übergewicht der Mutter
  • Mehrlingsschwangerschaften

Auch das Alter der Mutter spielt eine Rolle. Frauen unter 18 oder über 38 Jahren bringen statistisch gesehen häufiger Frühchen zur Welt. Die meisten davon um die 30. SSW. Eine geringe Körpergröße der Mutter kann ebenso das Risiko einer Frühgeburt erhöhen.

Das Frühchen im Brutkasten

Der Inkubator bietet das optimale Schutzklima für ein Frühchen. Der Körper des Kindes wird konstant auf 37 Grad Celsius gehalten, da Früh- und Neugeborene die eigene Körpertemperatur noch nicht halten können. Es fehlt das wärmespeichernde brown fat, das Babys im Brust-, Rücken- und Nierenbereich einlagern, um die Organe zu schützen. Im Brutkasten herrscht die optimale Temperatur für ein Baby, deshalb kann es lediglich mit einer Windel bekleidet darin liegen. Da Babys besonders über den Kopf Körperwärme verlieren, zieht man ihnen manchmal außerdem eine Mütze an. Decken, Nestchen, Kissen und ähnliche Hilfsmittel imitieren die Raumverhältnisse im Mutterleib, denn Babys fühlen sich am wohlsten, wenn sie rundum eingewickelt sind. Diese Vorliebe können Sie auch noch lange nach der Geburt beobachten, wenn das Baby gepuckt wird.

Die meisten Frühgeborenen verbleiben im Brutkasten, bis sie ein Gewicht zwischen 1350 Gramm und 1800 Gramm erreicht haben – danach werden sie in ein Wärmebettchen gelegt. Das Frühgeborene kann erst dann zuhause von den Eltern versorgt werden, wenn es

  • 2500 Gramm wiegt und stetig an Gewicht zunimmt
  • Nahrung aufnehmen kann
  • nach Einschätzung des Kinderarztes entlassen werden kann

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Hinweise zum Umgang mit dem Frühgeborenen

Schlaf ist für die Entwicklung eines Frühchens ebenso wichtig wie bei termingeborenen Kindern. In diesem Zustand sammelt der Körper Kraft und nutzt die vorhandene Energie, um Regenerations- und Entwicklungsprozesse durchzuführen.

Achten Sie auf eine ruhige Umgebung

Die Umgebung sollte deshalb so reizarm wie möglich sein. Äußere Einflüsse wie Lärm, helles Licht oder die Pflegemaßnahmen des Personals beeinträchtigen die Tiefe des Schlafs. Schutzbrillen, Kopfbedeckungen, gedimmtes Licht und geschlossene Vorhänge verhindern eine zu starke Lichtintensität. Eltern, aber auch das Krankenhauspersonal sollten nur leise mit dem Frühchen reden und Nebengeräusche wie Musik vermeiden.

Muttermilch schützt das Kind vor Infektionen

Das Baby muss vor Infektionen geschützt werden. Am besten stärkt die  Muttermilch den noch schwachen Organismus des Frühchens. Das  Stillen hat deshalb einen großen Anteil an der guten Entwicklung des Babys. Können Sie Ihr Frühchen noch nicht mit der Brust stillen, empfiehlt sich das Abpumpen der Muttermilch.

Känguru-Methode: Körperkontakt fördert die Entwicklung

Die Hautoberfläche des Babys ist zu Beginn noch sehr groß, fast so, als müsse das Frühchen erst noch hineinwachsen. Da es noch kein oder nur wenig Fett einlagern konnte, trocknet die Hautschicht sehr schnell aus. Deshalb ist die Luftfeuchtigkeit im Inkubator erhöht.

Mit Nase und Ohr an Mamas Brust fühlen sich Frühchen an die Zeit im Mutterleib erinnert, da sie den Körpergeruch wahrnehmen und den Herzschlag spüren können. Auch der Kontakt zum Papa kann hier intensiviert werden. Das gemeinsame Kennenlernen und die  Bindung zu Mama und Papa sind für die optimale Entwicklung eines Frühchens enorm wichtig. Halten Sie die Position, wenn Sie das Kind auf der Brust haben, um seine Ruhe nicht zu stören. Vermeiden Sie es, die Haut durch starke Streichelbewegungen zu reizen. Da die Haut noch sehr empfindlich ist, empfiehlt es sich, Ihre Zuneigung zu zeigen, indem Sie den Kopf oder die Füße des Babys sanft umfassen und ihm so den Halt geben, den es in der Gebärmutter hätte. Wärmen Sie vor der Berührung Ihre Hände an.

Gut zu wissen: Vermeiden Sie starke Parfums, Deodorants, Rasierwasser oder ähnliches, wenn Sie Ihr Frühchen besuchen und es auf die Brust nehmen. Für das Kind ist es sehr wichtig, den Körpergeruch der Eltern wahrnehmen zu können, denn er wirkt beruhigend auf das Frühchen. Später orientiert sich der Säugling auch beim Stillen am Körpergeruch.


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