Spreizhose

Die Spreizhose – Orthopädische Behandlung im Säuglingsalter

Nicht immer kommen Kinder mit voll ausgereiftem Bewegungsapparat zur Welt. Die Hüftdysplasie ist die häufigste Fehlentwicklung des Skeletts bei Neugeborenen. Der Kinderarzt erkennt diese innerhalb der ersten sechs Lebenswochen. Mithilfe einer Spreizhose und des sogenannten breiten Wickelns lässt sich die Fehlstellung heute gut behandeln. Wie die Spreizhose wirkt und wie lange sie angelegt wird, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Baby Hüfte
Foto: © fotolia.com/ Oksana Kuzmina
Die Spreizhose ist ein medizinisches Hilfsmittel in der Kinderorthopädie. Sie wird auch als Beuge-Spreiz- oder Hüftbeuge-Schiene oder Repositionsorthese bezeichnet und soll Fehlstellungen der Hüfte korrigieren. Anlass für die Behandlung mit einer Spreizhose sind unreife Hüftgelenke.

Was ist eine Hüftdysplasie?

2-3 Prozent aller Neugeborenen kommen mit einer unreifen Hüfte zur Welt. Diese Entwicklungsstörung nennen Mediziner Hüftdysplasie. Sie kommt vor allem bei Mehrlingsgeburten und Feten in  Beckenendlage vor. Bei der Hüftdysplasie ist die Gelenkpfanne, die den Oberschenkelknochen umfasst, nicht halbrund, sondern abgeflacht. Dadurch kann der Gelenkkopf nicht optimal gehalten werden. Die Folge: er verrutscht, im schlimmsten Fall springt er sogar ganz aus der Pfanne.

In den  U-Untersuchungen stellt der Arzt durch ein Hüftscreening die Dysplasie fest. Reift die Hüfte in den ersten Wochen nach der Geburt nach, muss sie in der Regel nicht behandelt werden. Reift sie nicht nach, so kann der Kinderarzt das breite Wickeln empfehlen oder eine Spreizhose verschreiben, um Spätfolgen der Dysplasie zu vermeiden.

So funktioniert die Spreizhose

Die Spreizhose besteht aus einer gepolsterten Kunststoffschale, die zwischen den Beinen des Kindes angebracht wird und diese mehrere Wochen im erwünschten Winkel spreizt. In der Regel werden die Beinchen circa 8 Wochen lang in einem 90- oder 100-Grad-Winkel seitlich von der Hüfte abgespreizt. Dadurch soll der Kopf des Oberschenkelknochens in der Pfanne fixiert werden, während das noch knorpelige Knochengewebe der Pfanne zu einer kugeligen Form nachreift. Außerdem werden durch die abgespreizten Beine die Muskeln, Sehnen und Bänder so weit gedehnt, dass sie den Gelenkkopf nicht mehr aus der Pfanne ziehen.

Der Kinderarzt kontrolliert in den folgenden Wochen sehr regelmäßig durch Ultraschalluntersuchungen, wie sich die Hüfte entwickelt. Für den Erfolg der Behandlung ist besonders die Disziplin der Eltern wichtig. Die Spreizhose muss konsequent getragen werden. Lediglich zum  Wickeln und  Anziehen kann sie kurzzeitig abgenommen werden. Auch wenn die Beinposition des Säuglings sehr unbequem aussieht, seien Sie unbesorgt: In der Regel gewöhnen sich Säuglinge sehr schnell an die Spreizhose. Die Einschränkungen in der Bewegung holen Kinder in einem so jungen Alter zudem sehr schnell auf.

Wird die Fehlstellung nicht behandelt oder die Spreizhose nicht dauerhaft getragen, entwickelt das Kind als Spätfolge manchmal ein abweichendes Gangbild: es hinkt. Außerdem sind im Erwachsenenalter folgende Probleme wahrscheinlich:

  • schmerzhafte Hüftgelenksarthrose
  • Rückenbeschwerden
  • bewegungsunfähige Beine
  • Notwendigkeit zahlreicher operativer Maßnahmen
  • künstliche Hüfte bei starkem Gelenkverschleiß

Tipps vom Kinderarzt: Behandlung einer Hüftfehlstellung

Was bedeutet „breites Wickeln“?

Einen ähnlichen Effekt wie die Spreizhose hat das erwähnte breite Wickeln. Dabei wird eine feste Stofflage (etwa ein zusammengefaltetes Handtuch) über der Windel zwischen die Beinen gelegt. Darüber ziehen Sie die Säuglingskleidung. Auch hier sollen die Beine mechanisch gespreizt werden, um später eine gesunde Haltung und ein schmerzfreies Laufen zu gewährleisten.

Gut zu wissen: Die Spreizhose wird über der Kleidung des Kindes angelegt. Durch den Steg zwischen den Beinen benötigen Sie wahrscheinlich spezielle Bekleidung, die für den Säugling angenehmer zu tragen ist. Zahlreiche Modelle, die sich für diesen Zweck eignen wie Windel- oder Wollhosen, finden Sie im öffentlichen Handel.

Einfache Anleitung: So wickeln Sie Ihr Baby

Wenn die Spreizhose nicht genügt

Leichte Hüftgelenksdysplasien lassen sich gut mit dem breiten Wickeln oder einer Spreizhose behandeln, um Spätfolgen auszuschließen. Genügen diese Therapiemethoden nicht, kann das Kind auch operiert werden. In der Folge und bei instabilen Gelenken hält ein Gips die Beine in der gewünschten Position, bis sich die Gelenkpfanne entsprechend entwickelt hat. Das kann für den Säugling sehr unangenehm sein, schützt ihn aber vor Bewegungseinschränkungen im späteren Leben.


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