Ein Gefühl, das stark macht
Urvertrauen für mein Baby
Urvertrauen entsteht in den ersten Lebenswochen und -monaten. Wenn ein Baby erfährt: "Mama und Papa sind zuverlässig für mich da, wenn ich sie brauche", lernt es Urvertrauen. Ein Gefühl, das Babys stark macht, ein ganzes Leben lang.
Geborgenheit geben
Faszinierend zu beobachten, wie schnell sich ein ängstlich-schreiendes Baby beruhigt, wenn es sanft hochgenommen und zärtlich gestreichelt wird. Meistens hört das Weinen nach ein paar Minuten auf, der kleine Körper entspannt sich. Das Baby fühlt sich rundum wohl und geborgen - eine Erfahrung, die für sein späteres Leben prägend ist.
In den ersten Lebensmonaten erwirbt das Baby ein Grundgefühl dafür, ob es seiner Umwelt vertrauen kann oder nicht. Dieses Grundgefühl nennen Psychologen und Soziologen Urvertrauen.
„Was die erste Lebenszeit eines Kindes angeht, ist die Entwicklung des Urvertrauens die wichtigste überhaupt“, sagt die Bochumer Entwicklungspsychologin Birgit Leyendecker. Aus der warmen, dunklen Geborgenheit im Bauch seiner Mutter wird das Baby bei der Geburt herausgestoßen in eine fremde, helle, kalte Welt. „Zum Glück wissen die Ärzte heute, wie wichtig es ist, dem Neugeborenen ein Stück Geborgenheit zurückzugeben. Deshalb werden sie meist nach der Geburt der Mutter auf den Bauch gelegt“, so Birgit Leyendecker. Wurden die Neugeborenen noch vor wenigen Jahrzehnten auf die Säuglingsstation gebracht, wo sie allein in ihrem Bettchen bleiben mussten, so ist heute in vielen Kliniken Rooming-In, bei dem Mutter und Kind zusammen im Stationszimmmer liegen dürfen, vollkommen normal. So kann die Mutter ihrem Kind so oft es nötig ist die körperliche Nähe geben, die es braucht.
Ich bin für dich da, mein Kind
Wenn alles gut geht, wird das Baby in seinen ersten Lebenswochen die Erfahrung machen, dass seine Bedürfnisse auch jetzt, wo es nicht mehr im Bauch seiner Mama lebt, zuverlässig erfüllt werden. Hierbei geht es jedoch nicht nur darum, den kleinen Menschen zu füttern und warm und trocken zu halten. Sondern es geht vor allem um eine liebevolle Reaktion auf seine Signale. Egal, ob das Kleine schreit oder lacht. „Wenn Ihr Baby Sie anlächelt, dann sollten Sie zurücklächeln oder liebevoll mit ihm reden. Wenn es weint, versuchen Sie herauszufinden, was ihm fehlt“, rät Psychologin Birgit Leyendecker. Das Kleine soll merken: Mama hat mich lieb. Mama ist für mich da. Und sie findet mich gut – auch, wenn ich sie mit meinem Schreien vielleicht gerade störe, sie schon zum x-ten Mal geweckt habe. Wenn das so ist, merken das schon die Allerkleinsten. Denn Liebe kann man nicht vorspielen.
Junge Eltern wissen, dass das ständige Reagieren ein Fulltime-Job ist – bei dem man auch als noch so geduldige Mutter irgendwann mal ans Ende seiner Nervenkraft kommen kann. „Es ist eine echte Herausforderung, die Balance zu finden: Die Bedürfnisse des Babys wahrzunehmen und zu befriedigen, aber dennoch nicht auf jeden kleinsten Mucks zu reagieren“, weiß auch die Psychologin. Wenn Eltern schon beim leisesten Muckser zu ihrem Kind hinrennen und es bespielen wollen, kann es nämlich leicht zu einer Überstimulation kommen. Die Folge: Das Baby lässt sich erst recht nicht beruhigen.
Unerlässlich beim Aufbauen einer guten Eltern-Kind-Bindung und damit des Urvertrauens ist eine Regelmäßigkeit. Wenn ein Kind erfährt, dass Mama oder Papa grundsätzlich für es das sind, dann gewinnt es an Sicherheit und verlässt sich darauf, dass es immer gut versorgt wird. Und irgendwann begreift das Kind: Auch wenn Mama jetzt gerade nicht da ist – sie kommt immer wieder zurück zu mir.




