Licht, das gut tut

Kinder brauchen Sonne - wichtige Fakten zur Kindergesundheit

Eltern denken, wenn sie Sonne hören, meist an „Sonnenschutz“ und wollen ihr Kind vor Hautkrebs bewahren. Doch auch die Versorgung mit Vitamin-D, das nur durch das Licht der Sonne gebildet werden kann, ist für die Gesundheit der Kinder sehr wichtig.

Autor: Dr. Andrea Schmelz
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Sommersonne macht glücklich

Baby Sommerurlaub
Foto: © fotolia.com/ Uncleraf

Sommer, Wärme, Sonne – da wollen Kinder vor allem baden, radeln und im Freien spielen. Und das ist genau die richtige Einstellung, denn Bewegung an frischer Luft tut Klein und Groß einfach gut. Vermittelt werden die positiven Auswirkungen über das Sonnenlicht. Kurzwellige UVB-Strahlung ist wichtig für die Bildung von Vitamin D, während die Helligkeit der Sommersonne zu vermehrter Serotoninausschüttung und zu einer verminderten Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin führt. 

Trifft Sonnenlicht auf die Haut, wird im Gehirn Serotonin, ein Glückshormon, ausgeschüttet. Es sorgt für gute Stimmung, macht ausgeglichen und vertreibt Ängste. Ein Mangel an Serotonin (etwa während der dunklen Wintermonate) wird mit depressiver Stimmung, Antriebs- und Mutlosigkeit sowie vermehrter Müdigkeit in Verbindung gebracht.

Lange helle Sommertage führen außerdem dazu, dass die Zirbeldrüse weniger vom müde machenden Melatonin ausschüttet, das zudem auch schneller wieder abgebaut wird. Kein Wunder, dass Kinder – und natürlich auch wir Erwachsene – im Sommer aktiver und weniger müde sind. Auch die Stimmung ist besser. Daran könnte allerdings auch die vermehrte Bildung von Vitamin D durch das Sonnenlicht einen Anteil haben. 

Vitamin D, das „Sonnenvitamin“

Genau genommen ist Vitamin D gar kein echtes Vitamin, denn Vitamine müssen dem Körper zugeführt werden, weil er sie nicht selbst bilden kann. Das hormonähnlich wirkende Vitamin D kann jedoch aus Cholesterin unter Sonnenbestrahlung vom Körper selbst hergestellt werden. In der Haut wird eine Vitamin-D-Vorstufe durch Sonneneinstrahlung in Vitamin D umgewandelt. Dieses wird in der Niere aktiviert und ans Blut abgegeben. 

Die meisten Kinder haben einen Vitamin-D-Mangel!

In Deutschland ist die Sonneneinstrahlung allerdings nur von April bis September so intensiv, dass Vitamin D gebildet werden kann. Weil Kinder heute weniger draußen spielen als früher und weil verantwortungsvolle Eltern zu Recht ihr Kleines nur mit Sonnenschutz und nicht in den Mittagsstunden ins Freie lassen, hat die Mehrzahl der Kinder einen Vitamin-D-Mangel.

Gießener Forscher haben 2011 festgestellt, dass 90 Prozent der Schwangeren und infolgedessen auch 88 Prozent der Neugeborenen dramatisch mit Vitamin D unterversorgt sind. In den USA besteht bei 61 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen vier und 21 Jahren eine Vitamin-D-Unterversorgung, bei neun Prozent sogar ein akuter Vitamin-D-Mangel. Und das, obwohl zumindest im Süden der USA die Sonne häufiger bzw. intensiver scheint als bei uns in Deutschland! Die KiGGS-Studie (2004–2006) zeigt, dass der Großteil der Kinder ab drei Jahren in Deutschland keinen optimalen Vitamin-D-Spiegel aufweist. So erreichen z.B. bei den 12- bis 17jährigen Mädchen selbst die bestversorgten Jugendlichen nicht einmal 50 Prozent des erwünschten Referenzwertes. Nur Babys und Kleinkinder bis zwei Jahre, die täglich eine Vitamin-D-Tablette bekommen, weisen einen guten Vitaminspiegel auf. 

 

Vitamin D, wichtig für starke Knochen

Dass Vitamin D etwas mit festen Knochen zu tun hat, wissen Eltern meist sehr gut, denn der Kinderarzt verordnet ihrem Baby in den ersten ein bis eineinhalb Lebensjahren Vitamin-D-Tabletten zur Vorbeugung einer Rachitis („Knochenerweichung“). Bei einem Vitamin-D-Mangel nimmt der Körper zu wenig Kalzium auf, das dann beim Knochenaufbau fehlt. Deshalb können die Knochen zu weich werden und sich verbiegen. Betroffene Babys sind zudem schreckhaft, leiden unter Muskelschwäche, Knochenschmerzen und Verstopfung.

Doch nicht nur Babys sind betroffen! Ein Vitamin-D-Mangel fällt in Zeiten des stärksten Knochenwachstums am meisten ins Gewicht: in den ersten beiden Lebensjahren und bei Jugendlichen im Pubertäts-Wachstumsschub. Bis zum Alter von 18 bis 20 Jahren werden 90 Prozent der maximalen Knochenmasse aufgebaut („peak bone mass“). Eine optimale Knochenmineralisierung in der Kindheit und Jugend kann zur Vorbeugung einer Osteoporose im späteren Leben beitragen. Forschungen zeigen, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel und zu wenig Bewegung den erwünschten Zuwachs an Knochenmasse, von der ein Mensch quasi lebenslang „zehrt“, limitieren.

Ein echter Tausendsassa: Vitamin D kann noch viel mehr!

Eine gute Vitamin-D-Versorgung spielt jedoch nicht nur für feste Knochen eine Rolle. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit einer Unterversorgung an Vitamin D in Verbindung gebracht werden bzw. die sich bei Vitamin-D-Gabe bessern oder sogar vermeiden lassen:

  • Vitamin D ist gut fürs Immunsystem: Eine japanische Studie belegt, dass Schulkinder im Alter von sechs bis 15 Jahren deutlich seltener an Grippe erkranken, wenn sie täglich 1.200 IE (= internationale Einheiten) Vitamin D einnehmen.
  • Vitamin-D-Mangel verstärkt allergische Reaktionen: Kinder und Jugendliche mit einem Mangel an Vitamin D leiden häufiger und heftiger unter allergischen Reaktionen. Das ergab eine amerikanische Studie an über 3.100 Kindern und 3.400 Jugendlichen. Beispielsweise litten sie bei unzureichender Vitamin-D-Versorgung knapp 2,5mal häufiger an allergischen Reaktionen auf Erdnuss und reagierten fünfmal häufiger auf Eichenpollen.
  • Vitamin-D-Mangel führt zu einer schlechteren Lungenfunktion, schwereren und häufigeren Asthmaanfällen: Britische Wissenschaftler stellten fest, dass niedrige Vitamin D-Werte bei Kindern zu einer schlechteren Lungenfunktionen sowie zu heftigeren Asthma-Symptomen wie auch einem vermehrten Einsatz von Asthmamedikamenten führen.
  • Bereits Jugendliche haben bei Vitamin-D-Mangel ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko: Eine amerikanische Untersuchung an 3.577 Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren zeigt, dass diese bei Vitamin-D-Mangel ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes aufweisen.
  • Bei niedrigen Vitamin-D-Spiegeln besteht ein doppelt so hohes Risiko, an einem Metabolischen Syndrom zu erkranken: Italienische Wissenschaftler fanden bei einer Untersuchung an 403 Kindern und Jugendlichen heraus, dass Kinder mit erniedrigten Vitamin-D-Spiegeln doppelt so häufig unter Übergewicht/Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten und Insulinresistenz (die zu Diabetes führt) leiden.
  • Bei Vitamin-D-Mangel ist das Risiko einer Blutarmut (Anämie) um 50 Prozent erhöht: Einer Studie an der John Hopkins Universität an 10.400 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwei und 18 Jahren belegt, dass das Auftreten einer Anämie umso wahrscheinlicher ist, je niedriger der Vitamin-D-Spiegel ist.
  • Einnahme von Vitamin D kann das Risiko für Zuckerkrankheit senken: Besonders Kinder im lichtarmen Nordeuropa (etwa Finnland) haben ein erhöhtes Risiko, an Typ-1-Diabetes (autoimmun ausgelöste Zuckerkrankheit) zu erkranken. Bei finnischen Kindern konnte eine Einnahme von Vitamin D die Häufigkeit von Diabetes Typ I um 30 Prozent senken.
  • Kinder, die sich häufiger an der Sonne aufhalten, erkranken später seltener an der Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose: Zu diesem Ergebnis kommt eine amerikanische Studie an 79 eineiigen Zwillingspaaren (so wurden genetische Faktoren ausgeschlossen). Der erkrankte Zwilling war als Kind deutlich seltener im Freien und an der Sonne gewesen.

Das empfehlen Kinderärzte

Was die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin für eine gute Vitamin-D-Versorgung empfiehlt

Babys dürfen noch nicht in die pralle Sonne. Sie sollten deswegen ab der zweiten Lebenswoche bis zum zweiten Frühsommer (je nach Geburtszeitpunkt also ein bis eineinhalb Jahre lang) ein Vitamin-D-Präparat mit 400 bis 500 IE bekommen.

Ab dem Kleinkindalter sollten sich Kinder täglich mindestens eine Stunde intensiv im Freien bewegen, in den Monaten April bis September zweimal pro Woche fünf bis 30 Minuten zwischen 10 und 15 Uhr mit unbedecktem Kopf, freien Armen und Beinen.

Ein wichtiger Hinweis dazu: Sonnencreme kann zwar ab einem Lichtschutzfaktor (LSF) von 8 die Vitamin-D-Bildung in der Haut einschränken. Die Vermeidung eines Sonnenbrands hat aber immer oberste Priorität. Es gibt inzwischen viele - sogar vegane - Produkte, die auf die empfindliche Kinderhaut abgestimmt ist.

Interessante Links zu den positiven Seiten der Sonne und Vitamin D:

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