Hilfe für belastete Mütter und Väter

Familien-Hebammen

Kinder brauchen unseren Schutz und gute Chancen für ihr weiteres Leben. Manche Babys aber kommen in einem Haushalt zur Welt, in dem Mutter und Vater zu jung, arm, ohne Ausbildung oder aus anderen Gründen überfordert sind. In dieser Situation können Familien-Hebammen helfen.

von Sybille Fünfstück
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Mutter Baby Familienhebamme
Foto: © Fotolia.com/ cultura2

Erziehungsbeistand, Coach und wichtige Bezugsperson

Es ist kurz vor acht. Beate Kraus muss sich beeilen, denn gleich steht eine Besprechung mit ihrer Kollegin an. Sie werden sich wie immer am Montag über die zurückliegende Woche austauschen, sich beraten und die nächsten Einsätze planen. Nach der Besprechung werden Beate nur wenige Minuten bleiben, bis sie sich für ihren ersten Besuch fertigmachen muss. Bis dahin wird sie gegen den immer größer werdenden Stapel von Anträgen auf ihrem Schreibtisch anarbeiten und sich auf das Mutter-Kind-Seminar vorbereiten, das sie am Abend leiten wird. Zeit für ein Frühstück ist nicht. Ein ungewöhnlich hektischer Start in den Tag? Keinesfalls.

Seit zwei Jahren besucht die examinierte Familienhebamme im Auftrag des Gesundheitsamtes junge Familien zu Hause und hilft überall dort mit Rat und Tat aus, wo Eltern alleine nicht mehr weiterwissen. Sie unterstützt frischgebackene Mütter und Väter bei der Bewältigung des noch ungewohnten Alltags mit dem Säugling, bietet ihnen Orientierungshilfe bei der Pflege und Versorgung ihres kleinen Nachwuchses, begleitet sie zu Ämtern und vermittelt weitere Hilfsangebote. Damit entlastet sie die Eltern, verbessert das Wohlergehen des kleinen Zuwachses und stärkt nicht zuletzt den Zusammenhalt der jungen Familien.

Als reiner Erziehungsbeistand oder Alltagscouch versteht sich Beate jedoch nicht. Ihre unerschütterliche Ruhe gepaart mit ihrer energischen und dennoch einfühlsamen Art lassen sie schnell zu einer wichtigen und vertrauten Bezugsperson werden. Außerdem ist sie die Ansprechpartnerin bei medizinischen Problemen aller Art, begleitet werdende Mütter durch die aufregende Zeit der Schwangerschaft, bereitet sie auf die Geburt vor und übernimmt die Nachsorge nach den überstandenen Strapazen im Kreißsaal. Aber da hören ihre Aufgaben noch lange nicht auf.

Häufig benötigen sehr junge Mütter eine Familienhebamme

Familienhebammen sind Hebammen mit einer Vielzahl zusätzlicher Tätigkeitsfelder, für die sie sich in einer Fortbildung weiterqualifiziert haben. Häufig sind sie bei staatlichen Einrichtungen wie Gesundheitsämtern, Jugendämtern oder Familienzentren angestellt oder arbeiten freiberuflich, etwa als Mitarbeiterinnen des Jugendamtes. Auch karitative Institutionen wie die Caritas, Familienbildungsstätten oder der Kinderschutzbund können die besonders qualifizierten Hebammen beschäftigen. Finanziert werden sie unter anderem aus kommunalen Geldern, aus Projektmitteln und aus Geldern der Jugendhilfe.

Das Angebot der Familienhebammen richtet sich an Schwangere und junge Mütter und Väter, die mit außergewöhnlichen Belastungen leben müssen und daher eine intensivere Fürsorge benötigen, als sie eine traditionelle Hebamme leisten kann. Die Gründe für den erhöhten Hilfsbedarf können vielfältig sein. Häufig sind es besonders junge Mütter, Familien mit vielen Kindern, Migrantinnen oder Familien, die durch Arbeitslosigkeit, Gewalterfahrungen, Armut, Behinderungen oder Krankheit stark belastet sind und deswegen Unterstützung benötigen.

Um zu gewährleisten, dass die speziellen gesundheitlichen, psychischen oder sozialen Bedürfnisse dieser Familien erfüllt werden, arbeitet eine Familienhebamme nicht allein. Sie ist in ein enges Netzwerk eingebunden und arbeitet mit Institutionen und Berufsgruppen wie  Erziehungs- und Schwangerschaftsberatungsstellen,  Ärzten und Psychologen und nicht zuletzt dem Jugendamt zusammen.