Babys und Kleinkinder

Jedes Kind kann schlafen lernen?

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"Ein schreckliches Buch"?

Seit seinem Erscheinen hat dieses Buch vielen Eltern aus der Krise geholfen. Anderen jedoch hat es Streit mit dem Partner und qualvolle Wartezeiten auf dem Flur beschert, während sich die vorgeschriebenen Minuten wie Ewigkeiten dehnten und sich das Kind allein im Zimmer die Seele aus dem Leib zu schreien schien. Viele Eltern konnten sich nicht auf die Dauer, Art und Konsequenz bei der Durchführung des Programms einigen, so dass es vorzeitig erfolglos abgebrochen wurde. Andere gaben auf, weil ihnen die Methode unmenschlich schematisch erschien, ihr Kind verstört wirkte oder ihr schlechtes Gewissen übermächtig wurde. In Elternforen (wie zum Beispiel im urbia-Forum "Baby") berichten Eltern immer wieder von Negativerfahrungen und tun ihre Ablehnung des Programms kund. Einer der Hauptkritikpunkte an der Ferber-Methode lautet, dass dieses Schlafprogramm zu häufig unkritisch angewandt und dabei zu wenig auf die individuelle Persönlichkeit des einzelnen Kindes eingegangen werde. So schreibt Heidemarie Löw über die Ferber-Methode in ihrem Buch "Alle Kinder schlafen gern":

"Es ist eine gute Methode, wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. Sie ist kein Allheilmittel. Leider wird sie oft kritiklos eingesetzt , ohne vorher den sinnvollen Einsatz zu prüfen. Dies kann dann sogar zu einer Verschärfung des Problems führen, abgesehen von den unnötigen Qualen, denen man sich und das Kind aussetzt."

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das alleine Einschlafen und Durchschlafen für Babys und Kleinkinder keineswegs ein natürlicher Zustand sei. So schreibt die amerikanische Professorin Dr. Katherine Dettwyler: "Kinder kommen mit der angeborenen Erwartung auf die Welt, dicht neben ihren Eltern zu schlafen. Der Tastsinn ist der wichtigste Sinn der Primaten, zusammen mit dem Sehsinn. Junge Primaten werden jahrelang auf dem Körper der Mutter getragen und schlafen neben ihr, oft noch wenn sie schon längst abgestillt sind. Die biologische Erwartung für Mutter und Kind ist, zusammen zu schlafen und für das Kind, während der Nacht, so oft es das Bedürfnis dazu spürt, an der Brust trinken zu können."

Bei der Frage, ob es natürlich und völlig in Ordnung sei, wenn Babys und Kleinkinder am liebsten ganz dicht bei Mama und Papa (ein-)schlafen, kommen auch neuere Forschungen zum Thema "Plötzlicher Kindstod" ins Spiel. So beinhaltet die Empfehlung der Deutschen Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin zur Verhinderung des Plötzlichen Kindstods auch den Rat, "Säuglinge sollten im elterlichen Schlafzimmer, aber im eigenen Bett schlafen." Hintergrund dieser Aussage sind Studien aus England und Neuseeland, nach denen das Risiko, am Plötzlichen Kindstod zu sterben, bei allein schlafenden Kindern gegenüber Kindern, die im Elternzimmer schlafen, um bis zu zehn Prozent erhöht ist.