Babys und Kleinkinder

Jedes Kind kann schlafen lernen?

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Gibt es sanftere Methoden, um in den Schlaf zu finden?

Muss es bei Schlafproblemen aber gleich eine solche Radikalkur nach dem Stile Ferbers sein oder gibt es sanftere Möglichkeiten, Babys und Kleinkindern in den Schlaf zu helfen?

Schlafhygiene

Alle Ärzte und Schlafexperten empfehlen, zunächst die sogenannte Schlafhygiene zu überprüfen. Darunter versteht man alle Maßnahmen, die zu einem guten Schlaf verhelfen. Dazu gehören ausreichende Anregungen und Aktivphasen mit Bewegung am Tag, nicht zu lange Schlafzeiten am Tag, eine ruhigere Abendphase, bei der starke Reize und Aufregungen (Toben) vermieden werden. Ebenso viel Bedeutung wird dem abendlichen Ritual beigemessen, das für das Kind einen Wiedererkennungswert schafft und ihm vermittelt, dass jetzt die Schlafenszeit gekommen ist. Dies beginnt zum Beispiel bei einem festen Schlafplatz, dem Verdunkeln des Zimmers, und/oder einem bestimmten Schlaflied, das Mutter oder Vater jeden Abend singen. Weitere Faktoren, die zu einer guten Schlafhygiene gezählt werden, sind zum Beispiel regelmäßige Essens- und Schlafzeiten.

Schlafprotokoll

Für Eltern, die mit dem Ein- und Durchschlafen ihres Kindes nicht zufrieden sind, kann es hilfreich sein, über ein bis zwei Wochen ein Schlafprotokoll anzulegen. Beispiele für 24-Stunden-Schlafprotokolle finden sich unter anderem in "Jedes Kind kann schlafen lernen", "So finden Kinder ihren Schlaf" und "Jedes Kind will schlafen". In einem Schlafprotokoll schreibt man auf, zu welchen Zeiten und wie lange das Kind jeweils gefüttert wurde, weinte, wach war oder schlief. Hat man dies über zwei Wochen konsequent geführt, kann man daraus zum Beispiel die tägliche Schlafmenge des Kindes ablesen und ob sie vielleicht ungünstig verteilt ist, das Kind also möglicherweise einen zu langen oder zu späten Mittagsschlaf hält, abends zu früh ins Bett gelegt wird etc. Ein Schlafprotokoll kann Eltern auch behilflich sein, ihre eigene subjektive Wahrnehmung zu überprüfen. Wenn sie zum Beispiel den Eindruck haben, dass ihr Kind ständig weint oder fast die ganze Nacht wach ist, kann das Aufschreiben der genauen Zeiten Aufschluss darüber geben, ob das Kind wirklich unangemessen oft und lange weint und ob es nachts nicht vielleicht nur zweimal eine viertel Stunde wach ist, was aber von den möglicherweise überlasteten Eltern bereits als zu viel und zu lange empfunden wird. Das Schlafprotokoll kann also eine gute Grundlage darstellen, überhaupt die Situation richtig einzuschätzen und Ansätze für mögliche Verbesserungen und Veränderungen zu entwickeln (vielleicht gemeinsam mit dem Kinderarzt).

Familienbett

Eine Möglichkeit, die Schlafprobleme des Babys oder Kleinkindes zu beheben, ist das gemeinsame Schlafen in einem großen Bett oder das Schlafen des Kindes in einem Bett direkt neben dem Elternbett. Dazu gehört auch eine Korrektur der in unserer Gesellschaft hohen Erwartungen an die Fähigkeiten eines Babys, schon früh alleine und über viele Stunden am Stück zu schlafen. Der amerikanische Kinderarzt und Vater von sieben Kindern, William Sears, weist in seinem Buch "Schlafen und Wachen" auf die häufig völlig unrealistischen Vorstellungen von Eltern hin, die von einem drei Monate alten Baby erwarten, dass es von abends acht bis morgens sieben Uhr durchschlafe. Durchschlafen wird definiert als Schlafen am Stück zwischen 12 und 5 Uhr. Dass Babys im ersten Lebensjahr sehr häufig aufwachen, hängt zum einen mit ihrem anderen Schlafmuster und den viel häufigeren REM-Schlafphasen zusammen, während denen der Schlaf nur leicht ist. Zum anderen ist der leichte Schlaf für Babys überlebenswichtig, um zum Beispiel aufzuwachen, wenn sie Nahrung bzw. Flüssigkeit brauchen, wenn ihnen zu kalt ist oder ihre Nase verstopft ist.

Außerdem akzeptiert Sears das Bedürfnis des Babys und Kleinkinds, nicht alleine zu schlafen und empfiehlt ausdrücklich das gemeinsame Schlafen im Familienbett oder zumindest im Elternschlafzimmer. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das tiefe Bedürfnis des Babys nach Nähe wird befriedigt, das nächtliche Stillen ist ohne umständliches Aufstehen möglich, Eltern hören ihr Baby, wenn es ihm nachts einmal nicht gut geht, der nächtliche Körperkontakt erhöht den mütterlichen Prolaktinspiegel (Mutterschafts-Hormon) und verbessert die körperliche, geistige und gefühlsmäßige Entwicklung des Babys.

Den üblichen Bedenken gegenüber dem gemeinsamen Schlafen in einem Bett oder Zimmer setzt Sears entgegen, dass dies seit jeher in allen Kulturen üblich war und ist, in unserer westlichen Welt jedoch aus der Mode gekommen sei. Ein Kind werde dadurch weder abhängig noch verwöhnt. So heißt es in "Schlafen und Wachen": "Sie fördern die Abhängigkeit Ihres Babys nicht dadurch, dass es bei Ihnen schläft. Sie antworten auf ein Bedürfnis Ihres Kindes und lehren es Vertrauen." Auch die starken Ängste von Eltern, das Kind, einmal im Elternbett, wolle diesen Ort fortan nie mehr verlassen, beruhigt Sears, seine Erfahrungen als Vater und Kinderarzt haben ihm gezeigt, dass "die meisten Kinder, die in der frühen Kindheit mit Freude im Familienbett aufgenommen werden, es im zweiten bzw. dritten Lebensjahr freiwillig wieder verlassen." Und weiter: "Denken Sie daran, dass ein Bedürfnis das befriedigt wird, vergeht."