Und Antonia hat doch Recht!

Mein freches Baby-Tagebuch (4)

Während allmählich der Sommer ins Land zieht, geht das Leben munter weiter. Dass Antonia am liebsten nach Italien auswandern würde, interessiert da niemanden. Grund genug für sie, sich einmal ausgiebig mit den Baby-Rechten auseinanderzusetzen.

Autor: Daniela Egert
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Babytagebuch Antonia 4
Foto: © Daniela Egert

Inzwischen bin ich achteinhalb Monate alt. Wenn ich ein Königspinguin wäre, würde man mich so langsam aussetzen, und ich müsste meine Nahrung selber suchen. Ich hoffe, dass Mami das nicht tun wird. Schließlich bin ich nicht aus einem Ei geschlüpft, was mir im übrigen auch viel zu mühsam wäre. In der Antarktis wie diese drolligen Vögel wohnen wir zum Glück auch nicht. Ich hab` aber trotzdem oft kalte Zehen. In dem Zusammenhang fällt mir ein: Wenn Papa extrem sauer auf mich ist, behauptet er manchmal, mein IQ würde meiner Schuhgröße entsprechen. Wenn schon, ich hab` große Füße! Paps braucht gerade so überlegen tun. Bis der 29 war, ist er noch in seinem Kinderzimmer gehockt. Beinahe hätten sie ihn für „Schluss mit Hotel Mama!“ gecastet. Mami lästert ja immer, dass Paps eher ein Fall für „Bauer sucht Frau“ gewesen wäre. Wenn sie ihn nicht aus seinen zwölf Quadratmetern rausgezogen hätte, würde er immer noch in seiner Heidi-Bettwäsche schlafen und der Oma auf die Nerven gehen. Nervt er halt jetzt meine Mama. Irgendjemand muss wohl immer dran glauben.

Dass das mit der Liebe nicht so einfach ist, habe ich schon herausgefunden. Meine Eltern haben es da leichter. Die müssen sich nicht mehr küssen, sie sind ja verheiratet. Da haben sie das Getue schon hinter sich. Mein kleiner Bruder hat keine Aussichten, jemals jemanden zu knutschen. Der sieht aus wie E.T.. Irgendwann wird meine Ma deswegen wohl in „Schwiegertochter gesucht“ auftreten müssen. Autsch, das hat er jetzt gehört - kein Grund, mich an den Haaren zu ziehen. Warum genießen wir Kleinsten eigentlich keine Immunität, wie die Politiker? Babys aller Länder, vereinigt Euch! Unsere Gesetze wären wenigstens erfrischend übersichtlich. Paragraph eins: Das Baby hat immer Recht! Paragraph zwei: Sollte das Baby einmal nicht Recht haben, tritt Paragraph eins in Kraft. Blöderweise nehmen die Gesetzesübertritte bei uns zu Hause in letzter Zeit zu. Mama beispielsweise kümmert sich keinen Deut darum, dass ich meine Mahlzeiten gerne stilvoll-langsam im Wasserbad erwärmt haben möchte. Sie stopft die Gläschen statt dessen bei 8000 Watt in die Mikrowelle, wo die Vitamine chancenlos über den Jordan gehen.

Sobald ich laufen kann, werde ich das Thema „Babys und ihre Rechte“ mal in Angriff nehmen. Meine Kinderärztin meint, dass ich mich inzwischen wenigstens schon mal hochziehen sollte. Ganz ehrlich, eine Frau wie Gianna Nannini braucht 54 Jahre bis zum ersten Kind, und bei mir meckert man, wenn ich nach ein paar mickrigen Monaten nicht rückwärts vom Zehn-Meter-Brett springe! Am besten ziehe ich zu Signora Nannini nach Italien. In sonnigen Ländern sind die Leute viel gelassener, und ein Wonneproppen wie ich wird den ganzen Tag verhätschelt, als „bella bimba“ umschmeichelt und mit Tomaten-Sugo oder Minestrone gefüttert. Die Wahrheit ist: Ich komme da höchstens im Urlaub mal hin; meine Mama fuchtelt schon an der Grenze turbo-nervös mit ihrem Wörterbuch für Touristen herum, und mein Papi tritt an der Adria sofort in einen Seeigel und langweilt sich die zwei sommerlichen Wochen über im Hotel.

Immerhin haben wir auch hierzulande die Eskimo-Saison endlich hinter uns. Baby-freundliche Temperaturen sind in Sicht. Dann kann ich beim Spazierengehen wenigstens auf den Schneeanzug verzichten, in dem ich wie ein ausgestopftes Kaninchen wirke. 

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