Stoff oder Einweg?

Welche Windel für kleine Wichte?

Etwa fünftausendmal wird ein Baby gewickelt bis es "trocken" ist. Einweg- oder Stoff-Windeln, das ist hier die Frage - ökologisch und finanziell betrachtet. urbia gibt dir einen Überblick.

Autor: Ute Kallenbach
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Fünftausendmal Wickeln

Baby wickeln
Foto: © panthermedia.net / Kati Neudert

Ein Baby wird ungefähr fünftausendmal gewickelt bis es "trocken" ist. Eltern verbringen mit ihrem Kind 200 Stunden am Wickeltisch und füllen entweder die Mülltonne oder die Waschmaschine. Sie können Wegwerf-Windeln oder Stoffwindeln kaufen, Windeldienste oder Windelleasing in Anspruch nehmen. Jede Wickeltechnik hat ihre Vor- und Nachteile.

Einweg-Windeln sind unschlagbar praktisch, Stoffwindeln dagegen deutlich preiswerter. Unter ökologischen Aspekten halten sich beide die Waage. Ausschlaggebend für die Wahl der Wickeltechnik sollten persönliche Vorlieben sein und die Frage, ob jemand eher mehr Zeit oder mehr Kosten aufwenden möchte. Zu bedenken sind:

  • Handhabung
  • Saugvermögen
  • Passform
  • Hautverträglichkeit

aber auch

  • Schadstoffbelastung
  • Kosten
  • Umweltverträglichkeit.

Nicht nur das Wohlbefinden des Babys spielt eine Rolle, sondern auch die Kraftreserven der Eltern. Ohne schlechtes Gewissen sollten Eltern sich individuell entscheiden und gegebenenfalls auch die Methode wechseln.

Höschenwindeln sind einfach praktisch

Sie bestehen aus einem saugfähigen Kissen aus Zellulosefasern, das außen mit einer wasserundurchlässigen Folie versehen ist – neuerdings auch atmungsaktiv. Die Windeln enthalten gelatineartige Quellkörper, die sich beim Einnässen in ein Gel verwandeln und Flüssigkeit binden. Die Babyhaut bleibt dadurch lange trocken.

Höschenwindeln gibt es in verschiedenen Größen – je nach Körpergewicht des Kindes. Sie sind schnell und leicht anzulegen. Wiederverschließbare Klettbänder ermöglichen schnelles "Überprüfen". Die Passform ist je nach Hersteller etwas unterschiedlich, deshalb sollte man verschiedene Marken ausprobieren.

Es wird sogar befürchtet, dass ein Hitzestau unter der Plastikwindel bei Jungs Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben kann. Eine Studie vermutet eine Hodenschädigung durch Plastikwindeln. Jungs sollten deshalb zumindest bei Fieber mit Baumwollwindeln gewickelt werden.

Höschenwindeln gibt es in jedem Supermarkt oder im Drogeriemarkt. Wer das Schleppen der Windelpakete leid ist, kann sie sogar über das Internet bestellen.

Vorteile von Höschenwindeln:

  • einfach und schnell anzulegen
  • leicht zu beschaffen
  • schnell zu entsorgen
  • hohes Saugvermögen
  • gute Hautverträglichkeit

Nachteile von Höschenwindeln:

  • viel Müll
  • hohe Kosten
  • Hitzestau unter der Windel möglich
  • Kinder werden eventuell später trocken.

Mit Stoffwindeln lässt sich sparen

Manchen Eltern sind Einweg-Windeln unsympathisch. Sie greifen lieber zum Wickelsystem mit Stoff. Neben den traditionellen Mullwindeln gibt es eine große Auswahl moderner Varianten der Stoffwindel - von der italienischen Bindewindel bis zum Kalifornischen Baumwollhöschen.

Baumwollwickelsysteme sind Baukastensysteme: Ein Saugkern aus Baumwolle wird kombiniert mit einer wasserdichten Überhose aus Wolle oder Microfaser. Der Saugkern kann verstärkt werden durch die Einlage von Moltontüchern oder Vlieswindeln zum Wegwerfen. Statt der Überhosen kann auch Wickelfolie verwendet werden, die waschbar ist.

Die Sicherheit einer Naturwindel ist stark abhängig von der Geschicklichkeit der Eltern. Die Saugfähigkeit ist sehr unterschiedlich je nach verwendetem Material. Viele Eltern verwenden nur die ersten Monate Stoffwindeln. In dieser Zeit ist "breit wickeln" auch gut für die Hüftgelenke. Wenn das Baby auf dem Wickeltisch beim Wickeln nicht mehr still halten will, steigen viele um auf Plastikwindeln.

Für Unentschlossene gibt es die Möglichkeit, Test-Sets anzufordern oder durch ein Windelleasing die hohen Anschaffungskosten zu umgehen beispielsweise bei http://www.asanna.de/ .

Die einzelnen Baumwollwickelsysteme sind sehr gut beschrieben (inclusive Forum und Expertenmeinungen) auf der Homepage von http://www.naturwindeln.de/

Eltern, die den Arbeitsaufwand bei Stoffwindeln scheuen, können sich von einem Windeldienst einmal pro Woche saubere Stoffwindeln bringen lassen und die verschmutzten abgeben. Windeln und Überhosen können auch geliehen werden. Informationen gibt der Verband der deutschen Windeldienste.

Naturwindeln erhält man im Naturtextilienversand, Bioläden und Drogeriemärkten.

Vorteile von Stoffwindeln:

  • wenig Müll
  • kein Hitzestau
  • breit wickeln ist gut für die Hüftgelenke
  • Kinder werden eventuell früher sauber
  • Kosteneinsparung von ca. 1000 EUR pro Kind

Nachteile von Stoffwindeln

  • umständlich zu handhaben
  • hoher Arbeitsaufwand durch Waschen und Trocknen
  • Beschaffung schwieriger
  • hohe Anschaffungskosten

Keine Windel ist wirklich umweltfreundlich

Welches Wickelsystem umweltfreundlicher ist, konnten auch Experten bisher nicht eindeutig belegen. Ein schlechtes Gewissen wegen Einwegwindeln hält aber selbst das Umweltbundesamt für nicht gerechtfertigt. Die Plastikwindeln wurden in den vergangenen Jahren immer schadstoffärmer und auch umweltfreundlicher. Die Industrie erprobt Windelrecyglinganlagen.

Aber auch Stoffwindeln sind nicht ganz öko-unschuldig. Beim Baumwollanbau werden Pestizide eingesetzt, das Waschen verschmutzt Abwasser und verbraucht Strom. Wird im Wäschetrockner getrocknet, ist die Umweltbelastung noch größer. Ökö-Test fand teilweise auch optische Aufheller und PVC in Stoffwindelsystemen.

Wenn das Baby wund wird

Fast jeder Säugling wird einmal wund, das muss nicht an der Windel liegen. Von einer Windeldermatitis spricht man, wenn die Haut im Windelbereich gerötet ist oder auch kleine Bläschen auftreten. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist, den Kinderpo trocken und sauber zu halten, also entsprechend häufig zu wickeln. Auch freies Strampeln bei Licht und Luft beugt vor.

Bei Windeldermatitis hilft meist eine zinkoxydhaltige Salbe. Bessert sich der Zustand nicht nach zwei bis drei Tagen, handelt es sich wahrscheinlich um eine Pilzinfektion. Diese muss vom Arzt behandelt werden.

Dass Höschenwindeln eine Windeldermatitis begünstigen, kann man nicht allgemein sagen. Vielmehr verhindern sie das Rücknässen aus der Windel. Das ist hautschonend, denn bei der Vermischung von Urin und Stuhl entsteht das hautreizende Ammoniak.

Wundsein kann viele Ursachen haben:

  • Ernährung der stillenden Mutter
  • Ernährung des Kindes
  • Pflegefehler
  • Waschmittelrückstände in der Stoffwindel
  • Bestandteile von Wegwerfwindeln
  • Pilzinfektion
  • ein neuer Zahn.

Kostenvergleich der Wickelsysteme

Ein Kind wird fünf bis sechs mal am Tag gewickelt – und das ungefähr drei Jahre lang. Dabei entstehen für Wegwerfwindeln ungefähr Kosten von 1200 bis 1500 EUR. Hinzu kommen die erhöhten Müllgebühren.

Bei Baumwollwindeln liegen die Kosten inklusive Nebenkosten für Strom, Wasser und Geräteverschleiß bei rund 500 Euro.

Durch Stoffwindeln lassen sich also pro Kind ungefähr 1 000 EUR sparen. Wird ein Windeldienst in Anspruch genommen, bleiben die Kosten immer noch unter denen der Wegwerfwindeln.

Womit werden Babys schneller trocken?

Die Experten streiten sich darüber, ob man auf das Trockenwerden Einfluss nehmen kann. Möglicherweise werden Kinder schneller trocken, wenn sie mit Stoff gewickelt werden. Denn in einer nassen Windel fühlen sie sich schneller unwohl als in den saugstarken Wegwerfwindeln. Wenn sie selbst bemerken, dass etwas an den Beinen herunterläuft, finden sie eher den Weg zu Töpfchen oder Toilette.

Ein Opa schrieb Windel-Geschichte

Bis in die siebziger Jahre hatten Mütter keine Wahl: Windeln waren aus Stoff und machten viel Arbeit durch Waschen, Trocknen und Legen. Bis zur Erfindung der Waschmaschine mussten sie mühselig im Waschkessel oder auf dem Herd gekocht werden.

Die erste Höschenwindel kam 1961 in USA auf den Markt und zwölf Jahre später bei uns. Erfinder war ein Großvater namens Vic Mills, der für seinen Enkel eine Alternative zu den Stoffwindeln suchte. Zufällig war er Mitarbeiter des Unternehmens Procter + Gamble. Die "Pampers" wurden zum Verkaufsschlager und der Name zum Programm: "to pamper" bedeutet "verwöhnen".

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