Beikost

Beikost einführen – so geht’s

Mindestens ein Jahr lang soll ein Baby nach Möglichkeit gestillt werden – so die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Innerhalb dieser Zeit empfiehlt es sich, schrittweise Beikost einzuführen. Wann damit begonnen wird, was gefüttert werden sollte und wie die Einführung am besten klappt, erfahren Sie bei urbia.

Baby wird mit Brei gefüttert
Foto: © iStockphoto.com/ damircudic

Noch vor einigen Jahren lautete die Empfehlung zur Einführung von Beikost: sechs Monate voll stillen und dann langsam mit dem Zufüttern beginnen. Mittlerweile weiß man aber, dass es am sinnvollsten ist, bereits im Zeitraum zwischen der 17. und 26. Woche Beikost einzuführen. In dieser Zeit hat das Baby die körperlichen Voraussetzungen entwickelt, die es ihm erlauben, festere Nahrung zu sich zu nehmen. Dennoch, eine pauschale Empfehlung für den richtigen Zeitpunkt der Einführung zu geben, ist nicht leicht – denn auch das Kind muss mitspielen und die Beikost annehmen.

Wann ist mein Kind bereit für Beikost?

Wie erkenne ich also, ob mein Kind bereit ist für feste Nahrung? Zunächst einmal sollte es seinen Kopf selbstständig halten können, um den Brei gefahrlos schlucken zu können. Doch auch im Inneren muss es stimmen. Erst mit ausreichender Darmreife ist das Baby in der Lage, die Nahrung zu verwerten. Bei der Geburt ist der Verdauungstrakt noch unreif, das bedeutet, dass die Magenschleimhaut noch offen gegenüber großen Molekülen ist und diese sie ungehindert passieren können. Diese Moleküle kann der Darm nicht verwerten, was zu Magenkrämpfen führen kann. Erst mit rund vier Monaten ist er soweit entwickelt, dass erste Beikost ohne große Probleme verdaut werden kann. Als dritte Voraussetzung muss der Saugreflex des Babys so weit abgenommen haben, dass es überhaupt einen Löffel mit Brei in den Mund nehmen kann.

Auch die Eltern müssen bereit sein, das Thema Beikost anzugehen. Denn mit dem Ersetzen einer Mahlzeit ist es nicht getan. Das Baby muss langsam, Schritt für Schritt an das neue Essen herangeführt werden. Das kostet Zeit, Geduld und fordert den Eltern einiges an Organisation ab – vor allem, wenn sie  nicht auf Fertigprodukte zurückgreifen möchten. Zudem muss auch das Gefühl mitmachen, denn schließlich bedeutet die langsame Entwöhnung von der Brust auch den Beginn eines Abnabelungsprozesses, zu dem nicht jede Mutter schon so früh bereit ist.

Warum überhaupt Beikost?

Mit dem Köper des Babys wächst auch sein Nährstoffbedarf. Deckt die  Muttermilch in den ersten Monaten noch alles ab, was das Kleine zum gesunden Wachsen braucht, reicht sie allein irgendwann nicht mehr aus. Daher ist es sinnvoll, frühzeitig mit der Einführung der Beikost zu beginnen, damit das Baby nicht irgendwann in eine Unterversorgung gerät. Seien Sie aber unbesorgt, wenn das Baby sich lieber Zeit lassen möchte und zum empfohlenen Zeitpunkt (17. bis 26. Woche) noch nicht bereit ist, wird es auch die nächsten Monate noch ausreichend durch die Muttermilch versorgt.

Die  Einführung der Beikost erfolgt schrittweise und langsam, damit sich das Baby in Ruhe an die neue Kost gewöhnen kann. Viele Babys zeigen schon früh Interesse am „Erwachsenenessen“, andere verweigern sich zunächst völlig. Hier ist es besonders wichtig, sensibel und mit viel Geduld vorzugehen, um dem Kind das Essen schmackhaft zu machen. Auch was gefüttert wird, sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Es gibt klare Empfehlungen, welche Nahrungsmittel wann eingeführt werden sollten, um das Baby optimal zu versorgen und dem Körper genug Zeit zu geben, sich an die ganze Bandbreite zu gewöhnen.

Beikost einführen – Die einzelnen Schritte zum Erfolg

Sind die körperlichen Voraussetzungen gegeben und zeigt das Baby Interesse, kann damit begonnen werden, eine Milchmahlzeit durch eine  Breimahlzeit zu ersetzen. Optimal ist es, mit der Mittagsmahlzeit zu beginnen, da der Körper des Babys so genug Zeit hat, das ihm noch fremde Essen über den Tag zu verdauen. Zunächst werden nur winzige Portionen löffelweise gefüttert und anschließend wird noch einmal gestillt. Das Baby sollte wach und konzentriert bei der Sache sein und durch nichts abgelenkt werden. Ist es quengelig oder liegt sein Fokus auf einer anderen Sache, warten Sie lieber ab, denn das neue Essen sollte stets ein positives Erlebnis darstellen. Die Menge wird nach und nach gesteigert, bis die Portion ausreicht, um die Milchmahlzeit ganz zu ersetzen.

Beginnen Sie ab dem 5. Monat mit dem ersten Brei und führen Sie dann jeden Monat einen neuen Brei ein.  Die empfohlene Reihenfolge ist in der Regel folgende:

  • Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei: 5. bis 7. Monat
  • Getreide-Milch-Brei: 6. bis 8. Monat
  • Getreide-Obst-Brei: 7. bis 9. Monat
  • Familienkost: ab 10. Monat

Im ersten Schritt wird der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei schrittweise zur Mittagszeit eingeführt. Beginnen Sie in der ersten Woche mit einem reinen Gemüsebrei aus leicht verdaulichen Gemüsesorten wie Möhre, Kürbis, Pastinaken, Kohlrabi etc. und ergänzen Sie ihn in der zweiten Woche um Kartoffeln. In der dritten Woche sollte Fleisch, in der vierten Woche Fisch eingeführt werden (Vegetarier können Fleisch und Fisch durch Hafer-, Hirse- oder Roggenflocken ersetzen).

Im zweiten Schritt wird die abendliche Milchmahlzeit durch einen Brei aus Dinkel- oder Weizenvollkorngries und pasteurisierter Vollmilch ersetzt. Die Milch sollte dabei 1:1 mit Wasser verdünnt werden.

Die dritte Mahlzeit sollte die Nachmittagsmilchmahlzeit ersetzen und aus Obst (z. B. Apfel oder Birne) und Getreide (z. B. Haferflocken) bestehen. Geben Sie ab jetzt zu jeder Breimahlzeit zusätzlich etwas zu Trinken wie Wasser oder ungesüßten Tee.

Am besten sind frisch zubereitete Breie. Diese sollten nach Möglichkeit nicht gewürzt sein, dafür sollte vor allem beim ersten und beim dritten Brei etwas Öl zugegeben werden, damit die fettlöslichen Vitamine gut aufgenommen werden können. Zur Unterstützung der Eisenresorption wird außerdem empfohlen, den Mahlzeiten etwas Orangensaft oder einen anderen Vitamin-C-haltigen Saft zuzugeben. Ab dem 10. Monat kann das Baby langsam an stückige Kost wie Brot herangeführt werden. Milchprodukte wie Quark, Joghurt oder Frischmilch sollten nicht vor Ablauf des ersten Lebensjahres gegeben werden.


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