Das Wichtigste aus unserem Expertenforum mit Edith Gätjen

Beikost - Fragen und Antworten

Beikostreife, gibt es das? Was ist der ideale Abendbrei? Ab wann darf mein Baby Kuhmilch trinken? Diese und viele andere Fragen stellten urbia-Mütter in unserem Expertenforum zum Thema Beikost. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten. Expertin ist die Ökotrophologin und Buchautorin Edith Gätjen.

von Edith Gätjen und urbia
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Baby wird mit Brei gefüttert
Foto: © iStockphoto.com/ damircudic

Beikostreife - nur ein Mythos?

Man hört immer ganz viel von dem Wort Beikostreife. Was versteht man genau darunter und was muss mein Kind "mitbringen" um beikostreif zu sein?

Expertin: Der Begriff der Beikostreife ist nicht wirklich einfach zu fassen und ich glaube, dass es so etwas auch nicht wirklich gibt. Ich stehe damit allerdings in meinem Kollegenkreis alleine. Eine wichtige körperliche Voraussetzung gibt es sicherlich, das ist, dass das Kind den Kopf frei halten können sollte. Alles andere, wie "schaut dem Essen nach", "hat schon Zähne", "ist zu dick oder zu dünn" hat mit dem wirklichen Termin der Beikosteinführung nichts zu tun. Ein Kind in dem Alter weiß ja gar nicht, was Essen vom Löffel wirklich bedeutet. Das Einzige, womit es Erfahrung gemacht hat, ist, wenn es das Grummeln im Bauch hat, Brust oder Flasche sieht, dass das Elend bald ein Ende hat.

Dass das Essen vom Löffel oder das Butterbrot den gleichen Effekt hat, ist dem Kind nicht klar. Diese Verknüpfung muss erst langsam gelernt werden. Der Zahn ist auch nicht relevant, da manche Kinder mit Zähnen auf die Welt kommen und andere zahnen erst mit einem Jahr. Das Gewicht ist auch irrelevant. Einzig und allein kann man sagen, dass die Darmreife wichtig ist, um die neue Nahrung gut verdauen zu können. Und da weiß man, dass nach vier Monaten die Enzyme für die Verdauung der Beikost funktionstüchtig sind und der Darm bereits so geschlossen ist, dass keine großen Moleküle mehr durch die Darmwand passieren können.

Die Reflexe, die ein Kind benötigt, um an Brust oder Flasche zu trinken, sollten möglichst nicht mehr so stark ausgebildet sein, damit das Essen vom Löffel überhaupt möglich ist. Nur das erfahre ich ja erst, wenn ich es ausprobiert habe.

Meine Kriterien für den Beginn der Beikost sind folgende:

1. Sie als Eltern müssen bereit sein, Ihrem Kind etwas anderes zu geben.

2. Sie sollten viel Zeit haben, um die Beikost einzuführen.

3. Führen Sie die Beikost ein, wenn Ihr Kind physisch und psychisch "gut drauf" ist, denn die Beikosteinführung sollte positiv belegt sein

Wann starten mit der Beikost?

Ich bin ziemlich verunsichert, was das Alter des Babys beim Beikoststart angeht. Bei unserem Großen vor 5 Jahren waren sich noch alle einig, dass 6 Monate voll gestillt werden soll. Nun lese ich immer öfter, das man ruhig ab dem fünften Monat beginnen kann, was ist da dran? Bringt früher Beikoststart wirklich Vorteile?

Expertin: Seit Mai 2009 gibt es die neuen Handlungsempfehlungen zur Einführung der Beikost. Und in der Tat hat es einen Paradigmenwechsel gegeben. Alle Studienergebnisse deuten darauf hin, dass es sinnvoll ist, in dem Zeitfenster zwischen der 17. und 26. Woche mit der Beikost zu beginnen, um das Auftreten von Allergien und Zöliakie zeitlich zu verzögern und im Ausmaß zu verringern. Das A und O ist allerdings das begleitende Stillen - mindestens bis zum 1. Lebensjahr, gerne auch darüber hinaus. Der Beginn der Beikost sollte auch spielerisch und mit kleinen Mengen vollzogen werden.

Beikoststart bei Neurodermitis

Mein Sohn ist gerade 4 Monate geworden und leidet unter Neurodermitis im Gesicht. Derzeit wird er voll gestillt. Die Haut im Gesicht ist trotzdem seit Wochen sehr angegriffen. Eigentlich wollte ich 6 Monate voll stillen.  Nun überlege ich doch, mit Brei anzufangen. Zum einen, weil ich das Gefühl habe, er verfolgt jeden meiner Bissen beim Essen. Er schaut sehr interessiert. Und zum anderen weil ich das Gefühl habe, die Milch allein reicht abends nicht aus. Er trinkt zum Teil beide Seiten 2 mal hintereinander.  Sollte ich schon anfangen mit Brei? Ich würde Abendbrei geben - allerdings den Mittagsbrei, weil der ja verträglicher ist. Wäre das eine Option? Den Brei geben und danach noch mal anlegen, wenn er ins Bett geht.  Was könnte das für einen Einfluss auf die Neurodermitis haben?

Expertin: Sie können sicherlich schon mit der Beikost beginnen, allerdings nur mit ganz kleinen Probierportionen und dann, wenn Ihr Kind richtig gut "drauf" ist. Ich würde Ihnen raten, das Gemüse mittags zu geben, damit Ihr Kind den Nachmittag Zeit hat, dieses zu verdauen und dies nicht in der Nacht tun muss. Außerdem ist ein Gemüsebrei am Abend auch nicht sättigend genug und es empfiehlt sich nicht, direkt im Anschluss an die Gemüseportion Milch zu geben. Geben Sie am Anfang ein mildes Gemüse wie Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi und steigern Sie die Menge ganz langsam und ergänzen Sie mit Kartoffel. Ich gehe davon aus, dass noch keine Lebensmittel-Allergien festgestellt worden sind, z.B. gegen Fisch, wenn dem so ist, sollten Sie auf jeden Fall regelmäßig 1 mal pro Woche 20 g fetten Fisch füttern. Nutzen Sie auch selber jetzt die Zeit, und essen Sie regelmäßig Fisch, das minimiert das Allergierisiko.

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