Zwiemilch
Stillen und Flasche - geht das?
Die Seiten, fast könnte man sagen, die Fronten, scheinen klar: Die einen favorisieren Muttermilch, die anderen die Flasche. Das jeweils andere geht auf keinen Fall. Doch einige Eltern schwören auf die Vorteile von beidem, die Zwiemilch.
Glücklich zwischen den Stühlen: die Zwiemilch-Ernährer
Abseits der Diskussionen entschiedener Verfechterinnen des Vollstillens oder der Flasche hat sich in aller Stille längst eine dritte Gruppe gebildet: diejenigen Eltern nämlich, die das eine tun und das andere nicht lassen möchten. Hier stillt die Mutter zwar, doch füttern die Eltern ihr Baby zusätzlich mit der Flasche.
Es gibt viele Gründe, warum eine stillende Mutter zusätzlich auch Milchnahrung füttert. Manchmal geschieht das unfreiwillig: "Ich habe drei Monate voll gestillt und muss jetzt leider zufüttern, weil mein Sohn die Muttermilch immer noch in großem Schwall ausspuckt. Ich gebe zuerst zehn Minuten lang die Brust, jede Seite fünf Minuten lang. Anschließend bekommt er Prénahrung. Und erstaunlicherweise verträgt er diese Mischung besser als vorher nur die Muttermilch. Er hat kein Bauchweh mehr und spuckt nicht mehr", berichtet eine Mutter in einem Online-Stillforum.
Auch bei Frühchen entscheiden sich Frauen manchmal für die zusätzliche Flaschennahrung: "Meine Tochter war eine Frühgeburt. Die ersten zwei Monate habe ich abgepumpt, bis sie endlich ihre Saugschwäche überwunden hatte. Die Milchmenge hätte vielleicht gereicht, wenn sie von sich aus an der Brust getrunken hätte. Aber nur mit Abpumpen ist das sehr schwer, deshalb gebe ich zusätzlich die Flasche", berichtet eine andere Mutter.
Flasche kann mehr Freiraum verschaffen
Manche Eltern nutzen die ergänzende Flaschennahrung aber auch ganz freiwillig. Zum Beispiel, weil die Mutter nachts auch einmal durchschlafen oder abends gelegentlich weggehen möchte und der Vater oder eine andere Person in dieser Zeit das Füttern übernehmen soll. Oder weil sie wieder berufstätig sein will oder muss: "Weil ich wieder arbeiten gehe, bin ich für einige Stunden nicht verfügbar. In dieser Zeit nimmt meine Kleine (fünf Monate) das Fläschchen von der Oma ", berichtet eine Mutter in einem Stillforum, "und wenn ich zu Hause bin, wird gestillt. Das klappt super!"
Nicht wenige Mütter und Väter geben ihrem Kind auch vor allem abends ein Fläschchen, weil sie die Erfahrung machen, dass es dann länger satt ist und sich nachts weniger oft meldet.
Zwei Milchsorten - nicht für jeden Babybauch geeignet
So unterschiedlich wie die Gründe für die Zwiemilch-Ernährung sind aber auch die Babys. Nicht jedes verträgt die beiden unterschiedlichen Milcharten. "Ich habe vor kurzen zwangsläufig die Zwiemilch-Ernährung ausprobieren müssen. Denn mein Sohn hatte mit dreieinhalb Monaten eine Operation wegen seiner Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Er hat aber von der Kombination der Milcharten schlimme Bauchschmerzen bekommen, das ging gar nicht. Ich bin dann ganz auf Flasche umgestiegen, weil ihm das etwas anstrengendere Saugen an der Brust noch weh tut", berichtet eine Forumsteilnehmerin.
"Man muss einfach schauen: Wie geht es meinem Kind mit der Fertignahrung, mag es sie, und verträgt es sie auch?", rät Hebamme Renate Egelkraut. Nicht nur die Zwiemilch-Mischung, auch die Fertignahrung selbst kann dabei für Probleme sorgen. "Manche Babys mögen schon den Geschmack der Milchnahrung nicht oder lehnen die Flasche selbst ab." Eltern müssten auch damit rechnen, dass Babys Ausscheidungen sich verändern. "Der Stuhl hat eine andere Farbe oder stinkt. Der Darm mancher Babys kommt mit der Fertignahrung auch gar nicht zurecht, sie bekommen Schmerzen."
Der Zwiemilch-Mix hat auch, wenn er gut vertragen wird, Auswirkungen: Wenn ein Baby zusätzlich zur Muttermilch industrielle Säuglingsnahrung bekommt, reagiert sein Darm so, als ob es ausschließlich die Flasche bekäme: Wissenschaftler beobachteten, dass die Darmflora und das so genannte Darmverhalten (Stuhl, Stuhlhäufigkeit) von Zwiemilch-Babys dem von voll mit der Flasche ernährten Säuglingen entspricht.

