Endlich sagt es einmal jemand

12 Wahrheiten übers Elternsein

Es gibt Dinge am Elternsein, auf die man beim besten Willen vorher nicht gekommen wäre. Das muss man erlebt haben, denn erzählen tut es einem auch keiner. Wir schon: zwölf Wahrheiten übers Elternsein!

Autor: Gabriele Möller
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Auch Eltern haben mal einen schlechten Tag

Eltern Wahrheiten
Foto: © colourbox

Der Mythos: Als Eltern immer liebevoll und geduldig zu sein, ist entscheidend für eine glückliche Kindheit. Es schadet dem Kind, wenn man die Nerven verliert, nur weil es gerade seine Box mit den 3000 Bügelperlen ausgekippt oder den vollen Putzeimer umgestoßen hat. Eltern sollten auch in solchen Situationen geduldig bleiben.

Die Wahrheit: Der hohe Anspruch, alles richtig zu machen und nie die Geduld zu verlieren, sorgt schnell für Schuldgefühle. Denn es gibt einfach diese Tage, da hakt es mit der Chemie zwischen groß und klein. Das aber ist normal und geht allen Eltern so - solche Tage darf man getrost abhaken!

Kleinkindspiele können langweilig sein

Der Mythos: Wenn man ein Kind hat, sollte man auch Lust haben, sich viel mit ihm zu beschäftigen. Was könnte es Erfüllenderes geben als krumme Knetgummi-Würste zu rollen, im Garten zu toben oder mit dem Nachwuchs das gefühlt zwanzigste Fantasieschloss aus Bauklötzen zu errichten?

Die Wahrheit: Nicht viele Eltern hocken gern in gekrümmter, hexenschuss-auslösender Haltung auf der Krabbeldecke, um dort mit dem Kind dem Klötzchen-Fieber zu frönen. Und auch die Bastelwut ist oft nur noch schwach ausgeprägt, wenn man gerade vom Job heimgekommen ist oder der Haushalt wartet. Vielleicht macht aber auch beim Trampolin-Springwettbewerb einfach der Beckenboden nicht mit? Das passiert auch Stars wie Kate Winslet nach drei Geburten. Am besten ist jetzt ein Kompromiss: eine Viertelstunde mit dem Kind spielen (oder als Kompromis am Trampolinrand den Punkterichter machen) und sich danach erstmal mit einer verdienten Kaffeepause belohnen, bevor es später in eine zweite Spielrunde geht (oder der Haushalt zu seinem Recht kommt).

Die erste Zeit ist anstrengend für die Beziehung

Der Mythos: Ist ein Baby geboren, schweißt dieses Glück Mama und Papa noch enger zusammen, denn die Liebe zum Kind vergrößert natürlich auch die gegenseitige Liebe der Eltern.

Die Wahrheit: Die Geburt eines Kindes ist ein großes Glück, aber auch eine ebenso große Belastung für die Partnerschaft, wie Wissenschaftler längst ernüchternd feststellten. Konnte das Paar sich bisher auf sich selbst konzentrieren, gemeinsam Sport, Ausflüge und Reisen genießen oder sonntags lange im Bett kuscheln, ist dies nun schlagartig vorbei. Unerfahrene Erstlings-Eltern haben oft auch noch keine Absprachen zur Aufgabenteilung - schnell fühlt sich da einer von beiden zu wenig unterstützt. Es dauert und braucht oft einige Konflikte, bis hier Kompromisse gefunden sind. Deshalb sollte ein Paar seine Beziehung (mindestens) im ersten halben Jahr nach der Geburt lieber nicht auf den Prüfstand stellen - Stress und Übermüdung verfälschen das Ergebnis!


Man braucht den Mittagschlaf dringender als das Kind!

Der Mythos: Während das Baby oder Kleinkind seinen Mittagschlaf hält, können Mama oder Papa wunderbar ebenfalls schlafen und sich ausruhen. "Schlafe, wenn Dein Baby schläft!" ist ein Rat, der durch Geburtsvorbereitungskurse und Elternforen geistert. 

Die Wahrheit: Natürlich wäre schlafen eine gute Sache. Doch die allermeisten Eltern brauchen die Zeit, in der das Baby schläft, wirklich dringend, um all die Dinge zu erledigen, die ständig liegenbleiben. Hier noch schnell die Spülmaschine ausgeräumt, da noch rasch die Wäsche aufgehängt und vielleicht sogar einfach einmal in Ruhe etwas essen.

Man mag sein Kind nicht immer, aber man liebt es immer!

Der Mythos: Wer sein Kind wirklich liebt, darf ihm gegenüber nie ein so schlimmes Gefühl wie Ablehnung empfinden.

Die Wahrheit: Fast alle Eltern haben Momente, da würden sie den Nachwuchs am liebsten in die Erdumlaufbahn katapultieren. Nach solchen Anwandlungen müssen sie keine Schuldgefühle haben, denn auch hinter diesen (meist schnell verrauchenden) Gefühlen lieben sie ihr Kind natürlich. Diese Liebe ist die feste Matrix, auf der auch mal ein paar negative Emotionen wetterleuchten dürfen!

Es ist richtig, auf seinen Bauch zu hören!

Der Mythos: Ob es um das Schreienlassen eines Babys geht, damit es besser durchschläft, oder um Konsequenzen, bei denen ein Kind aus den Folgen eines Verhaltens lernen soll: Selbst wenn einem das Kind dabei irgendwie leid tut - man sollte hart bleiben. Denn die Argumente von den Autoren der Ratgeber-Bücher sind fundiert und überzeugend.

Die Wahrheit: Es gibt Mütter, denen das Weinen ihres Babys im Herzen weh tut und die trotzdem nicht zu ihm gehen, weil die zwei Minuten noch nicht um sind, die sie angeblich warten sollten. Wenn der eigene Instinkt aber etwas Anderes sagt, als ein"Experte", dann sollte man immer aufs Bauchgefühl hören. Denn Eltern, sagen Forscher, haben die angeborene Fähigkeit, die Gefühlslage ihres Kindes zu erkennen und zu verstehen. Es wäre schade, diese natürliche "Bauch-Intelligenz" durch angelesene Theorien zum Schweigen zu bringen!

Wir sind die besten Eltern für unser Kind

Der Mythos: Andere Mütter oder Väter wirken so selbstsicher, fröhlich und ausgeglichen. Sie scheinen niemals die Nerven zu verlieren. Ich selbst bin keine besonders gute Mutter / kein toller Vater, denn ich mache oft Fehler oder verliere die Geduld.

Die Wahrheit: Engel gibt es nur im Himmel - auf Erden gibt es Frauen und Männer aus Fleisch und Blut. Sie haben gute Laune oder schlechte, sind mal fit, mal übermüdet, heute gelassen und morgen reizbar. Kinder erwarten keine vollkommenen Eltern. Sie wollen auch keine Eltern, die ständig Schuldgefühle haben und deshalb unsicher oder bemüht wirken. Sondern sie wünschen sich genau die Mama und den Papa, die sie haben! Viele Psychologen sagen: Selbst wenn Eltern bei der Erziehung nur die Hälfte richtig machen, genügt das, um ein Kind gut (und seelisch heil) durch die Kindheit zu bringen!

Man braucht viel weniger Schlaf, als man denkt

Der Mythos: Ständiger Schlafmangel macht die Haut schlecht und lässt sie früher altern. Man ist außerdem kaum leistungsfähig, vergisst und verlegt alles, trifft die falschen Entscheidungen und ist ständig neben der Spur.

Die Wahrheit: Es gibt sie tatsächlich, die viel beschworene "Mütter-Demenz". Durch das chronische Schlafdefizit und das Multi-Tasking sind viele Mütter oder Väter gewissermaßen latent "verpeilt". Das gibt sich aber, sobald der Nachwuchs anfängt, regelmäßig durchzuschlafen. Und auch die tiefsten Augenringe und Müdigkeitsfalten glätten sich dann - ganz ohne Anti Aging Creme - von selbst wieder.

Das Haus wird nie wieder so sauber sein wie zuvor

Der Mythos: Wenn eine Mutter oder ein Vater im Erziehungsurlaub ist, hat sie oder er den ganzen Tag Zeit. Ein Leichtes also, jetzt einen Haushalt zu führen, in dem alles wie geleckt ist. Schließlich muss man ja nicht mehr wirklich arbeiten, so wie vorher im Job.

Die Wahrheit: Wenn ein Baby geboren wird, beginnt für Mama oder Papa ein 24-Stunden-Job ohne Feierabend und bezahlten Urlaub. Da geht so mancher Haushalt naturgemäß erstmal in den Winterschlaf: Unter der Couch tummeln sich die Staubmäuse, die Fenster sollte man sich lieber nicht im Gegenlicht anschauen und die Wäsche auf der Leine regnet gern mehrmals ein, bevor man Zeit findet, sie abzunehmen - sofern sie es überhaupt auf die Leine schafft und nicht tagelang in der Maschine vor sich hin müffelt.

Eltern dürfen auch unvernünftig sein

Der Mythos: Mütter und Väter dürfen nur wenig Süßes essen, denn sie müssen Vorbild sein. Außerdem müssen sie jede Leckerei, ob es nun eine Knackwurst oder ein übrig gebliebener Nachtisch vom Vortag ist, mit dem Nachwuchs teilen, alles Andere wäre ungerecht und egoistisch.

Die Wahrheit: Auch Eltern brauchen mal eine Belohnung. Es ist deshalb erlaubt, sich gelegentlich mit dem aufgewärmten Milchreis von gestern oder der verlockend prallen Chipstüte ins Bad zurückzuziehen und dort so heimlich wie genussvoll zu naschen!

Mein Kind liebt mich - auch wenn ich nein sage

Der Mythos: Wenn ein Kind ein "Nein" bekommt und deshalb vor Enttäuschung weint, zeigt das, dass es sich zurückgewiesen und weniger geliebt fühlt. Dies aber sollte man als Eltern unbedingt vermeiden.

Die Wahrheit: Viele Eltern geben fast jedem Wunsch ihres Kindes nach, auch wenn sie das gar nicht wollen. Vor allem, wenn ihr Kind weint, halten sie das kaum aus. Sie fürchten, ihm seelisch zu schaden oder sogar seine Liebe zu beschädigen. Doch diese Sorge ist unnötig. Kinder verkraften es, dass sie nicht jedes ihrer Anliegen durchsetzen können, und sie lieben ihre Eltern deshalb nicht weniger. Die Erfahrung, dass nicht alles geht und man damit trotzdem zurechtkommt, ist sogar wichtig: Auch im Kindergarten, der Schule, bei den Spielfreunden oder dem Hobby können nicht alle Wünsche erfüllt werden.

Elternsein ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Der Mythos: Eine gleichbleibend stabile und positive Gefühlslage der Eltern ist wichtig fürs Kind, damit es ihre Liebe als verlässlich empfindet und sich geborgen fühlt.

Die Wahrheit: Kaum etwas im Leben kann ein so reiches Potpourri an Gefühlen auslösen, wie ein Kind. Eltern machen die Erfahrung, dass ihre Emotionen innerhalb kürzester Zeit wechseln können, und oft haben sie gleich mehrere Gefühle gleichzeitig: Sie können von ihrem Kleinkind genervt sein, und trotzdem einige Augenblicke später vor Stolz platzen. Sie können entspannt, und wenige Minuten darauf ängstlich besorgt sein. Sie können glücklich und zugleich gerührt oder melancholisch sein, können sich ärgern, und zugleich innerlich übers Kind schmunzeln müssen. Dem Kind schadet dieser Mix nicht, sofern es hinter alledem eine annehmende, liebevolle Grundstimmung spürt.

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