Wiedereinstieg in den Job

Job-Sharing: Geteilte Stelle, doppelter Nutzen

Beim Job-Sharing teilen sich zwei Kollegen eine Position. Das ist vor allem für die Karriere von Müttern und Vätern mit kleinen Kindern interessant. Wir zeigen euch, wie das Job-Sharing gelingen kann und erzählen von erfolgreichen Job-Sharern.

Autor: Heike Byn
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Job-Sharing: In Deutschland noch viel zu selten

Job-Sharing
Foto: © Fotolia

Heutzutage setzen viele Unternehmen auf flexibles Arbeiten: Vertrauensarbeitszeit, Teilzeit, Telearbeit und Homeoffice sind oft und gerne genutzte Alternativen zur klassischen Vollzeitstelle. Doch während anderswo in Europa – wie in der Schweiz, den Niederlanden oder Skandinavien – Job-Sharing gerne praktiziert und gefördert wird, setzen hierzulande nur etwa 15 bis 20 Prozent der Unternehmen Job-Sharing-Modelle für ihre Mitarbeiter um. Warum? Weil ein entspannter Umgang mit geteilten Stellen immer noch eine Frage der Unternehmenskultur sind: Schließlich passt Job-Sharing auch längst nicht zu jedem Unternehmen, jeder Führungskraft oder jedem Mitarbeiter. Außerdem scheuen viele Firmen den scheinbaren Mehraufwand bei der Einrichtung und Abwicklung von geteilten Stellen. Zu Unrecht – schließlich gehört es ja zum Grundgedanken des Jobsharings dazu, dass die beiden Mitarbeiter untereinander regeln.

Stelle teilen: Die Vorteile für die Mitarbeiter

Wer sich für eine typische Teilzeitstelle entscheidet, nimmt dafür oft Einbußen beim Gehalt, bei der Verantwortung und der Vielfalt der Aufgaben in Kauf. Viele anspruchsvolle Jobs sind überhaupt nicht teilzeittauglich, weil sie oft eine hundertprozentige Besetzung verlangen. Genau hier greift Job-Sharing: Wenn zwei Menschen eine Stelle besetzen und verantworten, eng zusammenarbeiten und ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zusammenbringen, werden Stellen teilzeittauglich, die es bisher nicht waren. Zudem bedeutet Job-Sharing nicht automatisch, dass Mitarbeiter zwangsläufig nur von einem halben Gehalt leben. Viele Job-Sharing-Arbeitsverhältnisse gehen insgesamt über 100 Prozent hinaus, die Job-Sharer bekommen dann beispielsweise jeweils 60 Prozent ihres ursprünglichen Einkommens ausgezahlt, was finanziell deutlich attraktiver ist. Bei einigen Job-Sharern bleibt die geteilte Stelle auf Dauer auch nicht die einzige Einkommensquelle: Angepasst an ihre jeweilige Lebensphase – zum Beispiel, wenn die Kinder älter und selbstständiger werden – können Mütter das Modell auch dafür nutzen, um nebenher einer selbstständigen Nebentätigkeit nachzugehen. Für sie wird Job-Sharing zum Einstieg in eine buntere, flexiblere Arbeitswelt.

Auch Unternehmen profitieren vom Job-Sharing

Doch auch für die Unternehmen hat Job-Sharing einige Vorteile: Wenn sich zwei Mitarbeiter eine Stelle teilen, bekommt die Firma in der Summe mehr Kompetenz und damit auch mehr Kreativität und Engagement im Gesamtpaket. Schließlich sind Mitarbeiter mit einer gesünderen Balance zwischen Privatleben und Beruf häufig motivierter und damit produktiver. Außerdem können sich Job-Sharer ideal vertreten, ob im Urlaub oder im Krankheitsfall. Damit sparen Unternehmen Kosten ein. Wie Job-Sharing in der Praxis funktionieren kann, zeigen drei gelungene Beispiele:


Job-Sharing: Nach drei Bewerbergesprächen zum Erfolg

Martina Westermann und Silke Königs sind Mütter von je zwei Kindern und arbeiteten für einen Autobauer als Projektkoordinatorinnen, als ihnen eine Stellenausschreibung am Schwarzen Brett auffiel: Ein/e Projektleiter/in wurde gesucht, in Vollzeit und für die Geschäftsführung. Zufällig trafen sich die beiden in der Mittagspause und sprachen darüber: „40 Wochenstunden? Das schien uns mit kleinen Kindern, die noch in die Kita gehen, unmöglich!", erzählt Silke Königs. Dennoch fanden beide den Job mit mehr Verantwortung und Gehalt attraktiv. Ihr Plan: Sie würden sich zusammen auf die Stelle bewerben. Die Personalentwicklerin war verdutzt, als die Doppelbewerbung eintraf – inklusive präziser Arbeitsplanung. Montags und mittwochs sollte Martina Westermann von 9 bis 13 Uhr am Schreibtisch sitzen, Silke Königs von 12 bis 16 Uhr. Dienstags und donnerstags wäre eine von beiden ganztags da, freitags beide am Vormittag. Für die Arbeitstage bis in den Nachmittag spannten sie Männer und Großeltern für die Kinderbetreuung ein. Über 200 Bewerber hatten sich gemeldet, darunter auch Vollzeitkandidaten. Die Personalfachfrau war skeptisch, aber auch neugierig. Sie selbst hatte eine Führungsposition für einen Teilzeitjob opfern müssen. Warum jetzt nicht anderen Frauen möglich machen, was ihr damals versagt blieb? Drei Bewerbungs-Interviews absolvierte das Gespann. Erst dann stand fest, dass sie den Job bekamen. „Seither", erzählt Martina Westermann, „hat das Unternehmen zwei weitere Stellen mit Job-Sharern besetzt".

Aufwand für Absprachen nimmt deutlich ab

Mira Pavlovic und Chris Hilgers arbeiten im Marketing eines Online-Fachhandels – je 30 Stunden die Woche. Mira hat im September 2015 bei dem Start-up-Unternehmen angefangen, das sich von Anfang an offen für alle möglichen Formen der Teilzeitarbeit zeigte. Weil Mira nebenbei weiter studiert, wünschte sich die 27-Jährige einen Tandempartner. Bei der Bewerberauswahl wurde schnell klar, dass die Vorstellungen von einer gemeinsamen Arbeit in einem Job-Sharing-Modell bei Chris am besten passten. „Wir waren uns schnell einig, wie wir die Arbeit aufteilen", sagt Chris. Einen Tag in der Woche hat sie frei, an den anderen Tagen teilt sie ihre Arbeitszeit flexibel ein. Chris hat einen kleinen Sohn. Wenn es darum geht, wer ihn aus der Kita abholt, stimmt sie sich mit ihrem Partner flexibel ab. Als selbstständiger Physiotherapeut kann er sich von Mitarbeitern vertreten lassen. Mira hingegen passt ihre Arbeitszeit an die Vorlesungszeiten der Uni an. Die beiden Frauen sprechen sich so ab, dass immer wenigstens eine von beiden im Büro ist, einmal die Woche sind sie sogar zu zweit da. „Am Anfang war der Aufwand für die ganzen Absprachen noch ziemlich hoch, nahm aber im Laufe der Zeit deutlich ab", sagt Chris Hilgers.

Entspannter Wiedereinstieg dank geteilter Stelle

Doch nicht nur Mütter möchten weniger und flexibler arbeiten. Auch immer mehr Väter wollen ihre Arbeitszeit reduzieren. Einer von ihnen ist Christian Meißner, der sich eine Stelle als Pfarrer in einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde mit seiner Frau Friederike teilt. Zusammen arbeiten die Eltern von vier Kindern pro Woche 50 Stunden, jeder übernimmt davon etwa die Hälfte. „Konkret teilen wir unsere Zeiten nach den Bedürfnissen der Gemeinde und unserer Familie so auf, dass immer einer im Büro und der andere zu Hause ist", erzählt Pfarrerin Friederike Meißner. „Die Gemeinde zahlt zwar das Gehalt für eine Stelle, tatsächlich bekommt sie dafür aber viel mehr. Denn jeder von uns ist Ansprechpartner für bestimmte Aufgaben, die er in seiner Verantwortung hat und immer offen für Nachfragen – auch abseits der eigentlichen Dienstzeit", erzählt Pfarrerin Friederike Meißner. Das Paar profitierte von Anfang an vom Job-Sharing: Nach jeder Geburt nahm Friederike Meißner ein Jahr Elternzeit, während der ihr Mann sie vertrat. So war ihr jedes Mal ein entspannter Wiedereinstieg möglich. Gab es nie Krisen, weil die beiden nicht nur die Stelle, sondern auch das Leben miteinander teilen? „Wir machen das seit elf Jahren und bereuen es keine Sekunde. Wir haben gelernt, die Arbeit des jeweils anderen wertzuschätzen und sind so auch als Paar gereift", schwärmt die Pfarrerin. Für sie und ihren Mann ist ihr Job-Sharing-Modell eine Traumlösung, von der auch die Kinder profitieren. „Sie erleben uns als starkes Team, das ein gleichberechtigtes Miteinander im Alltag lebt", so Friederike Meißner.

Job-Sharing: In 8 Schritten zur geteilten Stelle

  1. Ziel, Motivation und Fragen klären
    Klärt eure Ziele und Motivation fürs Job-Sharing und sammelt alle Infos zu dem Arbeitsmodell, die euch helfen können. Sucht nach möglichen Vorbildern in eurem Umfeld.
  2. Wege und Chancen prüfen
    Könnt ihr die eigene Stelle teilen oder müsst ihr eine neue Stelle suchen? Im Job-Portal Tandemploy finden Jobsuchende passende Tandempartner und Unternehmen für Job-Sharing-Modelle. Wenn ihr in einem großen Unternehmen arbeitet, sucht auf der Website oder im Firmenprofil nach Aussagen zu flexiblen Arbeitszeitmodellen.
  3. Zeitplan fürs Job-Sharing aufstellen
    Es braucht Zeit, um den geeigneten Berufspartner für so ein Arbeitsmodell zu finden. Stellt einen Zeitplan mit Stolpersteinen und Zwischenzielen auf.
  4. Einen passenden Berufspartner finden
    Wenn ihr eure eigene Stelle teilen wollt, überlegt, wer im Betrieb als Tandempartner in Frage kommt. Findet ihr niemanden mit ähnlichen Arbeitszeitinteressen, gebt in einem Job-Portal ein Gesuch auf.
  5. Zusammenarbeit genau definieren
    Habt ihr einen Berufspartner gefunden, dann definiert eure Arbeitszeit: Wer arbeitet wann, wieviel? Welche Aufgaben wollt ihr wie genau aufteilen?
  6. Argumente für Job-Sharing sammeln
    Welche Vorteile hat eure Stellen-Teilung für den Arbeitgeber? Listet mögliche Contra-Argumente von Vorgesetzten oder Personalentwicklern auf und überlegt euch passende Antworten dazu.
  7. Personal- und Bewerbungsgespräch vorbereiten
    Bereitet euch gemeinsam auf das Personalgespräch im eigenen Betrieb oder ein externes Bewerbungsgespräch vor: Stellt für jeden Gesprächspartner ein Papier zusammen, das Vorteile, Aufteilung und Organisation er Stelle enthält.
  8. Personal-/ Bewerbungsgespräch führen
    Euer Anliegen ist für viele Personaler ungewöhnlich, die vorgesehene Zeit oft knapp. Deshalb gebt euer Job-Sharing-Angebot auch schriftlich ab. Lasst im Gespräch nicht locker, fragt bei Gegenargumenten immer wieder nach. Bittet eventuell um ein zweites Gespräch.
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