Verband berufstätiger Mütter
Job und Kind vereinbaren: noch immer eine Kunst
Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen bleibt eine Kunst. Dennoch hat sich für Frauen einiges getan. Wer wüsste das besser als der Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM), der vor 20 Jahren gegründet wurde. Wo es Müttern besser geht als damals und welche Baustellen noch offen sind, lesen Sie hier.
Kindergartenplatz ab drei Jahren, heute eine Selbstverständlichkeit
Die Bilanz des VBM zur Situation in Deutschland zwanzig Jahre nach der Gründung klingt optimistisch: „Es hat sich viel getan", sagt Sprecherin Eike Ostendorf-Servissoglou, „In den 1990er Jahren kämpfte der Verband noch dafür, dass erst einmal alle über Dreijährigen einen Kindergartenplatz bekamen, damit Frauen beruflich mehr erreichen konnten als ein bisschen im Betrieb des Mannes mitzuhelfen. Das war ein echter Kraftakt, und die Erfolge werden heute als viel zu selbstverständlich hingenommen.“ Eine Zeit, in der auch ältere Kleinkinder nur morgens und nachmittags je ein paar Stunden betreut wurden und zwischendurch zum Mittagessen nach Hause kamen, können sich junge Mütter von heute gar nicht mehr vorstellen.
Trotzdem gibt es noch viele Baustellen auf dem Weg in eine Zukunft, in der sich Beruf und Familie optimal vereinbaren lassen: So fordert der VBM unter anderem eine garantierte Kinderbetreuung für alle unter Dreijährigen und eine flächendeckende Versorgung mit Ganztagsschulen. Das Phänomen der so genannten „Re-Traditionalisierung“, also der beobachtete Rückfall moderner, gleichberechtigter Paare in die altmodischen Rollenbilder des Versorgers (Vater) und der Erzieherin und Haushälterin (Mutter) nach der Geburt eines Kindes, soll ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Denn die Vereinbarung von Kind(ern) und Karriere ist und bleibt ein schwieriges Kunststück, das alle Beteiligten gemeinsam bewerkstelligen müssen. Der VBM will dabei nicht engstirnig nur auf die Rechte der Frauen pochen. „Wir müssen auch die Sichtweise der Arbeitgeber verstehen: Wie sollen sie planen, wenn ihre Mitarbeiterinnen erst ein Jahr Babypause beantragen und dann zweimal kurz vor knapp um ein weiteres Jahr verlängern?“, fragt Sprecherin Eike Ostendorf-Servissoglou, „und wie können Frauen allen Ernstes erwarten, ihren Arbeitsplatz nach drei Jahren völlig unverändert vorzufinden, in einer Zeit, in der Unternehmen in immer kürzeren Zyklen komplett umstrukturiert werden?“ Das Motto des VBM lautete schon in den Gründungsjahren weitsichtig: Wer gar nicht erst aussteigt, braucht auch keinen Wiedereinstieg.

