Schwanger am Arbeitsplatz

Müdigkeit, Schmerzen, Stress - was jetzt hilft!

Der Rücken tut weh, man fühlt sich schlapp und die Arbeit scheint nicht weniger zu werden. Wie Schwangere Schmerzen lindern und mitten im Stress den Knopf zum Abschalten treffen, wie sie Kompromisse mit dem Chef finden und wann ein Beschäftigungsverbot sinnvoll ist, dies und mehr beantwortet unser Artikel.

Autor: Gabriele Möller
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Eine gemeinsame Lösung mit dem Chef suchen

Schwanger Job Stress
Foto: © Fotolia.com/ Violetstar

Gerade in den ersten und in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft ist die werdende Mutter oft müde, hat niedrigen Blutdruck oder wird von Rückenschmerzen geplagt. Bevor sie sich deshalb vielleicht krankschreiben lässt, sollte sie zunächst versuchen, mit dem Vorgesetzten eine verträgliche Lösung zu finden: Wer morgens besonders müde ist, jetzt sehr niedrigen Blutdruck hat oder besonders stark unter Übelkeit leidet, kann vielleicht später kommen und dafür länger bleiben. Manchmal ist es auch möglich, Arbeit mit nach Hause zu nehmen, um nicht so oft oder so lange in die Firma kommen zu müssen. Hier und da können Tätigkeiten auch mit Kollegen vorübergehend getauscht werden, ohne dass dies einen Nachteil für einen von beiden bedeuten muss. Oft hilft es auch, wenn sich die Schwangere Pausen, die ihr zustehen, wirklich auch gönnt oder bei sitzender Tätigkeit die kurzen Zusatzpausen, die Schwangeren erlaubt sind, nutzt.

Rückenschmerzen – nur Bewegung hilft

Fast bei allen Schwangeren meldet sich früher oder später das Rückgrat und sorgt mit Schmerzen für Unbill im Job. Die Ursache: Die Schwangerschaftshormone lockern alle Gelenk- und Knorpelverbindungen. Dies geschieht als Vorbereitung auf die Geburt, bei der der mehrteilige Beckenknochen nachgiebig sein soll. Auch steigt das Gewicht, der Bauch wird schwerer, was die Wirbelsäule zusätzlich belastet. Jetzt hilft nur Eines: Bewegung, um die einseitige Belastung im Beruf auszugleichen.

Ideal sind Yoga, Tai Chi oder Bauchtanz, aber auch Schwimmen und die vielleicht nicht sehr aufregende, aber bewährte Gymnastik für Schwangere. In vielen dieser Bereiche gibt es Kurse, DVDs und zur Not auch Bücher speziell für Schwangere. 20 Minuten sollte man den Rücken dabei jeden Tag verwöhnen, auch wenn man schlapp ist, sich schwerfällig fühlt oder lustlos ist. Den inneren Schweinehund hier zu besiegen, ist meist die einzige Möglichkeit, Rückenschmerzen wieder loszuwerden oder zumindest zu lindern.

Was kann man bei Schmerzen in der Schwangerschaft tun?

Verkrampfte Muskeln dehnen

Eine Yoga-Übung als Soforthilfe nach Feierabend: sich flach auf den Boden legen, Beine lang ausgestreckt hinlegen, die Knie zusammenlassen. Die Arme seitlich ausstrecken (also im rechten Winkel zum Rumpf). Nun das rechte Bein durchgestreckt anheben und links vom Körper ablegen. Dabei versuchen, mit dem Fuß die ausgestreckte Hand zu berühren. Den Kopf währenddessen nach rechts drehen. Dann das Bein wieder zurücknehmen und ablegen, Kopf zurück in die Mitte drehen. Nun das linke Bein gerade anheben und rechts vom Körper ablegen, Kontakt mit der Hand versuchen, den Kopf nach links drehen. Zurück in die Ausgangslage gehen. Wichtig: Beide Schulterblätter bleiben immer am Boden, der Atem fließt ruhig, nicht gepresst. Die Übung drei bis vier mal wiederholen.

Bandscheiben lieben die Nachtruhe

Zusätzlich zur täglichen Bewegung kann man darauf achten, nachts nicht mehr auf dem Rücken zu schlafen. Denn die Lendenwirbelsäule, die für die meisten Schmerzen verantwortlich ist, wird am besten in der Seitenlage entlastet. Diese allnächtliche Entlastung ist wichtig, damit sich die tagsüber gepressten, gallertartigen Bandscheiben nachts wieder mit Flüssigkeit füllen und verdicken können. Nur dann können sie tagsüber Belastungen gut abfedern.

Wenn der Schmerz im Nacken sitzt

Es gibt in Zeitschriften immer wieder gutgemeinte Vorschläge für Übungen, mit denen man angeblich Nackenschmerzen lindern kann. Da wird gedehnt, gebeugt, massiert. Was diese Übungen alle gemeinsam haben: Sie wirken so gut wie nie. Denn die eigentlichen Ursachen für die schmerzende Verspannung liegen im seelischen Bereich und heißen: Stress, Ärger, Zeitdruck, Sorgen. Werden diese Störer nicht entmachtet, hilft kein Beugen und Biegen des Nackens. Nackenschmerzen rückt man daher am besten mit Entspannung zuleibe, zum Beispiel mit täglichen Meditationsübungen oder Autogenem Training. Beide Methoden kann man in Kursen, ihre ersten Grundlagen notfalls auch aus Ratgeberbüchern lernen. Meditieren kann man sehr gut bereits in Bus oder Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder dem Heimweg.

Entlastung für bleierne Beine

Vor allem, wer im Job täglich stundenlang stehen oder ständig sitzen muss, merkt oft irgendwann, was mit den „schweren Beinen“ gemeint ist, von denen die eigene Mutter immer sprach. Denn sowohl bei langem Sitzen als auch beim Stehen sackt das Blut leicht in die unteren Extremitäten des Körpers, weil die Venen jetzt mit dem Rücktransport überlastet sind. Ursache ist unter anderem, dass die Blutmenge in der Schwangerschaft höher ist als sonst. Zusätzlich steigt das Risiko von Blutgerinnseln in den Venen (Thrombosen).

Hier hilft die so genannte Venenpumpe: Im Sitzen die vordere Fußhälfte anheben, während die Fersen weiter am Boden bleiben. Dann Zehen aufsetzen und Fersen heben. Das Ganze ungefähr 30 Sekunden abwechselnd machen, dann zehn Sekunden Pause einlegen. Diese Übung viermal wiederholen.

Außerdem sollte man leichte bis mittelstarke Stützstrümpfe (im Sanitätshaus beraten lassen) tragen, die manchmal auch der Gynäkologe oder Hausarzt verschreibt. Wer das Plastikgefühl von Nylon auf der Haut nicht mag, kann – wenn der Geldbeutel es hergibt – auf teurere Stützstrümpfe aus Seide ausweichen. Hat man plötzlich stärkere Schmerzen, vielleicht in nur einem Bein, sollte man sofort zum Arzt gehen, denn so kann sich ein gefährlicher Venenverschluss bemerkbar machen.

Schwach, zittrig, schwindelig – was die Batterien füllt

Als ob der Körper in der Frühschwangerschaft mit der hormonellen Umstellung nicht schon genug zu tun hätte, wird er zusätzlich aus dem Gleichgewicht gebracht: und zwar dadurch, dass viele Frauen vor lauter Übelkeit kaum Hunger haben und zu wenig „Brennstoff“ nachschieben,  aber auch zu wenig trinken. Zur hormonell bedingten  Müdigkeit kommen dann oft zusätzliche Probleme wie Schwächegefühl oder Schwindel hinzu, die man gerade bei der Arbeit natürlich überhaupt nicht gebrauchen kann.

Gegen Schwindel hilft reichliches Trinken, denn dieses stabilisiert den Flüssigkeitshaushalt und damit den Kreislauf. Wer zwei Liter Flüssigkeit in Form von Tees oder Wasser schon morgens in Krügen, Kannen oder Flaschen in der Küchenecke des Büros oder Betriebs bereit stellt, vergisst das Trinken nicht so leicht. Bei Unterzuckerung (Zittrigkeit, Schweißausbrüche) hilft auf die Schnelle etwas Traubenzucker. Damit sich das unangenehme Gefühl nicht wiederholt, sollte man zukünftig die Ursachen meiden: zu unregelmäßige Mahlzeiten, gezuckerter Kaffee oder Tee auf nüchternen Magen, Mahlzeiten, die zu schnell verwertbare Kohlehydrate enthalten, wie Brötchen, Teilchen, Kuchen, Süßes. Letztere lösen die Ausschüttung von großen Mengen Insulin aus, werden rasch verdaut und hinterlassen einen Insulin-Überschuss, der den Blutzuckerspiegel stark senkt.

Gut ist dagegen alles, was langsam verdaut wird: Wertvolle Kohlehydrate wie Vollkornbrot, Müsli, Kartoffeln. Auch milde, nicht zu saure Obstsorten, gedünstetes Gemüse oder Nüsse enthalten viele Ballaststoffe, die ebenfalls eine überschießende Zuckerung mit folgender Unterzuckerung verhindern. All diese Nahrungsmittel beeinflussen zugleich die Verdauung positiv, denn der Darm kämpft in der Schwangerschaft oft mit Durchfall oder Verstopfung.

Leichte Kost für nervösen Magen

Wer gar keinen Hunger hat, weil er von latenter Übelkeit geplagt wird, sollte sich wenigstens zu kleinen Snacks überreden: eine Banane strotzt geradezu vor Vitaminen, Mineralien (Kalium) und beruhigt den irritierten Magen oder Darm. Macadamianüsse, Cashewkerne und andere Nüsse enthalten wertvolle Fettsäuren und ebenfalls Ballaststoffe. Getrocknete Apfelringe, Bananenchips, Mangostreifen schmecken fast wie Süßigkeiten, liefern Vitamine, Kalium und last but not least Energie in Form von Fruchtzucker.

Schon unsere Großmütter wussten, dass eine „Kraftbrühe“ genau das bewirkt, was ihr Name verspricht: nämlich neue Energie zu geben. Gerade wenn der Appetit fehlt und die Verdauungsorgane nervös reagieren, kann daher auch eine Rinder- Hühner- oder Gemüsebrühe Wunder wirken. Oft gehört sie zu den wenigen Dingen, die „Früh-Schwangeren“ überhaupt noch schmecken. Damit der Bauch mit der vielen Flüssigkeit besser klar kommt, sollte man eine saugfähige Beilage dazu essen: Nudeln oder Reis in die Suppe geben oder ein Stück Baguette dazu essen. Ein solches Süppchen kann man in einer Thermoskanne oder Gefrierdose mit ins Büro nehmen.

Stress tut weder Mutter noch Baby gut

Manchmal aber liegen die Ursachen, wenn es einer Schwangeren schlecht geht, eher im Äußeren: Zeitdruck, Termine, die vorbereitet werden müssen, Arbeit, die liegen zu bleiben droht, negative Kommentare des Chefs – all dies sorgt dafür, dass im Körper das  Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird. Und dieses belastet nicht nur die Schwangere, sondern kann auch zum Baby gelangen. Wenn das Ungeborene nur gelegentlich ein paar schlechte Gefühle oder Stress der Mutter übermittelt bekommt, ist dies kein Problem und gehört einfach zum Leben. Es sollte aber kein Dauerzustand werden, denn dann überträgt sich der Stress aufs Baby. Wissenschaftler haben beobachtet: Ungeborene Babys gestresster Mütter werden entweder besonders unruhig oder ziehen umgekehrt die Arme und Beine ganz still an sich heran und bewegen sich weniger als normal. Auch indirekt kann sich Dauerstress ungünstig auswirken: Die Mutter wird anfälliger für Infektionen, und einige davon können auch dem Baby schaden.

Relaxter durch den Job-Alltag

Ist die Belastung im Job ein Dauerzustand, sollte eine Frau also aktiv werden. Nicht immer ist gleich eine Krankschreibung nötig, um sich und das Kind zu schützen. Zunächst kann man es mit ein paar einfachen Übungen und auch einer veränderten Einstellung probieren.

Ärger mit dem Chef: vom Elefanten zur Mücke

Der Chef hat es mal wieder dringend gemacht oder sich sogar beschwert, dass etwas nicht schnell genug getan oder nicht gründlich genug vorbereitet wurde – das fuchst und macht auch Angst. Hier hilft eine Achtsamkeitsübung: Man setzt sich hin und konzentriert sich auf seinen Atem, auf das Ein- und Ausströmen der Luft. Gleichzeitig spürt man nach, was die Kritik des Chefs mit dem eigenen Körper gerade macht: Auf der Brust lastet ein Druck, das Herz schlägt schnell, im Magen ballt sich etwas zusammen. All diese Empfindungen schaut man nun der Reihe nach ruhig an, ohne sie als schlecht oder falsch zu bewerten oder zu deuten. Dabei atmet man ruhig weiter. Schon nach wenigen Minuten lassen die unangenehmen Empfindungen nach, der Stresspegel sinkt, die Bedeutung der unangenehmen Szene  wird kleiner.

Phantasiereisen: Vom Büro an den Südseestrand

Stresst aber einfach der normale Alltag im Job, helfen regelmäßige Ausflüge ins Reich des Tagtraums: Phantasiereisen wirken so gut auf die Seele, dass sie auch von Psychotherapeuten eingesetzt werden. Aber das Schöne ist, dass jeder Mensch auch einfach so zu seiner Entspannung Phantasiereisen machen kann. Zum Bespiel diese:  Man stellt sich einen weißen Strand auf einer Südsee-Insel vor, sitzt dort am Ufer, die Arme um die Knie gelegt. Das türkisblaue Wasser schwappt sanft und warm an die eigenen Füße, man streckt das Gesicht in Richtung Sonne, ein leichter Wind geht durchs Haar und bringt die Palmen zum Rauschen. Wer die Berge bevorzugt, kann sich für ein paar Minuten auf die stillen Höhen des Himalaya versetzen lassen, den Blick über einsame Ebenen schweifen lassen, die Kühle des Bergwinds im Gesicht fühlen und von fern die Glocken am Hals einsam grasender Yaks hören. Wenn man diese kurzen Phantasiereisen regelmäßig unternimmt, wirken die inneren Bilder bald ganz real aufs  Nervensystem, beruhigen und stimmen positiv.

Krankschreibung – nach sechs Wochen finanzielle Nachteile

Manchmal aber sind seelische oder körperliche Beschwerden so stark ausgeprägt, dass Selbsthilfe nicht mehr reicht. Mobbing im Job oder eine schwangerschaftsbedingte Depression, starke Rückenschmerzen, stressbedingte vorzeitige Wehen oder große Wassereinlagerungen können eine Krankschreibung nötig machen. Dabei sollte man bedenken, dass es nur sechs Wochen lang eine Lohnfortzahlung in bisheriger Höhe gibt. Nach den sechs Wochen erhält die Kranke nur noch das Krankentagegeld von der Krankenkasse, das meist deutlich niedriger ausfällt als der bisherige Nettolohn.

Wer länger als sechs Wochen gesundheitlich so eingeschränkt ist, dass eine Arbeit Mutter oder Ungeborenes zu sehr gefährden würde, sollte daher mit seinem Arzt über die Möglichkeit eines  Beschäftigungsverbots sprechen. Denn hier erhält die Frau vom Arbeitgeber ihr bisheriges Arbeitsentgelt weiterhin, das so genannte Mutterschaftsgeld. Es errechnet sich aus dem Durchschnittslohn der letzten drei Monate oder (bei wöchentlicher Auszahlung) aus dem Durchschnitt der letzten 13 Wochen.

Wann wird ein individuelles Beschäftigungsverbot erteilt?

Gründe für ein individuelles (also nicht für jede Schwangere bei dieser Tätigkeit geltendes) Beschäftigungsverbot sind zum Beispiel eine Risikoschwangerschaft, eine drohende Frühgeburt, eine Mehrlingsschwangerschaft, eine Muttermundschwäche, starke Rückenschmerzen, aber auch psychische Belastungen (Mobbing), wenn diese nicht durch andere Maßnahmen zu lösen sind sowie seelische Störungen, sofern der Arzt sie als schwangerschaftsbedingt einstuft. Beschwerden, die nicht schwangerschaftsbedingt sind, dürfen nur zu einer Krankschreibung, nicht zu einem Beschäftigungsverbot führen.

 

Wer spricht das Beschäftigungsverbot aus?

Das individuelle Beschäftigungsverbot kann von jedem niedergelassenen Arzt ausgesprochen werden, also auch vom Hausarzt. Dazu ist ein schriftliches Attest nötig, in dem der Mediziner erklärt, wie und warum Mutter und Kind bei weiterer Ausübung der Tätigkeit gefährdet wären. Auch sollte genau festgehalten sein, ob das Beschäftigungsverbot jegliche Arbeit verbietet oder ob die Frau andere Tätigkeiten übernehmen oder auch weniger Stunden am Tag arbeiten kann.

Nicht immer übernehmen die Krankenkassen die Kosten für das Attest - am besten vorher nachfragen. Manchmal muss die Schwangere es aus eigener Tasche bezahlen. Hat der Arbeitgeber Zweifel an der Richtigkeit des Attests, kann er eine Nachuntersuchung verlangen. Hier kann die Frau den zweiten Arzt selbst bestimmen. Sie muss sich also zum Beispiel nicht vom Werksarzt untersuchen lassen. Verlangt der Arbeitgeber eine Nachuntersuchung, muss er die Kosten dafür übernehmen.

Weitere Infos für Deutschland:

  • NRW Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales: Erläuterungen zum individuellen Beschäftigungsverbot unter: www.arbeitsschutz.nrw.de

Weitere Infos für Österreich:

Buchtipp:

  • Patricia Thielemann-Kapell: „Yoga in der Schwangerschaft“
    Buch plus DVD mit Anleitung, Verlag Gräfe und Unzer, ISBN-13: 978-3833819568


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