Mütter nach der Kinderpause

So gelingt der berufliche Wiedereinstieg

Die Rückkehr in die Arbeitswelt nach einer längeren Kinderpause ist für Mütter mit vielen Fragen verbunden: Welcher Job lässt sich mit der Familie vereinbaren? Habe ich nicht längst den Anschluss verpasst? Und: Traue ich mir Kinder UND Beruf überhaupt zu? Zum Glück gibt’s Unterstützung!

Autor: Maja Roedenbeck
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Den Wiedereinstieg selbst in die Hand nehmen

Mutter Wiedereinstieg Beruf
Foto: © Panthermedia.net/ Werner Heiber

Die eine möchte sich finanziell nicht länger abhängig von ihrem Mann fühlen, der anderen ist es zu Hause nach mehreren Jahren als überzeugte Vollzeitmutter dann doch irgendwann zu langweilig geworden, die dritte ist nach der Scheidung gezwungen, ihren Lebensunterhalt wieder selbst zu bestreiten. Sie alle suchen neue berufliche Herausforderungen – als Wiedereinsteigerinnen. Für den Begriff gibt es zwar keine Standard-Definition, aber er wird offiziell nicht für Frauen verwendet, die nach der klassischen Elternzeit zum früheren Arbeitgeber zurückkehren und dort ihren Rechtsanspruch auf eine „gleichwertige Beschäftigung“ einlösen. Er meint Frauen, die länger ausgesetzt haben, die nicht mehr zum früheren Arbeitgeber zurückkehren können oder wollen. „Berufsrückkehrerinnen“ heißen sie bei der Bundesagentur für Arbeit auch.

Zu dieser Gruppe zählt in Deutschland die deutliche Mehrheit aller berufstätigen Mütter. „Eigentlich erstaunlich: Nur ein knappes Viertel der Frauen kehrt nach der Elternzeit in die alte Firma zurück“, schreiben Svenja Hofert und Uta Nommensen in ihrem aktuellen und sehr empfehlenswerten Ratgeber: „Wiedereinstieg in den Beruf. Berufsbilder und Stellensuche, Bewerbung und Vorstellungsgespräch, Weiterbildung und staatliche Förderung“ (12,95 Euro, humboldt Verlag), „die meisten suchen sich also etwas anderes und starten neu durch.“ Weil der  erlernte Beruf in Verbindung mit Kindern Stress pur bedeuten würde. Weil die vom Arbeitgeber angebotene „gleichwertige Beschäftigung“ ein Witz ist. Weil die Unzufriedenheit im alten Job sich schon vor der Schwangerschaft eingestellt hatte.

Frauen, die heute an ihrem Wiedereinstieg basteln, haben es nicht leicht. Aber sie haben es deutlich besser als ihre Geschlechtsgenossinnen noch vor ein paar Jahren. Denn das Thema ist zum Politikum geworden. Und die Unterstützungsangebote schießen wie Pilze aus dem Boden.

Informationsveranstaltungen und Beratungsstellen

Die Bundesagentur für Arbeit hat zusammen mit dem Bundesfamilienministerium das „Aktionsprogramm Perspektive Wiedereinstieg“ ins Leben gerufen. Das zugehörige Internetportal www.perspektive-wiedereinstieg.de hält unter den Menüpunkten „Erste Orientierung“, „Wiedereinstieg konkret“ und „Nach dem Wiedereinstieg“ umfangreiche Hintergrundinfos bereit. Im Veranstaltungskalender sind relevante Infoveranstaltungen und Workshops verzeichnet, die „Wiedereinstiegskarte“ listet, nach Bundesländern sortiert, Beratungsstellen auf – vom kommunalen Frauenbüro über Karrierecoaches bis hin zum ehrenamtlichen Familiennetzwerk.

Arbeitssuchend gemeldete Wiedereinsteigerinnen bekommen ihre Beratung auch direkt beim Gesprächstermin in der Arbeitsagentur. „Wir wissen, dass häufig andere Maßnahmen nötig sind, um diese Frauen wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen als bei Arbeitsuchenden, die erst seit kurzer Zeit arbeitslos sind. Darum sind die Arbeitsagenturen angewiesen, sich um die Gruppe der Wiedereinsteigerinnen verstärkt zu kümmern“, erklärt BA-Pressereferentin Frauke Wille, „Der Förderungsbedarf ist sehr unterschiedlich, je nachdem, welche Ausbildung die Frauen haben und inwiefern ihr fachliches Wissen über die Jahre der Nicht-Berufstätigkeit veraltet ist. Gut qualifizierte Frauen sind künftig stärker gefragt, da durch die demografische Entwicklung ein steigender Fachkräftebedarf besteht. In anderen Fällen kann aber auch eine berufliche Umorientierung notwendig sein.“

Ansprechpartner in Ihrer Nähe

Viele Frauen möchten sich nicht allein auf die Arbeitsagentur verlassen, sondern ihren Wiedereinstieg selbst in die Hand nehmen. Nicht umsonst gelten gerade Berufsrückkehrerinnen unter Karriereberatern als besonders motiviert und engagiert. Bei der Suche nach regionalen und lokalen Ansprechpartnern und Angeboten helfen die Arbeitsministerien der Bundesländer mit eigenen Info-Seiten. So findet die Suchmaschine unter „Wiedereinstieg + Ihr Bundesland“ z.B. www.wiedereinstieg.nrw.de (NRW) oder www.planw.rlp.de (Rheinland-Pfalz). Zusätzlich entstehen immer mehr regionale Netzwerke, hier drei Beispiele aus NRW: www.wiedereinstieg-me.de (Kreis Mettmann), www.wiedereinstieg-im-kreis-steinfurt.de, www.kompass-wiedereinstieg.de (Rhein-Kreis Neuss).

Gleichgesinnte in ihrer Nähe finden Wiedereinsteigerinnen auch über den Verband berufstätiger Mütter e.V. (www.vbm-online.de). Rund 600 Frauen sind in den über 25 Regionalgruppen des VBM organisiert. Bei zwanglosen Netzwerk- und Vortragsabenden tauschen Sie Erfahrungen und Tipps rund um die Berufsrückkehr und die Doppelherausforderung Kinder und Karriere aus. Gemeinsam organisieren sie bundesweite Aktionen, um in der Öffentlichkeit auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Mehr über das 20jährige Vereinsjubiläum, Ziele und Erfolge hier: Job und Kind vereinbaren: noch immer eine Kunst

Pioniere und Pilotprojekte

Es lohnt sich, Stichworte wie „Wiedereinstieg + Programm“ regelmäßig zu googeln. Denn das Thema ist so brandaktuell, dass ständig neue Strategien getestet werden, um Wiedereinsteigerinnen auf sanftem Wege in die Arbeitswelt einzugliedern. So startet der Katholische Deutsche Frauenbund Berlin im Herbst 2010 das Projekt „Einstieg, Umstieg, Aufstieg!“. Drei Tage lang werden die teilnehmenden Berlinerinnen in Workshops ihre Ausgangssituation beleuchten und ihre beruflichen Ziele formulieren. Danach bekommt jede eine persönliche Mentorin vermittelt, die sie über sechs Monate beim Verfolgen dieser Ziele begleitet. Bewerbungsschluss ist der 12. September. Infos unter www.frauenbund.de.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Projekt „NeW Mentoring als Chance für den Wiedereinstieg“ der Vereine „jumpp - Frauenbetriebe e.V.“ und „beramí berufliche Integration e.V.“ in Frankfurt am Main. Es geht im Herbst 2010 in die zweite Runde und richtet sich an 25- bis 50jährige erwerbslose Wiedereinsteigerinnen aus Frankfurt und Umland, die sich nach der Kinderpause selbstständig machen wollen. Als MentorInnen wurden selbstständige UnternehmerInnen, aber auch Fach- und Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen ausgewählt, die Berührungspunkte mit der Selbstständigkeit haben und mit ihren Erfahrungen z.B. im Bereich Marketing und Produkteinführung helfen können. Bewerbungen für die zweite Runde werden angenommen, bis alle Menteeplätze vergeben sind. Falls die Förderung gesichert werden kann, soll das Programm im Jahr 2011 fortgeführt werden. Infos unter www.jumpp.de.

Existenzgründung oder Festanstellung?

Unterstützung für Existenzgründerinnen

Überhaupt – die Selbstständigkeit. Gründungsberater beobachten unter ihren Klienten einen regelrechten Trend zur Gründung aus der Elternzeit heraus, wie urbia bereits berichtete. Die eigene Firma, das eigene Café oder der eigene Onlineshop scheint vielen die beste aller Möglichkeiten zu sein, Beruf und Familie zu verbinden. Als mein eigener Chef muss ich mich schließlich vor niemandem rechtfertigen, wenn ich pünktlich Feierabend mache, um den Nachwuchs aus der Kita abzuholen. Ganz so einfach, wie viele sich das vorstellen, ist es zwar nicht, mit Kleinkindern im Rücken ein Unternehmen aus dem Boden zu stampfen, aber mit einer ordentlichen Portion Enthusiasmus und guter Vorbereitung kann es gelingen. Unterstützung für Existenzgründerinnen gibt es z.B. bei der "bundesweiten gründerinnenagentur" und bei der WeiberWirtschaft e.G.

Berufsberatung beim Karrierecoach

Ob das Wiedereinstiegsziel die Existenzgründung oder eine Festanstellung ist – sinnvoll ist in jedem Fall eine Beratung beim Karrierecoach. Allerdings nicht beim erstbesten, sondern bei einem, der regelmäßig mit Berufsrückkehrerinnen arbeitet und sich mit ihren Fragen (und Selbstzweifeln) auskennt. So wie Andrea Juchem-Fiedler und Daniela Sauermann von der "Frauen coachen Frauen GbR". Das Duo sitzt in Berlin, berät Klientinnen von außerhalb aber auch online. Und was sind das nun für Geheimtipps, die dabei rüberkommen? Stehen die heutzutage nicht auch alle im Internet? „Wir geben den Frauen keine allgemeingültigen Ratschläge, sondern eine Hilfestellung, die genau auf ihre individuelle Situation zugeschnitten ist. Die Frauen lernen, sich selber zu hinterfragen, ihre eigenen Ziele besser zu definieren und zielgerichteter an sich und ihrer Situation zu arbeiten“, erklärt Andrea Juchem-Fiedler, „Wann beschäftigen wir uns denn schon mal intensiv ein, zwei Stunden nur mit uns selbst und unseren Wünschen, Zielen und Fragen? Wer bleibt schon so lange und ehrlich an sich selbst dran? Das schafft man nicht ohne professionelle Hilfe.“

60 Minuten Beratung können je nach Anbieter zwischen 90 und 350 Euro kosten, bei „Frauen coachen Frauen“ bewegt sich das Honorar im unteren Bereich des Spektrums. Wiedereinsteigerinnen müssen es aus eigener Tasche bezahlen. Für ein einmaliges Beratungsgespräch werden 120 Minuten kalkuliert, für ein Coaching durchschnittlich sechs Sitzungen à 60 Minuten. „Es zahlt sich aus, Geld in sein berufliches Fortkommen zu investieren, und im Gegensatz zu den Frauen tun es die Männer meist auch ganz selbstverständlich“, weiß Andrea Juchem-Fiedler aus Erfahrung, „In unserer unsteten modernen Arbeitswelt sind die persönliche Beratung und die individuelle Karrierestrategie genauso wichtig wie lebenslanges Lernen.“

Finanzielle Unterstützung

Nur muss man das Geld erstmal haben, bevor man es für sicherlich sinnvolle Maßnahmen wie eine Karriereberatung ausgeben kann. In der Orientierungs-, Weiterbildungs- und Bewerbungsphase müssen schließlich auch schon die Kinderbetreuung, Fahrtkosten, Seminare, eine neue Garderobe und Bewerbungsfotos bezahlt werden, lange bevor wieder ein regelmäßiges Gehalt reinkommt. Wenn auch nicht viel, doch zumindest ein wenig Entlastung bringt das Kindergeld. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt Umschulungen, Weiterbildungen (per Bildungsgutschein) und Berufsfindungskurse – allerdings nur in begründeten Fällen. „Viele Frauen sind enttäuscht, wenn sie ihre Wunschmaßnahme nicht bewilligt bekommen“, weiß BA-Pressereferentin Frauke Wille, „Doch die Arbeitsagentur kann nur dann fördern, wenn es nicht ohnehin schon viele Arbeitsuchende in dem angestrebten Beruf gibt und sich die Maßnahme wahrscheinlich auch rentieren wird.“ Existenzgründerinnen können, wenn sie noch einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld I haben, von der BA einen „Gründungszuschuss“ bekommen. Alleinerziehende Arbeitslosengeld II-Empfängerinnen beantragen „Einstiegsgeld“, wenn sie sich selbstständig machen. Zuschüsse von 50 bis 90 Prozent zu einer unverzichtbaren Gründungsberatung gibt es unter dem Stichwort „Gründercoaching Deutschland“ bei der KfW Mittelstandsbank.

Für Frauen, die sich in Sachen Weiterbildung für ein (Fern)Studium entscheiden, gibt es eine Sonderregelung „BAföG in den Fällen von Schwangerschaft und Kindererziehung“. Dabei handelt es sich um eine staatliche Unterstützung für (werdende) Eltern nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz. Eine weitere Fördermöglichkeit des Bundes ist die so genannte Bildungsprämie, ein Prämiengutschein, den auch Wiedereinsteigerinnen bekommen können. 50 Prozent der Kosten für eine zugelassene Weiterbildung werden damit übernommen.

Die gute Nachricht lautet also: Berufsrückkehrerinnen werden heute nicht mehr allein gelassen. Beruhigend zu wissen auch, dass der Wiedereinstieg für die allermeisten Frauen kein punktuelles Ereignis ist, kein Ziel, das sich heute auf morgen erreichen lässt. Studien beweisen, dass es sich vielmehr um einen Prozess handelt, der von der Orientierungsphase bis zur erfolgreichen Bewerbung mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.

Ratgeber:

  • Svenja Hofert und Uta Nommensen: „Wiedereinstieg in den Beruf. Berufsbilder und Stellensuche, Bewerbung und Vorstellungsgespräch, Weiterbildung und staatliche Förderung“ (12,95 Euro, humboldt Verlag)

  • Maren Lehky: „Kind und Beruf - so funktioniert es: Erfolgsstrategien für den Wiedereinstieg“ (16,90 Euro, Eichborn Verlag)
  • Elke Homburg: „Zurück in den Job: So meistern Mütter ihr berufliches Comeback“ (15,90 Euro, Redline Verlag)

 

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