Schönes Wochenende - oder:

Die Welt am Sonntag um fünf

"Schönes Wochenende", rufen die nichts ahnenden, kinderlosen Kollegen. Wer weiß, vielleicht hab ich ja diesmal wirklich Glück und keines der Kinder wird krank oder wacht um fünf Uhr auf. Einblicke in ein gar nicht so untypisches Familienwochenende.

von Petra Fleckenstein
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Mutter schlaeft Sohn wach
Foto: © iStockphoto.com/ matka_Wariatka

Prolog: Hoffnung verleiht Flügel

"Schönes Wochenende", rufen die Kollegen. "Ja, wünsch ich auch", flöte ich hoffnungsfroh. Wer weiß, vielleicht habe ich ja dieses Mal Glück und meine Kids schlafen aus bis elf, sind danach die reinsten Engel, spielen den ganzen Tag miteinander und ausnahmsweise wird auch keiner krank...

Des Dramas erster Akt: Auf auf, die Freizeit ruft

Von der Fahrradfahrt erhitzt und leicht derangiert erreiche ich den Kindergarten. Mal wieder eine Minute, bevor er schließt. Und natürlich wie immer direkt aus dem Büro. Egal, nun bin ich da, und die leicht säuerlichen Blicke des Kindergartenpersonals können mich auch nicht schrecken: Endlich Wochenende. Aber ach...was sehe ich? Kaum hat mich mein jüngster Spross erblickt, lässt er jede mühsam aufrechterhaltene Contenance fahren, um sich heulend auf den Boden zu werfen. Ein prüfender Handgriff: "Fühlt A. sich etwa heiß an oder hat in die Hose gemacht?" Beides – und so vergeht noch ein wenig Zeit damit, die durchweichten Textilien abzuschälen und dem müden Körper, der sich hängen lässt wie ein Sandsack, trockene Hosen überzustreifen. Jetzt aber nach Hause – auf ins Wochenende.

Oh, nun dringt ein Heulen aus anderer Quelle an mein Ohr. "Mama, warum holst du uns nicht mit dem Auto ab? Ich bin sooo müde." Die üblichen Erklärungen, wie umweltfeindlich es ist, für jeden Meter ins Auto zu steigen und wie dringend wir alle ausreichend Bewegung brauchen, erspare ich mir diesmal. Stattdessen heißt es nun, die hölzernen und papiernen Bastelkreationen meiner Süßen schultern, ihre Rucksäcke, die Tasche mit den nassen Kleidern, meine Aktentasche, den Anorak, den H. nicht mehr tragen will, und die zwei Stofftiere Hasi und Pingi, die heute ebenfalls den Weg in den Kindergarten fanden. Jetzt will aber A. noch getragen werden und H. möchte meine Hand halten...wo krieg ich bloß eben mal noch ein paar Arme her?

Heimweg mit Hindernissen

Schon nach knapp einer Stunde haben wir den Heimweg von 400 Metern bewältigt und uns die gute Wochenendstimmung auch von kleinen Missgeschicken nicht vermiesen lassen, wie A.s Tritt in den Hundekot oder H.s Sturz, der ein Loch am Knie seiner Lieblingshose zurückließ ("die will ich aber morgen wieder anziehen"). Am Fuß unserer Treppe verlassen meine kleinen Plagen die letzen Kräfte. Wie vom Blitz getroffen sinken sie nieder und bewegen sich keinen Zentimeter mehr. Ein kleines Gerangel entsteht, da sowohl das Schließen der Haustür unmöglich, als auch der Weg zum Briefkasten versperrt ist. "Mama, Du sollst mich hochtragen", lässt sich A. lautstark vernehmen. Na gut, mein schlechtes Gewissen ergreift das Wort: "Du hast ein halbkrankes Kind im Kindergarten gehabt, während du dich unverschämterweise deinem Berufsleben widmen durftest, nun sei eine liebevolle Mutter und trag den 20-Kilo-Brocken klaglos hoch."

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