Kinder unterstützen, Überbehütung vermeiden

Bin ich eine Helikopter-Mutter?

Überbehütung und zu viel Kontrolle machen Kinder weder lebenstüchtig noch glücklich, warnen Fachleute. Doch wo fängt die Überfürsorglichkeit der sogenannten Helikopter-Eltern an? Teste in sieben Situationen, ob es dir schwerfällt loszulassen.

Autor: Gabriele Möller
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Overparenting - wann ist ein Kind überbehütet?

Helikopter Eltern
Foto: © colourbox

Der Begriff Helikopter-Eltern beschreibt Mütter oder Väter, die gleichsam ständig über ihrem Kind kreisen, es kontrollieren und kaum aus den Augen lassen. Sie greifen sofort ein, wenn Gefahr droht, räumen ihrem Kind mögliche Hindernisse aus dem Weg und versuchen, Enttäuschungen von ihm fernzuhalten. Sie achten aber auch sehr darauf, dass ihr Kind erfolgreich ist und gute Leistungen erbringt.

Aber ist das nicht etwas Gutes? Schließlich sollen Eltern ihr Kind doch behüten und unterstützen, oder etwa nicht? Fachleute warnen jedoch: Das "Overparenting", also elterlicher Übereifer, macht Kinder nicht nur unselbständiger, sondern auch weniger glücklich. Manche Experten bringen sogar Essstörungen, Bettnässen, Schulprobleme oder ADHS damit in Verbindung. Doch ab wann machen Eltern, die das Beste für ihr Kind wollen, des Guten zuviel? Typische Merkmale von Müttern und Vätern, die schnell "helikoptern", und wie du sie vermeiden kannst:

1. Du siehst Gefahren, wo keine sind

Die Situation: Deine Tochter ist vier Jahre alt. Sie fragt öfters, ob sie auch mal ein Streichholz anzünden, einen Nagel mit einem Hammer bearbeiten, einen Stecker in die Steckdose stecken oder die Gartenhacke benutzen darf. Sie balanciert gern auf höheren Mauern und klettert auf alles, was sich anbietet, um anschließend von dort herunter zu springen.

Achtung, Helikopter-Alarm: Du schaffst alles, was scharf oder spitz ist, außer Reichweite des Nachwuchses. Du montierst Stützräder ans erste kleine Fahrrad deines Kindes, wo sie auch lange bleiben. Du rufst auf Spaziergängen regelmäßig: "Nein, lass das, komm da 'runter! Das ist zu gefährlich!"

Was dein Kind wirklich braucht: Mit drei bis vier Jahren dürfen Kinder unter Aufsicht Streichhölzer anzünden, eine kleine Säge benutzen, einen Stecker in die Dose stecken oder mit einem kleinen Küchenmesser Obst schneiden. All dies wird auch in den meisten Kindergärten erlaubt. Denn kleine Kinder sind erstaunlich achtsam - wenn Erwachsene sie anleiten. Dies ist ein besserer Schutz vor Verletzungen, als ein totales Verbot, bei dem ein Kind keine Geschicklichkeit erwerben kann. Und sich vielleicht wirklich weh tut, wenn es mal ein scharfes Messer findet.

2. Du willst zu oft helfen

Die Situation:  Dein Kind ist bockig, sobald es an die Körperpflege geht. Es lässt sich schwer duschen, verweigert sich beim Zähneputzen oder lässt sich ungern den Po abwischen.

Achtung, Helikopter-Alarm: Du überredest dein Kind jeden Tag mühsam aufs Neue, sich baden, die Haare waschen und die Zähne putzen zu lassen - oft mit der Ankündigung von Belohnungen. Versucht dein Kind, sich selbst die Haare zu waschen oder auf der Toilette den Po abzuwischen, rufst du schnell: "Lass mal, Mama macht das schon, es wird sonst nicht richtig sauber!"

Was dein Kind wirklich braucht: Viel Verweigerung in Sachen Körperpflege kommt daher, dass wir unser Kind nicht selbst machen lassen. Das Selbsttun aber hat bei ihm oberste Priorität. So stellt die Natur sicher, dass es bis zum Erwachsenenalter alle nötigen Fähigkeiten erwirbt. Nimmst du deinem Kind zuviel ab, ist es frustriert und verweigert sich. Es gilt die Regel: Was ein Kind selbst tun will, das kann es meist auch schon. Falls nötig, darfst du aber helfen oder hinterher noch nachbessern.


3. Du betreust seine Hobbys

Die Situation: Dein Kind ist im Fußballverein oder macht einen anderen Mannschaftssport. Es trainiert ein- oder mehrmals pro Woche. An den Wochenenden sind häufig Turniere oder Wettkämpfe.

Achtung, Helikopter-Alarm: Du erkundigst dich nach spätestens jedem zweiten Training beim Trainer, wie sich dein Sprössling macht. Du kennst auch den Leistungsstand seiner anderen Teamkameraden. Du versäumst keinen Wettkampf, backst Kuchen, hilfst beim Verladen der Sportgeräte und feuerst dein Kind an. Haben Tochter oder Sohn ein schlechtes Ergebnis erbracht, tröstest du den Nachwuchs - und analysierst schon auf dem Heimweg mit ihm seine Fehler, damit es beim nächsten Mal besser klappt.

Was dein Kind wirklich braucht: Es reicht, wenn du nur gelegentlich nachfragst, wie sich dein Kind entwickelt. Sport-Trainer betonen außerdem, dass es weder nötig noch hilfreich ist, wenn Eltern bei allen Wettkämpfen dabei sind und überall herum wuseln. Die Alternative zum Eltern-Taxi ist der Kleinbus, den die meisten Vereine besitzen. Eltern dürfen also auch mal zu Hause bleiben.

Hatte dein Kind einen Misserfolg, schimpfe nicht (wie es vor allem Vätern gern passiert). Tröste auch nicht zu ausführlich, sondern vermittle Gelassenheit. Am wichtigsten sind der Spaß am Hobby und natürlich die Teamfreunde! Bestimmt der Leistungsgedanke dagegen auch noch seine Freizeit, bekommt dein Kind bald das Gefühl, sich deine Anerkennung und Liebe ständig verdienen zu müssen. Wichtig ist auch, dass trotz Hobbys noch genug Zeit für freies und unbeobachtetes Spielen ist.

4. Du hältst Enttäuschen von ihm fern

Die Situation: Das Meerschweinchen deiner Tochter ist gestorben. Du begräbst es schnell, bevor sie aus dem Kindergarten heimkommt, damit sie das tote Tier nicht sehen muss. Oder: Dein Sohn wurde nicht zum Geburtstag eines Freundes eingeladen. Du sagst: "Ach, wir machen etwas viel Schöneres" und fährst mit ihm ins Spaßbad.

Achtung, Helikopter-Alarm: Eltern, die ihrem Kind alle schlechten Gefühle ersparen wollen, meinen es gut. Sie vermitteln ihrem Kind aber, dass sie ihm nicht zutrauen, dass es auch negative Emotionen bewältigen kann. Es lernt, dass man ungute Gefühle möglichst schnell wegdrängen oder mit etwas Anderem zukleistern muss.

Was dein Kind wirklich braucht:  Enttäuschungen oder auch Verluste tun weh. Es ist schwer für uns, die Traurigkeit unseres Kindes anzusehen, und wir möchten es am liebsten ganz schnell wieder froh machen. Aber Kinder dürfen erleben, dass auch schlimme Gefühle vorübergehen - wenn man ihnen ein bisschen Zeit gibt und über sie sprechen kann. Zeige deinem Kind, dass du seinen Schmerz nachfühlen kannst, und vermeide den Reflex, ihn rasch "wegmachen" zu wollen.

5. Du lässt Dein Kind nicht warten

Die Situation: Der Freund deines Kindes hat ein ferngesteuertes Auto bekommen. Dein eigener Sohn ist total begeistert, er will auch so eines haben. Seufzend fährst du in die Stadt und kaufst es ihm. Oder: Dein Partner bittet eure Tochter, im Keller neue Getränke zu holen. Du sagst schnell: Ach lass sie mal, sie spielt doch gerade, ich mach das schon!

Achtung, Helikopter-Alarm: Auch zu starke Verwöhnung fällt unters "Helikoptern": Eltern möchten ihrem Kind jedes Nein, aber auch jede Anstrengung ersparen, weil sie seine Frustration schwer ertragen können. Und schließlich freut sich das Kind doch auch immer so, wenn es das Gewünschte bekommt - und das macht auch Eltern ein gutes Gefühl.

Was dein Kind wirklich braucht: Du wünschst dir, dass dein Kind ein verantwortungsvoller und starker Mensch wird, der auch mal Hindernisse überwinden kann? Diese Skills kommen aber nicht von selbst, sie werden schon in der Kindheit eingeübt. Auf ein Spielzeug auch mal bis zum nächsten Anlass warten zu müssen, stärkt seine Geduld, und ein begründetes Nein auszuhalten, die Frustrationstoleranz. Jedes Kind sollte außerdem kleine Aufgaben im Haushalt haben. Das hilft ihm, Teamgeist und Ausdauer zu entwickeln.

6. Du reagierst auf jede kleine Stimmungsschwankung

Die Situation: Deine Tochter ist vier. Sie scheint oft nicht zu wissen, was sie will, und ändert ihre Wünsche alle paar Minuten: Mal will sie spazieren gehen, dann doch lieber zu Hause bleiben, dann plötzlich auf den Spielplatz. Du diskutierst ausführlich mit ihr, um herauszufinden, was sie wirklich möchte.

Achtung, Helikopter-Alarm: Helikoptern kann auch heißen, auf jede noch so winzige Stimmung des Nachwuchses einzugehen - Fachleute nennen das "Mikro-Management": Du fragst dein Kind ständig, was es jetzt tun möchte. Du verbietest ihm auch nichts ohne weitschweifige Erklärungen. Bei jedem Anzeichen von Missmut redest du sofort tröstend oder erklärend auf es ein. Experten mahnen: So verlieren Eltern sich leicht in den Details des Erziehungsalltags - und übersehen das große Ganze: ihrem Kind Führung, aber auch emotionale Stärke zu geben.

Was dein Kind wirklich braucht: Ein kleines Kind ist überfordert, wenn es zu Vieles selbst entscheiden soll. Es ist dein Job, den Tagesablauf zu bestimmen. Musst du mal ein Nein aussprechen, reicht eine knappe Begründung, mehr kann dein Kind gar nicht verarbeiten. Auf seine Stimmungen kannst du liebevoll reagieren, darfst seinen Unmut aber auch mal gelassen aushalten.

7. Du übst großen Leistungsdruck aus

Die Situation: Dein knapp zehnjähriger Sohn ist im vierten Schuljahr. Er hatte in den Hauptfächern kürzlich einige schwächere Noten. Du bist alarmiert, denn bald stehen die Elterngespräche über die weiterführende Schule an.

Achtung, Helikopter-Alarm: Du erklärst deinem Sohn, dass er mit solchen Noten wohl kaum auf die Schulform gehen kann, die er sich wünscht. Und selbst wenn doch: Dort wird unheimlich "angezogen" und "gesiebt", wie du ihm nachdrücklich erklärst. Mit schwachen Noten wird er es dort nicht schaffen und muss dann auf eine andere Schulform wechseln - was natürlich richtig schlimm wäre.

Was dein Kind wirklich braucht: Es stimmt, Noten sind wichtig. Und dennoch gibt es ein paar Dinge, die sind noch viel wichtiger. Es ist nicht erwiesen, dass man mit Abitur glücklicher wird als mit Mittlerer Reife. Erwiesen ist dagegen, dass Leistungsdruck und zu hohe Erwartungen krank machen können, und zwar das Kind und den späteren Erwachsenen. Male deinem Schulkind deshalb nicht die schlimmen Folgen seiner schwachen Noten aus. Sprich lieber von seinen Stärken: "Mir ist aufgefallen, wie schnell du Minus-Aufgaben in Mathe löst. Ich glaube deshalb, du wirst auch die Mal-Aufgaben bald verstehen. Ich helfe dir jetzt jeden Tag ein bisschen, dann klappt es bestimmt!"

Auf welche Schule dein Sohn oder deine Tochter letztlich kommt, ist noch nicht lebensentscheidend. Viele Kinder entwickeln erst als Teenager den Ehrgeiz, auf ihren ersten Schulabschluss noch ein Fach-Abi oder Abi "draufzusetzen".

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