Vom Umgang mit kindlicher Angst
Du brauchst dich nicht zu fürchten!
"Du brauchst doch keine Angst zu haben!" ist ein Satz, den Kinder häufig hören. Ob sie so angemessenen Umgang mit ihren Ängsten lernen? Hier geht es darum, wie Eltern Kinder behutsam bei den völlig natürlichen Kinderängsten begleiten können.
Was ist Angst?
In der Liste unserer bevorzugten Gefühle stehen die positiv besetzte Freude, der Mut, die Zuversicht und Hoffnung an erster Stelle. Das traurige Ende ist mit der Angst besetzt – und selbst um diesen Platz muss die Angst oftmals noch kämpfen, denn sobald sie in Erscheinung tritt, wird sie am liebsten unterdrückt und mit Nichtachtung gestraft. Dabei gehört auch die Angst zu den wichtigsten Gefühlen eines Menschen.
Grundsätzlich hat Angst eine Warnfunktion: In Sekundenbruchteilen wird eine Vielzahl von Nerven aktiviert, die das Herz rasen und den Puls in die Höhe schießen lassen. Die Atmung wird intensiver, Muskeln verspannen sich, Schweiß fließt. Im Gehirn wird die Bedrohung mit früheren Ereignissen verglichen. Die gesamten Gehirnfunktionen werden auf „Sparflamme“ umgestellt. Das Reptilgehirn, unser Stammhirn, erobert in diesem Moment die Macht, stellt auf reinen Überlebensmechanismus um. In diesem Zustand fühlen wir uns handlungsschwach, eingeengt und machtlos. Etwas Neues aufzunehmen oder zu lernen, ist in dieser Verfassung nahezu unmöglich.
Und dennoch greifen viele Erwachsene genau auf dieses Gefühl bei Kindern zurück, wenn sie etwas „erreichen“ oder „durchsetzten“ möchten. Da sagt der Lehrer: „Wenn das so weiter geht, dann bleibst du garantiert sitzen!“, oder die Mutter eines Kleinkindes: „Wenn du jetzt nicht schläfst, dann kommt der böse Mann!“ Als einer der schlimmsten Irrtümer muss in diesem Zusammenhang aus heutiger Sicht sicher „Der Struwwelpeter“ betrachtet werden. Mit antiquierter Pseudo-Pädagogik, wird in diesem Buch den Kindern unter anderem damit gedroht, dass ein Schneider mit einer großen Schere die Daumen abschneidet, wenn sie daran lutschen. Was für ein Unsinn und überflüssiger Beitrag zu Förderung von Kinderängste.

Druck
Kommentare
Email