Positiv denken kann man lernen

Erziehung zu Optimismus

Geben Sie Ihrem Kind eine gehörige Portion Optimismus mit. Denn wie glücklich wir im Leben sind, hängt in hohem Maße von unserer Einstellungen ab. Wer positiv denkt, kommt meist auch mit Schwierigkeiten besser zurecht. urbia erklärt, warum das so ist und stellt Spielregeln für die Erziehung zum Optimismus vor.

Autor: Sabine Ostmann
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Schenken Sie Ihrem Kind Optimismus

Mutter Sohn Optimismus
Foto: © iStockphoto.com/ Dean Mitchell

„Wenn es nur eine einzige Eigenschaft gibt, die Sie Ihrem Kind schenken können, schenken Sie ihm Optimismus“, sagt der renommierte israelisch-amerikanische Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahlmann. Warum genau diese Eigenschaft so wichtig ist? Optimismus ist der Schlüssel zu einem glücklichen, zufriedenen Leben – unabhängig von Wohlstand und anderen Lebensumständen. Denn tatsächlich sind glückliche Menschen weder reicher noch gesünder oder schlauer als andere. Der amerikanische Optimismus-Forscher Martin Seligmann hat festgestellt, dass sie einfach nur anders mit den Dingen, die ihnen widerfahren, umgehen: Wenn ihnen ein Missgeschick passiert, fragen sie nämlich nicht „Warum passiert das gerade mir?“,  sondern „Wozu ist das gut? Was kann ich für die Zukunft daraus mitnehmen?“

Wer positiv denkt, bekommt nicht so schnell Schnupfen

Glückliche Menschen sind also vor allem deshalb auf der Sonnenseite, weil sie optimistisch durchs Leben gehen. Sie sind neugierig und offen. Sie prägen sich positive Erlebnisse besonders gut ein und erwarten das Beste von sich und anderen. Sie wissen, dass sie mit Schwierigkeiten umgehen und Konflikte meistern können. Sie vertrauen auf ihre Fähigkeiten, denn Optimismus stärkt das Selbstwertgefühl. Und weil sie selbstbewusst sind, sind sie schon als Kinder emotional stabil, gelassen und geben auch bei widrigen Umständen nicht so schnell auf. Nicht zuletzt wirkt sich eine lebensbejahende, optimistische Grundhaltung positiv auf die Gesundheit aus: Eine Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2010 ergab, dass Optimisten weniger anfällig für Stress sind, dass sie leichter Kräfte mobilisieren können und dass ihr Immunsystem besser funktioniert. Wer positiv denkt, bekommt also nicht so schnell einen  Schnupfen.

Ist Optimismus angeboren?

Manchen Kindern scheint das Talent zum Glücklichsein in die Wiege gelegt zu sein. Sie kommen schon als kleine Sonnenscheine zur Welt, brabbeln als Babys still vergnügt im Kinderbettchen vor sich hin – auch wenn Mama nicht sofort beim ersten Gluckser herbeieilt. Sie schlafen leicht ein, essen ohne Theater und wenn sie größer sind, fügen sie sich im  Kindergarten und in der Schule leicht ein. Mit ihrer heiteren Natur finden sie schnell Freunde und wenn sie mal hinfallen, stehen sie ohne langes Gezeter auf und spielen weiter. Und das weitgehend unabhängig von sozialen Verhältnissen oder Problemen in der Familie.

Ist Optimismus also angeboren? Darüber streitet sich die Wissenschaft. Manche Forscher teilen die Menschheit in je ein Drittel geborene Frohnaturen, Schwarzseher und Indifferente. Einige Evolutionspsychologen sehen prinzipiell eher gute Gründe für einen angeborenen Pessimismus. Denn in den Zeiten, als in den Tiefen der heimischen Höhle der Bär und draußen der Säbelzahntiger lauerte, sicherten eher Angst und Vorsicht als ein unbekümmertes „wird schon gut gehen“ das Überleben. Als Überbleibsel aus dieser Zeit neigen wir auch heute noch dazu, uns negative Erlebnisse leichter einzuprägen als fröhliche Momente.
Die meisten Glücksforscher gehen davon aus, dass die grundsätzliche Lebenshaltung allenfalls zu etwa 25 Prozent angeboren ist. Der Rest, so der Biophysiker und Philosoph Stefan Klein, sei die Wechselwirkung mit der Außenwelt. Denn ob wir das Glas als halb oder voll als halb leer betrachten, sei eine gelernte innere Einstellung, die wir im Laufe unseres Lebens aufgrund von Erlebnissen, Erfahrungen und vor allem durch die Haltung unserer Eltern und anderer wichtiger Bezugspersonen mitbekommen. Diese negativen oder positiven Einstellungen laufen immer automatisch im Hintergrund, oft sind wir uns ihrer gar nicht richtig bewusst.

Die gute Nachricht: Optimismus kann man lernen

Zwar wird man nicht unbedingt als Optimist oder Pessimist geboren. Doch die Grundlagen für unsere inneren Einstellungen werden bereits in der frühen Kindheit gelegt. Schon in den ersten Lebenswochen entwickelt sich das Urvertrauen. Wird ein Kind in dieser Phase liebevoll umsorgt und behütet, fühlt es sich geborgen. Dann entwickelt es ein tiefes Vertrauen in sich und andere und ein positives Bild von der Welt. Ein solcher Start ins Leben lässt den Optimisten in uns wachsen. Erfährt ein Kind in dieser wichtigen Phase hingegen nicht die nötige Geborgenheit, wird sein  Urvertrauen erschüttert und es lernt, dass es sich nicht darauf verlassen kann, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden.
Konflikte in der Familie, Ablehnung durch andere Kinder oder Schwierigkeiten in der Schule können eine positive Grundhaltung erschüttern – oder eine negative verfestigen. Aber auch hier haben Sie als Eltern es in der Hand: Sie können ihrem Kind genügend Rückhalt geben, damit es sich beschützt fühlt. Gleichzeitig müssen Sie es loslassen, damit es lernt, Schwierigkeiten eigenständig zu überwinden. Denn die Erfahrung, dass Misserfolge nicht das Ende der Welt bedeuten und dass es Probleme selbst lösen können, ist essentiell für die Entwicklung eines Kindes zum Optimisten. 

Zwölf Spielregeln für eine positive Lebenseinstellung

Auch wenn die Lebensumstände nicht immer optimal sind, können Eltern mit vielen kleinen und größeren Schritten dazu beitragen, dass ihr Sprössling eine glückliche Kindheit erlebt und zu einem fröhlichen, optimistischen Menschen heranwächst, der sich von Schwierigkeiten nicht so leicht umwerfen lässt. Die wichtigsten Pfeiler einer Erziehung zu einer positiven Lebenseinstellung sind Liebe und das elterliche Vorbild. Kinder von optimistischen Eltern entwickeln sich selbst leichter zu Optimisten als Kinder von notorischen Schwarzsehern. Doch auch Eltern, für die das Glas eher mal halb leer als halb voll ist, können mit unseren zwölf Spielregeln an ihren inneren Haltungen arbeiten und eine positivere Lebenseinstellung entwickeln.

  • Schenken Sie bedingungslose Liebe – und viel Zeit
    Ob Ihr Kind schlechte Noten nach Hause bringt, frech ist oder andere Kinder ärgert: So wie es ist, mit all seinen Eigenarten, hat es ein Recht auf Ihre bedingungslose Liebe. Diese Liebe macht es stark. Deshalb sollten Sie sich die Zeit nehmen, um Ihr Kind diese Liebe immer wieder spüren zu lassen – bei spontanen Kuschelrunden, mit Aufmerksamkeit und Verständnis, indem Sie sein Lieblingsessen kochen und ihm immer mal wieder eine kleine Freude bereiten. 

  • Lachen Sie gemeinsam
    Fröhlichkeit schafft Glück und Glück schafft Lebensfreude. Gemeinsam lassen sich Ärger und Frust einfach weglachen – und alles wird leichter.

  • Nehmen Sie Wünsche und Gefühle ernst
    Essenziell für die Entwicklung des Selbstbewusstseins und einer optimistischen Grundhaltung ist, dass Sie Ihr Kind mit seinen Wünschen und Gefühlen ernst nehmen. Das bedeutet nicht, dass Sie ihm alles erlauben und sämtliche Wünsche erfüllen müssen, aber Sie sollten Ihrem Nachwuchs in wichtigen Dingen, die ihn betreffen, ein altersgemäßes Mitspracherecht einräumen – zum Beispiel bei der Frage „Was ziehe ich an?“. Auch mit den Gefühlen Ihres Kindes sollten Sie achtsam umgehen. Reden Sie ihm nicht ein, dass es keine Angst haben muss, wenn es sich fürchtet. Fragen Sie lieber, was es ängstigt, und gehen Sie darauf ein. 

  • Helfen Sie Ihrem Kind, seine Gefühle zu beherrschen
    Ärger, Frust, Traurigkeit – manche Gefühle ziehen uns förmlich in einen Strudel negativer Empfindungen und Gedanken. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns nicht von ihnen mitreißen lassen. Sprechen Sie mit ihrem Kind über seine Gefühle, damit es sich ihrer bewusst wird. Fühlt sich Ihr Kind in seinen Gefühlen gesehen, ernst genommen und begleitet, wird es mit der Zeit stark genug, um sich von negativen Emotionen nicht gänzlich überrollen zu lassen.

  • Stärken Sie die Talente Ihres Kindes
    Was kann Ihr Kind besonders gut? Indem sie ihm dabei helfen, seine Begabungen zu erkennen und zu entwickeln, stärken Sie sein Selbstbewusstsein. Ermuntern Sie es daher, auch mal schwierige Aufgaben anzugehen – so kann es sich beweisen und wertvolle Erfolgserlebnisse sammeln. Dabei sollten Sie Ihren Sprössling aber nicht überfordern. Wichtig ist nur, dass er merkt, dass Sie ihm einiges zutrauen.

  • Fördern und fordern Sie
    Um sein Selbstvertrauen zu entfalten, ist es wichtig, dass ein Kind lernt, Schwierigkeiten zu überwinden und auch Dinge zu tun, die ihm nicht so viel Spaß machen. Eltern sollten ihre Kinder dabei  fördern – aber auch fordern, zum Beispiel indem sie ihnen kleine Aufgaben im Haushalt übertragen. So bekommt ihr Kind das Gefühl, wichtige Arbeiten für die Familie zu leisten und erfährt Anerkennung.

  • Lassen Sie Fehler zu
    Wer keine Chance hat, Fehler zu begehen, hat auch keine Chance etwas zu lernen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie akzeptieren, dass nicht immer alles glatt läuft. Sie sollten auch nicht gleich zu Hilfe eilen, wenn Ihr Kind einen Fehler macht. Denn sonst bringen Sie es um die wichtige Erfahrung, weiterzumachen und neue Wege auszuprobieren, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.

  • Kritisieren Sie konstruktiv
    Kinder müssen lernen, mit Kritik umzugehen – und Sie müssen Kritik richtig anbringen. Tabu ist Pauschalkritik an der Person. Wenn Ihr Kind zum Beispiel oft Dinge fallen lässt, sollten Sie keinesfalls sagen „Du bist ungeschickt“. Besser wäre: „Mir ist aufgefallen, dass dir oft Sachen aus der Hand fallen. Vielleicht klappt es besser, wenn du nicht so viele Dinge in die Hand nimmst.“

  • Packen Sie Ihr Kind nicht in Watte
    Wer sein Kind vor allem Ungemach bewahren will, tut ihm damit keinen Gefallen, sondern vermittelt ihm ein Gefühl der Schwäche und Unfähigkeit. Schließlich wird ein Kind umso mutiger, je mehr seine Eltern ihm zutrauen und je mehr es die Möglichkeit hat, eigene Erfahrungen zu machen und seine Grenzen auszuloten. Wenn es ganz hoch aufs Klettergerüst steigt, sollte es nicht heißen „Pass auf, dass du nicht runter fällst“, sondern „Gut gemacht“.

  • Nicht alle Wünsche erfüllen
    Vorfreude ist die schönste Freude. Kinder können sich besonders intensiv auf die Erfüllung ihrer Wünsche freuen. Doch je mehr materielle Wünsche erfüllt werden, desto mehr nutzt sich die Vorfreude ab und die Kinder werden unglücklich. Also: Erfüllen Sie Ihrem Kind nicht jeden Wunsch. Schenken Sie stattdessen besser Zeit und Liebe.

  • Pflegen Sie Freundschaften
    Freunde machen das Leben schöner. Damit Ihr Kind lernt, vom Leben stets das Beste zu erwarten, braucht es den Kontakt mit Gleichaltrigen. Unterstützen Sie es dabei, offen auf andere zuzugehen,  Freundschaften zu schließen und zu pflegen. Und am besten führen Sie selbst ein gastfreundliches Haus.

  • Bewegung – am besten draußen in der Natur
    Bewegung ist gesund und bringt Lebensfreude. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind Raum zum Springen, Klettern und Toben findet. Am besten machen Sie selbst gleich mit.

Service: Links und Buchtipps

Zum Weiterlesen

  • Manfred Kiewald: Kleine Optimisten: So findet Ihr Kind Vertrauen im Leben. Herder Verlag, ab 2,94 Euro (Antiquariat)
  • Andrea Micus und Günther Hoppe: Jedes Kind kann stark sein: So führen Sie Ihr Kind in ein selbstbewusstes und glückliches Leben. Für Eltern von 8- bis 14-jährigen Schulkindern. humboldt Verlag, 9,95 Euro
  • Martin E.P. Seligman und Siegfried Brockert: Der Glücks-Faktor: Warum Optimisten länger leben. Bastei Lübbe Verlag, 8,99 Euro 

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