Wann darf ich eingreifen?

Grenzen für fremde Kinder

Sandförmchen-Diebe, Rutschen-Drängler, Sand-Schmeißer - und das eigene Kleinkind wehrlos mitten drin. Auf dem Spielplatz gilt das Gesetz des Dschungels, meint urbia-Autorin Gabriele Möller. Lies hier ihre Tipps gegen Spielplatz-Rüpel.

Autor: Gabriele Möller
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Kleinkrieg auf dem Spielplatz

Maedchen frech hinter Zaun
Foto: © iStockphoto.com/ Blue_Cutler

Nils ist vier und ein echter Spielplatzschreck. Er ist ein notorischer Sandförmchen-Dieb und weiß seine Wünsche notfalls auch mit rabiatem Einsatz seiner kleinen Fäustchen durchzusetzen. Seine Mutter schaut ihm gerade mal wieder wohlwollend zu, wie er der dreijährigen Jennifer erst ihre Schaufel wegschnappt, um ihr damit dann eine geballte Ladung Sand aufs Haupt zu katapultieren. Jetzt platzt Jennifers Mutter, die sich bisher noch angestrengt zurückgehalten hat, nun doch der Kragen. Energisch schnappt sie sich den Übeltäter, hält ihm eine Standpauke in Kurzversion und überreicht ihrer Tochter das zurück eroberte Spielutensil. Nun kommt auch Nils´ Mutter auf den Plan und ruft erbost: "Was fällt Ihnen ein, meinen Sohn anzufassen!" Und schon ist er im Gang, der schönste Sandkastenkrieg.

Darf man mit anderen Kindern schimpfen?

Dem eigenen Kind Grenzen setzen, das ist schon nicht leicht. So richtig kompliziert wird es aber oft erst, wenn ein fremdes Kind im Spiel ist. Darf man da schimpfen? Es am Arm festhalten, wenn es dem eigenen Nachwuchs gerade an den Haaren reißt?

Eine Faustregel gibt es hier nicht. Man sollte in der Situation abwägen: Lässt sich das eigene Kind zum Beispiel nicht weiter stören, wenn sein Spielzeug mal kurzfristig in andere Hände wandert, braucht man nichts zu sagen. Wenn aber das Kind weint und ein Streit unter den Kleinen entbrennt, sollte man sich zunächst an die Betreuungsperson des fremden Kindes wenden. Bitten Sie die andere Mutter um Hilfe und ergänzen Sie, dass Sie selbst in solchen Situationen immer recht unsicher sind. "Was können wir denn nun am besten tun?" - diese Frage ist eine freundliche Aufforderung an die Mutter des jungen Übeltäters, sich nun zu engagieren und einzugreifen.

Muss ich helfen, wenn mein Kind sich im Sandkasten Spielsachen wegnehmen lässt?

Schau in diesem Video, was der bekannte Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge dazu sagt:

Im Sandkasten gilt das Gesetz des Dschungels

Wenn man aber merkt, dass das Gegenüber ein militanter Gegner jeglicher Einmischung in Kinderstreitigkeiten ist, wird es Zeit, energischer zu werden. Denn Kleinkinder können ihre Auseinandersetzungen noch nicht selbst regeln. Im Sandkasten gilt das Gesetz des Dschungels, der Stärkere gewinnt. Und da diese Erfahrung weder für den Stärkeren, noch für den Unterlegenen pädagogisch besonders wertvoll ist, müssen die Erwachsenen Unterstützung leisten. Man kann also dem aggressiveren Kind durchaus den Arm festhalten, wenn es auf den eigenen Nachwuchs losgeht, oder ihm freundlich, aber bestimmt das Spielzeug abnehmen, das ihm nicht gehört. Dabei sollte man erklären, dass es sicher mal damit spielen darf, wenn es vorher den rechtmäßigen kleinen Besitzer fragt. Dem eigenen Kind kann man sagen, dass es am schönsten ist, die Dinge abwechselnd zu benutzen und gemeinsam zu spielen.

Kleine Rabauken auf dem Kindergeburtstag

Eine andere Situation, in der Eltern sich im Umgang mit anderen Kindern leicht überfordert fühlen, ist der klassische Kindergeburtstag. Dass getobt wird und es lautstark zugeht, ist klar. Nicht selten aber ist ein kleiner Rabauke dabei, der im Mittelpunkt stehen möchte, der nicht verlieren kann und schrill kreischend alles kaputt machen möchte, was die anderen gerade bauen und basteln. Und da gibt es auch noch den Party-Clown, der vor lauter Aufregung anfängt, den Verrückten und Durchgedrehten zu spielen, um die anderen zu beeindrucken, was jedes Spiel unmöglich macht. In beiden Fällen erreicht man mit höflichen Hinweisen und Ermahnungen nichts. Hier hilft nur eins: Eine Auszeit. Schnappen Sie sich den Wildfang, gehen Sie mit ihm in ein anderes Zimmer und verbringen Sie dort einige Minuten mit ihm. Erklären Sie ihm, dass dies keine Strafe ist. Sondern dass er einfach ein bisschen Zeit braucht, um sich wieder zu beruhigen und dass er anschließend wieder mitspielen kann.

Nicht überall ist alles erlaubt

Wichtig ist, dass Eltern auch im Umgang mit fremden Kindern ihrem Gefühl vertrauen. Man ist nicht zu pingelig oder zu streng, nur weil man nicht möchte, dass Gastkinder mit schmutzigen Schuhen auf dem Teppich herumlaufen oder gar auf den Polstermöbeln herumturnen. Und wenn das betreffende Kind behauptet, das zu Hause aber zu dürfen, erklären Sie ihm ruhig, dass dies bei Ihnen zu Hause eben nicht gemacht wird. Kinder begreifen schon ab vier Jahren und früher, dass in verschiedenen Familien unterschiedliche Regeln herrschen, und sie können damit ausgezeichnet umgehen.

Elterliche Zivilcourage ist gefragt, wenn man Zeuge wird, wie andere Kinder oder Jugendliche sich prügeln oder ein schwächeres Kind drangsalieren oder bedrohen - auch wenn das eigene Kind nicht betroffen ist. Kinder und Jugendliche müssen die Erfahrung machen, dass wir Erwachsenen nicht über solche Dinge hinweg sehen und unbeteiligt vorüber gehen. Wenn man einmal umsonst eingreift, weil man die Situation falsch eingeschätzt hat, macht dies überhaupt nichts.


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