Warnzeichen für Eltern

Ist mein Kind zu verwöhnt?

Fast alle Eltern verwöhnen ihr Kind gelegentlich. Doch woran erkennen wir, wann wir zu viel des Guten tun und unserem Kind die Chance nehmen, auch mit Enttäuschungen umzugehen? Bei diesen Warnzeichen droht „Verwöhn-Alarm"!

Autor: Gabriele Möller
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Dein Kind will immer im Mittelpunkt stehen

verwöhnt
Foto: © Fotolia

Die Situation: Wenn dein Sohn zu einem Kindergeburtstag eingeladen ist, dreht er total auf und drängt sich selbst in den Mittelpunkt. Er stört hartnäckig jedes Gespräch, das du mit einem anderen Erwachsenen führst. Er schneidet dir häufig das Wort ab. Im Familienalltag boykottiert er häufig eure Pläne („Nein, ich mach' keine Radtour!").

Achtung, Verwöhn-Alarm: Es ist gut, wenn dein Kind ein gesundes Selbstbewusstsein hat. Wenn es sich aber nie zurücknehmen muss, ist auch dies eine Form von Verwöhnung, die dem Kind schadet. Denn es eckt dann oft an, ohne genau zu wissen, warum. Eine Freundschaft, eine Familie, eine Kiga-Gruppe oder Klasse funktionieren eben nur, wenn jeder auch mal Rücksicht nimmt auf die Bedürfnisse der Anderen.

So beugst du vor:  Ermögliche deinem Kind einen Mannschafts-Sport. Hier lernt es fast von selbst, sich zurückzunehmen und ins Team einzufügen. Redet es dir bei Gesprächen hinein, darfst du sagen: „Ich rede erst zu Ende, und dann höre ich dir zu!" (Je jünger dein Kind ist, desto kürzer sollte diese Wartezeit sein). Biete ihm bei Familienaktivitäten ab und zu Alternativen an (Burg besichtigen oder Bötchen fahren?). Setze aber auch eigene Wünsche durch: Wanderung oder Museumsbesuch dürfen auch ohne Begeisterungsstürme des Kindes stattfinden.

Du übernimmst einfachste Aufgaben für dein Kind

Die Situation: Dein vierjähriger Sohn versucht, sich selbst Saft in sein Glas zu gießen. Das Glas kippt um, alles läuft über den Tisch und tropft auf den Boden. Du schimpfst: „Musste das jetzt sein?", schnappst dir einen Lappen und wischst das Malheur seufzend auf.

Achtung, Verwöhn-Alarm: Klar wird das Ergebnis perfekter, wenn du den klebrigen Saft allein beseitigst. Aber so erlebt dein Kind nicht, dass es die unvermeidlichen Pannen des Alltags auch selbst in Ordnung bringen kann.

So beugst du vor: Kippt etwas um, fordere den Nachwuchs auf, sich einen Lappen zu nehmen und das Unglück selbst zu beseitigen. So erlebt er die wertvolle „Selbstwirksamkeit", wie Fachleute es nennen. Und die stärkt seine Zuversicht, Selbständigkeit und auch das Selbstbewusstsein.

Dein Kind kann nicht warten

Die Situation: Ihr sitzt im Restaurant, und das Essen lässt noch auf sich warten. Dein Kind hat sich in den letzten zehn Minuten gefühlte 20 Mal lautstark darüber beklagt, dass es aber jetzt Hunger hat. Es ist inzwischen kaum noch zu bändigen und rennt aufgedreht im Lokal herum.

Achtung, Verwöhn-Alarm: Du vertröstest dein Kind wortreich, obwohl es dich kaum zu hören scheint. Danach siehst du resigniert zu, wie es lärmend um die Tische rennt und ignorierst die vorwurfsvollen Blicke der übrigen Gäste. Es ist aber kein Zeichen von Kinderfeindlichkeit, wenn diese sich gestört fühlen – sie würden ebenso reagieren, wenn ein Erwachsener singend im Lokal herumlaufen würde, denn so kann man Gespräch und Essen nur schwer genießen.

So beugst du vor: Nimm Mal-Utensilien, kleine Geschicklichkeitsspiele oder Bilderbücher mit – am besten solche, die dein Kind noch nicht kennt, so sind sie länger spannend. Ist der Hunger sehr groß, kannst du schonmal etwas Brot im Körbchen bestellen, damit dein Kind etwas zum Knabbern hat.


Dein Kind wirkt oft unzufrieden

Die Situation: Du kannst meistens schwer Nein sagen, wenn deine Tochter im Laden etwas Schönes sieht und mit leuchtenden Augen darum bittet. Ihr Zimmer ist ein Spielzeug-Paradies, in dem fast nichts fehlt. Aber obwohl sie doch alles hat, was das Kinderherz begehrt, wirkt sie manchmal nicht besonders glücklich, sondern ist oft unzufrieden und gereizt.

Achtung, Verwöhn-Alarm: Manchmal geben wir den Wünschen unserer Kinder deshalb nach, weil das weniger Kraft kostet, als hartnäckiges Quengeln auszuhalten – der Alltag ist schließlich auch so schon stressig genug. Außerdem freut sich das Kind immer so, wenn ein Wunsch erfüllt wird. Doch oft hält diese Begeisterung beim Kind nur kurz an, denn es fühlt: Irgendetwas fehlt!

So beugst du vor: Was Kinder sich am allermeisten wünschen, ist nicht noch mehr Spielzeug –sondern Zeit mit Mama und Papa. Gemeinsame Aktivitäten machen zufrieden, geben Selbstvertrauen und lindern die Gier nach neuen Gegenständen. Schon eine Spiel- oder Toberunde macht ein Kind rundum froh! Hast du wenig Zeit, beziehe es einfach in deine Verpflichtungen mit ein: Lass es beim Hausputz, beim Renovieren, beim Einkauf, beim Autowaschen, bei der Gartenarbeit mithelfen. Auch so entsteht gemeinsame „Quality time"!

Du ersetzt kaputtes Spielzeug sofort

Die Situation: Der CD-Player deiner Tochter ist kaputt. Nächsten Monat ist Weihnachten. Du kaufst ihr trotzdem schon jetzt ein neues Gerät, damit sie sofort wieder ihren geliebten Hörbüchern lauschen kann. Auch wenn andere Dinge den Geist aufgeben und sie traurig ist, sagst du schnell: Das ist nicht so schlimm, wir kaufen ein neues!

Achtung, Verwöhn-Alarm:  Kaum etwas halten wir Eltern so schwer aus, wie Traurigkeit bei unserem Kind. Schnell möchten wir es wieder froh sehen. Wird ein teurer Gegenstand aber sofort ersetzt, bekommt ein Kind kein Gefühl dafür, dass er Geld gekostet hat, welches zuerst verdient werden musste. Es wird sich vielleicht auch als Erwachsener schwer tun, einen größeren Kaufwunsch aufzuschieben - ein Grund für die verbreitete Überschuldung bei jungen Menschen.

So beugst vor: Erkläre deinem Kind, dass ihr nicht außer der Reihe so viel Geld ausgeben könnt, und dass es sich den CD-Player zum nächsten Anlass wünschen kann. Bekommt es schon Taschengeld, kann es auch einen Teil selbst ansparen, und ihr gebt den Rest dazu.

Du gibt kein Taschengeld, weil dein Kind schon alles hat

Die Situation: Dein Sohn erzählt dir, dass sein bester Freund regelmäßig Taschengeld bekommt. Du sagst: „Ach, du brauchst kein Taschengeld, wir kaufen dir doch alles." Tatsächlich versorgst du dein Kind bereitwillig mit Eis, Sammel-Figuren, Comic-Heften oder Kinokarten.

Achtung, Verwöhn-Alarm: Kinder, die kein eigenes Geld haben, verpassen wichtige Erfahrungen: dass man sich seine Finanzen einteilen muss, weil man sich den Rest der Woche keine Kaugummis mehr kaufen kann, wenn man schon am Montag alles ausgibt. Oder dass man das Taschengeld auch mal ansparen muss, um sich etwas Größeres leisten zu können.

So beugst du vor: Gib deinem Kind jede Woche ein altersgemäßes Taschengeld. Vereinbart zugleich, was es von diesem Geld selbst bezahlen muss (Comics, Süßes, Sticker-Alben), und was nicht. Bleibe standhaft, wenn das Taschengeld aufgebraucht ist und springe nicht reflexhaft ein.

Dein Kind ist so undankbar

Die Situation: Oma und Opa kommen zu Besuch. Deine Tochter fragt die Großeltern schon an der Tür, ob sie ihr etwas mitgebracht haben. Sie haben aber nur eine Packung Plätzchen für sie dabei. Deine Tochter zieht ein enttäuschtes Gesicht und will sich auch nicht bedanken.

Achtung, Verwöhn-Alarm: Wenn ein Kind sich nicht mehr über kleine Dinge freuen kann, ist dies ein deutliches Zeichen für Verwöhnung: Es braucht starke Reize, um überhaupt noch Freude empfinden zu können. Außerdem treten Dinge, die nichts mit Konsum zu tun haben, in den Hintergrund: Dass die Großeltern kommen, ist allein kein Grund zur Freude mehr – wenn sie nicht auch etwas mitbringen.

So beugst du vor: Zieh die Notbremse und kaufe nichts mehr außer der Reihe. Überschütte dein Kind an Geburtstagen und Weihnachten nicht mit Spielzeugbergen, und besorge nur kleine Geschenke, wenn auch der Anlass klein ist (Oster, Nikolaus). Ermögliche deinem Kind stattdessen viele nicht-materielle Erlebnisse: abendliches Sternschnuppen gucken, Fossilien suchen im Steinbruch, Pfeil und Bogen herstellen, ein Kartoffelfeuer am Flussufer machen.

Du möchtest keine Grenzen setzen

Die Situation: Dein Sohn darf mit Schuhen auf der Couch hüpfen, auf die Möbel klettern oder sein Schwammtier gegen die Tapete werfen. Er braucht nicht zu grüßen und auch nicht Danke zu sagen, wenn er nicht will. Du wirst öfters von anderen Eltern angesprochen, weil er etwas kaputt gemacht hat, was ihm nicht gehört. Trotz aller Freiheiten wirkt er oft mürrisch oder aggressiv.

Achtung, Verwöhn-Alarm: Dein Kind soll frei von Zwängen aufwachsen. Doch Kinderpsychologen beobachten: Die alles erlaubende (permissive) Erziehung macht Kinder nicht wirklich glücklich. Sie haben das Gefühl, ihren Eltern nicht besonders wichtig zu sein, weil diese ihnen wenig Halt geben; sie sind oft aggressiv, können ihr Verhalten schlecht steuern, passen weniger gut auf sich auf. Später haben sie oft Probleme im Job und damit, stabile Bindungen einzugehen.

So beugst du vor: In Studien zeigten sich diejenigen Kinder am zufriedensten, deren Eltern ihnen zwar Freiräume und Mitentscheidung ermöglichen, ihnen aber auch Fähigkeiten vermitteln wie Höflichkeit, Respekt vor dem Eigentum Anderer, Teamgeist, Hilfsbereitschaft oder den adäquaten Umgang mit Dingen, welche die Eltern Geld gekostet haben, wie Möbel, Spielzeug oder Kleidung.

Dein Kind darf sich nicht langweilen

Die Situation: Deine Tochter geht zum Judo, lernt Blockflöte und spielt Fußball. Wenn sie nachmittags mal zu Hause ist, klagt sie: „Mama, mir ist langweilig!" Du machst ihr sofort Vorschläge, was sie Schönes machen könnte, doch die kommen oft nicht gut an. Offenbar scheint sie einfach mehr Input zu brauchen – vielleicht solltest du sie doch noch im Malkurs anmelden?

Achtung, Verwöhn-Alarm: Viele Kinder gehen fast jeden Nachmittag zu einem anderen Hobby. Dadurch sind sie es gewöhnt, dass nicht sie selbst, sondern Erwachsene zuständig für ihre Beschäftigung sind. Langeweile aber ist kostbar! Sie fühlt sich zwar nicht gut an – erzeugt aber genau dadurch eine hohe Motivation, kreativ zu werden und sich etwas einfallen zu lassen.

So beugst du vor: Halte es aus, wenn dein Kind sich langweilt und mache ihm maximal einen Vorschlag – es wird meist innerhalb der nächsten halben Stunde eine eigene Idee haben. Ermögliche ihm außerdem viele Verabredungen mit anderen Kindern, denn Experten betonen: Freies Spielen ist für seine Entwicklung noch wertvoller als jedes angeleitete Hobby!

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