Vom Umgang mit unangenehmen Gefühlen

Kind, sei doch nicht traurig!

"Da brauchst Du nicht zu weinen" oder "sei doch nicht traurig" sind Botschaften, mit denen wir manchmal versuchen, Kindern unangenehme Gefühle auszureden. Um den angemessenen Umgang mit Wut und Traurigkeit unserer Kinder geht es in diesem Artikel.

von Gabriele Möller
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Maedchen traurig weint

Wut, Eifersucht, Ängstlichkeit – bitte nicht bei unserem Kind!

"Sei doch nicht so schüchtern, sag’ guten Tag zu unserem Besuch!", fordert die Mutter ihren Dreijährigen auf. Der dreht das Gesicht weg, klammert sich ans Bein seiner Mama und sagt keinen Ton. "Nun setz’ dich doch mal durch, DU bist doch jetzt dran", ruft ein Vater seiner vierjährigen Tochter auf dem Spielplatz zu, als diese nun schon das zweite drängelnde Kind an der Rutsche vorlässt. "Du brauchst doch nicht traurig zu sein, morgen spielt Lea sicher wieder mit dir", tröstet die Erzieherin wohlmeinend ihren enttäuschten Schützling. "Na? Da freust du dich aber, dass du jetzt eine kleine Schwester hast, nicht wahr?", insistiert die Oma erwartungsfroh bei der vierjährigen Enkelin. Die guckt mürrisch und kneift wenig später ihre schlafende Baby-Schwester so fest, dass diese losbrüllt.

Sie haben es manchmal ganz schön schwer, unsere Kinder. Denn wir haben hohe Erwartungen an sie. Fröhlich und unbeschwert soll unser Kind sein, das wünschen wir uns zu allererst. Dann natürlich noch kontaktfreudig und aufgeschlossen. Es darf gern auch Ellbogen beweisen (auch wenn wir das nicht laut sagen), denn schließlich soll es sich ja im Sandkasten nicht unterbuttern lassen. Wenn sich ein kleines Geschwisterchen ankündigt, soll sich das ältere Kind herzlich freuen. Eifersucht ist da ganz unnötig. Unser Kind sollte zu seiner eigenen Sicherheit außerdem energisch "Nein" sagen können, das schon. Aber bitte nicht zu uns. Wut, Trauer, Neid – all das lieber nicht, denn das passt nicht in unser Bild davon, wie sich ein glückliches Kind verhalten sollte. Warum aber fällt es uns manchmal so schwer, Aggressionen, Schmerz, Traurigkeit oder Eifersucht bei unserem Nachwuchs zuzulassen?

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